Logo

Kaspar - kopfüber im Damenstiefel


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Kurze Zeit nach Abschluss seines Studiums an der HGB Leipzig beteiligte sich Ebersbach 1965 an der kontrovers diskutierten „7. Kunstausstellung“ des Bezirks Leipzig. Hart traf ihn die vernichtende Kritik von offizieller Seite, sein Werk zeuge von einem „extremen Individualismus“ und dem „reinen Selbstausdruck der isolierten Persönlichkeit“. Somit im Rahmen des kollektivistisch ausgerichteten sozialistischen Kunstbetriebes abqualifiziert, kultivierte Ebersbach dennoch eine psychologisch determinierte und farbkräftige gestische Malerei, der sich die Hand des Künstlers impulsiv einschrieb. Erfolge im Ausland halfen ihm dabei, seine Position im Inneren zu festigen. In den 1970er-Jahren hielt sein Alter Ego „Kaspar“, Identifikations- und Projektionsfigur zugleich, Einzug in sein Schaffen. In unzähligen Einzelwerken, Werkfolgen und teils raumgreifenden Ensembles verlieh er der Figur immer wieder neue Erscheinungsformen. Kaspars Antlitz zeigt sich mitunter nur schemenhaft oder ist im Bild kaum greifbar. In diesen Fällen gibt allein der Titel Anlass, nach ihm zu suchen. Ebersbach beschrieb sein Verhältnis zu Kaspar mehrfach, auch in Versform: „er, mein Protagonist / ich sein Animator / alles, was ich nicht will, nicht brauch / nicht soll, nicht darf, nicht kann / hat er mir abzunehmen / zu spielen / auch gegen mich / er hat ja ein Eigenleben“ (zit. n. Zeitvergleich ’88. 13 Maler aus der DDR, Berlin [West] 1988, S. 215). | Sophie Thorak