Logo

Bildnis Frau Isabel Styler-Tas (Melancolía)


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Als sich Maler und Modell trafen, waren beide Emigranten. Der Katalane Dalí, der ab 1929 zu den Pariser Surrealisten gehört hatte, war 1940 in die USA geflohen. Dort inszenierte er sich als genialischer Künstlerfürst und nahm lukrative Aufträge für repräsentative Bildnisse an. Die zum Zeitpunkt des Porträts 58-jährige Isabella Tas(1887-1971), Tochter des jüdischen Amsterdamer Juweliers Louis Tas, war nach Beverly Hills emigriert. Dalí konfrontierte die Dargestellte mit einem bizarren Felsmassiv, dessen Kontur ihrem eigenen Brustporträt entspricht. Mit dieser verstörenden Gegenüberstellung demonstrierte er, was er als seine „paranoid-kritische Methode“ bezeichnet hatte: die unwillkürliche, geradezu zwanghafte Wahrnehmung des Ineinanderübergehens von Gegenständen bei gleichzeitiger intellektueller Reflexion und virtuoser künstlerischer Ausarbeitung. Eine goldene Brosche zeigt das Haupt der Medusa, deren böser Blick laut Ovid ihr Gegenüber zu Stein erstarren lässt. Daneben griff Dalí weitere Bildtraditionen der Kunstgeschichte auf. Die strenge Gegenüberstellung erinnert an Piero della Francescas Bildnisse des Herzogs von Urbino und seiner Frau (um 1465; Uffizien, Florenz), der bewaldete Fels an die Kompositporträts von Giuseppe Arcimboldo und der Untertitel an Albrecht Dürers Kupferstich „Melencolia I“ (1514). Das gelehrte Bildprogramm sollte der Dargestellten schmeicheln; zugleich ist zu erkennen, dass sie als harte Persönlichkeit wahrgenommen wurde, die ihre Melancholie durch pompöses Auftreten überdeckte. 1957 heiratete Isabella Tas in München den Textilhändler Herbert Georg Stiehler, der seinen Namen zu Styler abgeändert hatte. | Dieter Scholz