6 Ergebnisse
Objekttyp: Aquamanile
Großer Gießlöwe aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Körper aus zweiteiliger Form, Vordertatzen und Hinterbeine mit Schenkeln gesondert gegossen. Sorgfältig ziseliert und, so das Fell, punziert. Wohl ehemals ganz vergoldet, am Hinterteil abgegriffen. Racheninneres rot und die Augen (in Resten) schwarz kalt bemalt. Marken auf der Innenseite des Eingußdeckels und auf der Rückseite des Wappens. Den Rachen drohend geöffnet, die muskulösen Hinterbeine rückwärts in den Boden gestemmt und den Schwanz s-förmig nach oben geschlagen, erscheint das mächtige Tier in Angriffspose. Es faßt mit der rechten Pranke den Wappenschild des Stifters, hält im Maul ein sich gabelndes, in zwei Drachenköpfen endigendes Rohr und trägt auf dem Rücken einen zweibeinigen Drachen. Ein weiterer Drache ringelt sich an der linken Vorderpranke des Löwen. Über dem emaillierten Allianzwappen der Familien Stöterogge und Stoketo die Widmungsinschrift: D HARVIC(VS) STOTEROGGE P(RO)TH(O)CO(N)SVL INCLITO DEDIT SENATVI 1540 (Herr Bürgermeister Hartwig Stöterogge schenkte ihn dem berühmten Senat 1540). Hartwig I Stöterogge war 1499 zum Bürgermeister von Lüneburg gewählt worden und starb 1539. Er war seit 1486 mit Margareta Stoketo verheiratet und Vater von Nikolaus I Stöterogge, der dem Rat den Jesse-Pokal (s. Inv. Nr.1874,381) schenkte. Der Gießlöwe wird bereits im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grott sulueren Louw thom dele vorguldet, so her Hartich Stoterogge ethwan Burgermester dem Rade gegeuen."
Kleiner Gießlöwe aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Körper aus zweiteiliger Form. Beine, Schwanz und Ohren gesondert gefertigt. Fell des Hinterteils graviert und gepunzt. Racheninneres rot bemalt. – Ausbruch am Kopf. Stark stilisiert, entspricht der Löwe in der Grundform Inv. Nr. 1874,390. Als Vorbild gibt sich der große Gießlöwe auch in Einzelheiten wie der Mähne mit den in Rauten angeordneten Korkenzieherlöckchen, dem gegabelten, aus einem Drachenkopf hervorkommenden Ausguß und den breit aufgesetzten, vierzehigen Füßen mit Fersensporn zu erkennen. Haarkleid auf Rücken und Oberschenkeln als Schuppenmuster stilisiert und wie eine übergelegte Decke erscheinend. Hinterbeine mit ausgeprägter Haarbildung. Geschlechtsteile in Relief. Auf dem Bauch verschlungenes, vergoldetes Band mit Inschrift: HER DIRICK VND JOHANN DARRINCK AN(N)O 1541. Nähere Auskunft gibt das Inventar von 1555/56): "Ein sulueren Louwe thom dele vorguldet, so Johan Doring vor 4 matlige suluern schalen, so syne grote vader dem Rade gegeuen maken lathen." Das Gefäß wurde danach aus vier kleinen Schalen hergestellt, die schon der Großvater von Johann III Döring, der Ratsherr Ditericus I Döring (gest. 1498), dem Rat geschenkt hatte. Bei der Entscheidung, einen zweiten Gießlöwen herstellen zu lassen, mag von Bedeutung gewesen sein, daß der Löwe im Wappen dieser Familie geführt wurde – er erscheint im rot emaillierten Schild auf der Brust und nochmals im runden, von einem Flechtband umgebenen Eingußdeckel (spätere Ergänzung?) auf dem Kopf des Tieres –, doch wird der Anlaß eher darin zu suchen sein, daß man das große, in gefülltem Zustand kaum zu behebende Gießgefäß durch ein handlicheres Gerät ergänzen wollte.
Leopard (Aquamanile)
Ethnologisches Museum
Bei dem Leoparden handelt es sich um ein Aquamanile, ein Gießgefäß für die rituelle Waschung des Königs vor Zeremonien an den Ahnenaltären. [Benin_Königreich]
Kopfaquamanile aus Riethnordhausen
Kunstgewerbemuseum
Das Kopfaquamanile zählt zu der seit dem 12. Jahrhundert in Westeuropa weit verbreiteten Gattung figürlicher Gießgefäße aus Bronze. Neben den profanen Gebrauch solcher Aquamanilien (lat. aqua – Wasser, manus – Hand) trat im christlichen Bereich bereits früh die Verwendung als liturgisches Gerät bei den Handwaschungen des Priesters während der Messfeier. Zum Beispiel stiftete Bischof Werner von Steußlingen seinem Münsteraner Dom zu diesem Zweck 1137 ein „Krüglein, geformt in der Art eines menschlichen Kopfes“ (urceolum in modum capitis humani formatum). Für das 1914 in das Berliner Kunstgewerbemuseum gelangte Kopfaquamanile bezeugt seine Herkunft aus der Dorfkirche zu Riethnordhausen am Kyffhäuser ebenfalls einen wohl schon ursprünglich intendierten sakralen Gebrauch. Das Berliner Gießgefäß ist von eher bescheidener künstlerischer Qualität. Ein runder, sockelartiger Unterbau auf drei schlichten Füßen trägt einen männlichen Kopf mit gedrungenem Hals, an dessen Stirn das vorn abgeschrägte Ausgussrohr sitzt. Im Scheitel befindet sich die rechteckige Eingussöffnung, die ursprünglich einen Klappverschluss besaß. Zwischen dem seitlichen Rand des Unterbaus und dem Hinterkopf spannt sich der Griff in Gestalt eines schlanken Drachen, dessen Schwanz in einem Blattornament endet. Das schmale, am Kinn spitz zulaufende Gesicht ist wenig organisch gebildet: Eine gerade, seitlich indifferent in die markante Wangenpartie übergehende Nase und übergroße, stark hervortretende mandelförmige Augen unter weit geschwungenen Orbitalen prägen das Antlitz, während der Mund und die Ohren plastisch nur schwach ausgebildet erscheinen. Knopfartige Buckel, bei denen es sich um äußerst reduzierte Darstellungen von Locken handelt, umkränzen den Kopf. Das übrige Haupthaar erscheint kappenartig flach aufgelegt und ist ebenso wie Bart und Wimpern nur durch flüchtige Ritzungen strukturiert. Über der Stirn verläuft eine Binde, die vor den Ohren unmotiviert endet. Sie zeigt das gleiche unregelmäßige Zickzackmuster wie der schmale Kragen mit V-förmigem Ausschnitt am Halsansatz. Auch den Unterbau des Gefäßes ziert dieses charakteristische Ornament, hier ist es jedoch mit parallelen Doppelstrichen ausgeführt. Mit Sicherheit in der gleichen Werkstatt wie das Gießgefäß aus Riethnordhausen wurde ein ganz ähnlich gebildetes, aber in manchen Details feiner ausgearbeitetes und etwas größeres Kopfaquamanile im Brukenthal-Museum zu Hermannstadt (Sibiu) gefertigt, das 1879 in der Nähe des Dorfes Schellenberg als Bodenfund zutage kam. Es wird vermutet, dass dieses Werk zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch sächsische Siedler nach Siebenbürgen gelangt ist, doch kann man auch einen Handelsversand dorthin nicht ausschließen. Das Kopfaquamanile aus Riethnordhausen wurde mit der Magdeburger Gusswerkstatt aus der die Bronzegrabplatte des Erzbischofs Friedrich von Wettin († 1152) im Magdeburger Dom und die um 1152/56 entstandene, ursprünglich für den Dom zu Płock an der Weichsel bestimmte, Bronzetür des Gießers Riquin am Westportal der Sophien-Kathedrale zu Nowgorod stammen, in Verbindung gebracht. Diese Zuschreibung ist auch von der jüngeren kunsthistorischen Forschung allgemein als wohlbegründet akzeptiert worden. Sie beruht vor allem auf der offenkundigen Ähnlichkeit mit dem Kopftypus der Figuren der Nowgoroder Tür, welcher am Berliner Gießgefäß zwar in starker formaler Reduktion, aber doch mit allen signifikanten Merkmalen auftritt. Auch die markanten geometrischen Ornamente in Rauten- oder Zickzackform verbinden beide Werke. LL
Sirenen-Aquamanile aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Kunstgewerbemuseum
Das Gießgefäß besteht aus einem Vogelkörper mit gekröntem Frauenkopf. Es ruht vorn auf gestreckten Beinen mit mächtigen Klauen und hinten auf dem abwärts gebogenen Flügelpaar. Am Kronreif sitzt das kurze Ausgussrohr, die Eingussöffnung für das Wasser befindet sich im Scheitel des Hauptes. Der zugehörige Klappdeckel ist nicht mehr erhalten. Als Handhabe beim Gießen dient der bis an den Hinterkopf nach vorn gebogene Schwanz. Gefieder, Haare und Kronreif sind durch Gravuren und Punzen gestaltet. Das Gefäß zeichnet sich durch eine straff proportionierte seitliche Ansicht aus, während es frontal weniger ausgewogen erscheint. Es ist daher vermutet worden, dass die Komposition auf einer zeichnerischen Vorlage beruht. Außer diesem Exemplar ist kein weiteres Aquamanile in Gestalt einer Sirene, dem mythologischen Mischwesen aus Frau und Vogel, bekannt. Es wurde vermutet, dass seine Gestalt einen gelehrten Bezug auf die Anfangsverse der Ars poetica des Horaz (65–8 v. Chr.) darstellt, in denen ein ähnliches Mischwesen beschrieben wird. Das Sirenen-Aquamanile ist im engeren Umkreis oder innerhalb der Werkstatt des um 1226 geschaffenen Bronzetaufbeckens des Hildesheimer Domes entstanden. Auch hier erscheint an der Öse am Kesselrand die Figur einer in Gestalt und Ausführung verwandten Sirene mit geflochtenen Zöpfen. Der Kopftypus findet sich außerdem an den Figuren der Kardinaltugenden oberhalb der Trägerfiguren des Hildesheimer Taufbeckens. Dem Berliner Gießgefäß vergleichbar ist auch ein Hildesheimer Kentauren-Aquamanile im Metropolitan Museum of Art in New York, das die gleiche Bildung des Gesichts mit übergroßen Augen und schmalem Mund sowie eine ähnlich gestaltete Krone aufweist. LL
Samson-Aquamanile
Kunstgewerbemuseum
Derartige Gießgefäße dienten als Gerät zur Handwaschung im kirchlichen wie im häuslichen Gebrauch. In figürlicher Form sind sie schon aus antiker Zeit bekannt, in der eines Tieres, vor allem in der eines Löwen, waren sie im ganzen Mittelalter verbreitet. Hier wurde der Löwe mit einer biblischen Gestalt, mit Samson als Löwenbezwinger verbunden. Samson kniet auf dem Rücken des Löwen und packt ihn bei den Ohren, so als wolle er den Kopf des Raubtieres zurückbiegen, wobei er den linken Fuß in das Genick des Löwen stemmt. In der hochgestreckten, majestätischen Haltung des ruhig stehenden Löwen spiegelt sich jedoch nichts von einem Kampf wider, ebensowenig in der schlanken, fast zierlichen Gestalt des Samson. Vor allem die frühen Zeugnisse solcher Geießgefäße, wie dieses, lassen islamische bronzene Tiergefäße als Vorbild vermuten. DK