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Objekttyp: Ausstattungstextil
Teil einer großen Decke
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von der einstigen Decke aus einem Schlingengewebe ist ungefähr ein Drittel erhalten. In das Schlingengewebe sind zwei Quadrate und ein Längsstreifen mit filigranen Mustern aus hellem Garn auf purpurfarbenen Grund eingearbeitet. Der Rest eines weiteren eingewirkten Motivs - zwei Vögel, die an einer Traube zwischen ihnen picken - ist rechts neben dem Längsstreifen, ungefähr in der Mitte zu erkennen. Die Quadrate sind jeweils aus vier Winkelclavi gebildet, deren gerundete Enden in schmale Stege auslaufen und auf eine Sternrosette treffen. An allen Ecken sitzen kleine Tiere, Vögel oder Delphine. Die so gebildeten Quadrate umschließen große Kreise mit einem konzentrischen Muster aus verschiedenen Flechtbandmustern und Ranken. Außern verläuft ein Bogenfries mit Weinblättern an den Spitzen. Mit dem gleichen Bogenfries ist auch der Längsstreifen gefasst, dessen mittlere Bahn ein Mäandermuster ziert. Dieses wiederholt sich in den Winkelclavi und ist dort mit weiteren ornamentalen und pflanzlichen Mustern kombiniert. Die feinen Muster entstanden durch den sogenannten "Fliegenden Faden", eine Technik, die bei spätantiken Wirkereien sehr häufig angewandt wurde. Hier sind sie in handwerklich höchster Qualität ausgeführt. Decken oder Tücher haben in der Regel einen symmetrisch angelegten Dekor. Das Muster auf dieser Decke wäre also am fehlenden Ende spiegelbildlich zu ergänzen.
Fragment einer Decke
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment eines ungefärbten Leinengewebes zeigt ein flächendeckendes, mehrfarbig broschiertes Muster. Rechts senkrecht ist eine ursprüngliche Kante erhalten, an den anderen Rändern ist das Fragment abgerissen. Am oberen Rand des Fragmentes ist ein Rautennetz erkennbar, das aus Reihen abwechselnd dunkelblauer und heller Rauten besteht. In jede Raute ist eine Kreuz- oder Rosettenform eingeschrieben. Durch ein zugehöriges Fragment mit einem größeren Abschnitt dieses Musters ist rekonstruierbar, dass das Rautennetz das gesamte Mittelfeld des Gewebes überzieht. Unterhalb des Rautennetzes verläuft ein Streifen mit gereihten, grautürkisen Rauten. Dieser Streifen bricht rechts an der Kante rechtwinklig nach oben um, er rahmt demnach das Rautennetz ein. Unterhalb des Rahmens sind zwei Streifen mit Vierfüßern erhalten. Vermutlich bildeten diese zwei zusätzliche Randstreifen. Beide Streifen zeigen eine Reihe nach rechts gewendeter Tiere, abwechselnd in dunkelblau und hell. Jeder der Vierfüßer hat einen langen Schwanz und trägt auf dem Rücken eine gestielte Dreieckform. In dieser Dreieckform ist wahrscheinlich ein Leitstock zu erkennen, wie er zum Reiten von Kamelen gebraucht wird. Das flächendeckende broschierte Muster und das Dekorationsschema mit umlaufendem Rand sprechen dafür, dass es sich bei dem vorliegenden Fragment um eine Decke handelte. Das Rautennetz, das die Fläche überzieht, wurde wohl im Zentrum durch ein weiteres Motiv ergänzt. Die beiden Streifen mit den Kamelen betonten wahrscheinlich die Schmalseiten der Decke. Eine Beischrift Georg Schweinfurths besagt, dass die Decke als Leichentuch verwendet wurde. Mehrere Stopfstellen belegen eine Nutzung im Alltag, bevor die Decke zur Einwicklung einer Leiche verwendet wurde. Durch Radiocarbon-Analysen ermittelte Datierungen von Decken mit farbig broschiertem Muster legen für dieses Stück eine Datierung in den Zeitraum 570-780 n. Chr. nahe. Petra Linscheid (2018)
Kleine Decke mit salomonischem Knoten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das fast quadratische Gewebe ist vollständig erhalten. Der Grund besteht aus ungefärbter Baumwolle, einem im spätantiken bis frühislamischen Ägypten selten verwendeten Material. Die obere und untere Kante schließen mit Fransen ab. Darunter bzw. darüber verlaufen durchbrochene Streifen über die gesamte Gewebebreite. Noppen bilden ein rechteckiges, erhabenes Bildfeld in der Mitte des Gewebes. Diese Noppen bestehen aus kurzen, schlingenförmig aus dem Gewebe vorstehenden Fäden. Das gesamte rechteckige Feld wird von einem kleinteiligen Rautennetz aus ungefärbten Noppen durchzogen. Den Rahmen bildet ein Band aus abwechselnd dunkelblauen und braunroten Quadraten; zwei diesem gleiche Bänder unterteilen das Rechteck von den Seitenmitten aus. In der Mitte über der Kreuzung der Bänder liegt ein braunrotes Achteck mit zwei sich rechtwinklig durchdringenden Schleifen, dem so genannten "salomischen Knoten", ein aus vielen Kulturkreisen bekanntes Symbol, dem ursprübnglich eine schutzbringende Funktion zugeschrieben wurde. In den Ecken des rechteckigen Noppenfeldes liegen jeweils fünf kreuzförmig angeordnete Punkte, abwechselnd in Dunkelblau und in Braunrot. Bemerkenswert ist, dass nur der mittlere Bereich des Gewebes mit Noppen ausgestattet ist. Diese Besonderheit und eine Größe von etwa 50 x 50 cm kennzeichnen eine beachtliche Anzahl von Tüchern, die einem bestimmten Zweck gedient zu haben scheinen. Aus pharaonischer Zeit sind ähnliche Tücher bekannt (Turin, Museo Egizio, Inv. 19447), die als Stuhlpolster Verwendung fanden. Die Noppen werden nur in der Mitte, zur Bedeckung der Sitzfläche gebraucht. Bei der kleinen Decke könnte es sich ebenfalls um ein Sitzpolster handeln. Eine Radiocarbondatierung zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungszeitraum von 255-420 n. Chr. mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4 %.
Fragment eines Wandbehangs mit Personifikation des "Frühlings"
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der quadratische Bildeinsatz ist in der speziellen Technik der Noppenwirkerei ausgeführt. Mit dieser Technik wurden im spätantiken Ägypten vor allem große Wandbehänge und schwere Decken hergestellt, deren frotteeartige Oberflächenstruktur an die in der Spätantike so beliebten, Teppichen gleichenden Bodenmosaike erinnert. Umgeben von einem gelben Kreis ist im Zentrum des quadratischen Bildfeldes ein (vom Betrachter aus gesehen) leicht nach links geneigter Kopf mit Stirnbinde und Kranz im Haar zu sehen. Die Zwickel zum blau-grünen, quadratischen Rahmen füllen rosafarbene Dreiecke mit einer Blüte an der Spitze auf rotem Grund. Abgebildet ist eine Personifikation der Jahreszeiten, traditionell in weiblicher Gestalt. Die zu Dreiecken arrangierten Kreise und die spitz abstehenden Blätter deuten Trauben und Weinlaub an – typische Attribute des Herbstes. Eine spätantike Stickerei in der Whitworth Art Gallery in Manchester (Inv. T.1968.252) und römische Bodenmosaike zeigen Büsten des Herbstes mit sehr ähnlichem Kopfschmuck, manchmal sogar mit Beischrift, was eine Deutung der Personifikation auf der Berliner Noppenwirkerei als Herbst stützt. Der Einsatz zierte ursprünglich zusammen mit seinen Gegenstücken, den Allegorien des Frühlings, Sommers und Winters, die Ecken eines großen Behanges. Eines der Pendants, die Personifikation des Sommers, wird ebenfalls in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst aufbewahrt (Inv. 9246). Repräsentationen der Jahreszeiten zählen zu den populärsten Motiven in der Spätantike. Als Symbole für den fortwährenden Kreislauf der Natur, dem Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen, finden sie sich vor allem in der Grabkunst. Veröffentlichung: O. WULFF / W. F. VOLBACH, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden in den Staatlichen Museen, Berlin 1926, S. 2, Taf. 42. Cäcilia Fluck (2017)
Fragment eines Behanges mit Girlande und Kreuz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment stammt von einem großformatigen Vorhang oder Behang, dessen originale linke Kante noch bewahrt ist. Wie vollständige Behänge in der Eremitage in St. Petersburg (Inv. 11643) und im Louvre in Paris (Inv. X 4721) nahelegen, war er im oberen Teil mit einer Blattgirlande geschmückt, zwischen deren Bögen einzelne Schmuckelemente an einer Kette herabhingen. Auf diesem Fragment ist lediglich ein Gemmenkreuz erhalten. Über den Girlanden verlief eine Ranke mit Blütenmotiven. Spuren blauer und roter Wolle sind erkennbar, ansonsten ist das Muster nur noch negativ lesbar.
Fragment einer Decke oder eines Vorhangs
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Inmitten von einem Streumuster aus zu einem Bogen angeordneten Rosetten sowie übereinander gereihten Blättern und Knospen ist ein großfiguriger Adler dargestellt. Seine Flügel sind ausgebreitet, seine Schwanzfedern gespreizt. Den Kopf wendet er nach links, wobei er mit dem Schnabel einen mit Blüten besetzten Kranz hält. Um den Hals trägt er eine Perlschnur. Solche Adlerdarstellungen finden sich sehr häufig in Verbindung mit dem spätantiken Totenkult in Ägypten. Er hat dort nach altägyptischer Tradition die Bedeutung eines „Seelenvogels“, der den Leichnam wiederbeleben soll. Einem ähnlichen Zweck dient er im christlichen Kontext, denn er gilt als Symbol für die Himmelfahrt Christi und somit für die Auferstehung und die Errettung der Seelen aller. Als Siegeszeichen der römischen Triumphalkunst entlehnt, versinnbildlicht auch der Kranz die Überwindung des Todes. Cäcilia Fluck (2015)
Vorhang
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Archivaufnahme zeigt den linken Teil eines Vorhangs mit einer Architekturdarstellung, gefasst in einen Rahmen, den zwischen dunklen Bahnen eine Flechtbandranke ziert. Vom ursprünglichen zentralen Bildfeld ist die linke Hälfte einer Nischenarchitektur erhalten: links ist eine Säule mit gestufter Basis, verziertem Schaft und Kämpferkapitell zu sehen, darüber liegt ein Architrav – in rechteckige Abschnitte mit unterschiedlichen Ornamenten (Wellenbänder, Rauten und Schuppenmuster) unterteilt. Der Bogen darüber ist stark beschädigt. Im Zwickel oben links ist ein Pfau wiedergegeben. Im Bogenfeld sind noch Reste einer kleinen Säule zu erkennen, links davon ein kleines gleicharmiges Kreuz, rechts die Umrisse eines größeren und eines kleineren Tieres (Löwe und Gazelle ?). Die Fläche unter dem Architrav füllen abwechselnd Reihen von Kreuzrosetten und Henkelkreuzen. Vier übereinandergestellte Henkelkreuze sind auch in das Grundgewebe links neben der Säule gewirkt. Am oberen Rand des Behangs sind drei Schlaufen zum Aufhängen bewahrt. Nach einer überlieferten Beschreibung von H. Swoboda sollen sich im unteren Teil des linken Randes drei Ansatzstellen für Schnüre befunden haben, wodurch der Vorhang auch seitlich befestigt werden konnte. An der unteren Kante erwähnt er Reste von Fransen. Die Ornamente und Motive seien überwiegend in den Farben Rot, Rosa, vier verschiedenen Nuancen von Blau, sowie Grün, Gelb, Orange und Violett ausgeführt. Überzeugend rekonstruiert Swoboda aufgrund zahlreicher Parallelen unter den spätantik-frühchristlichen Sarkophagen, Mosaiken und Schrankenplatten mit einer vergleichbaren Motivkombination im Zentrum des Bogenfeldes ein schwebendes Mittelkreuz, hier in der Sonderform des Henkelkreuzes, der crux ansata. Der Vorhang dürfte zum Verhängen einer Säulenstellung verwendet worden sein. Höchstwahrscheinlich zugehörig sind drei kleinere Fragmente im Musée royaux d’art et d’histoire in Brüssel, im Kunstgewerbemuseum in Prag und im Deutschen Textilmuseum in Krefeld. Das Berliner Fragment wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Fragment einer Decke oder eines Behangs mit Inschrift
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Den oberen Rand des dunkelblauen Gewebes ziert ein roter Streifen. Etwa in der Mitte des Gewebefragments befindet sich eine einzeilige koptische Inschrift aus waagerecht aneinandergereihten Buchstaben, ausgeführt in hellem Garn. Von der Inschrift sind nur einzelne Wörter zu entziffern bzw. zu rekonstruieren. Zu Beginn steht ein Bittgesuch: "Jesus Christus, hilf!" Diesem folgt der Satz: "Er trat ein in das Leben." Unter Vorbehalt lassen sich die anschließenden Wörter folgendermaßen deuten: "Siehe Philotheus (?), sein Brief (?), der Heuchler (?), Freude, Amen (?), es möge geschehen!" Mit einem darunter verlaufenden, stark stilisierten Palmettenfries in heller Ausführung, dessen Gestaltung an kufische Schriftzüge erinnert, erweckt der Dekor den Anschein einer Bilingue. Vermutlich war das Fragment Teil eines Vorhangs. Vergleichsstücke u. a. im Metropolitan Museum in New York sprechen für eine Herkunft aus der Oase Faijum. Cäcilia Fluck (2006)
Fragment eines Tuches oder einer Decke mit Noppenmuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Kennzeichnend für großformatige rechteckige Tücher oder Decken aus der Spätantike, unabhängig von ihrer Funktion, ist die symmetrische Aufteilung des Dekors. Er besteht in der Regel aus Fransen an den Schmalseiten, durchbrochenen und gemusterten Streifen parallel dazu, sowie großen Kreisen, Rosetten, Quadraten oder ähnlichen Motiven in den vier Ecken, manchmal auch in der Mitte des Gewebes. Bei diesem Fragment handelt es sich folglich um den linken oberen oder rechten unteren Teil einer Decke mit einem Grundgewebe aus ungefärbtem Leinen und Verzierungen aus farbiger Wolle in Noppentechnik. Links ist eine Webekante erhalten, oben ein Fransenabschluss. Durch eine schlichte dunkle Linie abgesetzt durchziehen ein durchbrochener Streifen und darunter – um einige Zentimeter abgesetzt – wiederum zwei schmale, eingewebte Streifen aus dunkler Wolle das Gewebe. In gleichmäßigem Abstand folgen dann zwei Streifen in Noppentechnik. Die dunklen Wolleinträge sind größtenteils ausgefallen; aus den wenigen Resten und den Negativformen lässt sich jedoch ein Spiralbandmuster rekonstruieren. Unterhalb der Streifen ist ein großer Kreis eingearbeitet. Er ist von einer braunen Randlinie, die eine gleichfarbige, achtzackige Sternrosette auf hellem Grund im Inneren umschließt. Zwischen den Zacken liegen dunkle Punkte. In der Mitte umgeben drei gelbe und fünf weiße Punkte einen kleinen Kreis in heller Umrandung mit einem gelben Henkelkreuz als zentralem Motiv.
Behangfragment mit Figur
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die beiden Fragmente gehören zu einer großen, in dunkelbraunem Farbton wiedergegebenen Figur, von der Oberkörper sowie Füße mit der unteren Gewandpartie erhalten sind. Mit dem erhobenen rechten Arm schwingt sie ein Paar Krotalen über den geneigten Kopf, den eine gelb-rot gestreifte Kopfbedeckung, vermutlich ein Kranz, über einer schraffierten Wellenfrisur krönt. Von der linken Schulter verläuft ein grünes Gewand schräg über den Oberkörper und lässt dabei die rechte Brust frei. Die Bewegung des Oberkörpers und die Stellung der Füße, die unter dem bis zu den Knöcheln reichenden Gewand hervorlugen, geben die dargestellte Person als Tänzer zu erkennen. Ähnliche Figuren sind in verschiedenen Sammlungen [z. B. in Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. Nr. KTN 531 (DM 51); Recklinghausen, Ikonenmuseum, Inv. Nr. 522; Chemnitz, Kunstsammlungen, Inv. Nr. Ko 200] zu finden. Sie folgen einer gemeinsamen ikonographischen Tradition. Allen gemeinsam sind die rekonstruierte Größe von ca. 110 cm, die dunkle Wiedergabe der Körper, die Löckchen- oder Wellenfrisur, die übergroßen Augen u. a.; einige tragen Girlanden über einer Schulter, andere musizieren. Die dunkle Hautfarbe nimmt nicht, wie mitunter geäußert wurde, Bezug auf den ethnischen Hintergrund der Dargestellten. Sie ist vielmehr ein stilistisches Merkmal der spätantiken Epoche und bei vielen figürlichen Darstellungen auf Textilien belegt. Die Berliner Tänzerfigur wurde erstmals im Katalog von O. Wulff und W. F. Fritz Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden in den Staatlichen Museen, Berlin 1926, publiziert (S. 9, Taf. 44). Volbach deutete sie als Mänade, eine weibliche Gestalt aus dem Gefolge des Gottes Dionysos. In der Tat ist es schwierig, das Geschlecht der androgyn wirkenden Person zu bestimmen. Krotalen sind typische Attribute weiblicher Tänzer. Allerdings tragen diese in der Regel Ohrgehänge, welche hier fehlen. Um den Oberkörper gewickelte Kleidungsstücke, die eine Brusthälfte frei lassen, kommen sowohl bei weiblichen als auch männlichen Figuren vor. Solche Gestalten in entsprechender Größe gehörten zum Dekor von Wandbehängen oder Vorhängen. Sie wurden unter Bögen einer Säulenreihe, zwischen Pfeiler oder breite, senkrechte Borten platziert, wie einige größere Fragmente belegen (z. B. Riggisberg, Abegg-Stiftung, Inv. 141; London, British Museum, Inv. EA 43049). Cäcilia Fluck (2017)
Fragment einer Decke mit Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment besteht aus einem ungefärbten leinenen Grundgewebe mit einem größeren Achteck aus zwei über Eck gelegten Quadraten mit vier Vasen in einem Kreisfeld. Das Motiv ist gewirkt; das heißt farbige Schüsse werden nur so weit in die Kette eingetragen wie es die einzelnen Farbpartien erfordern und kehren dann um. Die Kette wird durch die hohe Anzahl der Schüsse vollständig verdeckt. Gewirkte Motive können einzeln gewebt und dann aufgenäht werden, oder aber wie hier direkt in das Grundgewebe eingearbeitet sein. Zur feinen Binnenzeichnung der bunten Wirkerei wurde ein zusätzlicher heller Leinenfaden während des Webens diagonal über mehrere Fäden geführt, der sogenannte "fliegende Faden", der hier ein Flechtband mit Rosetten und Weinblättern erzeugt. An den zwei gegenüberliegenden Seiten des Motives laufen schmale Linien fort, wobei diese hier nur in winzigen Ansätzen erhalten sind. Größere Motive mit solchen Stegen sind meist Eckverzierungen größerer rechteckiger Tücher, die Stege laufen in ein Blattmotiv aus oder bilden die Verbindung zu einem entsprechenden Motiv in der gegenüberliegenden Ecke des Tuches. Ein vollständiges Tuch mit solchen durch Stegen verbundenen Eckmotiven ist in Genf, Musée d'Art et d'Histoire (Inv.-Nr. 12717) erhalten. Ob dieses Tuch als Decke, Behang oder als Manteltuch verwendet wurde, ist nicht zu bestimmen.
Fragment einer Decke oder eines Behangs mit Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment mit dem sternförmigen Einsatz gehört zur Gruppe der so genannten Purpurwirkereien. Charakteristisch dafür sind überwiegend geometrische und ornamentale Muster, die den purpurfarbenen Bildgrund netzartig überziehen. Dafür wurde eine spezielle Technik, der „fliegende Faden“, verwendet. Dies ist ein zusätzlich zum Schuss- und Kettgarn mitgeführter Faden aus ungefärbtem Leinen, der nicht wie die Schussfäden mit der Kette bindet, sondern auf der Gewebeoberfläche flottiert, wodurch filigrane Muster erzeugt werden können. Der Einsatz besteht aus einem durch zwei übereck gestellte Quadrate gebildeten Stern. Das obere Quadrat zeigt ein schräg gestelltes Mäandergeflecht in einem Rahmen mit Weinranke. Die Spitzen des unteren enthalten ein Weinblatt auf schraffiertem Grund. Cäcilia Fluck (2017)
Fragment eines Tuches mit großem rundem Einsastz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der große runde Einsatz zeigt eine Malvenblüte in der Mitte sowie Kreise mit Tieren und Körben in der umlaufenden Zone mit schraffiertem Grund. Der Einsatz lag ursprünglich in einer der Ecken oder in der Mitte eines großen Tuches. Meist waren solche Tücher, unabhängig von ihrer Verwendung symmetrisch verziert. Ein identisches Exemplar – vermutlich von demselben Gewebe – aus der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst (Inv. 9234b) wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Fragment eines Vorhangs mit Inschrift
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Erhalten ist ein längliches Gewebefragment mit Randabschluss an der oberen Kante und Webekanten links und rechts. Im Grundgewebe ca. 3 cm unterhalb des oberen Randabschlusses verläuft ein zwirnbindiger horizontaler Streifen. In einem Abstand von 17 cm zum oberen Rand befindet sich eine horizontale Inschriftenzeile. Diese ist außen von Kreuzen mit gegabelten Enden eingefasst und etwa in der Mitte durch ein Sternmotiv unterbrochen. Der Text der koptischen Inschrift lautet übersetzt: "Im Namen Gottes zuerst: Ich Georg, Sohn von Georgs Sohn Petrus. Jesus Christus! Hilfe für den Sohn Georg!". Das Fragment gehörte mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Vorhang: Am oberen Rand sowie an den Seiten unten links und rechts sind in relativ regelmäßigen Abständen Verschleißspuren zu erkennen, die von ehemaligen Auf- und Einhängevorrichtungen herrühren. Ein technisch sehr ähnlich ausgeführtes Stück mit Inschriftenzeile und Gebrauchsspuren am oberen Rand befindet sich ebenfalls in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst (Inv.-6829a). Textilien mit koptischen Inschriften scheinen erst nach der arabischen Eroberung aufzukommen. Eingangsformular und Bittformel sind typisch für die koptische Epigargraphik des 7.-10. Jhs.
Fragment eines Behanges mit Henkelkreuzen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Erhalten ist ein Teil eines Vorhangs mit einem in Noppentechnik ausgeführten Muster. Zwischen zwei senkrechten Musterstreifen ist in der oberen Hälfte auf leinenem Grund ein einzelnes blaues Henkelkreuz zu sehen. Im rechten Streifen sind Reste von übereinander gestellten Rauten zu erkennen, die obere ist blau gefasst, die beiden unteren rot. Die Rautenspitzen sind jeweils durch einen apricot-farbenen Punkt betont. Jede Raute enthält ein Henkelkreuz, von oben nach unten in den Farben rot, blau-grün und blau. Das Fragment schließt links mit einem Streifen aus ineinander geschachtelten Zickzackbändern ab, der allerdings nicht die originale Gewebekante bildet. Es ist zu vermuten, dass sich eine weitere Bild- oder Randzone anschloss. Ein weiteres Noppengewebefragment (Inv. 9235) mit Zickzackmuster in den gleichen Farben, jedoch in anderer Abfolge ist höchstwahrscheinlich zugehörig, denn die technischen Eigenschaften stimmen überein. Die Noppentechnik und dadurch bedingt die Schwere des Materials sprechen für eine Nutzung als Wandbehang. Weitere Fragmente eines solchen mit einem identischen flächenüberziehenden Rautennetz mit eingeschriebenen Henkelkreuzen befinden sich heute in der Iklé-Sammlung des Museums für Kulturen Basel, im Field-Museum of Natural History in Chicago und im Musée des beaux art in Genf. Für das Baseler Fragment ist ein Fundort bekannt: Sheikh Shata am See Menzaleh in Unterägypten, wo es einen Friedhof aus frühchristlicher Zeit gab.
Fragment eines Behanges mit dem Apostel Petrus
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment gehört mit einem weiteren Textil aus dem Museum für Byzantinische Kunst (Inv. 9659) zu einer Gruppe von Behängen aus leichten Leinengeweben, deren Muster und Motive durch die sogenannte Reservetechnik entstanden. Dazu wurde das Gewebe zunächst auf einen Rahmen gespannt und dann mit einer Paste aus Harz und Wachs bemalt. Das so präparierte Tuch wurde in ein rotes Färbebad getaucht; die Paste bewirkte, dass die bemalten Partien keine Farbe annahmen, also "reserviert" blieben. Die Darstellungen erscheinen dadurch hell auf rotem Grund. Im rechten Teil des Fragments ist ein bärtiger Mann mit Nimbus (Heiligenschein) zu erkennen. Er ist mit einer Tunika und einem Pallium (Manteltuch) bekleidet und wendet sich nach links. Seine vorgestreckten Arme sind verhüllt. Dies gilt als ein Zeichen der Ehrerbietung gegenüber einer höher gestellten oder göttlichen Person beim Empfang einer Gabe. Links folgte eine sitzende Gestalt, die nur noch in Resten erhalten ist. Auch sie trug einen Nimbus, dem ein Kreuz eingeschrieben war. Dadurch ist sie als Christus zu deuten. Die Person zu seiner Rechten ist durch eine Beischrift als Petrus identifiziert. Außen links sind noch Stirn, Haaransatz und ein Teil vom Nimbus einer dritten Person wahrzunehmen. Hierbei handelt es sich um den Apostel Paulus. Die Szene ist in der frühchristlichen Kunst bekannt: dargestellt ist die "traditio legis", die Übergabe des göttlichen Gesetzes an Petrus, der es weiter verbreiten soll. In der Randzone über dem stark beschädigten Bildfeld sind Amphoren zwischen Bäumen wiedergegeben. Die Beischrift besagt, dass hier auf das Weinwunder Jesu bei der Hochzeit zu Kana angespielt wird, über welches das Johannesevangelium (Joh 2,1-10) berichtet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Behang, zu dem das Fragment einst gehörte, zur Ausstattung eines Kirchenraumes gedacht war. (Cäcilia Fluck, 2016)
Fragment eines Behanges mit Daniel in der Löwengrube
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment gehört mit einem weiteren Textil aus dem Museum für Byzantinische Kunst (Inv. 9658) zu einer Gruppe von Behängen aus leichten Leinengeweben, deren Muster und Motive durch die sogenannte Reservetechnik entstanden. Dazu wurde das Gewebe zunächst auf einen Rahmen gespannt und dann mit einer Paste aus Harz und Wachs bemalt. Das so präparierte Tuch wurde in ein rotes Färbebad getaucht; die Paste bewirkte, dass die bemalten Partien keine Farbe annahmen, also "reserviert" blieben. Die Darstellungen erscheinen dadurch hell auf rotem Grund. Das Fragment ist in drei Zonen unterteilt. Im breiten Bildfeld ist Daniel in der Löwengrube nach dem alttestamentlichen Buch Daniel (Dan 14,31-42) dargestellt. Daniel, gekleidet in persische Tracht mit Hosen und Mütze, steht mit betend erhobenen Armen zwischen zwei Löwen, die zu seinen Füßen kauern. Von links nähert sich der Prophet Habakuk. Er hält ein Tablett vor sich, auf dem ein Kelch und Brote liegen. Die Köpfe beider Personen sind von einem Nimbus (Heiligenschein) umgeben. Außen rechts ist noch eine dritte menschliche Gestalt in einem langärmeligen Gewand mit reicher Verzierung zu erkennen. Sie ist nur in Teilen erhalten. Ein Zusammenhang zur vorausgehenden Darstellung ist nicht ersichtlich; möglicherweise gehörte sie bereits zu einer folgenden Szene. In den Randzonen ober- und unterhalb des zentralen Bildfeldes sind einzelne Gebäude zwischen Bäumen wiedergegeben. Solche rahmenden Friese sind auch von mehreren spätantiken Mosaiken bekannt. In diesem Falle handelt es sich um Kirchen, die durch die Beischriften namentlich benannt sind. (Cäcilia Fluck, 2016)
Fragment einer Decke mit Schlingen und Bildeinsatz mit Löwenkampf und Eroten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Aus spätantiker Zeit ist eine Vielzahl von Fragmenten aus Schlingengeweben mit quadratischen Bildeinsätzen erhalten, die einst zu Decken oder Kissenbezügen mit einem symmetrischen Dekor aus Quadraten und Zierstreifen an den Rändern gehörten. Sie scheinen besonders in Achmīm begehrt und wohl auch produziert worden zu sein. Von solchen stammt das Fragment, das aus dem ursprünglichen Gewebe ausgeschnitten wurde und nun wie ein Bild in einem Fransenrahmen anmutet. Die Quadrate sind alle nach dem gleichen Prinzip verziert: ein zentraler Kreis mit heraldisch wirkenden, meist figürlichen Darstellungen wird gerahmt von einem Kreis- oder Wellenband mit diversen Füllmotiven. Einzelne Motive in den Bildachsen sind oft durch mehrfarbige Elemente betont, die mit den ansonsten monochromen Darstellungen in bräunlich-roter Farbe reizvoll kontrastieren. Im Zentrum dieses quadratischen Einsatzes ist ein Löwenkampf dargestellt. Ein mit kurzer Tunika und Stiefeln bekleideter Mann richtet eine Lanze oder einen Speer gegen den sich zu seiner Linken aufbäumenden Löwen. Das Bandgeschlinge in der umgebenden Zone zeigt in den Ecken aufeinander zu schwebende Eroten mit roten Schalen in der einen und einem Vogel in der anderen Hand. In den dazwischen liegenden, nach außen gerichteten Bögen sind Löwen (oben und unten) bzw. Panther (links und rechts) zu erkennen. Der Tierkampf war während der Spätantike ein beliebtes Bildmotiv sowohl in der monumentalen Kunst als auch auf Gegenständen der Alltagskultur, wovon nicht zuletzt die häufige Wiedergabe auf Textilien zeugt. Cäcilia Fluck
Fragment einer Decke mit Schlingen und Bildeinsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Aus spätantiker Zeit ist eine Vielzahl von Fragmenten aus Schlingengeweben mit quadratischen Bildeinsätzen erhalten, die einst zu Decken oder Kissenbezügen mit einem symmetrischen Dekor aus Quadraten und Zierstreifen an den Rändern gehörten. Sie scheinen besonders in Achmīm begehrt und wohl auch produziert worden zu sein. Von solchen stammt das Fragment, das aus dem ursprünglichen Gewebe ausgeschnitten wurde und nun wie ein Bild in einem Fransenrahmen anmutet. Die Quadrate sind alle nach dem gleichen Prinzip verziert: ein zentraler Kreis mit heraldisch wirkenden, meist figürlichen Darstellungen wird gerahmt von einem Kreis- oder Wellenband mit diversen Füllmotiven. Einzelne Motive in den Bildachsen sind oft durch mehrfarbige Elemente betont, die mit den ansonsten monochromen Darstellungen in bräunlich-roter Farbe reizvoll kontrastieren. Im Mittelkreis dieses Fragments ist ein lediglich mit einem grüngelben Manteltuch bekleideter Reiter auf einem nach links sprengenden, aufgezäumten Pferd zu sehen. Mit seinem linken Arm holt er zum Wurf aus. Die den zentralen Kreis umgebenden Medaillons in den Ecken des Quadrats enthalten einen jeweils der Mitte zugewandten knienden Eros mit einem Wurfgeschoss in der erhobenen Hand und vorgehaltenem Schild. Bunte Fruchtkörbe und Weinranken in den Bildachsen füllen die Zwischenräume. Der jagende Reiter war während der Spätantike ein beliebtes Bildmotiv sowohl in der monumentalen Kunst als auch auf Gegenständen der Alltagskultur, wovon nicht zuletzt die häufige Wiedergabe auf Textilien zeugt. Cäcilia Fluck
Einsatz einer Decke oder eines Behanges
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Textilfragment besteht aus einem ungefärbten leinenen Grundgewebe mit einem größeren farbigen Motiv. Es setzt sich zusammen aus einem Kreisfeld, das eine Vase mit Weinlaub umschließt. Das Motiv ist gewirkt; das heißt farbige Schüsse werden nur so weit in die Kette eingetragen wie es die einzelnen Farbpartien erfordern und kehren dann um. Eine große Anzahl von Schüssen wird dicht angeschlagen, um die andersfarbige Kette zu verdecken. Gewirkte Motive können einzeln gewebt und dann aufgenäht werden oder aber wie bei diesem Fragment auf der Kette des Grundgewebes gearbeitet sein, wobei die Kettfäden des Grundgewebes dann gebündelt werden. Da Wolle Farbe besser aufnimmt als Leinen, sind die violetten Partien mit Wollfäden, die hellen Partien mit Leinen gewirkt. Zur feinen Binnenzeichnung der Wirkerei wurde ein zusätzlicher heller Leinenfaden während des Webens diagonal über mehrere Fäden geführt, der sogenannte "fliegende Faden". In dieser Technik wurde hier ein im Rand umlaufendes Flechtband mit Rosetten gearbeitet. An den zwei gegenüberliegenden Seiten des Motives laufen schmale Linien fort, wobei diese hier nur in winzigen Ansätzen erhalten sind. Größere Motive mit solchen Stegen sind meist Eckverzierungen größerer rechteckiger Tücher, die Stege laufen in ein Blattmotiv aus oder bilden die Verbindung zu einem entsprechenden Motiv in der gegenüberliegenden Ecke des Tuches. Ein vollständiges Tuch mit solchen durch Stegen verbundenen Eckmotiven befindet sich z. B. in Genf, Musée d'Art et d'Histoire (Inv. 12717). Ob dieses Tuch als Decke, Behang, Manteltuch oder zu all diesen Zwecken verwendet wurde, ist bisher ungeklärt. (Petra Linscheid)
Fragment eines Behanges oder einer Decke
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die äußerst sorgfältig ausgeführte, als hängende Rebe wiedergegebene Weinranke diente sehr wahrscheinlich als Strukturierungselement eines größeren Behangs oder einer Decke. Von ihrem gewundenen Hauptast gehen dünne Zweige mit filigranen, detailgetreuen Blättern und Trauben in fein abgestimmten Farbnuancen mit Licht- und Schatteneffekten aus. Als Bildmotiv ist die Weinranke aus der klassischen Antike hervorgegangen. Sie ist ein wesentliches Attribut in Darstellungen aus dem Mysterienkult um den Gott Dionysos. Seither zählt sie zu den beliebtesten Motiven in der Grabkunst. Die paradiesische Symbolik ist jedoch nur eine der vielen Bedeutungsebenen des Rebstocks im Judentum, Christentum und Islam.
Kleine Decke
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei der vollständig erhaltene kleinen Decke handelt es sich um ein einzigartiges Objekt, das bislang ohne Parallele ist: Sie wurde aus Baumwolle gefertigt. Die verwendeten Garne sind in S-Richtung gesponnen. Dies weist auf eine Herkunft aus Nubien, wo im Gegensatz zu Ägypten Baumwolle häufiger für die Herstellung von Textilien verwendet wurde. Auch die Kombination der Ton-in-Ton ausgeführten Bildmotive ist ungewöhnlich. Die Decke ist an den Schmalkanten mit Fransen ausgestattet. Eine rechteckige Bildzone bedeckt bis auf einen schlichten, leinwandbindigen Rand die gesamte Fläche. Die Motive und Konturen sind durch Noppen erzeugt. Die Bildzone ist in verschachtelte Rechtecke gegliedert. Das mittlere Rechteck ist von einer breiten Zone mit Mäanderband gefaßt und in drei übereinanderliegende Quadrate unterteilt. In diesen sind von oben nach unten folgende Motive zu erkennen: ein nach links blickender Adler, vier kleine mit Rosetten und Fruchtkörben gefüllte Quadrate und ein größerer Korb oder Vase. Parallel zur oberen Schmal- und rechten Längskante des rahmenden Mäanders liegen gereihte kleine Quadrate. Das Mäanderband umgibt eine schmale Zone wechseln Rauten und Quadrate mit Punktfüllung einander ab. Die Komposition der Bildfläche erinnert an die Gestaltung einiger Grabstelen aus Oberägypten. Auch das Adlermotiv könnte auf eine Verwendung im Totenkult sprechen. Aufgrund fehlender Parallelen wurde an dieser Decke eine Radiocarbon-Analyse zur Altersbestimmung vorgenommen. Sie erbrachte eine Datierung in den Zeitraum zwischen 137 und 343 n. Chr. Damit handelt es sich abgesehen von den bemalten Mumientüchern um eines der wenigen bebilderten Textilien aus dem römischen Ägypten. Cäcilia Fluck (2018)
Fragment einer Decke oder eines Behangs mit Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Nach dem Erwerbungsbuch des Museums für Byzantinische Kunst soll der ovale Einsastz aus der Ausgrabung von Professor Schweinfurth in Arsinoe stammen. Doch bestehen an dieser Zuweisung Zweifel, denn bis auf eine einzige Ausnahme sind keine vergleichbaren Stücke unter den zahlreichen, von Georg Schweinfurth im Jahr 1886 in Arsinoe – dem heutigen Madinat al-Faijum – ausgegrabenen Textilien vorhanden. Er entspricht vielmehr Wirkereien aus dem römischen, südöstlich von Arsinoe gelegenen Friedhof von Hawara sowie den spätantiken Textilfunden aus der Nekropole von al-Bagawat. Stilistisch gehört das Fragment zur Gruppe der so genannten Purpurwirkereien (siehe auch Inv. 9345). Charakteristisch dafür sind überwiegend geometrische und ornamentale Muster, die den purpurfarbenen Bildgrund netzartig überziehen. Dafür wurde eine spezielle Technik, der „fliegende Faden“, verwendet. Dies ist ein zusätzlich zum Schuss- und Kettgarn mitgeführter Faden aus ungefärbtem Leinen, der nicht wie die Schussfäden mit der Kette bindet, sondern auf der Gewebeoberfläche flottiert, wodurch filigrane Muster erzeugt werden können. Das Innere des ovalen Einsatzesfüllt ein „Sternflechtmotiv“, eine Komposition, die auf zwei sternförmig miteinander verflochtenen Quadraten basiert. In die Spitzen des Sterngeflechts sind kleine Vierblätter eingeschrieben. Eingefasst wird das Bildfeld von einem dreiteiligen Rahmen aus einer Wellenranke mit wechselständigen, runden Blättern auf hellem Grund zwischen schlichten purpurfarbenen Bahnen. Cäcilia Fluck (2017)
Decke oder Tuch mit Inschrift und pfeilblattförmigen Einsätzen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Textil sind lediglich die Beschreibung im Inventar und ein Archivfoto erhalten, dass nur einen kleinen Ausschnitt zeigt. Zu sehen ist eine mit Fransen bestückte Gewebekante. Die Fransen sind sorgfältig aus gedrehten und verflochtenen Kettfäden ausgeführt und enden in Kügelchen. In dem orangen Gewebe darüber, verläuft ein heller Zierstreifen mit kleinen dunklen (purpurfarbenen) kleinen Rosetten und Vögeln, am rechten Rand sind die Buchstaben K und N teilweise spiegelverkehrt aneinandergereiht. Im nicht abgebildeten oberen Teil des Gewebes sind zwei große pfeilblattförmige, purpurfarbene Einsätze eingearbeitet. Neben dem linken Einsatz ist ein Hase abgebildet, in der Mitte ein Eros und auf der rechten Seite wiederum ein Hase und eine Inschrift. Ferner werden stilisierte menschliche Figuren und Tiere als Schmuck erwähnt. Das Gewebefragment wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Teil eines Vorhangs
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Dekor des Textils mit senkrechten Bordüren und einem Streumuster in den Zwischenfeldern ist typisch für spätantike Vorhänge. Bei diesem rechteckigen Fragment sind die gewirkten Motive in farbiger Wolle (Purpur, Rot, Orange, Gelb, Blau, Hell- und Dunkelgrün) und teilweise mit weißer Fadenzeichnung in das ungefärbte Leinengewebe eingewirkt. Das Mittelfeld bestimmt ein rautenförmiges Muster aus gereihten roten Herzblättern an grünen Stielen. Die Ecken der Rauten sind durch rote Rosetten, das Rauteninnere durch mehrfarbige, nach oben gerichtete Vögel oder mit Blumen gefüllte Schalen hervorgehoben. Die rechte Randborte ist aus einer Flechtranke mit Akanthusblättern im Mittelstreifen gebildet, deren Rundösen abwechselnd je zwei gegenständige Blätter, Blüten oder Früchte (Dreiblatt, Granatapfel, Traube, Tulpenart?) und ein nach links laufendes Tier (Hund, Löwe, Gazelle, Hase?) ausfüllen. Dreiecke dienen als Zwickelfüllungen. Dieser Hauptstreifen ist von einer umlaufenden Wellenranke mit abwechselnd roten und grünen Akanthusblättern eingefasst. Im mittleren Streifen der linken Borte stehen neun nach rechts und links gewandte tanzende (weibliche?) Gestalten übereinander. Sie sind entweder nackt oder mit einer flatternden Chlamys bekleidet. Z. T. halten sie in der rechten oder linken Hand einen Schild oder schwingen einen Gewandzipfel. Den Grund beidseitig neben ihnen füllen Ranken mit roten und grünen Blättern. Der umlaufende Randstreifen ist durch einen dichten Herzblattstrang mit Rosetten in den Ecken gebildet. Ein verwandtes Stück befindet sich im Victoria and Albert-Museum in London. Das Textil wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst. Beschreibung nach: O. Wulff / W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe, Berlin 1926, S. 20
Fragment eines Tuches mit Ziereinsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Wirkerei schmückte einst vermutlich die Mitte eines größeren Tuches. Sie ist komponiert aus einem Quadrat und zwei Spitzbogenfelder, die an zwei Seiten angefügt sind. Von diesen gehen lange Bänder aus stilisierten Weinblättern aus. Das Quadrat füllt ein schräg liegendes Mäandergeflecht in schraffierter Fadenzeichnung, welches von einfachen Zickzacklinien gerahmt wird. In den Bogenfeldern sind je drei geschuppte Pfeilblätter an einem Stiel auf schraffiertem Grund wiedergegeben. Das obere Band endet mit einem gezackten Weinblatt, das untere trifft auf ein sternförmiges Motiv mit vier diagonal gestellten Pfeilblättern. An der unteren Spitze wird das Band mit Weinblättern fortgeführt. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 33, Taf. 50