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Objekttyp: Baudekoration
Runde Zierplatte (Patera)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die unabhängige Seemacht Venedig war über Jahrhunderte Knotenpunkt des Orienthandels, so dass sich in der Lagunenstadt Einflüsse verschiedener Kulturen bemerkbar machten. Seit dem 11. Jahrhundert wurde es eine beliebte Sitte, Fassaden venezianischer Paläste mit Reliefs zu schmücken, die weniger architektonische, als vielmehr gliedernde Funktion besaßen. Zwei Grundtypen herrschen vor: Hochrechteckige Zierplatten mit rund-, spitz- oder kielbogenförmigem oberen Abschluß (sog. formelle) oder kreisrunde Ziersteine (sog. patere). Beide wurden gern im Wechsel nebeneinander verwendet. In ihrem Bildschmuck mischen sich spätantike, byzantinische, sasanidische oder arabische Motive und Themen, die nicht immer leicht zu enträtseln sind: Ein nackter Mann mit übergroßen Füßen, spindeldürren Beinen und Armen schreitet nach rechts und trägt über seiner linken Schulter einen leblos zu beiden Seiten herabhängenden Löwen. Um das Bildfeld der kreisförmigen Patera auszufüllen, wurde das Tier kräftig in die Länge gezogen. Vielleicht ist eine der zwölf Taten des Muskelprotzes Herakles gemeint: Die Bezwingung des Löwen von Nemea. Man könnte aber auch an den mit übermenschlicher Kraft begabten Helden Simson denken, der einen Löwen in zwei Hälften riss (Richter 14,4-6). Schmunzeln muss man in jedem Fall, weil das Männchen im Bild eher einen Antihelden verkörpert. (Theun-Mathias Schmidt 2006)
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das hochformatige, im Unterschied zu Inv. 20 recht flache und nur mit einer Szene geschmückte Relief endet oben in einem Kielbogen. Der umlaufende Rahmen besteht aus drei parallelen, durch schmale Profile voneinander getrennten Ornamentleisten: einem einfachen Zahnschnitt, einem Perlstab (Astragal) und einer Blattwelle aus aneinander gereihten blütenförmigen Kelchen. Im Bildfeld überschneidet ein Hirsch mit seinem Körper einen Lebensbaum, der aus einer am Boden stehenden Amphora aufwächst, sich mit großen Blütenrosetten im freien Grund ausbreitet und oben mit einem Pinienzapfen bekrönt ist. Der Hirsch steht nach rechts mit leicht erhöhten Vorderläufen auf den unteren Ästen des Baumes, wendet dabei seinen Kopf zurück und frisst von den Zweigen. Sein Geweih verschmilzt mit der schuppigen Struktur des Pinienzapfens zu einer einheitlichen ornamentalen Form. (Arne Effenberger)
Runde Zierplatte (Patera)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die runde Zierplatte (Patera) stammt ursprünglich von einer venezianischen Fassade. Das Bildfeld zieren zwei Vögel, die mit dem Rücken zueinander stehen, die Köpfe aber rücklings einander entgegenstrecken. Ihre Schnäbel sowie die Flügelfedern berühren sich. Dieses Motiv findet sich beispielsweise auch auf einer Patera im Ca‘ d’Oro (ML 93) in Venedig.
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Reliefplatte schließt oben mit einem Kielbogen ab; ein Astragal mit tief ausgebohrten Zwischenräumen zwischen den Perlen und Scheiben bildet die Rahmenleiste, deren unterer Teil weggearbeitet ist. Vor einem Lebensbaum mit asymmetrisch abzweigenden Blättern und Ranken, zwei Blütenrosetten und einem Pinienzapfen als Bekrönung sitzt im unteren Teil ein jugendlicher Mann rittlings auf einem nach links stehenden Löwen. Der Jüngling trägt langes Haar und ist mit einem kurzen, gegürteten Chiton bekleidet. Mit seiner Rechten stützt er sich auf das zurückgewandte Löwenhaupt; mit der Linken ergreift er eine Frucht, um sie von dem Rankenbaum abzupflücken. Auf den unteren Zweigen sitzen Pfauen. Beide blicken, nach rechts gewandt, aus dem Bild heraus. In der oberen Zone erscheint links ein nach außen gekehrter, sich aufrichtender Greif mit zurückgewandtem Kopf. Unter seiner linken Vorderpranke und unter der Blütenrosette ringelt sich eine Schlange empor. Rechts oben sitzt seitlich auf einem Blattwedel ein Rad schlagender Pfau und blickt aus dem Bild heraus. Die den vorgegebenen Bildraum prall ausfüllende Komposition, deren Einzelteile in tief unterschnittenem und vollplastisch wirkendem Hochrelief gearbeitet sind, verschmilzt die verschiedensten Motive zu einer überaus vielschichtigen Bildaussage, deren Sinn sich nur schwer entschlüsseln lässt. In der Gruppe des Jünglings und des Löwen sind mehrere Traditionen zusammengeflossen, wie der auf einem Panther reitende Gott Dionysos, aber auch Herakles, der den nemeischen Löwen tötet, oder Simson, der den Löwen im Kampf bezwingt. Hingegen könnte das Ergreifen der Frucht an eine andere Heraklestat erinnern, nämlich an die Gewinnung der ewige Jugend verheißenden Äpfel der Hesperiden. Die Pfauen sind als Bewohner des Paradieses zu deuten, das durch den Lebensbaum versinnbildlicht wird. Der Greif hatte seit dem frühesten Altertum die Funktion eines Wächters, der Übles von Palästen, Heiligtümern oder Gräbern abwendet. Als Hüter des Lebensbaums tritt er auf die Schlange, um in ihr das Böse zu vernichten.
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das an den Rändern oben rechts und unten rechts ergänzte Relief schließt mit einem Spitzbogen ab. Ein Rahmen aus versetzten Zahnschnitten umschließt Tierdarstellungen. Unten ist ein Löwe auf Kruppe und Rücken einer Gazelle gesprungen und schlägt seine Zähne in die Schulter des zusammengebrochenen Tieres. Oben sitzen zwei schwanenartige Vögel einander zugewandt auf einer pflanzlichen Konsole. Ihre Hälse sind umeinander geschlungen, ihre Schnäbel picken an einem großen Dreiblatt – ein Motiv, das als Chiffre eines Lebensbaumes zu deuten ist. Reliefs wie diese schmückten und schmücken noch zu hunderten mittelalterliche venezianische Palastfassaden. Ihre Darstellungen variieren vor allem Tiermotive und verbinden gerne die in Tierkampfszenen sich offenbarende Bedrohung des Lebens mit der Symbolik des rettenden und erquickenden Lebensbaumes bzw. Lebensbrunnens. (Gabriele Mietke)
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Zierplatte aus bräunlichem Marmor gehört zur Gruppe der sogenannten Formelle, wobei es sich um im 11. bis 13. Jahrhundert entstandene Fassadenreliefs aus Venedig handelt. Die Formella hat eine hochrechteckige Form und schließt oben zwiebelförmig ab. Überfangen von einem Klötzchenfries ist auf der Schauseite ein Brunnen eingearbeitet, auf dessen ausladender Krone sich ein Brunnentrog befindet, aus dem wiederum ein weiterer Springbrunnen emporwächst. Den Trog flankieren, auf der Krone sitzend, zwei Pfauen, die die Köpfe frontal nach vorne wenden. Beidseits des Säulenhaftes bzw. schlanken Brunnensockels sitzt je ein Löwe, den Körper in seitlicher Perspektive dargestellt, den Kopf ebenfalls frontal nach vorne wendend. (Selina Küst)
Runde Zierplatte (Patera)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die kreisrunde Zierplatte schmückte einst eine venezianische Fassade. Auf ihrem leicht eingetieften Bildfeld sind zwei Vögel dargestellt. Die Tiere stehen zwar mit dem Rücken zueinander, wenden aber ihre Köpfe rückwärts, dem anderen entgegen. Dieses Motiv ist auf Pateren häufiger zu finden. Mal steht ein Lebensbaum zwischen den Tieren, dem sie die Köpfe entgegenrecken, mal berühren sich ihre Schnäbel wie in inniger Zuneigung (MBK Inv. 17). Auf dem Berliner Stück halten sie gemeinsam ein Blatt oder Trauben im Schnabel (vergleichbar mit Pateren in Venedig: Calle del Bastion, Gesuati oder Zatare al Ponte Longo Nr. 1416-17).
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Zierplatte aus Marmor hat eine hochrechteckige Form und schließt oben zwiebelförmig ab. Auf der Schauseite befindet sich ein von einem schlichten Rahmen umfasstes Relief mit vier Vögeln und einem Drachen. Die Vögel sind in den beiden oberen Dritteln der Platte jeweils paarweise und aus seitlicher Perspektive angeordnet. Im unteren Drittel befindet sich ein Tier mit schlangenförmigem Körper und drei Köpfen. (Selina Küst)
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der umlaufende Rahmen der Platte, die einen halbrunden oberen Abschluss aufweist, besteht aus einem einfachen, außen von einem Profilstab begrenzten Zahnschnitt und aus einem Blattfries, dessen aneinander stoßende äußere Blattspitzen ein separates »Blattauge« umschließen. Das sehr schmale, hochformatige Bildfeld ist in streng symmetrischer Anordnung mit einem Lebensbaum gefüllt. Ganz unten wachsen aus einer knollenartigen Verdickung zwei Blattwedel hervor. Aus der von einem Weinblatt verdeckten Mitte des Stammes zweigen zwei Rebäste mit Weinblättern und Trauben ab. Darüber folgen zwei weitere Blattwedel, ganz oben endet der Lebensbaum in zwei Trauben und einem Pinienzapfen. Auf den unteren Blattwedeln sitzen nach außen gekehrte Panther, die ihre Köpfe zu den Trauben zurückgewendet haben und sich an den Früchten erquicken. Ihre Schwänze sind zwischen den Hinterbeinen durchgeführt und vor den Leibern aufgerichtet; jeweils eine Vorderpranke ist gegen den Rahmen erhoben. Auf dem oberen Blattpaar sitzen, ebenfalls nach außen gekehrt, mit zurückgewandten Köpfen und überkreuzten Schwänzen zwei Tauben, die an Trauben picken.
Zierplatte mit Hirsch und Pfauenpaar am Brunnen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf der Zierplatte sind zwei ähnliche Motive in zwei voneinander getrennten Bildfeldern wiedergegeben. Im unteren steht mittig ein Brunnen mit wasserspeiendem Pinienzapfen. Ein Hirsch oder Rehbock steht hinter dem Brunnen und wendet den Kopf zurück, um aus diesem zu trinken. Als Standlinie der Szene dient ein Zahnschnittfries. Vielleicht lief der Fries ursprünglich als Rahmen um das gesamte Relief, das am oberen Rundbogenabschluss ohne Rücksicht auf das einst dreieckige Füllmotiv sowie die seitlichen Kanten beschnitten ist. In der oberen Zone wird das Brunnenmotiv etwas verändert wiederholt. Hier stehen links und rechts des Brunnens zwei Pfauen auf Akanthuswedeln (ähnlich der Formella Nr. 1979 im Corte S. Gaetano, in Venedig). Den Körper nach außen gerichtet, wenden sie ihre Köpfe zurück, um aus dem Brunnen zu trinken. Die Zierplatte entspricht auf den ersten Blick den sogenannten Formelle venezianischer Fassaden. Sie ist jedoch noch heute in ihren Ausmaßen deutlich größer. Hinzu kommen Eigenheiten in der Bildgestaltung wie die Verdoppelung des Brunnenmotivs, die Überschneidung des Hirsches durch den unteren Brunnen und die scharfe Trennung der Bildzonen durch die harte Grundlinie der Akanthusblätter. Daher handelt es sich bei dem Berliner Stück vermutlich um eine Nachahmung.
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Zierplatte aus griechischem Marmor hat eine hochrechteckige Grundform mit einem bogenförmigen Abschluss oben. Auf der Schauseite ist eine in Relief gearbeitete, figürliche Darstellung von einem Klötzchenfries umrahmt. Beim Dargestellten handelt es sich um einen Menschen im Kampf mit verschiedenen Tieren und Fabelwesen. Auszumachen sind zu oberst zwei Greife, darunter eine in eine kurze Tunika gekleidete Person, die den rechten Arm erhoben hat. Die Person scheint auf einem Löwen zu sitzen. Zu dessen Füßen erscheint ein weiterer Greif, der sich in die Flanke eines unter ihm positionierten Pferdes krallt.
Zierplatte (Formella)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die hochrechteckige Zierplatte (Formella) schließt oben mit einem angedeuteten Kielbogen ab. Am unteren Rand ist sie beschnitten, weshalb hier die umlaufende Zahnschnittrahmung fehlt und das Bildmotiv angeschnitten scheint. Gemeint sind die beiden Akanthusblätter, auf deren sich wölbenden Blattspitzen jeweils ein Löwe kauert, den Kopf über die Schulter nach rechts gewandt. Über ihnen reißt ein Fabelwesen ein am Boden liegendes Tier (Reh?). Es steht mit seinen löwengleichen Pranken auf dem erlegten Gegner und senkt seinen Kopf in Adlergestalt zum Biss. Diese Motivkombination aus auf Akanthusblättern kauernden Löwen und einer Beuteszene ist nicht ungewöhnlich für venezianische Zierplatten (Canal Grande, Nr. 5637 (s. Canzian); Campo S. Aponal (S. Silvestro) oder Calle Ca‘ d’Oro, Nr. 3933 (S. Felice), die letzten beiden Beispiele scheinen ebenfalls am unteren Rand angeschnitten zu sein). (Ehler 2017)
Verschlussplatte einer Öffnung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die durchbrochene, oben rundbogig geschlossene Platte weist in der unteren Hälfte zwei schmucklose ihrerseits wiederum rundbogige Öffnungen auf. Eine kreisförmige Öffnung darüber wird von einem Akanthusstab umrahmt, Akanthusblätter füllen auch die unteren Zwickel. In die Öffnung ist ein Monogrammkreuz eingeschrieben, unter dessen waagerechten Hasten links der griechische Buchstabe Alpha, rechts Omega steht.