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Objekttyp: Bozzetto
Bozzetto der Statue des Kurfürsten Friedrich III. von Brandeburg (1657-1713)
Kunstgewerbemuseum
Die Statuette ist der plastische Entwurf (ital. Bozzetto) für das monumentale Marmorstandbild des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg, das sich seit 1792 in der Berliner Akademie der Künste befand und dort am 18. April 1945 zerstört wurde, so dass von ihm nur mehr das Fragment des Kopfes erhalten blieb. Diese Statue war laut einem Bericht von Johann Gottfried Schadow (1764–1850) vom 13. Mai 1791 das Werk eines sonst unbekannten Bildhauers „La Fleur“. Thomas Fischbacher hat an Hand einer brieflichen Mitteilung des braunschweigischen Gesandten Wilhelm Stratemann (um 1667–1739) vom 22. Mai 1728 nachgewiesen, dass es sich bei dem von Schadow erwähnten la Fleur nicht um den Hersteller, sondern um einen privaten Pfandbesitzer jenes Marmorstandbildes gehandelt hat. Aus der indirekten Angabe von 1713 als dem Sterbejahr des ausführenden Bildhauers in dem erwähnten Brief Stratemanns schlussfolgerte Fischbacher, dass nur Johann Christoph Döbel (1640–1713) als Hersteller in Betracht kommen kann. Der Bozzetto für das Standbild Friedrichs III. setzt das Vorbild der 1689 in Paris errichteten Statue des französischen Königs Ludwig XIV. von Antoine Coysevox (1640–1720) voraus. Lothar Lambacher
Hl. Hedwig, von Engeln getragen
Kunstgewerbemuseum
Bei der im unteren Bereich beschädigten Statuette aus gebranntem Ton handelt es sich offenbar nicht um einen Bozzetto im engeren Sinne, einen ersten skizzenhaften plastischen Entwurf, sondern um ein Präsentationsmodell einer geplanten Großplastik. Dafür sprechen neben der relativ detaillierten Ausarbeitung der Oberfläche vor allem die Reste einer früheren weißen Fassung, die wohl der Simulation des Erscheinungsbildes des Bildwerkes in Marmor oder hell gefasstem Holz dienen sollte. Eine nach diesem Modell ausgeführte Skulptur ist bislang nicht bekannt geworden. LL
Hl. Johannes von Nepomuk
Kunstgewerbemuseum
Von bemerkenswerter künstlerischer Qualität ist der im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts entstandene Bozzetto für eine Statue des hl. Johannes von Nepomuk. Der expressive Figurenstil, die kursorische Faltenbildung und vor allem auch verschiedene technische Eigenheiten, wie etwa die Anlage und Ausführung der rückseitigen Höhlung der Figur, finden sich unmittelbar verwandt auch an einem um 1739 entstandenen Bozzetto mit der Darstellung des Apostels Judas Thaddäus im Mainzer Landesmuseum. Dieser gilt als Werk des bedeutenden Mannheimer Hofbildhauers Paul Egell (1691–1752), eine Zuschreibung, die mit Vorsicht auch für die Statuette des hl. Johannes von Nepomuk in die Diskussion gebracht werden soll. LL
Der Kretische Stier
Kunstgewerbemuseum
Vielleicht noch in das 17. Jahrhundert zu datieren ist der Entwurf eines Kretischen Stiers – die Keule des Herkules liegt vor dem in die Knie gegangenen Tier auf dem Boden. Das Werk soll angeblich aus Augsburg stammen. Fraglich ist, ob in diesem Bozzetto der Entwurf für eine einzelne Tierbronze oder für einen Teil eines umfangreicheren Figurenzyklus zu den Taten des Herkules zu sehen ist. LL
Weibliche Heilige (Ordensfrau)
Kunstgewerbemuseum
Der Bozzetto einer wegen des fehlenden individuellen Attributs nicht näher zu bezeichnenden heiligen Ordensfrau zeigt besonders anschaulich den Charakter einer ersten flüchtigen plastischen Skizze, bei der es zunächst nur um die Anlage der Grunddisposition des zu schaffenden Bildwerks ging. Die an diesem Werk sehr gut erkennbaren Spuren der Bearbeitung und die nachvollziehbaren Formkorrekturen sind besonders faszinierende, weil äußerst unmittelbare Zeugnisse des künstlerischen Schaffensprozesses. LL