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Objekttyp: Druck
Christus in der Vorhölle
Kupferstichkabinett
Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.). Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a). Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)
Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)
Kupferstichkabinett
Fragment einer großformatigen, triptychonartigen Radierplatte aus dem Jahre 1900, von der sich die Künstlerin nachträglich distanzierte und die von ihr deshalb auseinandergeschnitten wurde. Nur der linke Teil mit der realistischen Arbeiterfamilie hatte vor ihren eigenen Augen auch noch in späteren Jahren Bestand, während sie die Hauptdarstellung in der Mitte und die rechte Randszene aufgrund ihrer symbolischen Überfrachtung als "fatal" verwarf. Die unzerschnittene Platte variiert das Thema des nicht in den Zyklus aufgenommenen Schlußblattes zu "Ein Weberaufstand":"Aus vielen Wunden blutest du, oh Volk" [#vgl. Ident. Nrn. 658-1912, AM 383-1971]. Während sich der Mittelteil auf beiden Radierungen gleicht, wurden die Seitenfiguren im späteren Werk durch zwei Szenen ersetzt. An Hand der Themen Selbstmord und Prostitution schildern sie die ausweglose Situation des Proletariats. Für die vermutlich durch Arbeitslosigkeit ins Elend gestürzte Familie links bietet sich als Ausweg nur der Strick. Das Triptychon sollte ursprünglich den Titel "Das Leben" tragen und wohl so etwas wie eine allegorische Gesamtschau auf die Lebensbedingungen des Proletariates geben. Der Druck gehört zu den wenigen von [Otto] Felsing gedruckten Exemplaren, die den Ausgaben des Verlags E. A. Seemann, Leipzig, vorausgingen. (Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 76, Kat.-Nr. 80)
Syphilis (Verworfene Arbeit)
Kupferstichkabinett
2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.
El Coloso / Der Koloss
Kupferstichkabinett
Nackt und gebeugt, die Hände auf den Knien, sitzt der Gigant über einer flachen Landschaft und schaut zurück. Teile seines Gesichtes und seines muskulösen Rückens werden vom Widerschein der aufgehenden Sonne gestreift, während rechts oben am dunklen Himmel noch die Sichel des abnehmenden Mondes steht. »Der Koloß« stellt eine der eindringlichsten und sicher auch geheimnisvollsten Bilderfindungen Goyas dar. Die von ihm aufgegebenen Rätsel beginnen mit der Bestimmung von Technik und Entstehungszeit. Ein noch schwierigeres Problem ist die inhaltliche Deutung des Blattes. Alle diese Fragen sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Technisch ist »Der Koloß« in einem für Goya ungewöhnlichen Verfahren ausgeführt, das er nur hier anwandte. Harris beschrieb es noch als Schabkunst (Mezzotinto), während man heute auf die ursprüngliche Annahme von Lehrs, es handele sich um eine mit dem Schaber bearbeitete sehr dichte und feine Aquatinta, zurückgekommen ist. Die Seltenheit der erhaltenen Exemplare erklärt sich wohl aus dem Umstand, daß die Platte vorzeitig beim Druckvorgang zerbrach. Thematisch hängt die Graphik mit einem zwischen 1808 und 1812, also während des spanisch-französischen Krieges entstandenen Gemälde im Prado zusammen. In der Annahme einer in etwa gleichzeitigen Entstehung wurde die Graphik wie das Bild als Symbol für die Unterdrückung und Bedrohung des spanischen Volkes gedeutet oder auch als Gleichnis für dessen Widerstandskraft. Daneben gibt es eine Reihe anderer, bisher rein hypothetischer Deutungsvorschläge. Auch als allgemeine Personifikation des Krieges oder Darstellung des saturnischen Temperamentes, der Melancholie, ist der Gigant interpretiert worden. Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 344–346, Kat. VI.48 (mit weiterer Literatur)
Märzfriedhof (2. Fassung)
Kupferstichkabinett
An der mitabgedruckten gerippten Papierstruktur ist zu erkennen, daß die Lithographie im Umdruckverfahren mit Ingres-Papier hergestellt wurde. Das Gedenkblatt entstand im Auftrag der "Freien Volksbühne" und war in der dritten, endgültigenFassung Vereinsgabe für deren Mitglieder. Es erinnert an die einhundertneunzig am 18. / 19. März 1848 im Barrikadenkampf in Berlin gefallenen Toten, die in Friedrichshain bestattet wurden. An den alljährlich stattfindenden Gedenkveranstaltungen und von der Arbeiterschaft organisierten Fahrten zu den Gräbern der Märzgefallenen nahm die Künstlerin regelmäßig teil. Nur die zweite Fassung wurde mit einem roten Tonstein gedruckt, wobei Schwarze Kreide auf Ingres-Büttenpapierhier einen eindeutig politischen Symbolwert besitzt. [...] (Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 121, 123, Kat.-Nr. 148)
Selbstbildnis en face (1. Zustand)
Kupferstichkabinett
2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.