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Objekttyp: Druck (aus Mappenwerk)
Kleine Welten VI (aus dem Mappenwerk "Kleine Welten", Einzelblatt)
Kupferstichkabinett
Nach einem längheren Aufenthalt im revolutionären Rußland (1918 bis 1921, auf Einladung Tatlins), wird Kandinsky im März 1922 Meister im Staatlichen Bauhaus in Weimar. Eine seiner ersten künstlerischen Arbeiten ist die Herstellung der Graphik-Mappe »Kleine Welten«, deren Titel sich, neben der in den Kompositionen aufscheinenden kosmogonischen Weltbeschreibung, auf die Vielfalt der graphischen Techniken bezieht. In seinem Vorspruch schreibt Kandinsky: »>Die kleinen WeltenKleiner WeltenKleinen WeltenKleinen WeltenKleinen Welten< gehören zu den ersten druckgraphischen Werken, die diese neue Formensprache in verschiedenen Techniken ausbreiten. Besonders der hier gezeigte Holzschnitt ist geradezu eine Synthese des neuen Formwillens. Die diagonal in das Format gelegte helle Bahn, die wiederholt in Aquarellen und Drucken auftaucht, bündelt die vielfältigen Formen, die sich auf einem schwarzem Grund zu bewegen scheinen. Die Schwarz-weiß-Kontraste, die unterschiedliche Gestalt der sich gegenseitig durchdringenden Kreis-, Stab- und Wellenformen sind genauestens ausbalanciert. Die im Zentrum stehende, im Strom des hellen Lichtkanals nach oben getriebene Kreisform, wird von einer, die Dominanz der breiten Bahn brechenden, Stabform aufgehalten. Während die anderen Körper ohne Widerstand den Raum schwebend durchqueren, setzt Kandinsky in das Zentrum eine Barriere. Dieses Aufhalten der treibenden Form bestimmt die Fließrichtung nach rechts oben. Die konstruktiven und fließenden amorphen Figurationen sind weit entfernt von der nur dekorativen Gestaltung eines abstrakten Musters. Sie bilden vielmehr eine in sich geschlossene homogene Welt mit einer eigenen Geschichte. Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 456, Kat. VIII.20 (mit weiterer Literatur)