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Objekttyp: Dudelsack
Gaida
Museum Europäischer Kulturen
Dudelsack aus Tierhaut (Lamm-, Ziege- oder Schafsfell); stark verfärbt und unvollständig. Der Sammler Gustav-Adolf Küppers-Sonnenberg sammelte das Instrument im Juni 1939 im thrakischen Strandža-Gebirge südlich von Burgas am Schwarzen Meer. Dies geschah im Rahmen der letzten seiner insgesamt fünf Sammelreisen auf dem Balkan. Sammelorte waren dabei vor allem die Ortschaften Brodilovo, Sozopol, Zarewo (früher auch unter dem griechischen Namen "Wasiliko" bekannt) und Balgari (früher auch unter dem griechischen Namen "Vurgari" bekannt). Besonders interessierten ihn an diesen Orten die "Nestinari" und das Ritual der "Feuertänze" (Puchner plädiert jedoch für den Begriff "Feuerlauf", vgl. Puchner 2009, 200). Das Ritual, bei dem mit Ikonen in einer Art Trancezustand über glühende Kohlen getanzt wird, ohne dass die Tänzer*innen Verbrennungen davontragen, hat einen bislang nicht gänzlich aufgeklärten Ursprung. Das Instrument wurde vermutlich im Rahmen der von Küppers beobachteten Feuertänze in Nowo Panitscharewo erworben (s. auch die von ihm gesammelte Trommel Ident. Nr. II B 4345). Eine Beschreibung der Spezifika und tonalen Charakteristika der gajda findet sich bei Vakarelski (Bulgarische Volkskunde, Berlin 1969, S. 196-197). Dieser geht von einer Verbreitung von Dudelsäcken seit dem 9. Jahrhundert aus. Eine lange unterstellte Verbindung der Feuertänze zum antiken Dionysios-Kult wurde von der neueren Forschung zurückgewiesen. In den multikonfessionellen Dörfern entlang der osmanischen Schwarzmeerküste (auf Griechisch sind die Nestinari bekannt als "Anastenaria") wurde der Feuerlauf von Griechen und Bulgaren gleichermaßen und zu verschiedenen Anlässen praktiziert, besonders zum Fest des Heiligen Konstantins und der Heiligen Helena am 21. Mai (vgl. auch Dimitris Xygalatas, Ethnography, Historiography, and the Making of History in the Tradition of the Anastenaria, History & Anthropology 22,1 (2011), 57-74). Im Zuge von Pogromen an der griechischen Bevölkerung ab Ende des 19. Jahrhunderts und Vertreibungen/Bevölkerungsaustauschen nach den Balkankriegen 1912/13 und dem 1. Weltkrieg verschwand der Brauch immer mehr aus den nun bulgarischen Gebieten. Im griechischen Teil Mazedoniens wurde er von griechischen Geflüchteten zum Teil wiederbelebt. In Bulgarien wird er heute nur noch im Ort Balgari aufgeführt und offensiv touristisch vermarktet. Im Jahr 2009 wurde das "Nestinarentum" (Nestinarstvo) auf Vorschlag Bulgariens in die Liste des Immateriellen Kulturellen Erbes der UNESCO aufgenommen. Küppers, der die Tänze vor allem im Dorf Nowo Panitscharewo bei Sozopol beobachtete, war also Zeuge eines schon bald nicht mehr existenten Rituals. Die Filme, die er von diesem Ritual ebenfalls aufnahm, wurden im Krieg zerstört. Fast 20 Jahre nach der Reise publizierte Küppers seine Eindrücke, vgl. G. A. Küppers-Sonnenberg, Bei den Feuertänzern (Nestinari) im bulgarischen Strandschagebirge, Zeitschrift für Ethnologie 81, 1 (1956), 118-123. Küppers Tochter Heimtraut beschrieb diesen Teil der Reise in ihrem Reisetagebuch, vgl. Einträge ab 3.6.1939 (MEK, Ident.-Nr. N (62 F) 2/2023)