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Objekttyp: Einzelblatt
Initiale G mit Himmelfahrt
Kupferstichkabinett
Der Meister ist benannt nach einem zweibändigen Brevier in der Universitätsbibliothek von Bologna, Cod. 337. Seit Pietro Toesca den Künstler als erster beschrieben hat, konnten ihm eine Reihe Handschriften und Einzelminiaturen zugewiesen werden, darunter ein Graduale in der Sammlung der Cornell University, Ithaca/N.Y., ms. B 50, ein Chorpsalter (Bibliotheca Apostolica Vaticana, Barb. lat. 585) und eine Serie Chorbücher, die im Auftrag des gelehrten Kardinals Bessarion für das Benediktinerkloster in Cesena (heute in der Biblioteca Malatestiana) entstanden. Aus diesem Zusammenhang könnten ausgeschnittene Miniaturen in der Sammlung Cini, Venedig und das hier gezeigte Blatt stammen. Im Initial G(audeamus) wird die Gottesmutter in einer Gloriole, von musizierenden Engeln umringt, über einer Wolkenbank erhoben und vom ebenso in einer Engelsgloriole erscheinenden Christus gekrönt. Der Buchstabenkörper ist aus Mauerwerk mit seitlichen Türmen gebildet, auf dessen Zinnenkranz Engel stehen. Gruppen von musizierenden und singenden Engeln stehen in den Zwickeln, darüber schwebt links ein nimbierter sechsflügeliger Seraph (?). Nicht ganz ausgeführt scheint die Gruppe der Engel auf dem Altan rechts, die in der Vorzeichnung mit Pinsel und Graulavierung angelegt, in den Nimben bereits vergoldet ist. Im bewegten Fluß der Zeichnung, wie im architektonischen Aufbau des Buchstabenkörpers ist der Miniator der spätgotischen Hofkunst eines Giovanni de' Grassi und Michelino da Besozzo verpflichtet. Seine Vorliebe für lebhafte Farben und dekorativ aufgesetzte Goldlichter verbindet ihn neben einem Gefühl für räumliche Werte mit Belbello da Pavia. Besonders kennzeichnend sind die kurvigen Wolkenbänke und quirligen Faltenmotive, wie die delikate Gestaltung monochromer Partien mit Gold- oder Weißhöhung (in Engelsgloriole und -chor). Die Gesichter mit ihrem fast weißen Inkarnat, kleinen, häufig geöffneten, Mündern und hohen Augenbrauen zeigen einen fast kindlich naiven Ausdruck. Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 57f., Kat. I.12 (mit weiterer Literatur)
Einzelblatt mit Initiale R mit Auferstehung Christi
Kupferstichkabinett
Das großformatige Blatt ist einem Graduale entnommen. Auf dem verso kennzeichnet die Initiale R den Introitus der Messe zum Ostersonntag: Resurrexi et adhuc tecum (auferstanden bin ich und bin nun immer bei Dir). Christus steht auf dem geschlossenen Deckel des Sarkophages mit segnend erhobener Rechten, in der Linken die Fahne, das Zeichen seines Sieges über den Tod. Am Boden liegen schlafend die Grabeswächter. Im tiefblauen Grund stehen links und rechts Blütenbäume, eine Andeutung des Ortes. Der Buchstabenkörper überschneidet mit seiner Blatt-Blütenverzierung den begrenzenden Rahmen, dem kufische Ornamentik in Gold eingezeichnet ist. An drei Seiten - auf die vierte übergreifend - rahmt ein mit Blättern und stilisierten Blüten verzierter Stab Text und Notation des Gesanges. Aus dem zarten Farbklang von Weiß, Rose, Grau, hellem Grün und Braun hebt sich leuchtend Blau, Mennigrot und poliertes Blattgold heraus, charakteristisch für Florentiner Buchmalerei. Typisch auch das mit Goldblüten besetzte Gewand Christi und das bräunlich-olive Inkarnat seines Gesichtes. Pacino war neben seiner Tätigkeit als Tafelmaler vor allem Illuminator und als solcher Zentrum eines größeren Werkstattbetriebes, der für die Buchmalerei des 14. Jahrhunderts in Florenz innovativ wurde. Eine Vielzahl von Mitarbeitern bewirkte, daß die Ausführung nicht immer gleichmäßig war. Offner hat unser Blatt der Werkstatt Pacinos zugewiesen, unter deren Arbeiten es in Zeichnung, Ikonographie und dekorativem System seine Art kennzeichnend wiedergibt. Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 54f., Kat. I.9 (mit weiterer Literatur)
Initialseite aus einem großen Psalterium
Kupferstichkabinett
Schon zu Lebzeiten wurde Giulio Clovio als »Michelangelo der Miniaturmaler« gerühmt. Vasari beschrieb die Werke seines Freundes bereits in der 1568 erschienenen zweiten Ausgabe seiner Künstlerviten. Nach wechselvollem Schicksal trat Clovio wohl 1537 in den Dienst des Kardinals Alessandro Farnese in Rom, für den er mit dem heute von der Pierpont Morgan Library in New York bewahrten Stundenbuch (M. 69) 1546 sein Meisterwerk vollendete. Nur wenige weitere Arbeiten sind dokumentiert, vor allem fehlen Nachrichten über die späte Schaffensperiode. Dieser Phase müssen wir unsere Miniatur zurechnen. Eine Medaille in der Kartusche auf dem unteren Rahmen mit dem Profilbildnis Papst Pius V. (Ghislieri, 1566-1572) nennt in der Umschrift das dritte Jahr seines Pontifikats, 1569. Auf einer Schrifttafel, von Rollwerk gerahmt und flankiert von Sirenen, stehen in Gold auf purpurnem Grund die Anfangsworte des 52. (53.) Psalms DIXIT INSIPIENS IN CORDE SVO N0(n) EST DEVS (es spricht der Tor in seinem Herzen, es ist kein Gott). Darüber ist im üppig verzierten Initial D König David im Hofe seines Palastes dargestellt. Vom Rücken gesehen weist er mit der ausgestreckten Rechten auf eine Gruppe im Mittelgrund, wo ein Mann im Narrenkostüm mit einer Windmühle, wie eine Lanze unter dem Arm, auf einem Steckenpferd reitet, angefeuert von einem Kind und einem bellenden Pudelhündchen. Durch einen Torbogen öffnet sich der Blick auf einen Tempel und eine burgartige Stadt. Die von einem Putto im Vordergrund gehaltene Harfe kennzeichnet David als Psalmist. Vermutlich gehörte das Blatt zu einem für die päpstliche Kapelle bestimmten Prachtpsalter mit der sogenannten kleinen Gebetsteilung, die die Psalmen 1, 26, 38, 52, 68, 80, 97 und 109 betont und mit Bildern schmückt. Die Szene ist eine Illustration des 52. Psalms (der Text ist auf der Rückseite des Blattes mit den Versen 2-5 fortgesetzt), dessen Aussage sie im Wortsinn wiedergibt. Diese Art der Umsetzung ist keine Neuerfindung; schon früher gibt es die Verbindung von Wort und Bild für den 52. Psalm, z.B. in den Bildern zum Alten Testament von Holbein, gedruckt 1538 in Lyon, freilich nicht in derselben reichen Ausstattung wie sie hier noch durch die Darstellungen im Rahmen ergänzt wird. Neben den allegorischen Frauengestalten von Glaube, Liebe und Hoffnung sind es Engelsputten mit Passionszeichen (Kelch, Dornenkrone, Namenstafel), musizierende und aus Notenbüchern singende Putten in den kandelaberartig aufsteigenden Ornamenten. Während die obere Kartusche von Eroten gehalten wird, die aus Blattvoluten wachsen, stehen unten seitlich Löwen, die über seidenen Decken mit dem Ghislieriwappen links (rechts unleserlich, Papsttiara?) Blumenkörbe tragen. Die geflochtenen Rahmenleisten sind mit Gemmen besetzt, die Steinschnitte nachahmen; über dem Papstbildnis das Wahrzeichen Roms, die Wölfin mit Romulus und Remus. Bunte Farbigkeit in hellen Tönen und Abstufungen vermittelt den Eindruck von Leuchtkraft und Fülle. Der Figurenstil ist von Vorbildern und Anregungen der römischen Hochrenaissance in der Nachfolge Raffaels geprägt, in der Ornamentik und Einzelmotiven mit manieristischen Zügen durchsetzt. Diese Anpassungsfähigkeit kennzeichnet die Arbeiten von Giulio Clovio, dem die Miniatur zugeschrieben wird. Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 62, Kat. I.16 (mit weiterer Literatur)