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Objekttyp: Flöte, dreiteilig
Kaval/Kawal
Museum Europäischer Kulturen
Gedrechseltes Holz, zylindrische Bohrung, drei Teile, Knochenring oben, ein "A" ist oben eingeritzt und weist evtl. auf den Vorbesitzer hin. Neben der Svírka war die Kaval das typische Blasinstrument der Hirten und kommt in ganz Bulgarien sowie in anderen Balkanländern und der Türkei vor. Ihre Ursprünge liegen vermutlich im asiatischen Teil des Osmanischen Reichs. In der Regel werden die Flöten eigenhändig hergestellt und sind stets dreigliedrig. Die Kaval war die am meisten in der Bevölkerung verbreitete Flöte und wurde auch die "Harfe der bulgarischen Berge und Fluren" genannt (vgl. hierzu sowie zu Gebrauch und Abb. Christo Vakarelski, Bulgarische Volkskunde, Berlin 1969, S. 194f.). Das Objekt aus dem Osten Bulgariens wurde im Rahmen der letzten von insg. fünf Sammelreisen gesammelt, die der Journalist Gustav-Adolf Küppers im Jahr 1939 unternahm. Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten. Diese veröffentlichte er auch in nationalsozialistischen Periodika, wie "Volk und Rasse". Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. In der Landwirtschaft wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend Maschinen und Technisierung eingeführt, die die vorherigen Verfahren und Instrumente ablösten. Zugleich verliefen diese Prozesse gerade in Bulgarien eher schleppend; die technische Ausstattung der meisten Betriebe blieb schlecht und noch 1930 waren 74% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dennoch bestand eine wesentliche Motivation von Küppers in der Dokumentation eines - seiner Meinung nach - dem Aussterben geweihten bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.