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Objekttyp: Gewebe, verziert
Fragmente eines Gewebes mit Inschrift
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das auf den ersten Blick unscheinbare Gewebefragment ist mit zwei horizontalen roten Streifen verziert, auf denen sich Buchstaben aneinanderreihen. Sie wurden aus ungefärbtem Garn in Wickeltechnik ausgeführt. Die obere Zeile bezieht sich auf den Heiligen Damian, die untere Zeile enthält das Bittgesuch "Herr, hilf!". Es folgte wahrscheinlich ein Name. Der Heilige Damian wurde im Faijum besonders verehrt.
Fragment eines Tuches mit ornamentalem Muster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
An dem Fragment eines ungefärbten Leinengewebes ist unten eine senkrechte Kante erhalten. Entlang der Kante verläuft ein Streifen, der zu beiden Enden nach oben in schmalere Streifen umbricht. Die Streifen sind mit farbigen Wollfäden broschiert, also während des Webens dem Motiv entsprechend eingetragen. Im senkrechten Streifen reihen sich grüne Rauten aneinander, darin sind jeweils zwei grüne und zwei orangerosa Herzblüten um eine beigefarbene Rosetten angeordnet. In den äußeren Zwickeln sitzt jeweils ein beigefarbenes, halbiertes Rosettenmotiv. Die Rautenspitzen überschneiden sich, und auch die seitlichen Rautenecken werden von einer Spitze überlagert. Dieses angeschnittene Muster des Streifens täuscht einen Ausschnitt aus einem Rautennetz vor. In den ungebrochenen, schmalen Streifen wird das Rautenmuster zu einem Zickzackband halbiert. Die linke und rechte Kante des Fragmentes sind heute zerstört, doch lassen die Streifen vermuten, dass die ursprüngliche Gewebebreite in etwa der erhaltenen unteren Kante entsprach. Die beiden gegenüberliegenden Seiten des Gewebes sind zusätzlich mit einem farblosen Strukturstreifen verziert. Die senkrechten Fadenenden links und rechts sind keine Fransen, sondern bei einer Restaurierung ausgerichtete Fadenenden. Mehrfarbig broschierte Streifen gehören meist zu Einrichtungstextilien. Möglicherweise gehört das Stück zu einer Gruppe ca. 60 cm langer und 40 cm breiter Tücher, die wegen der geringen Größe wahrscheinlich als Decken dienten. Beispiele dafür befinden sich in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst (Inv.-Nr. 9098) und in Trier, Städtisches Museum Simeonstift (Inv.-Nr. VII.224). Petra Linscheid
Geweberest mit Streumuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Textilfragment ist Teil eines Tuches, das flächendeckend mit einem Streumuster überzogen war, von dem noch ein Ausschnitt erhalten ist: Zwischen vier kreisförmigen Rosetten steht mittig eine nach rechts gewandte blaue Ente mit weißen Punkten. Schnabel, Flügel und Füße sind in Rot ausgeführt. Kleine lanzettförmige Motive in Rot und Grün liegen zwischen den Rosetten. Auf dem ungefärbten Grundgewebe aus Leinen ist eine bräunliche Rautenstruktur zu erkennen. Diese ist häufiger bei Tüchern aus Grabkontexten zu beobachten. Die Verstorbenen waren in der Regel in Tücher gewickelt, die zuvor im Alltag verwendet wurden. Die äußeren Lagen zeigen oft Spuren der ursprünglichen, in der Regel rautenförmig ausgeführten Schnürung.
Fragmente von zwei quadratischen Einsätzen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment einer ursprünglich quadratischen Wirkerei zeigt Reste eines Kreisgeflechts in dunkler Farbe auf hellem Grund. Im Kreis oben links ist ein kniender Eros in der üblichen Wiedergabe als kleiner nackter Knabe dargestellt. Die kleine Gestalt wendet sich nach rechts, wobei sie im ausgestreckten Arm einen Kranz vor sich hält. Um ihren Hals ist ein grünes Tuch geschlungen, dessen Zipfel hinter dem Rücken flattert. Die dunkel-purpurfarbenen Punkte im Hintergrund deuten Blattmotive an. Ein weiterer Kreis mit entsprechendem Motiv ist rechts oben zu ergänzen. Erhalten ist nur noch der ausgestreckte Arm des Eros, der eine ockerfarbene Frucht hält. Im beschädigten mittleren Kreis ist eine nach links blickende Wachtel mit rotem Schnabel, umgeben von grünen Blattzweigen zu sehen. Die Halbkreise an der linken und oberen Seite enthalten kelchförmige Schalen mit roten Früchten (Granatäpfel?). Kleine Reben mit drei- und einlappigen Blättern und roten Trauben, welche von den Windungen des Halbkreises abzweigen, füllen den Hintergrund. Mit ihren wohlproportionierten Figuren, den fein aufeinander abgestimmten Farben, der ausgewogenen Bildkomposition und nicht zuletzt wegen der handwerklich geschickten Ausführung gehört diese Wirkerei zu den besonders qualitätvollen Beispielen spätantiker Webkunst. Quadratische Einsätze mit einem Geflecht aus fünf Kreisen und in symmetrischer Anordnung wiederkehrenden Motiven wie beim vorgestellten Exemplar sind zahlreich erhalten. Sie sind ein typisches Dekorationselement in Kissen oder Leinendecken aus Schlingengewebe, in die sie direkt eingewirkt wurden. Charakteristisch ist die Ausführung des Musters in überwiegend dunkler Farbe auf hellem Grund. Bunte Farbtupfer sind für bestimmte Details als besonderer optischer Reiz eingearbeitet. In der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst befindet sich ein Pendant zu diesem Wirkereifragment, bei dem noch Reste des umgebenden Schlingengewebes erhalten sind (Inv. 9825b). Mehrere Exemplare dieses Typs wurden in Achmim gefunden, weitere verwandte Stücke werden demselben Fundort zumindest zugeschrieben. Man darf annehmen, dass es in Achmim Werkstätten gab, die auf die Herstellung von Decken und Kissen dieser Art spezialisiert waren. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 38-39, Nr. 14 (Cäcilia Fluck 2017)
Fragment eines Besatzes mit figürlicher Darstellung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Wirkerei war vermutlich Teil eines rechteckigen Besatzes oder einer breiten Borte mit einer Reihe figürlich gestalteter Medaillons. Das zentrale Bildmotiv ist oben und im linken Bereich zerstört. Es wird gerahmt von einer doppelstreifigen Borte mit polychromen, verzahnten Winkelmotiven außen und einer stilisierten Weinranke innen. In der Bildzone ist trotz Beschädigung eine frontal stehende Figur mit Nimbus zu erkennen. Sie trägt eine mit Clavi verzierte Tunika und hält einen bogenartigen Gegenstand mit kleinen Dreieckmotiven vor sich. Hinter ihrem Rücken ist ein langer Blattstab zu erkennen. Auf der linken Seite ist der Unterkörper einer weiteren, in ein langes Gewand gekleideten Figur zu sehen, die sich, ausgehend von der Fußstellung, nach links zu wenden scheint. Unter den beiden Gestalten bewegen sich zwei Vierbeiner aufeinander zu, von denen der rechte teilweise zerstört ist. Die Bildkomposition erinnert in ihrem Aufbau an die Berufungsszene auf dem unter Inv. 6965 besprochenen zyprischen Silberteller (Nikosia Inv. J 454). Der Figurenstil entspricht einigen Darstellungen von Episoden aus der Davidsgeschichte auf breiten Saumborten von Tuniken. Die einzelnen Szenen sind dort in Medaillons gefasst und aneinandergereiht. Insofern ist nicht auszuschließen, dass die Figuren auf dem Berliner Fragment zur Davidsgeschichte gehören. Mit einigem Vorbehalt könnte man in dem bogenförmigen Gegenstand eine missverstandene Leier erkennen. Auch sonst fehlen einige Details, die eine sichere Deutung erlauben. Ikonographisch sehr ähnliche Paardarstellungen finden sich zum Beispiel auf Wirkereien mit den Taten des Herakles oder aus dem Mythos von Daphne und Apoll. Wenn auch eine eindeutige Identifizierung der Szene auf diesem Fragment nicht möglich ist, so besteht zumindest eine enge Verwandtschaft zu den bekannten Davidswirkereien. Cäcilia Fluck (2017)
Runder Besatz mit Szene aus der Josefsgeschichte
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bis auf eine größere Fehlstelle im oberen linken Teil ist der mittelgroße runde Besatz in recht gutem Zustand. Er besticht vor allem durch seine Farbintensität. Das zentrale Bildfeld ist von der üblichen dreiteiligen Randzone eingerahmt. Der Perlstab innen, die gereihten Knospen in der Mitte und die verzahnten Winkelmotive außen erscheinen jedoch stärker stilisiert als beispielsweise bei den großen Orbiculi mit zyklischer Darstellung auf der Tunika Inv. 9109 + 9110. Die Bildzone in der Mitte ist horizontal geteilt. Oben sind drei Figuren zu sehen. Die beiden äußeren sind gleich gestaltet und jeweils zum Rand ausgerichtet. Ihre Gewänder bestehen aus ineinander liegenden, gebogenen blauen und grünen Streifen. Beide Figuren haben dunkles Haar mit einigen hellen Strähnen. Die rechte Gestalt hält mit ihrer leicht vorgestreckten Hand einen gekrümmten Stab, die mittlere wendet sich nach links. Ihr Kopf war ursprünglich von einem hellblauen Nimbus umgeben, von dem noch Reste zu erkennen sind. In den leicht vorgestreckten Händen hält sie einen hellen, pokalartigen Gegenstand mit einem blauen Dekor in der Mitte. Obschon die linke Bildhälfte zerstört ist, kann der Orbiculus den Josefswirkereien zugeordnet werden, denn die beiden rechten Figuren sind auf anderen Orbiculi, zum Beispiel aus Krefeld, Lyon, Paris und Wien, abgebildet. Dort schließt sich aber links eindeutig eine kniende Person an (Krefeld, Deutsches Textilmuseum Inv.00038). Zwischen dieser und der mittleren Gestalt befindet sich ein trapezförmiges Objekt, das als Josefs Gewand zu deuten ist. Hier ist also die Opferszene dargestellt. Auf dem Krefelder Besatz ist im Rücken der knienden Figur ein Tier zu sehen. Eigentlich müsste es der Bock aus der Opferszene sein, doch ähnelt es eher einem Vogel. Die Gestaltung der Szene auf dem Berliner Orbiculus entspricht offenbar nicht den genannten Vergleichsstücken. Nur die mittlere Gestalt, Josef, gehört zur Opferszene. Nach dem Zyklus müsste ihr rechts der Bruder folgen, der Josef zum Verkauf anbietet. Sein typisches Attribut ist ein senkrecht erhobener Stab, der bei der rechten Gestalt auf dem Berliner Orbiculus zumindest noch angedeutet ist. Insofern wäre die Erzählfolge hier stimmig. Die in Resten erhaltene linke Figur scheint eine spiegelbildliche Wiederholung der rechten Figur zu sein. Dadurch wird die Szenenabfolge durcheinander gebracht. Dem Wirker war offenbar die symmetrische Gestaltung wichtiger als der inhaltliche Zusammenhang der Geschichte. Was mit dem pokalartigen Gebilde in den Händen der mittleren Gestalt gemeint ist, bleibt unklar. Auf dem Orbiculus in Krefeld füllt eine liegende Figur das untere Bildfeld aus. Ob sie den träumenden Josef darstellen soll, ist fraglich, denn den Kopf Josefs umgibt selbst in stark abstrahierter Wiedergabe so gut wie immer ein Nimbus. Ohne einen solchen wird er nur in der Szene abgebildet, in der er mit dem Ismaeliter auf dem Rücken eines Reittiers sitzt, um nach Ägypten zu ziehen. Auch in weiteren Details weicht die Figur deutlich vom schlafenden Josef ab. Ihr merkwürdig verbogenes Bein spricht eher dafür, dass hier um 90° versetzt der Bruder abgebildet ist, der den Bock anstelle von Josef tötet. Die untere Bildhälfte des Berliner Besatzes zeigt einen stark stilisierten Lebensbaum, dessen weit ausladende, rechtwinklig von einer dreieckigen Krone abzweigende Äste die Standlinie für die obere Figurengruppe bilden. Den Baum flankieren zwei Vögel, die ihm den Rücken zuwenden. Cäcilia Fluck (2017)
Fragment eines Tuches mit einfachen Randstreifen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Grund des wollenen Gewebefragmentes aus der Randpartie eines Tuches ist aus melierten Fäden gewebt: hierzu wurden naturbraune Fasern in verschiedenen, hellen und dunklen Farbtönen miteinander versponnen. An der erhaltenen Gewebekante wurden die Kettfadenenden entlang der Kante diagonal verflochten, um die Fadenenden zu sichern und gleichzeitig das Gewebe dekorativ abzuschließen. Die Kante wird von einem schmalen rotbraunen Streifen begleitet. Mit wenigen Zentimetern Abstand verläuft parallel zum Rand ein breiter rotbrauner Streifen, der an den Längsseiten mit hellen Linien eingefasst ist. Das Einweben von Streifen ist die einfachste Art, einen Stoff zu verzieren, wird doch nur die Farbe des Schussfadens gewechselt. Die Schussfäden müssen dann wie beim vorliegenden Stück dicht eingetragen werden, um die andersfarbige Kette zu verdecken. Hierdurch bekommt das Gewebe eine Rippenstruktur in Kettrichtung. Einfache Randstreifen und geflochtene Randabschlüsse finden sich sowohl an Tuniken als auch an Tüchern. Da das vorliegende Fragment keine Nähte aufweist, handelt es sich wahrscheinlich um ein Tuch mit einfachen Randstreifen, wie sie zahlreich aus Arsinoe/Krokodilopolis, der Hauptstadt der Oase Faijum in Mittelägypten, erhalten sind. Dieses Tuch könnte als Manteltuch zur Bekleidung, aber auch als Decke im häuslichen Bereich gedient haben. Text von P. Linscheid (2010), bearbeitet von C. Fluck (2017)
Fragment eines Gewebes mit Streumuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Gewebefragment gehört zu einem Konvolut von etwa 450 Textilien, die der Afrikaforscher und Archäobotaniker Georg Schweinfurth während seiner Forschungsreise in die Oase Faijum im Jahr 1886 in den Ruinen und Friedhöfen der antiken Stadt Arsinoe/Krokodilopolis barg. Es besteht aus Wolle und ist in Köper-Schuss-Kompositbindung (Samit) gewebt. Bei dieser Bindung mit zwei Kettsystemen und zwei oder mehr Schusssystemen trennt die Hauptkette die Schüsse, um eine für eine bestimmte Stelle gewünschte Farbe auf die Gewebeoberfläche zu heben. Durch diese Technik entstehen auf beiden Gewebeseiten farblich komplementäre Muster. Beim vorliegenden Fragment erscheinen violettbraune Rosetten, aus vier Herzblattformen bestehend, auf hellem Grund. Auf der Rückseite stehen dieselben Rosetten in hell auf violettbraunem Grund. Die linke und rechte Kante des vorliegenden Fragmentes sind ausgerissen. Oben und unten waagerecht haben sich zwei Kanten erhalten, an denen das Stück ehemals gesäumt und auf ein anderes Gewebe aufgenäht war. Die Saum-Einschläge sind heute aufgeklappt. Schnittkanten in den Säumen zeigen, dass diese Borte aus einem größeren Gewebe herausgeschnitten worden war. Denkbar wäre es, dass Teile eines ausrangierten Gewebes auf dieser Art weiterverwendet wurden. Abgebildet ist die relativ gut erhaltene Rückseite des Gewebes, die Vorderseite ist durch intensiven Gebrauch stark abgerieben. Petra Linscheid (2010)
Fragment eines Zierstreifens mit Vogel
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Wirkerei bildete das Ende eines Zierstreifens. Am linken Rand ist eine Webekante erhalten. Im Gewebe daneben ist – hell auf braunem Grund – ein nach rechts blickender Vogel dargestellt. Mit etwas Abstand zur Webekante setzen über und unter ihm zwei Borten mit einem in feiner Fadenzeichnung ausgeführten Blattstab an. Ganz rechts sind noch die Reste eines weiteren, nicht mehr zu identifizierenden Motivs zu erkennen.
Gewebefragment mit Zierstreifen und Randabschluss
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Fragment handelt es sich um ein größeres Gewebestück aus ungefärbter Wolle mit einem breiten roten Streifen. Es weist - auf der Abbildung links und oben - originale Kanten auf. Die obere Kante ist mit einem rotbraunen Streifen verziert, der von zwei olivfarbenen Linien eingefasst wird. Darunter verläuft ein dünner Streifen, der durch Zwirnbindungen aus rotbraunen und olivfarbenen Wollfäden entstand. An dieser Kante wurden die Kettfadenenden nach Abschluss des Webens verflochten und anschließend zu einer Kordel verdreht, wobei das Ende der Kordel an einer Ecke des Gewebes verstochen wurde. Das Geflecht ist heute auf eine Gewebeseite umgeschlagen. Vermutlich stammt das Fragment, zu dem es noch ein zugehöriges Stück in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst gibt (Inv. 39/2015) vom Ende einer Decke oder eines größeren Tuches. Cäcilia Fluck (2026)
Bildwirkerei mit Henkelkreuz und Vögeln
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das aus einem größeren Gewebe ausgeschnittene Fragment galt lange Zeit als verschollen, doch gehört es offenbar zu den nach dem zweiten Weltkrieg nach Russland deportierten Objekten, die nicht restituiert worden sind. 2010 war es im Puschkin-Museum ausgestellt und wurde mit in den begleitenden Katalog aufgenommen. Dargestellt ist ein in roter Wolle eingewirktes Henkelkreuz mit geschweiften Enden der Kreuzarme. Rundliche weiße, gelbe und grüne Punkte auf der Schlaufe und den T-Balken imitieren Juwelen. Der Schlaufe ist ein violettes, gleicharmiges Kreuz mit ausladenden Enden eingeschrieben, dessen Mittelpunkt ein oranger-gelber Punkt bildet. Den Stamm des Henkelkreuzes flankieren zwei violette Vögel (Tauben oder Wachteln?) mit roten Schnäbeln und Füßen. Die Flügel und Augen sind in feiner Fadenzeichnung angedeutet. Henkelkreuze wie dieses könnten als zentrales Motiv Vorhänge in der Art des eingangs vorgestellten Stückes MBK Inv. 4832 und der dort genannten Parallelen verziert haben. Kleineren Formats wären sie aber auch als Schmuck von Altartüchern oder neutralen Ausstattungstextilien denkbar. Wirkereien mit sehr ähnlich gestalteten Henkelkreuzen sind in mehreren Sammlungen vertreten, z. B. ein weiteres Exemplar in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst (Inv. 9212); andere im Berliner Kunstgewerbemuseum; in Florenz, Museo Archeologico; in London, Victoria and Albert Museum; in Paris, Musée national du Moyen Age – Thermes de Cluny; in Moskau, Puschkin-Museum; in St. Petersburg, Eremitage. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 553 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 13, Taf. 12 und 45 ; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 330-331, Nr. 175.
Quadratischer Einsatz mit menschlicher Figur im ornamentalen Rahmen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das annähernd quadratische Zierstück gehörte einst zum Schmuck einer Tunika. Im runden Zentrum ist auf hellem Grund eine menschliche Gestalt vom Kopf bis zu den Hüften mit erhobenen Armen wiedergegeben.Auf der linken Schulter trägt sie einen Korb an einem Band, das über den Kopf geführt und mit der erhobenen Rechten gehalten wird. Die Gestalt ist mit einer Tunika bekleidet, deren Vorderseite zwei senkrechte Zierstreifen (clavi) schmücken. Seitlich der Taille der dargestellten Person sind einzelne Blätter zu erkennen. Der innere Kreis ist von einem Quadratvierpass umgeben, welches wiederum ein quadratischer Rahmen mit Flechtbändern einfasst. Eine Radiocarbonanalyse zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungsrahmen von 340 bis 540 n. Chr. für diese Wirkerei. (Cäcilia Fluck, 2017)
Gewebe mit rundem Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das runde Zierstück gehörte wahrscheinlich zum Dekor einer Tunika. Es wurde ausgeschnitten und ist heute mit einem modernen, farblich angepassten Gewebe unterlegt. Im Zentrum ist ein menschliches Gesicht in Frontalansicht zu erkennen. Darum ist ein stark stilisiertes, skizzenhaft wiedergegebenes Pflanzenmotiv symmetrisch angeordnet. Außen verläuft ein Band aus bunten, miteinander verzahnten Blöckchen (Chevrons). Eine Radiocarbonanalyse zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungsrahmen von 650 bis 770 n. Chr. für diese Wirkerei. Ein zugehöriges Fragment befindet sich im Archäologischen Museum in Ravenna (Inv. 10117). (Cäcilia Fluck, 2017)
Gewebe mit Meereswesen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das rechteckige Zierstück gehörte einst zum Schmuck einer Tunika. Auf schraffiertem Grund ist eine Seeszene dargestellt. Im rund eingefassten Zentrum ist eine Nereide auf einem Meerestier reitend abgebildet. Vier Nereiden mit über dem Kopf geschwungenen Schleier füllen die Ecken der umgebenden Bildzonen. Auch sie sitzen auf Fabelwesen mit Kopf und Fischschwanz. Zwischen ihnen sind Fische und Wasserpflanzen abgebildet. Eine Radiocarbonanalyse zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungsrahmen von 330 bis 540 n. Chr. für diese Wirkerei. (Cäcilia Fluck, 2017)
Fragment eines Tuches mit Karomuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das größere der drei Fragmente, welche zu einem Tuch gehörten, zeigt ein Karomuster aus blauen und weißen Doppelstreifen. Die beiden kleineren nicht abgebildeten zugehörigen Fragmente sind mit dreiteiligen Streifen verziert, die anscheinend im Rapport über das Gewebe verteilt waren, wie Reste eines weiteren Streifens an jeweils einer Kante nahelegen. Der Streifen besteht aus einem breiteren, aus feinen blauen Linien gebildeten Streifen in der Mitte und zwei schlichten blauen Streifen außen. Vom gleichen Tuch stammen die beiden Fragmente Inv. 9028. Cäcilia Fluck (2018)
Gewebefragment mit Streifen und Knospen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment stammt von einem Tuch oder einer leichten Decke. Es zeigt ein Rapportmuster aus blauen Doppelstreifen und schlichten weißen Linien im Wechsel. Die weißen Linien stoßen an eingewirkte Knospen, die als Streumuster einst über das gesamte Gewebe verteilt waren. Unter der gleichen Inventarnummer ist ein rechteckiges unverziertes Leinengewebefragment verzeichnet, das offenbar zugehörig ist. Von dem gleichen Gewebe stammen auch die drei Gewebereste mit der Inv. 9029. Cäcilia Fluck (2018)
Taqueté mit Jagdszene
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment gehört zu einer Gruppe von Wollgeweben, deren regelmäßig wiederkehrendes Muster durch verschiedenfarbige Schüsse gebildet wird, die dem Muster entsprechend auf die Ober- oder Unterseite des Gewebes geführt werden. Die Jagdszenen auf dem vorliegenden Fragment sind demzufolge auf der jetzt sichtbaren Seite des Gewebes hell auf rotem, auf der rückwärtigen Seite rot auf hellem Grund zu sehen. Die Szenen wiederholen sich jeweils in der Senkrechten: links eine Gruppe mit Reiter, Hund und Eber, rechts daneben ein kniender Bogenschütze, der auf einen Löwen zielt. Weiter rechts ist das Muster durch einen violetten, senkrechten Streifen unterbrochen. Rechts des Streifens erkennt man einen frontal wiedergegebenen Lanzenträger. Links ist einen originale Kante des Gewebes mit Kordelabschluss erhalten. Nahe der Kante verläuft ein schmaler violetter Streifen. Zahlreiche Fragmente solcher Kompositgewebe mit identischen Szenen sind erhalten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit stammen sie von Tuniken.
Einsatz (quadratisch) und kleines Fragment
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der Mitte des annähernd quadratischen Einsatzes ist ein Medaillon mit einer stilisierten Büste mit dickem Haarwulst und Perlenkette oder -kragen in einem quadratischen Rahmen wiedergegeben, den ein Band mit Fischgrätmuster sowie Kreisen mit einem Kreuzmotiv in den Ecken einfasst. Daran schließt eine breite, in Quadrate und Rechtecke unterteilte Zone an. Die in den Ecken liegenden Quadrate zeigen kreuzförmig angeordnete Dreiblätter auf purpurfarbenem Grund. Die übrigen Quadrate und Rechtecke füllen feine Flechtbänder auf hellbraunem Grund, die in der Art der frühen purpurfarbenen Wirkereien mit dem sogenannten fliegenden Faden ausgeführt sind. Den Einsatz umläuft außen ein Band aus gereihten Bögen mit feiner Binnenzeichnung auf hellem Grund. An allen Außenkanten sind außerdem dekorative Schusseinträge aus einem separat mitgeführten Zwirn festzustellen. Sie bilden den Übergang zu benachbarten Wirkereien, von denen nur noch Spuren unmittelbar an den Kanten erhalten sind. Diese Art, mehrere unabhängig voneinander auf derselben Kette gewirkte Flächen miteinander zu verbinden, ist recht ungewöhnlich und könnte für eine Verwendung des Einsatzes als Teil einer Decke oder eines Behanges sprechen. Die Farbgebung und die Art der Darstelllung der Büste sind unter den spätantiken Wirkereien aus Ägypten selten. Cäcilia Fluck (2017)
Fragment einer Borte mit Rautenmuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Bortenfragment ist heute mit einem antiken, rechteckig zugeschnittenen, offenbar nicht zugehörigen Leinengewebe unterlegt. Die Borte saß ursprünglich an der Kante eines wesentlich feineren Gewebes, wie aus einer Aufnahme eines Gegenstückes in einer Publikation von 1926 ersichtlich ist. Vermutlich handelt es sich um eine Borte an einem Ärmelabschluss (vgl. dazu die Argumentation unter Inv. 9331). Auf dem Bortenfragment sind zwei Glieder eines Rautenbandes erhalten. Kleine winkelförmige Motive bilden die Rautenseiten. Im Zentrum jeder Raute liegt ein hellgrundiger, mit einem Pfeilblatt bzw. einer Rosette gefüllter Kreis. Zwischen den Rauten befinden sich drei kleine, übereinandergestellte Rechtecke. Die äußeren Rechtecke sind zu den Längskanten der Borte hin offen. Das Muster erinnert an Seidengewebe. Vergleiche: Gegenstück abgebildet bei W. F. Volbach, Stoffe aus Antinoe in den Berliner Museen, Sonderabdruck aus dem Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts XLI, 1926, Heft 1/2, S. 250, Abb. 8. Das mit Blattmotiven gefüllte Rautenband erscheint oft auf Seidenstoffen, die unter orientalischem Einfluss entstanden und vermehrt in Antinoopolis gefunden wurden, vgl. R. Pfister, Le rôle d'Iran dans les textiles d'Antinoé, in: Ars Islamica 13/14, 1948, Abb. 57, 64, 65, 68. Veröffentlichung: E. Ehler, C. Fluck, G. Mietke, Wissenschaft und Turbulent. Wolfgang Fritz Volbach, ein Wissenschaftler zwischen den beiden Weltkriegen, Wiesbaden 2017, S. 67-69, Kat. 35g.
Fragment eines Tuches mit Inschrift und Zierstreifen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Zu rekonstruieren ist ein Gewebefragment aus mehreren Teilen mit mindestens vier Inschriftenzeilen. Die Buchstaben stehen abwechselnd in horizontalen, rot gefassten Zierstreifen hell auf dunkelblauem Grund oder parallel dazu im Grundgewebe. Sie sind aus ungefärbtem bzw. rotem Garn in Wickeltechnik gearbeitet. In der ersten und dritten Inschriftenzeile sind, abgesehen von vereinzelten Buchstaben, noch Einstichlöcher von einer Nadel zu erkennen. Eine Wiedergewinnung der Buchstaben anhand der Spuren ausgefallener Wickelschüsse ist nicht möglich. Von einer ursprünglich durchgehenden Buchstabenreihe darf jedoch ausgegangen werden. Die Zuordnung der Fragmente ist willkürlich. Der Anfang der Textzeilen wird durch den Rest einer Webekante in Höhe der vierten Zeile bestimmt. Der Text begann in allen Zeilen also etwa in einer Vertikallinie. Bis auf eine Phrase auf einem der Fragmente, welche lautet: "Der Herr sprach zu mir ...", ist der Wortlaut der Inschrift nicht zu rekonstruieren.Trotz der starken Beschädigung lässt sich der Text identifizieren. Es handelt sich um den biblischen Psalm 109, 1: "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze Dich zu meiner Rechten und ich mache Deine Feinde zu Schemeln [unter Deinen Füßen] und um Psalm 2, 7b-8: "Der Herr sprach zu mir: Du [bist mein Sohn], heute habe ich [Dich] gezeugt. [Frage mich, und ich werde Dir die Völker] zum Erbe geben und [die Enden der Erde zum Eigentum."] Das Gewebe der Fragmente ist sehr leicht und locker gewebt. Vermutlich handelte es sich um ein Tuch, dass um Kopf oder Körper drapiert werden konnte. (Cäcilia Fluck, 2006)
Gewebefragment mit Inschrift
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf dem Fragment eines Leinengewebes ist der Beginn einer koptischen Inschrift zu lesen, die übersetzt lautet: "Denkt liebevoll an mich ...". Die Buchstaben sind mit einem blaugefärbten Leinengarn eingestickt. Am oberen Rand sind Spuren einer Naht erhalten. Dies spricht dafür, dass das Fragment zu einem Kleidungsstück gehörte, den Vorhänge oder Decken haben in der Regel keine Nähte.