10 Ergebnisse
Objekttyp: Gewebefragment
Pfeilförmiger Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment zeigt einen pfeilblattförmigen Einsatz, dessen Größe und Motiv dem des Fragmentes MBK Inv. 4650 entspricht. Sie stammen dennoch nicht vom selben Textil, denn sie sind in unterschiedliche Grundgewebe eingewirkt worden. Das Gewebe von dem hier vorliegenden Fragment besteht aus ungefärbter Wolle. Die Spitze des Pfeilblatts weist nach rechts. Ein dunkles Wellenband auf hellem Grund, der sogenannte „laufende Hund“, formt die Konturen des Blattes. Er umschließt den Blattstiel mit einer dunklen, von Kelchblättern eingefassten Knospe an einem nicht erhaltenen Stängel sowie ein rotgrundiges Bildfeld in der Mitte, auf dem ein schwebender Eros als nackter Knabe mit nach hinten überkreuz ausgestreckten Beinen dargestellt ist. Der Körper des Eroten ist durch dunkle Linien umrissen, Binnenzeichnungen sind ebenfalls mit dunkler Wolle ausgeführt. Der Eros bewegt sich nach rechts. Er wendet seinen Oberkörper zurück. Um den Hals hat er ein ockerfarbenes Manteltuch geschlungen, dessen Zipfel unterhalb des rückwärts gebogenen Arms zum Vorschein kommt. Mit den Armen umfasst er ein überproportional großes, gefiedertes ockerfarbenes Blatt. Den Kopf des Eros umgibt ein Nimbus. Beidseitig über den Schultern sind kleine Flügel zu erkennen. Seit dem Hellenismus wird der Liebesgott Eros als nacktes Kleinkind mit Pfeil und Bogen und wie hier meist mit Flügeln wiedergegeben. Eroten, die vervielfältigten Gestalten des Eros, sind insbesondere in der römischen Kaiserzeit bis weit in die Spätantike hinein bei der Ausführung unterschiedlichster Aktivitäten dargestellt worden. In kindlich-verspielter Manier jagen, ernten, angeln und schwimmen sie; sie fahren Boot, tragen Gegenstände und Tiere, sind bei Gastmahlen zugegen oder veranstalten Wettkämpfe. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 36-37, Nr. 13b (Cäcilia Fluck 2017)
Jagdfalken in Zwölfecken
Kunstgewerbemuseum
Noch heute hat dieses Seidenfragment nichts von seiner atemberaubenden Wirkung verloren. Feine, vergoldete Lederstreifen, sogenanntes Riemchengold, wurden zu einem prunkvollen Muster vor dunklem Hintergrund verwebt. Diese goldene Pracht symbolisierte in nomadischer Tradition imperiale Größe und Autorität. Dargestellt sind Jagdfalken, die in Zwölfecken mit den Rücken zueinander angeordnet sind, die Köpfe wenden sie einander zu. Rundschilder mit einer Naskhi-Inschrift markieren ihren Flügelansatz und enthalten die Widmung „Ruhm unserem Herrn, dem Sultan, dem Gerechten, dem weisesten Nāşir […]“, sowie im Inneren „Muhammad [?]“. Diese Widmung könnte sich auf Nāşir al_din Muhammad ibn Qalāwūn beziehen, den Sultan von Ägypten und Syrien (reg. 1293–1341). Dies deckt sich mit einem Bericht des muslimischen Chronisten Abu al-Fida (1273–1331), dem zufolge der Ilkhan Abu Sa’id diesem Sultan 700 Seidengewebe als diplomatisches Geschenk zusandte. Im Zuge ihrer Eroberung des zentralasiatischen Raumes im 13. und 14. Jahrhundert hatten die mongolischen Herrscher dort große Webereizentren etabliert, in denen sie Weber und Musterzeichner aus China und aus Persien ansiedelten. Aus der gegenseitigen Inspiration und dem Wissenstransfer entstanden Werke, die typische Ornamente und Techniken beider Kulturkreise spiegeln. So zeigt unser Seidenlampas in Zwölfecken sitzende Falkenpaare aus dem islamischen Formenschatz, während die sie umgebenden kleinteiligen Ranken und die sich in den Zwickeln zwischen den Zwölfecken windenden Drachenpaare chinesischen Ursprungs sind. Das Fragment stammt von einem Chormantel aus dem Paramentenschatz der Danziger Marienkirche. Ein zweites Stück befand sich noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Danzig und gelangte dann nach Lübeck, wo es heute im St. Annen-Museum aufbewahrt wird. CW
Halbseidengewebe mit Löwenpaaren
Kunstgewerbemuseum
Dieses grüngrundige Gewebe wird durch breite Bänder in vier Felder unterteilt. In jedem Feld befindet sich ein Paar steigender, mit dem Rücken zueinander gewandter Löwen, zwischen denen jeweils ein Lebensbaum mit breiter Krone erscheint. Die Größe und die kraftvolle Klarheit der Darstellung machen diese Halbseide zu einem der schönsten Beispiele ihrer Art. Besonderes Kennzeichen des Gewebes ist seine doppelte Hauptkette aus Leinen neben der seidenen Bindekette. Nur diese bindet mit dem seidenen Schuss, beide bilden die Grundfarbe des Gewebes. Zusätzlich wurde ein Musterschuss eingetragen, in unserem Fall Häutchensilber um eine Leinenseele. Heute ist die Silberauflage auf den schmalen Darmhautstreifen abgerieben, doch ehemals erstrahlten die jetzt beige erscheinenden Muster vollständig in Silber. ChrW
Doppeladler über Beutetieren
Kunstgewerbemuseum
Auf dunkelblauem Grund halten große, frontale Doppeladler mit ihren Krallen kleine, nach außen gewendete Löwen, die noch kleinere Böcke ergriffen haben. Die Körper der Adler sind von Perlreihen eingefasst, über ihre Flügel verläuft ein Kufi-Inschriftband. Zwischen den Adlern steht ein dünner Stamm, der in einer spitzovalen Blüte endet, daneben Rankenspiralen mit Blättern. Die Seide stammt von der Kasel aus einem Bischofsgrab in Périgueux. Weitere Stücke dieses Gewebes sind erhalten in Lyon, Musée Historique des Tissus (Inv. Nr. 25.´080), in New York, Cooper Hewitt Museum (Inv. Nr. 1902-1-1244) und in Paris, Musée de Cluny (Inv. 21,645). Ähnlich im Muster, aber auf rotem Grund in Dunkelgrün, Gelb mit weißen Konturen und stärker verfestigend stilisiert, eine weitere spanische Seide in Lyon von einer Kasel in Thuir (Pyrenäen). LvW
Seidengewebe mit segelnden Reihern, Hirschen und Hunden
Kunstgewerbemuseum
Versetzt angelegte Reihen zeigen unterschiedliche Mustergruppen. Zum einen Reiher, die auf Wolkenbändern mit Sonnenstrahlen stehen. Ihre langen Hälse stecken sie durch ein schwellendes Segel, dessen Ende um den Hals des folgenden Vogels gelegt ist. In die Zwischenräume ragen die Geweihe der darunter auf hohen Baumstümpfen hockenden Hirsche. Am Fuß dieser Stümpfe sitzen Hunde mit nach oben gewendeten Köpfen und bellen herabstoßende Adler an. Die Darstellungen dieser unrealistisch märchenhaft anmutenden Sujets geht auf chinesische Einflüsse zurück. Die Muster stehen in Gold auf dem ehemals roten, heute zu gelblich verblichenen Fond. Vergleichstück im KGM: W-1962,89 ein kleines Fragment, Darstellung eines Hundes. Größeres Fragment in New York, Metropolitan Museum, Inv. nr. 46.156.38 Vgl auch im KGM das bedruckte Abendcape von Maria Monica Gallenga (1880-1944), bedruckt mit diesem Muster, Inv. Nr. 2003,KR 450.
Tabula mit Reitermotiv in einem Deckenfragment
Kunstgewerbemuseum
Elegant und kraftvoll zugleich sind Reiter und Pferd in dunkelrot eingefärbter Wolle, die den wertvollen und begehrten Purpurton imitierten sollte, wiedergegeben. Das dekorative Zierstück, die Tabula, war in eine Decke oder ein Kissen aus naturweißem Leinen mit Streifen und Schlaufendekor eingewirkt worden. Es fasziniert durch die naturalistische Lebendigkeit seiner Darstellung. Eine Wirkung, die einerseits durch das gekonnt ausgeführte „In-Form-Weben“ erzielt wurde, aber auch der meisterhaften Verwendung des „Fliegenden Fadens“ geschuldet ist. Der „Fliegende Faden“ ist ein weiterer Musterschuss, der im Wirkprozess mitgeführt wurde. Er zeichnet wie mit einem feinen Stift die Konturen des ohne Sattel auf dem Pferderücken sitzenden Reiters nach und hebt Details wie den Faltenverlauf der über die Schulter des Reiters gelegten Chlamys, des Zaumzeugs und der Mähne des Pferdes hervor. Der sparsame, doch gezielte Einsatz von rotem, gelbem und grauem Wollgarn setzt weitere wirkungsvolle Akzente. Ein Endlosband rahmt den Reiter und ist in den Ecken zu kleineren Kreisen gelegt, darin Löwe, Hase, Hund und Hirsch als Hinweis auf eine Jagddarstellung. Seitlich der Mittelszene stehen Gaben spendende Eroten, darüber und darunter schweben geflügelte Genien herbei. Eine Blöckchenborte begrenzt die Darstellung. Reiterdarstellungen als Symbole imperialer Macht zählten zu den beliebtesten Motiven im spätantiken Ägypten und vielfältige Einflüsse prägten ihre Komposition. Das Gros der sich heute in Sammlungen befindlichen spätantiken Gewebe und Wirkereien wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei meist nicht genehmigten Ausgrabungen in Ägypten gefunden und ohne genaue Dokumentation des Fundorts und der Fundumstände in den weltweiten Handel gebracht. CW
Fonghoangs in Spiralranken
Kunstgewerbemuseum
In versetzten Reihen umschließen aus feinen Ranken gebildete Kreise zwei adossierte bzw. zwei nach unten stürzende Fonghoangs. Nach jeweils solch einem Paar, in zwei Kreisen, eine Lotuspalmette, herzförmig eingefasst