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Objekttyp: Glasgemälde
Ausfall aus einer belagerten Stadt
Kunstgewerbemuseum
Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangen abgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiften Banner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft. Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben. Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der Schweizer Scheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt. CVMA 98776
Hl. Elisabeth
Kunstgewerbemuseum
Die hl. Elisabeth ist in ganzer Figur und in leichter Untersicht schräg nach links gewandt dargestellt. Als Tertiarin trägt sie einen schlichten weißen, an den Kanten mit gelben Borten besetzten Mantel und ein ebensolches Gewand. Ihr von einem Schleier verhülltes Haupt ziert eine Blattkrone, zwei weitere, identische Kronen hält sie in ihren Händen. Sie steht unmittelbar im Bildvordergrund auf einem Fliesenboden. Hinter ihr ist ein Ehrentuch aufgespannt, zu dessen Seiten der Blick in eine weiträumige hügelige Landschaft fällt, die links von Bäumen und rechts von einem jäh aufragenden Berg begrenzt wird. Das Attribut der drei Kronen kam in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Umkreis des burgundischen Hofes auf. Als Attribut setzten sich die drei Kronen nicht allgemein durch. Sie begegnen hauptsächlich im Burgund und den angrenzenden Gebieten, vornehmlich im Rheinland und in den Niederlanden. Die Herkunft der Scheibe aus dem Rheinland bestätigt nicht zuletzt die dort für Einzelbildnisse von Heiligen geläufige Komposition mit Ehrentuch und Landschaftsgrund. Auch wenn sich keine unmittelbar verwandten Vergleichsbeispiele anführen lassen, finden sich für Gesichts- und Figurentyp der hl. Elisabeth die nächsten Parallelen in der Kölner Malerei. CVMA 98764
Falke
Kunstgewerbemuseum
Das Muster aus Widerkreuzen und Kringeln sowie die Figur des Falken wurde aus dem deckenden Überzug des Glasträgers radiert, die Binnenzeichnung mit dem Pinsel ausgeführt. Vergleichbare Vogelmotive finden sich unter den 1305/10 entstandenen Illustrationen zum Lehrbuch Kaiser Friedrichs II. über die Falkenjagd in der Bibliothéque Nationale in Paris. Das Werk gehört zu einer kleinen Gruppe von Scheiben, deren Herkunft aus einer der Seitenkapellen der Kathedrale Nôtre-Dame in Paris überliefert ist und die über die Sammlung von Albert Figdor in Wien in den Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums gelangt sind. Neben diesem Werk zählen dazu auch Inv. Nr. F 2381 d, F 2773 e, F 2773 f, F 2773 g und F 2773 d. LL CVMAQ 98732
Wappenscheibe des Niclaus de Gall, Bürgermeister von Konstanz
Kunstgewerbemuseum
Beschreibung: "Glasscheibe, rechteckig, auf farbigen und weißen Glasstücken in Bleifassung, schwarz und gelb gemalt: Wappenschild mit Decke und Kleinod; neben demselben ein unbekleidetes Weib mit Blume in der Hand. Darüber ein Bogenabschluß: Falkenjagd. Unterschrift: Niclaus de Ball 1557" Das Stück ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Kopf einer Madonna
Kunstgewerbemuseum
Das Kopffragment stammt wahrscheinlich von der Figur einer Maria mit Kind. Die Darstellung zeigt große motivische Ähnlichkeit mit dürerzeitlichen Madonnen in Nürnberg. Der Kopf entspricht einem Typus, der zwischen 1493 und 1525 zum Standardrepertoire der Hirsvogel-Werkstatt gehörte. Stilistische Abweichungen scheinen es jedoch auszuschließen, dass die Glasmalerei in der Hirsvogel-Werkstatt gefertigt ist, vielmehr wird seine Entstehung am Verwendungsort Eger vermutet, das traditionell mit Nürnberg in enger Verbindung stand. LL CVMA 98778
Wappen des Lienhart Pfeifer
Kunstgewerbemuseum
Inschrift: Im weißen Rand umlaufend in schlichten Majuskeln • LIENHART • PFIFER • Das Wappen vor weißem Grund zeigt in Gelb einen Schalmei spielenden schwarzen Bock nach links steigend. Wohl ist eine schon lange ausgestorbene Zürcher Familie dieses Namens bekannt, welches Wappen sie führte, weiß man jedoch nicht. Zusammen mit neun weiteren gleichgroßen Wappen von Mitgliedern des Großen Rats der Stadt Zürich (Inv. Nr. K 9050 - K 9059) könnte die Scheibe ursprünglich in einem Fenster des Ratssaales angebracht gewesen sein. CVMA 98760
Wappen des Sixtus Oelhafen
Kunstgewerbemuseum
Das in leuchtenden Farben ausgeführte Medaillon zeigt vor rotem Strahlenkranz und von einer gelben Rahmenbordüre mit Ranken und stilisierten Blüten umschlossen das Wappen der Oelhafen. Die Familie entstammte einem Zürcher Stadtgeschlecht, das sich im 14. und 15. Jahrhundert nach Nördlingen, Lauingen, Leipzig und Breslau verbreitete, 1546 den kaiserlichen Wappen- oder Adelsbrief erhielt, jedoch erst 1729 ratsfähig wurde.Ihr bedeutendstes Mitglied war der in Nördlingen geborene Sixtus Oelhafen (um 1456–1539), der als oberster Sekretär gleich drei Kaisern diente – Kaiser Friedrich III., Maximilian I. und Karl V. Sixtus Oelhafen ließ sich 1499 in Nürnberg nieder, erwarb 1519 das Bürgerrecht und wurde im gleichen Jahr Genannter des Größeren Rats. Sein Dienst beim Kaiser brachte ihm den Ruf eines geschickten Politikers ein, der sein diplomatisches Talent auch zum Nutzen der Reichsstädte einsetzte und allseits geachtet wurde. Kaiser Friedrich hatte ihn bereits im Jahr 1489 durch die Vermehrung und Verbesserung seines Wappens ausgezeichnet, das ursprünglich nur einen gelben dreibeinigen Kessel mit Henkel zwischen zwei geschlossenen blauen Hörnern zeigte, der seitdem jedoch wie hier in Blau von einem nach rechts steigenden gelben Löwen getragen wird. Die meisterliche Zeichnung des Löwen verrät ebenso wie das fein ziselierte und ohne Schablone aus dem Halbton radierte Rankenwerk die Hand des Augustin Hirsvogel (vgl. Inv. Nr. K 7022 und K 7197). Verwandte Tier- und Rankenmotive begegnen immer wieder in seinen Stichen. An der geschweiften und gezackten Form des Schildes, dem Blattwerk auf dessen Oberkante und an dem stilisierten Pflanzenornament der Rahmenbordüre zeigt sich seine Hinwendung zur Frührenaissance. Wie in der Werkstatt seines Vaters, Veit Hirsvogel d.Ä., üblich, versah er die roten Gläser mit eingeritztem Brandzeichen, hier einem J. Das kleine Medaillon dürfte noch in seiner Nürnberger Zeit entstanden sein, mithin vor 1536. CVMA 98782
Schildhalterin mit unbekanntem Wappen
Kunstgewerbemuseum
Schräg nach rechts gewandt und in anmutiger Haltung auf steinigem Rasen kniend, der rechts hinten in einen mit Büschen und Bäumen bestandenen Hügel übergeht, präsentiert die Schildhalterin eine Tartsche mit einem bislang nicht bekannten Wappen, das im geteilten oben gelben, unten weißen Feld einen roten Balken zeigt, dazu im unteren Feld die Initialen I V und dazwischen eine Hausmarke. Die junge Frau trägt ein ausgesprochen modisches gelbes Kleid mit einem weiten, sich um ihre Füße bauschenden Rock und einem eng anliegenden, tief dekolletierten Oberteil mit schmalen, an Schultern und Ellbogen geschlitzten Ärmeln. Ihre langen blonden, im Wind flatternden Haare ziert ein perlenbesetztes Schapel mit einer Agraffe über der Stirn. CVMA 98771
Pasticcio mit fünf Köpfen
Kunstgewerbemuseum
Das aus den Köpfen von drei Männern und zwei Frauen zusammengestellte Glasgemälde ist ein typisches Beispiel für eine hauptsächlich um die Wende zum 20. Jahrhundert von Werkstätten gepflegte Praxis, bei Restaurierungen ausgeschiedene Fragmente zu Pasticcios zu verarbeiten. Ihrem unterschiedlichen stilistischen Erscheinungsbild nach zu schließen, dürften die Fragmente verschiedenen Fenstern entnommen sein. Der junge Mann im Zentrum trägt ein blaues Wams, vom Gewand des Bärtigen rechts darüber ist nur der gelbe Kragen erhalten, der rote Mantel zwischen den beiden Frauen scheint ein Flickstück zu sein. Hinweise auf eine bestimmte Ikonographie gibt allein die weinende Frau, die wegen ihrer Mimik und ihrer modischen Aufmachung an die Magdalena einer Grablegung Christi denken lässt. Aus dem gleichen Feld stammt vielleicht auch das Antlitz der Frau mit dem Schleier. Die kühle stilistische Eleganz der beiden Gesichter erinnert an die von Jean Clouet (um 1485–1540) geprägte Pariser Malerei aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Allerdings dürften sie nicht vor 1550/60 entstanden sein, denn erst dann kam die Mode auf, die Stirn mit einer Agraffe, einer Perle oder einem anderen Schmuckstück zu zieren. Die Köpfe der beiden Männer darüber sind jedenfalls in einer anderen, früheren Handschrift ausgeführt, ihre ausdrucksvolle Miene, ihr intensiver Blick gemahnt vage an die spröden Charakterköpfe von Nicolas Dipre (gest. 1519 bzw. 1531/32). CVMA 98757
Wappenscheibe der Pömer
Kunstgewerbemuseum
Von den einst 16 kleinformatigen Rundwappen Nürnberger Familien im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums ist heute nur noch das Emblem der Pömer vorhanden. Der Schild vor blauem Strahlenkranz zeigt im schwarzen Feld oben von Rot und Weiß dreifach schrägrechts geteilt das Wappen der Nürnberger Patrizierfamilie Pömer. Bedeutendster Vertreter der Familie war Hector Pömer (1495–1541), der als Propst von St. Lorenz 1522 Andreas Osiander zum Prediger berief und so maßgeblich die Reformation in der Reichstadt beeinflusste. Die Komposition im Strahlengrund entspricht einem für Wappenmedaillons von der zweiten Hälfte des 15. bis ins zweite Viertel des 16. Jahrhunderts geläufigen Schema. CVMA
Wappenfigur der Wimpheling (?)
Kunstgewerbemuseum
Der im schwarzen Feld nach links steigende rote Löwe am gestümmelten weißen Ast stimmt mit der im Wappen- und Stammbuch des Jost Amman von 1579 wiedergegebenen Wappenfigur des Johann Wimpheling überein, über den heute nichts mehr in Erfahrung zu bringen ist. Die bürgerliche Familie Wimpheling, als deren bedeutendstes Mitglied der Gelehrte Jakob Wimpheling (1450–1528), das namhafte Haupt der elsässischen Humanisten gilt, war weit verzweigt, denn das Wappen begegnet auch unter den Kameralen des Reichskammergerichts, das von 1527–1690 seinen Sitz in Speyer hatte und dürfte dort einem Richter der nicht adeligen, gelehrten Bank gehört haben. Die hohe Qualität des Stücks zeigt sich an der feinen aus dem Halbton radierten Zeichnung von Mähne und Fell, die durch wenige Linien schärfer herausgearbeitet wird, sowie an der rückseitigen Modellierung im Halbton. Es dürfte, seinem Stil nach zu schließen, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sein. Auf dem Schenkel des Löwen sind die Buchstaben ICN eingeritzt. CVMA 98777
Kopf einer weiblichen Figur
Kunstgewerbemuseum
Die Scheibe zeigt im Dreiviertelprofil den Kopf einer nach rechts sehende junge Frau mit langem blonden Lockenhaar. Wegen ihres ausgeprägten Kinns könnte es sich allerdings auch um einen Engel oder den Apostel Johannes handeln. In dem mittels fein abgestufter Halbtonlasuren modellierten Antlitz sind nur die Konturen, die Form von Brauen, Augen, Nase und Mund durch feine Linien markiert. Das Rot der Lippen ist durch vorderseitig aufgetragenes Eisenrot erzielt, der warme Inkarnatton hingegen durch rückseitige Lasuren in Eisenrot. Der Gesichtstypus und die in ihrer Methode schon stark der Tafelmalerei angenäherte Maltechnik sprechen für eine Datierung um oder kurz nach 1500. CVMA 98742
Wappen der Familie Waldburg mit Schildhalterin
Kunstgewerbemuseum
Das Wappen der Familie Waldburg ruht auf einem Rasenstück und wird von einer Schildhalterin begleitet. Das Wappen zeigt im Schild übereinander drei schreitende, vorwärtssehende Leoparden in Schwarz auf gelbem Grund und auf dem unbekrönten Bügelhelm ein rotes, viereckiges Kissen mit Quasten, aus dessen Mitte ein Pfauenschweif hervor wächst. Dies ist das Wappen der Adelsfamilie Waldburg. Die rechts des Wappens stehende Schildhalterin ist mit weitem Rock und engem Oberteil mit geschlitzten und gepufften Ärmeln mit Muffen und einer gebänderten Haube in eine im frühen 16. Jahrhundert verbreitete Tracht gekleidet. Ihre rechte Hand ist von dem Wappen überdeckt, ohne dass der Haltegestus deutlich wird. Wappen und Frau stehen vor einem blauen Hintergrund, in dessen Rankenwerk zwischen Pfauenschweif und Frauenkopf eine Eule sitzt,die von zwei nicht näher zu bestimmenden Vögeln angegriffen wird, während ein dritter, gleicher Vogel weiter oben in den Ranken sitzt. Zwei doppelschäftige Rundbaluster auf flacher Basis mit Blattkapitellen und ein Bogen aus Blätterbündeln, die von Engeln gehalten werden, rahmen Wappen und Schildhalterin. Unter dem Wappen findet sich die Inschriftenleiste und rechts von ihr Scherben mit einer horizontal liegenden, gewirtelten Säule. Beides sind vermutlich später hinzugekommene Stücke, da kein Zusammenhang mit dem Wappen zu erkennen ist. CVMA 98716
Wappenscheibe der Diane de Poitiers
Kunstgewerbemuseum
Das Bildfeld zeigt vor grauem, mit schwarzen Ranken und Blüten bemalten Hintergrund drei verschlungene Mondsicheln. Deren Beischriften DONEC TOTVM IMPLEAT ORBEM (dt.: Bis er den Kreis ganz erfüllt) ergeben zusammen die Devise der Diane von Poitiers, der Mätresse und Vertrauten König Heinrichs II. von Frankreich seit 1536. 1547 erhielt sie vom König unter anderem Schloss Anet zum Geschenk, das sie noch im selben Jahr durch den Hofarchitekten Philibert de l'Orme zu einem Jagdschlossm umbauen ließ. Die zur Ausstattung zählenden Glasgemälde fertigte nachweislich Meister Nicolas Beaurain. LL CVMA 98765
Wappen des Wolfgang Schwartz
Kunstgewerbemuseum
Das Wappen der Nürnberger Familie Schwartz zeigt im schwarzen Feld einen Wilden Mann, der über eine gelbe, zinnenbesetzte Mauer steigt. Da der Stil auf eine Entstehung im ausgehenden 15. Jahrhundert verweist, kommt als Eigentümer vor allem der Kaufmann Wolfgang Schwartz (gest. 1512) in Betracht, der 1483 das Nürnberger Bürgerrecht erhielt. LL CVMA 98725
Wappen des Usteri Schulthes
Kunstgewerbemuseum
Inschrift: Im weißen Rand umlaufend in schlichten Majuskeln • VSTERI • SCHVLTHES • Das Wappen vor weißem Grund zeigt im schwarz-gelb geteilten Schild mit verwechselten Farben oben einen halben achtstrahligen Stern, unten ein halbes vierspeichiges Mühlrad und wurde von der Zürcher Müllerfamilie Usteri geführt. Hier dürfte es Junghaus Usteri (gest. gegen 1536) gehört haben, der 1490 die väterliche Mühle übernahm und 1499 mit in den Schwabenkrieg zog. Er fungierte als Schultheiß, war Mitglied in verschiedenen Ratskommissionen, 1521 Kriegsrat, 1522 Verwalter des Hospitals, 1526 Abgeordneter des Stadtrats im Prozess gegen die Wiedertäufer, vertrat 1526 die Reformation am Stadtgericht, wurde 1530 beim Müllerprozess vorübergehend all seiner Ämter enthoben und war 1531 wieder Kriegsrat. Zusammen mit neun weiteren gleichgroßen Wappen von Mitgliedern des Großen Rats der Stadt Zürich (Inv. Nr. K 9050 - K 9059) könnte die Scheibe ursprünglich in einem Fenster des Ratssaales angebracht gewesen sein. CVMA 98760
Wappen der Stadt St. Gallen
Kunstgewerbemuseum
Die Scheibe stammt aus einem Konvolut von ehemals sieben Wappenscheiben Schweizer Städte im Besitz des Kunstgewerbemuseums (darunter Inv. Nr. K 7227, K 7232, K 7290). Die gemeinsame Herkunft der kleinen Städtewappen geht aus ihrem einheitlichen Format und Aussehen zweifelsfrei hervor. Von den ursprünglich im Museum befindlichen sieben Scheiben gingen drei – die Wappen der Städte Frauenfeld, Bremgarten und Marti-Luzern – 1945 zugrunde. Das Wappen der Stadt St. Gallen im blauen Strahlenkranz zeigt im weißen Feld einen steigenden schwarzen Bären. Halsband und Bewehrung (Klauen, Zähne, Ohrmuscheln, Augenbrauen) sind gelb, Zunge und Geschlechtszeichen rot. CVMA 98762
Doppelköpfiger Reichsadler mit Herzschild Österreich und vier Szenen eines Turniers
Kunstgewerbemuseum
Die Rundscheibe besteht aus einem Wappenschild in der Mitte, vier an diesen anschließenden Passfeldern, kleinen Zwickeln zwischen ihnen und einem umlaufenden, von den Passfeldern überschnittenen Rand. Der Wappenschild zeigt den doppelköpfigen, nimbierten und gezüngten Reichsadler in Schwarz vor Gelb mit dem Herzschild Österreich. Die vier Passfelder (oben beginnend und im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen ein Turnier in vier Szenen: Auf den Feldern 2 und 4 galoppieren die in Rennzeug gekleideten Ritter begleitet von ihren Knappen in der Rennen genannten Turnierform aufeinander zu; die Helmzierden der Ritter sind auf Feld 4 eine stehende Frau, auf Feld 2 zwei Garnwinden. Die drei berittenen Trompetenbläser, vielleicht Herolde, auf Feld 1 wie auch die beiden, in die Farben der Ritter gekleideten Narren auf Feld 3 sind Nebenfiguren des Turniers. Bemerkenswert ist die genaue Wiedergabe der Turnierharnische: bei beiden Rittern sind Rennhut, Renntartsche, Brechscheibe und Dilge sowie die Rossstirn gut erkennbar, beim Ritter in Feld 2 überdies der Rüsthaken. Die Ballien genannte Schranke im Hintergrund von Feld 2 zeichnet den Ort als Turnierplatz aus, hatte aber beim Rennen, das auf freier Bahn stattfand, keine Funktion. Die Scheibe gehört in einen Zusammenhang von mindestens dreizehn weiteren, meist erhaltenen Zeichnungen und Scheiben, die zwischen 1480/90 und 1530 geschaffen wurden. Zugrunde liegt ein nicht erhaltener Scheibenriss, der dem Hausbuchmeister zugeschrieben wird und der aus zwei themengleichen, nur in Einzelheiten verschiedenen Rundscheiben zu rekonstruieren ist; die Zeichnung dürfte vor 1490 entstanden sein. Nach diesem ersten Riss bzw. aufgrund der nach ihm geschaffenen Zeichnungen oder Scheiben, wird ein nicht erhaltener Scheibenriss entstanden sein; vermutlich hat Hans von Kulmbach ihn geschaffen. Nach diesem zweiten Riss entstand eine auf 1508 datierte Rundscheibe in The Walters Art Museum Baltimore (Acc. 46.76), bei der sich die Darstellung von Feld 1 in Feld 3 findet. Die überwiegend aus weißen Gläsern bestehende Scheibe, vermehrt um rote und blaue Scherben, lebt vor allem vom virtuosen Umgang mit variiertem Silbergelb sowie unterschiedlichen Braun- und Schwarzloten. Frei gelegte Stellen bedeuten Höhungen der Objekte im Licht, gewischte Lote und Schraffuren schaffen Plastizität. Dabei zeugt der Einsatz der negativen wie positiven Mittel, die insgesamt zeichnerisch eingesetzt sind, von sicherem Umgang und überzeugender Umsetzung eines mutmaßlichen Risses, der sich in einer vermutlich gleichzeitigen, Hans von Kulmbach zugeschriebenen Zeichnung erhalten hat. Für eine Datierung in die Zeit um 1508 wie für die Ausführung dieser und der zugehörigen Scheiben (Inv. Nr. 1907,163-165) in der Hirsvogel-Werkstatt spricht die Nähe zu der 1508 datierten Scheibe mit Turnierszenen nach Entwurf des Hans von Kulmbach in The Walters Art Museum Baltimore (Acc. 46.76). CVMA 98710
Rundscheibe mit Wappen des Augsburger Bischofs Heinrich von Lichtenau sowie vier Szenen der Herkulessage
Kunstgewerbemuseum
Die Rundscheibe besteht aus einem zentral gesetzten Wappenschild, der tailliert ist und oben und unten ausgezogene Spitzen besitzt, sowie vier Passfeldern und Zwickeln dazwischen; vermutlich gehörte zum ursprünglichen Bestand noch ein umlaufender Streifen mit Blattornamenten und einer Jahreszahl, wohl 1510, wie bei Inv. Nr. F 434 und einer weiteren Scheibe. Der Schild zeigt einen gelben Schrägbalken von rechts oben nach links unten auf rotem Schild, darüber ein blaues Schildhaupt, damit das Wappen der schwäbisch-bayrischen Adelsfamilie von Lichtenau, die 1728 erlosch. Die vier Passfelder (oben beginnend im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen vier Taten des Herkules, von denen drei dem antiken Dodekathlos angehören. Die chronologische Folge der Taten erstreckt sich über die Felder 4, 3 und 1, ergänzt um die nichtkanonische Tat auf Feld 2. Auf Feld 4 hat der stehende Herkules ohne Waffen den unter ihm liegenden Nemeischen Löwen niedergerungen; die in die Mitte des Vordergrunds gerückte Szene findet entsprechend der antiken Überlieferung dieser ersten Tat in einem Gebirge statt. Auf Feld 3 schießt Herkules in der fünften Tat Pfeile auf zwei heran fliegende Stymphalische Vögel, die in ungewöhnlicher Weise als Harpyien mit Löwentatzen und Fischschwanz gebildet sind; der Blick geht von Hügeln und Büschen im Vordergrund über eine Wasserfläche zu einem Berg am Horizont. Auf Feld 1 hält Herkules in der zehnten Tat zwei Rinder an den Hörnern, um sie ihrem Besitzer, dem Riesen Geryoneus, zu rauben; die Szene findet in einer bergigen Landschaft statt, die vorne durch Bäume und Büsche gerahmt wird, so dass der Ausblick auf einen Berg samt Burg oder Stadt am Horizont freigegeben ist. Auf Feld 2 ringt Herkules mit Antaios und besiegt ihn, indem er ihn von der Erde hebt; die Landschaft wird von nicht genauer bezeichnetem Boden im Vordergrund sowie im Mittelgrund durch große Bäume links und hohe Felsen rechts gebildet. Die Ikonographie der Scheibe ist aus zwei Gründen zu erklären: Die Herkulestaten gehören zum Sagenkreis um das Goldene Vlies, wie auch Maximilian I. als Hercules Germanicus verherrlicht wurde. Von letzterem zeugt ein in zwei Exemplaren erhaltener Einblattholzschnitt, der auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert wird. Eine besondere Nähe zwischen Maximilian I. als Herkules und Augsburg ergibt sich darüber hinaus aus zwei Schauspielen, die wenige Jahre vor dem Entstehen der Scheiben in der Reichsstadt für den Kaiser aufgeführt wurden: 1497 wurde Maximilian als Herkules am Scheideweg zwischen Tugend und Wollust in dem von Joseph Grünpeck stammenden Spiel „Virtus et fallacicaptrix“ dargestellt; 1509 übernahm der spätere Karl V., Maximilians Enkel, die Rolle des Herkules in dem Spiel „Virtus et voluptas“. In der Tradition dieser Gleichsetzung von Maximilian I. mit dem antiken Helden und dessen Darstellung ist auch Inv. Nr. F 436 zu sehen. CVMA 98714
Ämterscheibe der Stadt Zürich
Kunstgewerbemuseum
Das Mittelbild zeigt vor rotem Damastgrund auf rosafarbenen Steinstufen stehend die Zürcher Wappenpyramide, deren Aufbau mit den beiden einander in heraldischer Höflichkeit zugeneigten und zugewendeten Zürcher Schilder (schräggeteilt von Weiß und Blau), die von Reichsadlerschild (in Gelb ein schwarzer gelbnimbierter Doppeladler) und Kaiserkrone überhöht werden, den reichsunmittelbaren Status der Stadt veranschaulicht. Als Wappenhalter dienen zwei Stärke symbolisierende, grimmig die Zähne fletschende gelbe Löwen mit reicher Zottelmähne. Umrahmt wird das Mittelbild von einem Kranz von 33 bunten Wappenschilden der im Jahr 1545 zugehörigen Ämter und Vogteien, die im weißen Randstreifen darüber jeweils namentlich aufgeführt sind. Im Uhrzeigersinn: Kyburg (in Rot ein gelber Schrägbalken, begleitet von zwei gelben Löwen), Sax (von Rot und Gelb gespalten, Regensdorf: in Weiß drei blaue Pfähle, überdeckt von rotem Balken), Maschwanden (in Gelb eine geschweifte schwarze Spitze, belegt und beseitet von drei Planetenzeichen Erde in gewechselten Farben), Horgen (in Rot ein weißer gelbbewehrter Schwan), Hegi (in Gelb ein schwarzer Löwe), Stein am Rhein (in Rot der auf weißem Pferd nach links reitende gelbnimbierte hl. Georg in weißer Rüstung, mit der Lanze in seiner Linken den gelben Drachen tötend), Steinegg (in Blau ein weißer Wellenbalken), Andelfingen (in Rot ein gelber Schrägbalken, begleitet von zwei schreitenden gelben Löwen, über dem unteren ein gelber sechszackiger Stern), Stammheim (gespalten, links in Gelb ein halber ausgerissener grüner Zweig mit drei grünen Blättern, rechts in Rot ein gelber Stamm), Zollikon (schräglinksgeteilt von Blau mit sechsstrahligem Stern und von Weiß mit rotem Schrägbalken), Elgg (in Rot ein weißer Balken von drei 2:1 schwarzen Bärenköpfen mit gelbem Halsband beseitet), Meilen (nur noch fragmentarisch: in Gelb über grünem Dreiberg eine zweitürmige schwarze Zinnenburg, überhöht von zwei sechsstrahligen, hier weißen statt roten Sternen), Rümlang (in Rot ein halbes weißes Einhorn), Stäfa (in Weiß die hl. Verena gelbnimbiert, in blauem Kleid und gelbem Mantel, in der erhobenen Rechten einen gelben Kamm, in der gesenkten Linken einen grünen Krug haltend), Wädenswil (in Rot eine gelbe Schnalle, Kilchberg: in Blau eine vierblättrige weiße Rose), Thalwil (in Weiß zwei gekreuzte schwarze Rohrkolben an beblätterten gelben Stängeln), Küsnacht (in Rot ein übereckgestelltes gelbes Kissen mit Quasten), Greiffensee (in Gelb ein steigender roter Greif), Männedorf (in Gelb ein steigender schwarzer Fischotter, im Maul einen weißen Fisch haltend), Neuamt (geteilt, oben in Blau ein gestürzter Halbmond, unten in Gelb zwei rote Rosen), Sellenbüren (in Gelb ein schwarzer Bärenkopf), Bülach (schräggeteilt von Weiß und Rot), Fluntern (in Blau zwei gekreuzte weiße Zepter), Wollishofen (gespalten, rechts gelb, die linke rote Hälfte dreimal von Weiß quergeteilt), Freiamt (in Gelb ein kreuzförmiger schwarzer Schildbeschlag), Regensberg (in Rot eine weiße Burg, überhöht von einem gelben Regenbogen auf weißen Wolken fußend), Laufen (in blau zwei senkrechte gelbbekleidete Arme), Hedingen (nur noch fragmentarisch: in Gelb eine schrägrechte gestürzte schwarze Spitze), Winterthur (in Weiß ein roter Schrägbalken, begleitet von zwei schreitenden roten Löwen), Eglisau (in Gelb über weißem Dreiberg ein stehender schwarzer Hirsch), Grüningen (in Grün ein steigender weißer Löwe). Inschrift: Auf dem rosa Randstreifen umlaufend in nachgotischer Fraktur die Namen der Wappeninhaber, im Uhrzeigersinn: Kyburg • Sax • Reg.asperg Mackwanden Korgen Hegi • Stein • Steinegg • Andelfing (Stammheim) (Zollikon) (Elgg) (Meilen) (Rümlang) Stäffen • (Wädens) vyl • Kilchberg • Talwil • Küssnacht Grüffense Mänidorf Neuwampf Sellenbür • Bülach Flunterenn Wollishofen (Freia)mpt • Regenspurg • Lauffen • Hedingen •Winterdur Eglysoun Groningen •. Im Schriftband auf den Stufen: 1545. CVMA 99756
Wappen des Hans Braem
Kunstgewerbemuseum
Inschrift: Im weißen Rand umlaufend in schlichten Majuskeln • HANS • BRAEM • . (Unter dem Mittelstrich des A das E) Das Wappen der Zürcher Familie Bräm vor gelbem Grund zeigt in Blau einen grünen Dreiberg, darauf über gelbem Stab ein steigender Mond. Johannes Braem (1521–1584) war Büchsenmacher, 1548 Zwölfer der Zunft „Zur Schmieden“, 1556 Statthalter und 1567 Bürgermeister. Zusammen mit neun weiteren gleichgroßen Wappen von Mitgliedern des Großen Rats der Stadt Zürich (Inv. Nr. K 9050 - K 9059) könnte die Scheibe ursprünglich in einem Fenster des Ratssaales angebracht gewesen sein. CVMA 98760
Männlicher Kopf
Kunstgewerbemuseum
Vergleichbare Beispiele für die beiden sehr kleinen Medaillons Inv. Nr. F 2773 b und F 2773 c sind nicht bekannt, ungewiss ist auch ihre Funktion. Doch wäre durchaus vorstellbar, dass sie als dekorative Elemente in Friesen, Säulensockeln oder Bogenzwickeln Bestandteile einer Renaissancearchitektur waren. Die Büsten sind nach dem Muster der „imago clipeata“ von einem Rahmen umschlossen, dessen gelbe Fassung einmal mit roten Kreisen, einmal mit T-förmigen Ornamenten verziert ist. Das Bildnis Inv.Nr. F 2773 c zeigt einen Mann vor rotem Grund ins Profil gewandt nach rechts blickend. Auf seinen kurz geschnittenen blonden Haaren trägt er eine Schlappe, ein Barett mit schmaler Krempe, sein steif und schräg vom Kinn abstehender langer Bart verleiht der Büste einen grotesken Zug. Trotz ihres kleinen Formats sind die beiden Medaillons sorgfältig und in klassischer Maltechnik ausgeführt. Die in raschen Pinselstrichen angelegte Zeichnung ist in differenzierten Halbtönen modelliert, mit gewischten und radierten Glanzlichtern akzentuiert und endlich mit Silbergelb und Eisenrot koloriert. Die Köpfe spiegeln keine Portraits wider, sondern Charaktertypen, deren Zusammengehörigkeit auch durch die im Wechsel korrespondierenden Farben demonstriert wird. Nach den modischen Details zu schließen – der Schlappe, dem eckig geschnittenen Bart mit der geraden Kante und den Stehkragen mit dem bereits etwas breiteren gerüschten Rändern – dürften die kleinen Bildnisse um 1540/50 entstanden sein. CVMA 98750
Wappenscheibe des Augustin Fesch und der Anna von Tann
Kunstgewerbemuseum
Originell und von eigenwilligem Charme ist die Gestaltung der Wappenscheibe als rundes Maßwerkfenster mit einem Dreipass im Zentrum, in dem eine junge Frau zwei Schilde präsentiert. Sie ist elegant gekleidet, trägt einen weiten weißen Rock, ein knappes körperbetonendes und von gelben Borten eingefasstes Oberteil mit langen, an Schulter und Ellenbogen gepufften Ärmeln. Ihr tiefes Dekollete, das ein hauchdünnes Brusttuch nur andeutungsweise verhüllt, ziert eine schwere Goldkette, und auf ihrem Haupt sitzt ein mit wippenden Straußenfedern geschmücktes Tellerbarett. Das linke Wappen zeigt in Rot zwei von einander abgewandte weiße Streitäxte mit gelbem Stiel und gehört Augustin Lösch (gest. 1535), das rechte mit zwei schräg gestellten blauen Hirschhörnern in Gelb seiner Gemahlin Anna von Tann (gest. 1534). Ihrem Gesichts- und Figurentyp nach erinnert sie an die weiblichen Gestalten des Landshuter Malers Hans Wertinger (1465/70–1533). Vor allem in seinen kleinformatigen Bildern aus den Jahren 1525/26 finden sich etliche Frauen, die in verwandter Tracht und Haltung dargestellt sind, die ein ebensolches üppig mit Straußenfedern besetztes Barett tragen und dasselbe knappe Mieder mit schmalen an Schulter und Ellenbogen gepufften Ärmeln. Vergleichbar ist nicht zuletzt auch die nahezu identisch gekleidete Wappenjungfrau des Fieger’schen Diptychons im Tiroler Landesmuseum Innsbruck. CVMA 98758
Trauernde Maria aus einer Darstellung der Kreuzigung Christi
Kunstgewerbemuseum
Die gedrungene Figur der Maria, der Kopftypus mit der langen Nase und den weit auseinander stehenden Augen, die breiten Hände mit kurzen Fingern und der großflächig angelegte Faltenwurf finden ihre nächsten Parallelen in Tafelbildern aus dem nördlichen Alpenvorland. LL CVMA 98737
Hl. Dorothea zwischen zwei Schilden und mit dem Wappen des hl. Alexius
Kunstgewerbemuseum
Die Zwickelscheibe ist das letzte erhaltene Werk eines ehemals umfangreichen Zyklus, von dem sich bis 1945 vier Zwickel- und zehn Rundscheiben im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums befanden. Wie die zerstörten Zwickel zeigt auch diese Scheibe in der unteren Spitze das Wappen des hl. Alexius im Maßwerk: im geteilten Schild oben vor hellem Grund zwei einander gegenüber stehende Löwen zu Seiten eines Vogels auf einer sechsblättrigen Blüte mit Stängel, unten sechs Schrägbalken. Darüber befindet sich die Halbfigur der hl. Dorothea, erkennbar an Nimbus, Blütenkranz, Blütenkorb und Blumen in der Hand und gekleidet in ein langärmeliges, mit Perlen besticktes Kleid und einen weiten Mantel, die Mitte ein. Ein brokatenes Ehrentuch mit edelsteinernen Säumen ist hinter ihr aufgespannt, bis zum nahen Horizont erstreckt sich eine hügelige, mit Gras bewachsene Landschaft. Die seitlichen Wappenschilde sind mittels Gurten an einem Stab befestigt, der in einer dunklen Kehle der Form des oberen Rahmens folgt. Das linke Wappen zeigt einen sternbekrönten Schaft mit durchkreuztem Kreis, dessen Felder ebenfalls mit einem sechsstrahligen Stern gefüllt sind; das rechte Wappen zeigt den in zwei Zacken endenden Schaft, auch Doppelhaken oder Wolfsangel genannt, mit sechsstrahligem Stern. Nach Schmitz 1913 ist letzteres auf die Familie Brandt zu beziehen, die häufig den sechsstrahligen Stern im Wappen führte, so dass auch das andere, nicht mit einem Namen zu verbindende Wappen auf ein Mitglied dieser bürgerlichen Familie bezogen werden kann. CVMA 98695
David und Goliath
Kunstgewerbemuseum
Die Szene führt das bekannte in Sam 1,17 geschilderte Ereignis vor Augen. Als in der entscheidenden Schlacht der hünenhafte Philister Goliath die Israeliten schmähte und einen der Soldaten zum Zweikampf aufforderte, stellte sich ihm der unerfahrene Hirtenjunge David, der für eine Rüstung noch zu schmächtig war und nur eine Steinschleuder bei sich trug. Die Darstellung zeigt den Moment vor Goliaths Sturz, in dem David zum Wurf mit der Schleuder ausholt und der Riese, von ahnender Ohnmacht erfüllt, die Hand zur Stirn hebt. Als Vorlage diente der entsprechende Holzschnitt aus den "Biblischen Historien" Hans Sebald Behams, die 1533, ein Jahr nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt, von dem dort ansässigen Verleger Christian Egenolf gedruckt wurde. Das erzählerische Moment wurde wie bei Inv. Nr. K 7022 auch hier vom Glasmaler noch prägnanter formuliert. So scheint sich der Stein eben aus der Schleuder zu lösen, und die Wiese vor dem Lager, der Schauplatz des Zweikampfs, ist nun plan, die Zuschauergruppe zwischen den Wagen davor hingegen deutlicher hervorgehoben. Die kleine Grisaille führt exemplarisch vor Augen, wie viele Farbnuancen man mit wenigen Mitteln erzielen konnte. Der Kittel Davids ist zart mit Eisenrot koloriert, Wiese und Laub der Bäume suggerieren durch das fahle Silbergelb olivgrüne Töne, während Davids Krone, die Lanze Goliaths und die schmückenden Teile seiner Rüstung in kräftigem Goldgelb gehalten sind. CVMA 98780
Thronender Fürst
Kunstgewerbemuseum
Ein gekrönter Herrscher mit einem Zepter in der Rechten thront vor einer textilen Baldachin-Rückwand. Vier junge Frauen in höfischer Tracht nähern sich ihm ehrerbietig. Im Hintergrund erscheinen zu Seiten des Thrones drei männliche Figuren, im Vordergrund spielt ein Hundepaar. Die ikonografische Bedeutung der Szene ist unbekannt.
Fragment mit sogenannten Fuggerbildnissen
Kunstgewerbemuseum
Das Fragment zeigt nach rechts gewandt die Büsten eines älteren und eines jungen Mannes im Dreiviertelprofil. Die feinsinnigen Züge des Älteren sind individuell gezeichnet und haben Portraitcharakter. Antlitz und Haartracht des jungen Mannes mit den blonden kurzen Locken hingegen entsprechen einem geläufigen Kopftyp. Beide sind reich gekleidet, tragen Hemden mit goldfadendurchwirktem gekräuseltem Stehkragen und mit Pelz gefütterte Schauben, der Jüngere zudem ein Obergewand aus Brokat. Die waagrecht über die Stirn der beiden Männer verlaufenden Notbleie lassen vermuten, dass die Köpfe ursprünglich in Augenhöhe mehr oder weniger nahe nebeneinander angeordnet waren. Die Richtung ihrer Blicke könnte darauf deuten, dass sie eventuell Teil einer szenischen Darstellung, etwa einer Anbetung der Hl. Drei Könige waren. Die maltechnische Qualität des Fragments legt die Vermutung nahe, dass es aus der Werkstatt des seinerzeit wohl bekanntesten Augsburger Glasmalers Gumpold Giltlinger hervorgegangen ist. Anhaltspunkte, aus welchem Gebäude die Glasmalereien stammen könnten, gibt es nicht. CVMA 98770
Versöhnungsszene aus einer Folge mit dem Exempel vom undankbaren Sohn
Kunstgewerbemuseum
Die Szene atmet Behaglichkeit, sie spielt in einem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer, dessen Mitte ein freundlich gedeckter Tisch einnimmt. Links davor steht die junge Hausfrau und heißt mit einladender Geste einen alten Mann willkommen, der soeben die Stube betreten hat. Herzlich empfängt ihn auch ihr Gatte, legt ihm den Arm um die Schultern und bittet ihn, auf dem mit Kissen gepolsterten Lehnstuhl am Kamin Platz zu nehmen. Sogar der kleine Sohn ist involviert und schiebt den Alten mit beiden Händchen zum Stuhl mit seiner mächtigen Rückenlehne. Die realistisch wiedergegebenen Details, das sorgfältig gebügelte Tischtuch, die fegende Magd links im Hintergrund, die über und neben dem Kamin verwahrten Gerätschaften zum Feuermachen am Kamin unterstreichen den Eindruck eines sauber und ordentlich geführten Haushalts. Eine Parallele für das Motiv ist nicht bekannt. Vergleichbar ist allerdings eine Scheibe aus dem Museum Heylshof in Worms, die, obzwar von anderer Hand ausgeführt, eine ähnliche Darstellung zeigt. Sie spielt in demselben Raum, und die Figuren sind, bis auf das Kind, die gleichen. Doch brennt nun im Kamin ein Feuer, und auf dem Tisch steht eine größere Mahlzeit. Dort hat das junge Paar einander gegenüber Platz genommen, während der alte Mann mit einem Teller in der Hand hinter der Frau steht. Eine mit dem Glasgemälde übereinstimmende Zeichnung befindet sich in der Sammlung Frits Lugt, Paris. Es wird angenommen, dass hier eine Geschichte zur Anschauung gebracht wurde, die als Exempel zur Illustration des vierten Gebots in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland in der volkstümlichen Literatur wie in Predigtsammlungen vor allem im späten Mittelalter verbreitet war und wohl auf gemeinsame mittellateinische Quellen zurückgeht. Sie schildert, wie der Vater dem Sohn sein ganzes Vermögen aushändigt, doch dann von ihm schlecht gehalten wird und nicht genug zu essen bekommt. Dessen eigener Sohn bittet nun eines Tages seinen Vater um ein Stück Holz; er folgt neugierig dem Kleinen und sieht, dass er einen Trog schnitzt. Auf seine Frage, für wen der Trog sei, antwortet er, der sei für ihn, wenn er alt sei, damit er dann wie der Großvater daraus essen könne. Schlagartig wird dem Sohn sein Unrecht bewusst, er bereut sein Verhalten, versöhnt sich mit dem Vater, behandelt ihn fortan gut und versorgt ihn reichlich. Um 1370/80 entstandene Wandmalereien aus dem Hause Glesch in Köln belegen, dass die Erzählung auch Gegenstand bildlicher Überlieferung war. Sie ist in fünf Abschnitte gegliedert, der erste zeigt eine Magd beim Kochen, der zweite ist zerstört, im dritten sieht man den kleinen Enkel vor dem Trog im Gespräch mit seinem Vater, im vierten bittet der Sohn den Großvater um Vergebung und im fünften ist die ganze Familie zum Versöhnungsmahl um einen reich gedeckten Tisch versammelt. Der Bildinhalt der letzten Szene ähnelt dem der Berliner Scheibe und macht es wahrscheinlich, dass auch hier die Versöhnung geschildert ist. Das Kabinettstück – zweifellos eines der schönsten der Sammlung – besticht durch seine hohe künstlerische Qualität. Figuren und Formen sind auf subtile Weise mit hauchfein abgestuften Lasuren aus Licht und Schatten modelliert, Konturen nicht einfach als dunkle Linien durchgezogen, sondern sensibel bis hin zu hellsten Tönen variiert, um so weitere Lichtreflexe zu setzen. Dank der minutiösen malerischen Technik wird die atmosphärische Qualität der Szene eingefangen und die Gestalten gelangen zu einer fast vollplastischen Wirkung. Motivische Analogien verbinden die Darstellung mit Werken des nach einer Folge von sechs großformatigen Rundbildern mit Szenen der alttestamentlichen Josephsgeschichte benannten Meisters der Josephsfolge, der von Rogier van der Weyden und Dirk Bouts beeinflusst, zwischen 1490 und 1505/10 in Brüssel und in den südlichen Niederlanden tätig war. CVMA 98768
Der Sündenfall
Kunstgewerbemuseum
Die wie lavierend nur flüchtig angedeutete Flusslandschaft bildet die Folie für die scharf konturierte Figurengruppe mit dem Früchte beladenen Baum im Zentrum. An seinem Stamm windet sich die Schlange empor. Sie fixiert lauernd-verschlagen Eva, die Adam den Apfel reicht und ihn zum Übertreten des Verbots auffordert. Die Darstellung folgt einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus den „Biblischen Historien“, die 1533, ein Jahr nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt, von dem dort ansässigen Verleger Christian Egenolf gedruckt wurde. Die Zeichnung ist in flüssigen Linien, die Modellierung weich und malerisch in zarten, gelegentlich durch Schraffuren akzentuierten Halbtönen angelegt, die, gestupft oder breit mit dem Pinsel aufgetragen, die Oberflächenbeschaffenheit der Materialien nachahmen. Die Souveränität des Glasmalers zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er anders als der Holzschnitt mit dem beredten Austausch der Blicke und Gesten auch die Dramatik des Handlungsmoments zum Ausdruck bringt. Adams Scham verbirgt er zudem unter einem Feigenblatt. Die kongeniale Umsetzung der Vorlage ist am ehesten Augustin Hirsvogel (1503–1553) zuzutrauen, dem jüngsten Sohn des 1525 verstorbenen Nürnberger Stadtglasers Veit Hirsvogel d. Ä. Für diese Annahme sprechen beispielsweise die spezifische Gestaltung etwa der Laubkronen mit einzeln abstehenden trockenen Ästen oder des knorrigen Baumstamms mit Astlöchern und rissiger Rinde, die genauso auf den Zeichnungen und Stichen Augustins begegnen. Die kleine Rundscheibe müsste er noch in seiner Nürnberger Zeit kurz nach Erscheinen der Holzschnitte ausgeführt haben. CVMA 98781