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Objekttyp: Holzschnitt
Porträt von Munakata Shikō
Museum für Asiatische Kunst
Sekino Jun'ichirô gehört - ebenso wie der dargestellte Holzschnittmeister Munakata Shikô - zu den bekanntesten "Sôsaku hanga"-Künstlern, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts den Holzdruck als künstlerisches Medium entdeckten, in Unabhängigkeit von kommerziellen Vorgaben durch Verlage. Obgleich zahlreiche Künstler der "Kreativen Druck-Gesellschaft" in westlichen Malereitechniken ausgebildet waren, gab ihnen das traditionell vertrautere Gebiet des Holzdrucks die gesuchten Möglichkeiten, ihren künstlerischen Willen authentisch umzusetzen. Das Berliner Porträt von Munakata Shikô (1903-1975) ist eine meisterliche Charakterisierung der von tiefem buddhistischen Glauben geprägten Persönlichkeit des 11 Jahre älteren Jugendfreundes und zugleich eine feinfühlige Hommage an dessen künstlerisches Werk. Wie ein Berg ragt der in einen Yukata gekleidete Oberkörper Munakatas in die Bildfläche hinein. Der ins rechte Halbprofil gewendete Kopf bildet die kompositorische Mitte. Im oberen Bildteil erscheint beinahe spiegelsymmetrisch eine Mandorla, in der zwei buddhistische Figuren, den Druckstock fast sprengend, erkennbar werden. Flammenschraffuren füllen den Bildraum zu beiden Seiten des Dargestellten. Äußerst geschickt baut Sekino eine tonale Abstufung auf. Körper und Gesichtszüge werden von kräftigen Umrißlinien und Schattierungen geprägt. Die dicken Brillengläser, tiefen Gesichtsfalten und das wirre Haar des Altmeisters stehen mit ihrer radikal realistischen Wirkung in starkem stilistischem Kontrast zur Bildsprache des Hintergrunds, die aus der Volkskunst (mingei) schöpft. Sekino zitiert hier inhaltlich und formal eines der frühen Hauptwerke von Munakata Shikô. Aus der Serie "Die Zehn Großen Schüler des Buddha" von 1939 sind Ubari, der die buddhistischen Klosterregeln kompilierte, und Furuna, der zum Hauptprediger von Buddhas Lehre wurde, zu erkennen. In Sekinos Porträt werden sie zu spirituellen Erscheinungen der einem Buddhawesen gleichenden einzigartigen Künstlerpersönlichkeit Munakatas. Indem Sekino seine Darstellung des bewunderten Lehrer-Freundes formal einem traditionellen Priesterporträt angleicht, betont er die geistige Kraft von Munakata und seine Vorbildrolle für die Sôsaku hanga-Bewegung. Möglicherweise spielt er hier auch auf den buddhistischen Ehrentitel "Auge des Gesetzes" (hôgen) an, der Munakata im Januar 1962 verliehen wurde. Sekino schuf bereits vor und während des Krieges hervorragende Zeichnungen und Holzschnitt-Porträts von Kabuki-Schauspielern und von Bunraku-Puppen, die er bei Vorführungen in der Iwasaki-Farbrik in Tôkyô zu sehen bekam. Berühmt sind auch seine Porträts von Künstlerkollegen wie Onchi Koshirô (1891-1955). Zum Drucken benutzte er überwiegend Katsura-Holz sowie handgeschöpftes Papier (torinoko), wie viele Künstler der Sôsaku hanga-Bewegung. Seine späteren Landschaften wie die 1959 begonnene und 1974 beendete Serie der "53 Stationen der Tôkaidô" zeichnen sich durch eine ruhige und poetische Bildsprache in Verbindung mit brillanter Technik aus. Typisch für Sekino ist auch die meisterhafte Einbeziehung der natürlichen Maserung des Holzes in die Komposition.
Schöne mit verspielter Katze
Museum für Asiatische Kunst
Mit leichtem Erschrecken schaut ein Mädchen auf eine Katze, die sich in ihren ockerfarbenen, weiß gemusterten Furisode mit blaßgelbem Untergewand gekrallt hat. Wie um einen Schrei zu unterdrücken, führt sie ihre rechte Hand an den Mund. Hinter der jungen Frau wird ein Verandapfosten sichtbar. Von der Decke hängt eine Blumenvase mit einem Blumenarrangement herab. Das Motiv des Mädchens mit der spielenden Katze verweist auf das 34. Kapitel des Genji-Romans. Dort wird geschildert, wie die Prinzessin Nyôsan, die Gemahlin des Prinzen Genji, heimlich einem Ballspiel der Hofbeamten zuschaut, verborgen durch einen Vorhang. Als eine Katze diesen lüftet, erblickt einer der Hofbeamten, Kashiwagi, die Prinzessin. Eine unglücklich endende Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Im vorliegenden Blatt wird aus der Prinzessin ein Mädchen in zeitgenössischer Tracht. Koryûsai war einer der führenden Künstler des Ukiyoe. Eine seiner Signaturen enthält die Bezeichnung "bukô" (Samurai), mit der er seine Zugehörigkeit zum Adelsstand betonte, auch wenn er aus dem Dienst seines Lehnsherren Tsuchiya entlassen worden und als herrenloser Samurai (rônin) nach Edo gezogen war. Isoda Koryûsai war mit Suzuki Harunobu, dem damals führenden Holzschnittmeister, gut bekannt und auch stilistisch stark von ihm beeinflusst. Die kindlich-anmutigen Frauengestalten des Harunobu spiegeln sich in Koryûsais Frauentyp der frühen Malereien und Holzschnitte wider. Zu diesem Zeitpunkt signierte er seine Werke mit Koryûsai Haruhiro. Mitte der 1870er Jahre dann hatte er seinen eigenen Stil gefunden. Seine Figuren wurden kräftiger und wirklichkeitsnäher, ebenso die Farbgebung, bei der Olivgrün und Orange (tan) Akzente setzen. Koryûsais Frauengestalten mit ihren Laternen-Frisuren (torobin) wurden zu modischen Vorbildern in den Vergnügungsvierteln von Edo. Berühmt ist seine über 100 Blatt umfassende Folge "Neue Modelle, frisch wie junge Blätter", die Ende der 1870er Jahre entstand. Isoda Koryûsai schuf meisterliche Kompositionen im schmalen Hochformat der Pfostenbilder. So schafft er auch in unserem Blatt durch die Überschneidung der Figur mit dem Bildrand, die diagonal verlaufenden Deckenbalken und Verandadielen eine räumliche Vorstellung von Vorder- und Hintergrund, von Bildweite und Bildtiefe trotz der sehr begrenzten Bildfläche. In den Blumen-und-Vogel-Bildern des Koryûsai lassen sich Elemente des Kanô-Malstils erkennen. Seit 1781 schuf er nur noch Ukiyoe-Gemälde und gab den Holzschnitt auf.
Der Amida-Wasserfall in den Bergen von Kiso
Museum für Asiatische Kunst
In klaren leuchtenden Farben zeigt dieses Blatt im Hochformat den Amida-Wasserfall, der seinen Namen der Felsenöffnung verdankt, durch die der Bergsee in die Tiefe stürzt. Ihre fast kreisrunde Form erinnert an das Haupt des Buddha Amida. Steile Felsvorsprünge, dicht bewachsen, rahmen das spektakuläre Panorama. Auf einem Felsenpalteau haben sich zwei Reisende zu einem Picknick niedergelassen, ihr Diener bereitet den Tee. Der Bildtitel in der linken Kartusche lautet: "Der Amida-Wasserfall im Innern der Kiso(kaidô)-Paßstraße". Das Blatt gehört zu einer achtteiligen Serie, die Hokusai schuf, noch während er die berühmte Folge der "Sechsunddreißig Ansichten des Fuji" zeichnete. Hokusai war einer der vielseitigsten japanischen Künstler überhaupt. Der Maler und Zeichner hinterließ über 30.000 Zeichnungen und Holzschnitte, aus denen sein geniales Zeichentalent und seine unabhängige Auffassung von Landschaftsdarstellung herausragen. Berühmt sind seine "Skizzen-Bücher" (manga), die er seit 1819 herausgab. Zeitlebens beschäftigte er sich mit unterschiedlichsten stilistischen Traditionen und technischen Fragestellungen. Ihre sichere Handhabung führten den "malbesessenen Alten", wie er seit 1833 seine Holzschnitte auch signierte, zu einem charakteristischen, prägnanten Stil, der immer das Wesentliche einer Form, eines Ausdrucks oder einer Stimmung zu erfassen vermochte.
Bilderbuch ausgewählter Insekten
Museum für Asiatische Kunst
1788 erschien das zweibändige Holzschnittbuch "Ehon mushi erami" von Utamaro mit 15 doppelseitigen Darstellungen von Insekten und Pflanzen sowie raffinierten Scherzgedichten (kyôka) bekannter Dichter. Im Vorwort verweist der Dichter Yadoya no Meshimori (1753-1830) auf einen illustrierten Gedichtband über Insekten, der im 17. Jahrhundert kompiliert wurde und Utamaro vermutlich als Vorlage diente. Die hier abgebildete Doppelseite zeigt eine Feldgrille (kirigirisu) und eine Zikade (semi) auf einer schwarzfleckigen Netzgurke (hechima). Folgende Gedichte sind den Insekten gegenübergestellt: "Kleine Feldgrille/Du zirpst so laut beim Lieben/Merkst du denn nicht/Auch die Wände haben Ohren/Und alle Welt hört mit" (Kurabe no Yukisumi) "Mein Liebster, elender Schuft!/Wie die Zikade/Hört man dich überall/Aber bei mir blicken läßt du dich nicht." (Miwa no Sukikado) (Übersetzt von C. Delank und H.Moog) Die Hochschätzung von Utamaros Arbeit durch den Verleger Tsutaya Jûsaburô (1748-1797) wird durch die hohe Qualität des ausgeführten Druckes deutlich. Im Nachwort hebt Toriyama Sekien (1712-1788), der Lehrer Utamaros, ausdrücklich die Fertigkeit des beteiligten Holzschneiders Tôissô hervor. Weiter erwähnt er, wie genau Utamaro schon als Kind Details beobachtete, und vergleicht, bezugnehmend auf das Buchthema, lobend die Art der künstlerischen Arbeit von Utamaro mit der Verhaltensweise von Insekten.
Auf die Zither herabfliegende Wildgänse
Museum für Asiatische Kunst
Die insgesamt acht Blätter umfassende Serie travestiert ein klassisches Motiv der chinesischen Landschaftsmalerei, "Die Acht Ansichten von Xiao und Xiang". Seit der Muromachi-Zeit fand dieses Thema auch Eingang in das Repertoire japanischer Künstler. Um 1500 wurde es gar japanisiert: In Anlehnung an das chinesische Vorbild wurden acht pittoreske Szenen aus den Dörfern rund um den Biwa-See in der Provinz Omi ausgewählt. In der Tokugawa-zeitlichen Holzschnittkunst, deren Motivwahl hauptsächlich aus der Welt der metropolitanen Vergnügungsviertel schöpfte, travestierten die Holzschnittmeister das klassische Motiv abermals. Anstelle der Landschaften bildete nun das hedonistische Leben in den Innenräumen der vielen Teehäuser in Yoshiwara das Hauptthema. Auf dem vorliegenden Blatt schickt sich die in prachtvolle Kimonos gekleidete Kurtisane zum Spiel auf der japanischen Zither an. Eine schräg vor ihr sitzende Dienerin wählt aus einem Stapel Notenbücher ein passendes Musikstück aus. Die schwarzen, V-förmigen Stege der Zither erwecken hier die Assoziation an eine Schar herabfliegender Wildgänse. Dies entspricht der ersten Szene in der klassischen Version "Auf flache Sandbänke herabfliegende Wildgänse". Der ausführende Künstler Harunobu tritt in der Komposition nicht namentlich auf, sein Stil ist jedoch in der zurückhaltenden Eleganz der Darstellung unverkennbar. Harunobus subtile Linienführung und Farbgebung sowie seine androgyn wirkenden Figuren beeinflussten nachhaltig das Werk der frühen Hollzschnittmeister. Harunobu gilt auch als Erfinder der Paßmarken auf den Druckstöcken, mit deren Hilfe der Vielfarbendruck erst möglich wurde.
Originales Perspektivbild des großen Tors und der Nakano-chō Straße in Shin-Yoshiwara
Museum für Asiatische Kunst
Wie auf eine Bühne blickt man auf den belebten Platz am Haupttor in Shin-Yoshiwara in das nach hinten weit geöffnete Teehaus Tomoe-ya hinein. Mit sicherem Gespür für humorvolle und alltagsnahe Details wird das Leben im Vergnügungsviertel geschildert: Während im Vordergrund Gäste am Tor begrüßt werden, flaniert eine Kurtisane mit ihrer Dienerschaft vorbei. Einige auf Anonymität bedachte Samurai haben ihre großen Reisstrohhüte tief in die Gesichter gezogen. Im Hintergrund bieten Händler ihre Waren feil. Die herausgenommenen Schiebewände des Teehauses gestatten einen Blick in das Innere, wo eine Kurtisane und ihr Gast sich im mittleren Raum niedergelassen haben. Im hinteren Trakt wird die Küche sichtbar. Im Nebenraum wartet ein in einen Furisode gekleidetes Mädchen auf Besucher. Außerhalb des Tores weist eine Standarte mit der Aufschrift "Haupteingang zum Neuen Yoshiwara" den Reisenden und Ankommenden den Weg. Okumura Masanobu war sowohl Holzschnittzeichner als auch Verleger. Sein künstlerisches Schaffen fällt in eine Phase zahlreicher Neuerungen im Holzschnitt, die schließlich 1764/65 zu den kostsppieligen Vielfarbendrucken Harunobus führten. In den 1740er Jahren schuf Masanobu als erster so genannte "fließende Bilder" (uki-e), in denen seine Beschäftigung mit der anfänglich als kurios empfundenen westlichen Zentralperspektive sichtbar wird. Zahlreiche seiner Perspektivbilder schuf Masanobu als"beni-e". Neben beni (karminrotes, heute häufig ins Rosa verblaßtes, aus Safran gewonnenes Pigment) wurden sie mit weiteren Pflanzenfarben koloriert.
Ein Tag am Palast der Republik.
Museum Europäischer Kulturen
Querformat, Handdruck, Holzschnitt "Ein Tag am Palast der Republik" (1974). Ansicht des im Bau befindlichen Palast der Republik mit drei Drehkränen. Im Vordergrund zwei Bäume. Blatt bezeichnet: "Ein Tag am Palast der Republik - Holzschnitt 2/30 Paul Wagner Juli 74", signiert: "PW 74". Auf der RS Stempel: "Paul Wagner/ Künstl. Volksschaffen/ 28 Ludwigslust/ Klara-Zetkin-Straße 7". Paul Wagner (1902 - 1990), geb. in Berlin.
Wintertag in der Vorstadt
Museum Europäischer Kulturen
Querformat, Handdruck, Holzschnitt "Wintertag i.d. Vorstadt" (1955). Landschaft mit Feld und Baum, darauf zwei Schuppen, im Hintergrund Häuser. Im Vordergrund ein Zaun als Feldbegrenzung und eine Person, die am Zaun entlanggeht. Blatt bezeichnet: "Wintertag i.d. Vorstadt/ Paul Schultz-Liebisch 55", signiert: "SLi". Paul Schultz-Liebisch (1905 - 1996), geb. in Berlin-Reinickendorf.
Dorflandschaft
Museum Europäischer Kulturen
Querformat, Handdruck, Holzschnitt "Dorflandschaft" (1956). Dorfansicht mit Wohnhäusern, davor Frau mit Kind. Im Vordergrund ein Zaun, eine Wäscheleine mit Wäsche und eine Schwengelpumpe. Rechts ein Baum. Blatt bezeichnet: "Dorflandschaft/ Handdruck/ Paul Schultz-Liebisch 56", signiert: "SLi". Paul Schultz-Liebisch (1905 - 1996), geb. in Berlin-Reinickendorf.
Kraków
Museum Europäischer Kulturen
Hochformat, Holzschnitt "Kraków". Blatt unleserlich bezeichnet. Darstellung verschiedener historischer Bauwerke in Krakau mit Bäumen. Im Vordergrund Personen beim Spaziergang.