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Objekttyp: Kapitell
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Rundkapitell wird geschmückt von einer regelmäßigen Abfolge aufsteigender, schlanker Palmettenstängel mit diamantierten Rippen, deren fleischige Blätter oben relativ weit nach vorn fallen. Der auf dem ersten Blick schlichten Anordnung liegt jedoch ein komplexes System zu Grunde: Es gibt drei Arten von Stängeln, die ersten beiden unterscheiden sich lediglich in der Höhe und alternieren, sodass sich die Blätter weiter ausbreiten können. Jeweils zwischen zwei Stängeln ist ein kürzerer gestellt (nur auf der rechten Seite erhalten), dessen Blatt sich über den größeren Stängel neigt, um mit dem Blatt des nächsten kleineren Stängels zusammengeführt zu werden. Jeweils zwei dieser am Ende zusammengeführter Stängel wirken zusammen wie eine einzige gespaltene Palmette – ein Eindruck, der sich noch dadurch verstärkt, dass jeweils die Seite an der „Schnittstelle“ neben einem Diamantfries jäh abbricht. Durch diese Versprünge, Aufspaltungen und die entsprechende Schattenbildung erhält das Kapitell ein erstaunliches Maß an Plastizität. Für die ursprüngliche Aufstellung in einem geschützten Innenraum spricht der gute Erhaltungszustand. Größe und Form des Kapitells schließt einen Kirchenraum eigentlich aus. Diskutiert wurden St. Pantaleon und St. Gereon in Köln als ursprüngliche Aufstellungsorte. Beide Klausurkomplexe sind in den 1810er-Jahren abgerissen worden und nur unzureichend dokumentiert. Aus den Quellen lassen sich aber für St. Pantaleon keine größeren und anspruchsvollen Baumaßnahmen in der Zeit um 1200 nachweisen, wohl aber für St. Gereon. Verbunden wurde dieses und einige andere Kapitelle mit dem sogenannten Samsonmeister – eine Bezeichnung, unter der man inzwischen eine größere Gruppe von Skulpturen in Köln, am Nieder- und Mittelrhein versteht, die von einer, wenn nicht mehreren Werkstätten ausgeführt wurden. Charakteristika der zahlreichen nichtfigürlichen Werke dieser Gruppe sind eine starke Plastizität der Einzelformen bei oftmals tiefen Aushöhlungen, eine variationsreiche Verwendung von Feinornamentik wie Bohrungen und Diamantierungen sowie ein souveräner Umgang mit der Gesamtkomposition, der bei aller Bewegung und Verschränkung den Verlauf der einzelnen Formen stets nachvollziehbar bleiben lässt. Auf Einflüsse der Goldschmiedekunst und aus Nordfrankreich hat die Forschung häufig hingewiesen. Unmittelbare stilistische und motivische Voraussetzungen liegen in der Skulptur des Westbaus von St. Georg in Köln. Für diese gibt es konkrete Anhaltspunkte, die zuletzt zu einer Datierung der Kapitelle vor 1192 (Untergeschoss) bzw. um 1200 (inneres Obergeschoss) geführt haben. Diese Zeitspanne, also im Wesentlichen die 1190er-Jahre, ist als wahrscheinlichste Entstehungszeit anzunehmen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) ist bei diesem Kapitell seitlich zu finden. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Es weist zudem seitlich unterhalb des Rundstabs Ansätze einer kassettenartigen Wandstruktur (gekehltes Profil) auf. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) fehlt bei diesem angesichts der etwas groben Oberfläche der Voluten als nicht vollendet anzusehenden Kapitell. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Würfelkapitell mit Blattornamenten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Doppelkapitell mit Drachen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um ein figürliches, kelchblockförmiges Doppelkapitell mit ineinander übergehenden, gerundeten Halsringen und einer einheitlichen Deckplatte, die von einem Kästchenfries mit Bohrungen geschmückt wird, der sich auch über die insgesamt sechs erhaben gearbeiteten Abakusknäufe hinweg erstreckt. An den Längsseiten befinden sich spiralenförmig eingedrehte Ranken, die in der Mitte, zwischen den beiden Kapitellkörpern, von einer Manschette gehalten werden. Die Ranken wachsen aus den Hinterleibern von vogelartigen Drachen, die jeweils an den vier Ecken kopfüber nach unten stürzen und in den gedrehten Halsring beißen. Das Kapitellstammt wohl aus dem ehemals westlich der Kollegiatsstiftskirche St. Gereon vorgelagerten Kreuzgang, der in mehreren Abschnitten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Sowohl für die Rekonstruktion seiner Gestalt als auch der ursprünglichen Platzierung des Kapitells gibt es Anhaltspunkte. Die Zugehörigkeit des Berliner Kapitells zu den anderen aus St. Gereon in Köln sichern Format, Material und Motive; für alle genannten Motive sowie für die Form des Kapitells mit relativ hohem Block und flachem Kelch finden sich zahlreiche Parallelen in der niederrheinischen Bauskulptur um 1170/80, die sich indirekt auf nordfranzösische Vorbilder der Jahrhundertmitte zurückführen lassen. Die Datierung um 1170/80 ist daher in der Forschung auch wenig umstritten. Zwei markante Motive des Berliner Kapitells, die stürzenden, in den Halsring beißenden Drachen und die diamantierte Manschette, mit der die Ranken gebündelt werden, erscheinen auch auf zwei Kapitellen aus dem Kreuzgang des Klosters Knechtsteden (ehem. Neuß, Clemens-Sels-Museum, vgl. AE 514), die wenig früher oder zugleich von einem vielleicht französisch geprägten Atelier ausgeführt wurden. Das Drachenmotiv findet sich aber auch mehrfach an St. Andreas in Köln, so in der Vorhalle, im nördlichen Seitenschiff und Querhaus. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kapitell mit Schaftstück
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um ein schlichtes, hohes und kelchförmiges Kapitell ohne Schmuck. Es scheint sich um ein Wandkapitell gehandelt zu haben, das nur dreiseitig ausgearbeitet war. Zum ursprünglich wohl fast frei stehenden Schaft hin grenzt ein gefaster Ring ab, der Übergang zur quadratischen oberen Platte ist nicht gestaltet. Blätter und Früchte sind relativ flach und lösen sich an keiner Stelle vom Kapitellkörper. Während die Blätter mit der einfachen Durchäderung der Finger stilisiert erscheinen, sind die jeweils zu Dreien aus einem Stängel sprießenden Eicheln durchaus naturalistisch. Auch das Vermeiden von Wiederholungen in der Anordnung belebt das Kapitell. Größe und Form legt nahe, dass das Kapitell zusammen mit AE 395 Bögen eines kleinen gewölbten Raums, Blendarkaden oder eine Kleinarchitektur getragen hat. In der offensichtlich bis zur Zerstörung im 17./18. Jahrhundert noch erhaltenen romanischen Klosterkirche Marienzell bei Querfurt, ein dreischiffiger Bau ohne ausgeschiedene Vierung, kommt insbesondere der Lettner in Frage. Denkbar ist natürlich auch, dass die Kapitelle aus der Klausur stammen. Ein Vergleich mit den ähnlich gestalteten Kapitellen der Blendarkaden des sogenannten Achteckbaus des Meißener Doms, um 1270/80 im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Querhausarm errichtet, zeigt, dass auch eine solche Platzierung in der Wand eines gotischen Raums möglich ist. Vorstellbar wäre auch eine Platzierung in der offenbar westlich der Kirche in unbekannter Zeit angebauten Vorhalle, die sekundär mit der Erneuerung der Grablegefunktion 1323 zusammenhängen könnte. Vielleicht stammt das Kapitell auch aus derselben Baukampagne wie ein weiteres Fragment aus dem Kloster Marienzell, einem Kapitell mit Säulensegmenten, das zu einem frühgotischen Wölbbau gehörte (Museum Burg Querfurt, Inv. V 1123 K 4). Die hohe Kelchform setzen frühgotische Formen voraus, die in der sächsischen Bauskulptur seit dem Auftreten des Naumburger Meisters um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfügbar waren. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Palmettenkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell mit Ranken
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das im Grundriss etwas über halbrund ausgearbeitete, kelchförmige Kapitell war an der Rückseite in eine Wand eingelassen. Nach oben schließt eine runde, glattrandige Deckplatte ab, der nur noch an der rechten Seite original erhaltene Halsring ist regelmäßig gerundet. Über dem relativ gut erkennbaren, gerundeten Kapitellkörper legt sich ein Rankenornament wie eine zweite Schicht, die sich infolge des Fehlens von Voluten und Deckplattenknäufen teppichartig entfalten kann. Es ist in der Mitte gespiegelt und zeigt an der Kapitellfront einen breiten Rankenstrang, der sich nach oben hin spaltet und zu beiden Seiten hin jeweils eine Spirale bildet, die in mehreren Verzweigungen nach innen gedreht ist. Für die ursprüngliche Aufstellung in einem geschützten Innenraum spricht der gute Erhaltungszustand. Größe und Form des Kapitells schließt einen Kirchenraum eigentlich aus. Diskutiert wurden St. Pantaleon und St. Gereon in Köln als ursprüngliche Aufstellungsorte. Beide Klausurkomplexe sind in den 1810er-Jahren abgerissen worden und nur unzureichend dokumentiert. Aus den Quellen lassen sich aber für St. Pantaleon keine größeren und anspruchsvollen Baumaßnahmen in der Zeit um 1200 nachweisen, wohl aber für St. Gereon. Verbunden wurde dieses und einige andere Kapitelle mit dem sogenannten Samsonmeister – eine Bezeichnung, unter der man inzwischen eine größere Gruppe von Skulpturen in Köln, am Nieder- und Mittelrhein versteht, die von einer, wenn nicht mehreren Werkstätten ausgeführt wurden. Charakteristika der zahlreichen nichtfigürlichen Werke dieser Gruppe sind eine starke Plastizität der Einzelformen bei oftmals tiefen Aushöhlungen, eine variationsreiche Verwendung von Feinornamentik wie Bohrungen und Diamantierungen sowie ein souveräner Umgang mit der Gesamtkomposition, der bei aller Bewegung und Verschränkung den Verlauf der einzelnen Formen stets nachvollziehbar bleiben lässt. Auf Einflüsse der Goldschmiedekunst und aus Nordfrankreich hat die Forschung häufig hingewiesen. Die Rankenkompositionen dieses Kapitells gehören zu den fantasievollsten der Gruppe. Unmittelbare stilistische und motivische Voraussetzungen liegen in der Skulptur des Westbaus von St. Georg in Köln. Für diese gibt es konkrete Anhaltspunkte, die zuletzt zu einer Datierung der Kapitelle vor 1192 (Untergeschoss) bzw. um 1200 (inneres Obergeschoss) geführt haben. Diese Zeitspanne, also im Wesentlichen die 1190er-Jahre, ist als wahrscheinlichste Entstehungszeit anzunehmen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kapitell mit Tierornamentik
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das stark verwitterte und bestoßene, figürliche Kapitell ist aus einem Stück mit der schrägen Kämpferplatte gearbeitet, deren längsrechteckiger, ausladender Grundriss durch die Beschädigungen im oberen Bereich der Schmalseiten reduziert wurde. Über einer dem Halsring entwachsenen dreiblättrigen Blüte stehen jeweils zwei gespiegelte Fabelwesen mit sich einander zuwendenden Vogelleibern. Die raubtier- oder drachenartigen Köpfe mit kleinen Ohren und geschlitzten Augen hingegen sind nach hinten gedreht, den Mäulern entspringt ein blütenartiger Feuerstrahl. Das Kapitell hat ursprünglich zwei Arkaden getragen, die zu einem Fenster, einer Galerie oder zu einem Kreuzgang gehört haben. Dabei zeigte eine der Schmalseiten zum Kreuzgang bzw. Innenraum, die ursprüngliche Länge des Kämpfers entsprach der Stärke der darüber liegenden Mauer. Kämpferkapitelle dieser Größe und von einer im Kämpferbereich ähnlich gestreckten Gestalt finden sich in großer Zahl vom 11. bis ins 13. Jahrhundert. Zudem spricht der hohe Verwitterungsgrad für eine weitgehend ungeschützte Aufstellung, was bei allen genannten Verwendungsmöglichkeiten der Fall gewesen sein könnte. Aufgrund der schlichten, sich viermal wiederholenden Komposition ist die Platzierung an einer höher gelegenen Stelle, zum Beispiel an der Galerie eines Turms, vielleicht am wahrscheinlichsten. Die starke Zerstörung und die relativ unspezifische Motivik erschweren eine genaue Zuordnung. Allein die Form des Kapitells, der Blattrankenfries und die Fabelwesen sprechen für eine spätromanische Entstehungszeit, das Material allgemein für den norddeutschen Raum. Der Verzicht auf verschlungene Kompositionen und differenzierte Plastizität erschwert eine präzisere Zuordnung etwa zum niederrheinischen Kunstkreis, in dem ähnliche Motive durchaus geläufig waren. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Palmettenkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kapitell mit Fabelwesen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das allseitig ausgearbeitete, kelchförmige Kapitell mit Fabelwesen besitzt eine nach unten abgeschrägte quadratische Deckplatte, der untere Abschluss ist nicht erhalten. Den Übergang vom Rund ins Quadrat verschleifen vier große und sehr plastisch ausgearbeitete Mischwesen, deren menschliche Köpfe mit langen Bärten, übergroßen Augen und kammartig nach oben stehenden Haaren die Ecken besetzen. Jeweils zwei Tierleiber gehen spiegelgleich von einem Kopf aus. Ähnliche Mischwesen, die sich symmetrisch um einen Kapitellkörper ziehen bzw. die Struktur eines romanischen Kapitells durch ihre Anordnung und Gestalt nachahmen, sind im 12. Jahrhundert im ganzen Abendland weit verbreitet. Eine spezifische inhaltliche Bestimmung der Darstellungen verbietet sich in den allermeisten Fällen. Die relativ grobe Bearbeitung und die weite Verbreitung der Motive erschweren eine genaue Einordnung des Kapitells. Die elsässische Provenienz scheint zunächst nur durch Herkunft und Material gestützt. Vergleichbare Köpfe mit Glotzaugen und Bärten lassen sich in dieser Region finden (z. B. Odilienberg, Hl.-Kreuz-Kapelle), doch ist das andernorts geläufige Motiv des Mischwesens aus Menschenkopf und zwei Tierleibern hier eher selten. Auch die verhältnismäßig starke Plastizität der Formen ist untypisch für die romanische Skulptur im Elsass. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Würfelkapitell mit Schaftstück
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das vegetabil gestaltete, würfelförmige Kapitell ist von allen Seiten ausgearbeitet und wird zum noch bestehenden Schaftstück hin durch einen regelmäßig gerundeten Ring, nach oben durch eine glatte quadratische Abakusplatte abgegrenzt. Es zeigt ein auffällig unsymmetrisches, schwer überschaubares vegetabiles Ornament, das in erster Linie aus fleischigen Blättern mit stark eingerollten und tief ausgekehlten Fingern besteht. Die Größe des Stücks, seine allseitige Ausarbeitung und auch Vergleiche mit anderen Kapitellen sprechen für eine ursprüngliche Platzierung in einem mehrjochigen Raum, etwa in der Klausur eines Klosters. Die gleichzeitig entstandenen Kapitelle des Kapitelsaals des Benediktinerklosters Ilsenburg im nördlichen Harzvorland haben beispielsweise sehr ähnliche Maße (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eckkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eckkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandpfeilerkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Über einem relativ flachen Halsring mit Grat, der um das gesamte Pfeilerprofil herumläuft, erhebt sich der rein ornamental verzierte Kapitellkörper auf annähernd quadratischem Grundriss. Kelche und hintere Seitenwände werden mit eingerollten Blättern geschmückt, an den Ecken bilden sich blütenförmige Voluten, in der Mitte der Vorderseite wachsen zwei Blätter zu einer breiten Volute zusammen. An den Seiten vereinigt sich jeweils eine Blattvolute des Kelchs mit einem aus den glatten Seiten herauswachsenden Blatt. Wie der rückseitige Wandanschluss zeigt, vermittelte das Kapitell einst zwischen einem Gurtbogen und einem Wandpfeiler. Größe und Tiefe sprechen für einen stattlichen Raum, vielleicht das Seiten- oder gar Mittelschiff einer Kirche. Pfeiler- und Gurtprofile mit dreiviertelgerundeten Kanten und dazwischen liegender Ecke sind im Laufe des 13. Jahrhunderts Allgemeingut geworden. Die Einzelformen – der schmale und gratige Halsring, die sich aus dem glatten Kelch heraus entwickelnden Blattstängel und die ausgebreiteten, plastischen Blattvoluten – weisen auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der verwendete Stein spricht für eine Entstehung im mitteldeutschen, vielleicht sächsischen Raum. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kelchblock-Doppelkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das figürliche Doppelkapitell besteht aus zwei mäßig gestreckten Kelchblöcken, die unter einer gemeinsamen Deckplatte mit jeweils zwei Mittelknäufen an den Längsseiten zusammengefasst und unten von je einem leicht gefasten Halsring begrenzt werden. Der tektonische Aufbau tritt stark hinter dem aus Ranken und Vögeln bestehenden Ornament zurück, das sich in enger Verschränkung um die somit optisch verschmelzenden Einzelkapitelle herum zieht. An den Längsseiten wenden sich jeweils zwei drachenartige Vogelwesen symmetrisch einander zu. Die Prämonstratenserabtei Knechtsteden wurde um 1130 vom Kölner Domdekan Hugo von Sponheim gegründet. Mit der Errichtung der Kirche scheint man bereits wenige Jahre später unter dem ersten Propst Heribert begonnen zu haben. Bis zum Tod seines Nachfolgers Andreas 1151 sollen die Ostteile bis zum Querhaus fertig, in der Amtszeit des dritten Propsts Hermann (bis 1181) – möglicherweise schon zum Zeitpunkt einer 1162 überlieferten Anniversarstiftung für die Ausstattung der Kirche – der gesamte Bau vollendet worden sein. Offenbar in mehreren Abschnitten wurde im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts die Klausur mit Kreuzgang errichtet – eine glaubhafte Datierung, die sich allerdings hauptsächlich auf stilistische Vergleiche und Quellenauslegung stützt. In der sogenannten Fundatio Knechtstedensis, einer anonymen historiografischen Schrift aus dem frühen 18. Jahrhundert, wird unmittelbar nach der genannten Anniversarstiftung des Kölner Domdekans Albertus Aquensis von 1162 von einem Goldschmied Albertus berichtet, der eine Werkstatt auf dem Klostergelände unterhielt und auf eigene Kosten große Teile der Klausur errichtete. Man kann davon ausgehen, dass der Goldschmied Stifter und zugleich Architekt, zumindest aber gestalterisch am Klausurbau inklusive Kreuzgang beteiligt gewesen ist. Damit hätte man nicht nur einen zeitlichen, sondern zudem auch einen künstlerischen Anhaltspunkt. Das Kapitell stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Kreuzgang. Einander zugewandte, von Ranken umgebene Vogelmischwesen entsprechen dem allgemeinen Kanon romanischer Kapitellornamentik. Gemeinsam mit einem im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen im Clemens-Sels-Museum (Inv. 1793) und vier Kapitellen am Haus Gripswald gehört das Berliner Stück aber zu den frühesten Exemplaren und verdeutlicht bereits die Vielfalt der Möglichkeiten, wenn auch etwas unausgereift hinsichtlich des Verhältnisses von Kapitell und Figur. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt, entlang der Seite verläuft ein Diamantfries. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eichenblattkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um ein schlichtes, hohes und kelchförmiges Kapitell, das mit aufrecht stehenden Eichenblättern geschmückt ist. Es scheint sich um ein Wandkapitell gehandelt zu haben, das nur dreiseitig ausgearbeitet war. Zum ursprünglich wohl fast frei stehenden Schaft hin grenzt ein gefaster Ring ab, der Übergang zur quadratischen oberen Platte ist nicht gestaltet. Blätter und Früchte sind relativ flach und lösen sich an keiner Stelle vom Kapitellkörper. Während die Blätter mit der einfachen Durchäderung der Finger stilisiert erscheinen, sind die jeweils zu Dreien aus einem Stängel sprießenden Eicheln durchaus naturalistisch. Auch das Vermeiden von Wiederholungen in der Anordnung belebt das Kapitell. Größe und Form legt nahe, dass das Kapitell zusammen mit AE 396 Bögen eines kleinen gewölbten Raums, Blendarkaden oder eine Kleinarchitektur getragen hat. In der offensichtlich bis zur Zerstörung im 17./18. Jahrhundert noch erhaltenen romanischen Klosterkirche Marienzell bei Querfurt, ein dreischiffiger Bau ohne ausgeschiedene Vierung, kommt insbesondere der Lettner in Frage. Denkbar ist natürlich auch, dass die Kapitelle aus der Klausur stammen. Ein Vergleich mit den ähnlich gestalteten Kapitellen der Blendarkaden des sogenannten Achteckbaus des Meißener Doms, um 1270/80 im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Querhausarm errichtet, zeigt, dass auch eine solche Platzierung in der Wand eines gotischen Raums möglich ist. Vorstellbar wäre auch eine Platzierung in der offenbar westlich der Kirche in unbekannter Zeit angebauten Vorhalle, die sekundär mit der Erneuerung der Grablegefunktion 1323 zusammenhängen könnte. Vielleicht stammt das Kapitell auch aus derselben Baukampagne wie ein weiteres Fragment aus dem Kloster Marienzell, einem Kapitell mit Säulensegmenten, das zu einem frühgotischen Wölbbau gehörte (Museum Burg Querfurt, Inv. V 1123 K 4). Auch hier ist das Ornament sehr flach, allerdings handelt es sich um eher konventionelle Rankenformen, wie sie im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts in Sachsen weit verbreitet waren. Die hohe Kelchform und die naturalistischen Eicheln setzen frühgotische Formen voraus, die in der sächsischen Bauskulptur seit dem Auftreten des Naumburger Meisters um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfügbar waren; die Verflachung der Blätter und das Vermeiden von Hinterschneidungen zeigen, dass es sich um noch spätere Werke handelt, auch wenn das Motiv der stehenden Blätter in sehr ähnlicher, aber stilisierterer Form bereits am ehemaligen Refektoriumsportal des sächsischen Zisterzienserklosters Altzella, heute an der Stadtkirche Nossen (um 1230) vorkommt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Doppelkapitell mit Säule
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Über zwei gespitzten, sich im Grundriss knapp überschneidenden Schaftringen ragt ein kelchförmiges Doppelkapitell auf, das an allen Seiten mit regelmäßig angeordnetem Laubwerk verkleidet ist. Jeweils an den Ecken und in der Mitte der Längsseiten wächst knapp über dem Halsring ein aufrecht stehendes, dreiteiliges Laubblatt aus dem Stein. Die Rippen des handförmigen, gezackten Blatts sind durch Einschnitte klar markiert; ein vertikaler Schnitt in den Blättern der Längsseiten kaschiert die Schnittstelle zwischen den beiden Kelchen. Zwischen den Blättern befindet sich zurückgesetzt jeweils ein weiteres Blatt mit verdeckten Seitenteilen, dessen oberer Abschluss in einer Ebene mit dem der vorderen Blattreihe liegt. Die Blätter sind Ahornblättern ähnlich, doch ist eine exakte botanische Bestimmung nicht möglich – und wohl auch nicht intendiert. Wie allgemein in der frühgotischen Bauskulptur bestimmte auch hier der ornamentale Wert als Zierform über den Grad der Abstraktion bzw. der Naturnähe. Größe und Gestalt des allseitig ausgearbeiteten, also ursprünglich freistehenden Doppelkapitells sprechen für die Platzierung in einem Kreuzgang. Dort waren seit dem frühen 12. Jahrhundert Doppelsäulen und -kapitelle die üblichen Stützen der Arkaden. Im Verhältnis zu den fantasievollen Kapitellen der Jahrzehnte um 1200, die aus dem Rheinland nach Berlin gelangten, erscheint AE 518 nüchtern und spannungslos. Dies liegt weniger an der geringeren Qualität, als an einer grundsätzlich geänderten Auffassung von Bauskulptur, die sich in der Region vor allem in dem 1248 begonnenen Neubau des Kölner Doms und verwandten Bauten wie der Zisterzienser-Klosterkirche Altenberg manifestiert. Die Reihung und symmetrische Anordnung des nun fast durchgängig vegetabilen und nicht mehr figürlichen Kapitelldekors hat sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts allgemein durchgesetzt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um weitgehend gleich und zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Würfelkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um ein an vier Seiten identisch gearbeitetes, also ursprünglich frei stehendes Würfelkapitell mit regelmäßig gerundetem Halsring und glatter Deckplatte. Die schlichte, schildartige Grundform einer Seite wird durch zwei Motive belebt: Vom Halsring aufwärts ragt eine zungenartige Spange aus konzentrischen Ringen nach oben, die die Würfelmasse an dieser Stelle einzuschnüren scheint. Die obere Hälfte der Seite wird durch zwei nach oben offene Halbbögen strukturiert, die zwei leicht eingetiefte Felder umschließen. Deckplatte, Spangen, Halsring und Bögen setzen sich durch eine glatte von den rauen Oberflächen der tiefer liegenden Felder ab. Wie der gute Erhaltungszustand zeigt, wird sich das Kapitell in einem Innenraum befunden haben. Es lag auf einer freistehenden Säule und leitete zur Kämpferplatte oder direkt zu zwei Bögen über. Die erheblichen, aber nicht übergroßen Maße legen eine Platzierung im Langhaus einer mittelgroßen bis kleineren Basilika nahe. Das beim Ankauf irrtümlich als „niedersächsisch“ kategorisierte Kapitell muss allein schon aufgrund des Materials und seiner Herkunft vom Oberrhein stammen. Formale Aspekte erlauben eine weitere Einschränkung auf den Elsass und den Umkreis der Abteikirche von Maursmünster (Marmoutier, 25 km westlich von Straßburg). Das Berliner Stück ist zweifellos eine reduzierte Variante der reich geschmückten Maursmünsterer Kapitelle, an denen sämtliche Motive und auch die Differenzierung der Oberflächen in glatte und aufgeraute Partien vorkommen: Die Teilung der Seiten durch zwei nach oben offene Halbkreise und die Einschnürung durch eine Spange oder ein vom Halsring aufsteigendes Band finden sich dort an sämtlichen der vier von allen Seiten bearbeiteten Kapitelle; ebenso das Motiv der konzentrischen Ringe (im Narthex). Das Berliner Kapitell wird in dieselben Zeit bzw. unmittelbar danach entstanden sein. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Rankenkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das auffällig breit und flach proportionierte ornamentale Kapitell stand einst auf einer Säule. Vor dem Kapitellkörper schwingen jeweils in der Mitte der vier Seiten zusammengebundene Ranken zu den Ecken, wo sie wiederum gebündelt werden. Ähnlich proportionierte Kapitelle sind im 12. und 13. Jahrhundert, überhaupt im Mittelalter selten. In den Langhausarkaden einer Kirche, wo sich das Berliner Rankenkapitell aufgrund seiner stattlichen Größe befunden haben könnte, herrschen nicht nur im sächsisch-thüringischen Raum das hohe Würfel- und später das Kelchblockkapitell vor. Vorstellbar ist allerdings die Herkunft aus einer Krypta oder einer niedrigen Kapelle, wo aufgrund der flachen Gewölbe und geringeren Jochabstände gedrückte Dimensionen gelegentlich auftauchen (Krypta der Prämonstratenser-Klosterkirche Jerichow, spätes 12. Jahrhundert; Kapelle unter der Empore des südlichen Querhausarms der Benediktinerinnen-Klosterkirche Gernrode, Mitte 12. Jahrhundert). Auch der profane Bereich, etwa der Saal in einer Burg, kommt in Frage. Motivische Parallelen und die auch andernorts feststellbare Tendenz zu rankendominierter Ornamentik bieten einige Anhaltspunkte. Die Chorumgangskapitelle im Magdeburger Dom (um 1210/20) stellen einen reichen Fundus pflanzlich-ornamentaler Kompositionen, von Einflechtungsmöglichkeiten von Figuren, von Mischwesen aller Art und besonders von kühnen Rankenverläufen zur Verfügung, aus dem sich der Bildhauer des Berliner Kapitells bedient zu haben scheint. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Es weist zudem seitlich unterhalb des Rundstabs Ansätze einer kassettenartigen Wandstruktur (gekehltes Profil) auf. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) ist bei AE 595 an der Front zu finden. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Palmettenkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Blätterkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eckkapitell mit Vögeln und Drachen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das kelchförmige Kapitell mit regelmäßig gerundetem Halsring und profilierter Deckplatte ist – seiner Funktion als Eckkapitell gemäß – an nur zwei Seiten ausgearbeitet. Der an der vorderen Kante gespiegelte, figürlich-vegetabile Schmuck besteht aus einem zentralen Paar zweier Vögel, die ihre wie Voluten vor den Kapitellkörper gelegten Köpfe einander zuwenden; dazwischen senkt sich eine Blüte nach vorn. Die Schwänze der Vögel vereinen sich jeweils mit dem eines hinter ihnen befindlichen Mischwesens (halb Drache, halb Vogel) zu einer Blattpalmette. Zwischen den gebogenen Leibern stößt ein von Blättern eingefasster Blütenknauf an die Deckplatte. Der relativ gute Erhaltungszustand spricht für eine Anbringung im Innenraum oder an einem geschützten Ort am Außenbau, zum Beispiel an einem gestuften Portal oder in einer Vorhalle. War das Kapitell innen verbaut, wird es sich aufgrund der Größe allenfalls um das Seitenschiff einer Kirche oder eine Kapelle, wahrscheinlicher aber um einen Saal oder eine Halle gehandelt haben, deren Funktion unklar ist. Das Kapitell steht den Werken des um 1200 zwischen Köln und Andernach wirkenden Ateliers des Samsonmeisters zweifellos nahe. Die Beweglichkeit der Drachenhälse ist etwa mit einer Darstellung am Mittelportal der Vorhalle der Klosterkirche in Maria Laach vergleichbar. Auch die differenzierte Ausbildung des Gefieders erinnert an eine qualitativ freilich höher stehende Figur am linken Südportalfries in Maria Laach oder an ein Kapitell des Portals im südlichen Nebenchor der Abteikirche von Brauweiler; mehr als eine vage Zuordnung in den Umkreis ist bei dem Einzelstück jedoch nicht möglich. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)