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Objekttyp: Kapitell
Kapitell mit Füllhörnern auf den Ecken und Weinblättern aus dem Pantokratorkloster in Istanbul
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die beiden Hauptseiten des Kapitells sind unterschiedlich ornamentiert. Eine Seite zeigt auf den Kanten gestielte Pinienzapfen, zwischen denen auf der Seitenmitte ein Weinblatt flach ausgebreitet ist, das beiderseits von schmalen, geschwungenen Blattwedeln gerahmt wird. Diese Motivkombination ist von Kapitellen des 6. Jahrhunderts übernommen (Inv. 4767), ergänzt um zwei kleine Vierblattrosetten. Auf der gegenüberliegenden Seite wachsen aus seitlichen Füllhörnern Ranken auf. Sie rahmen in großem Schwung ausgebreitete Weinblätter und Blattpalmetten und teilen, sich berührend und wieder auseinanderstrebend, die Fläche symmetrisch ornamental auf. Als Herkunft für das Kapitell nennt das Inventar die Pantokratorkirche in İstanbul. Dabei handelt es sich genauer um den Komplex dreier Kirchen des ehemaligen Pantokratorklosters in Konstantinopel, das unter Kaiser Ioannes Komnenos zwischen 1118 und 1136 errichtet worden war. Das Kapitell passt motivisch und stilistisch gut zu einem noch in situ in der Westwand der Vorhalle der Nordkirche verbauten Kapitell. Beide zeigen von Ranken mit Seitentrieben umschlossene Blätter mit wulstigen, palmettenartigen Blattlappen und einzelnen Bohrlöchern nahe der Außenkontur der Blätter. Das Kapitell in der Nordkirche sitzt seitlich eines Fensters, dessen Rahmen in es einschneidet. Die beiden Nebenseiten des Berliner Kapitells zeigen kein Relief. In die eine ist aber eine tiefe senkrechte Einlassung eingearbeitet, die wohl ebenfalls dem Anpassen eines Fensterrahmens diente. Sowohl das in situ befindliche als auch das Berliner Stück gehören der Entstehungszeit des Klosters an.
Eckkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kämpferkapitell mit Zickzackmuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von klassischen Kapitellformen ist dieses Kämpferkapitell weit entfernt. Fußring und Deckplatte sind mit Blattstäben aus Lorbeer geschmückt, die Diagonale bzw. die Ecken werden durch knaufförmige Gemmen betont. Den Kapitellkörper umzieht gleichmäßig ein Muster aus horizontalen Zickzackbändern, die auf ihrer Mittelachse eine plastische Rippe tragen. Die Herkunft des Motivs ist ungeklärt. Die Rippe erinnert zwar an Blattadern, wie sie auf Wein- oder Akanthusblättern dargestellt werden, doch lässt das starrwinklige Muster keine weitere Übereinstimmung mit vegetabilen Formen erkennen. Die Tendenz, die Kapitelloberfläche >unklassisch< mit Flächenornament zu überziehen, nimmt im 6. Jahrhundert zu, wovon die Bauornamentik von der Polyeuktoskirche (524-527/528) und der Hagia Sophia (532-537) in Konstantinopel zeugen. Aus İstanbul, also Konstantinopel, stammt auch das Berliner Kapitell, als dessen Herkunft das Inventar »Umgebung des alten Serails« angibt. Die Abkehr von klassischen Formen ist hier so weit gediehen, dass eine Datierung in die zweite Hälfte des 6. oder sogar im 7. Jahrhundert anzunehmen ist.
Kesselkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Zwischen dem als Perlstab gebildeten Halsring und der Deckplatte ist der kesselförmige Kapitellkörper mit Ranken und Blättern überzogen. Jeweils in den Diagonalen wachsen aus kleinen Henkelvasen Ranken, die sich zu einem Medaillonkreis legen, in das von oben zwei gefiederte Weinblätter hineinhängen. Kleinere Blätter füllen die Zwickel zuseiten der Medaillons auf den Kanten. Die Rückseite des Kapitells ist flach und undekoriert. Es sollte also ursprünglich vor einer Wand oder Mauerzunge stehen. Seit der ersten Erwähnung in der wissenschaftlichen Literatur 1909 wird die Herkunft des Kapitells aus Bawit angenommen. Diese Annahme ist jedoch nicht gesichert. Große Ähnlichkeit besteht zu einer Friesplatte der Berliner Sammlung (Inv.-Nr. 4716), deren stets behauptete Herkunft aus Bawit ebenfalls zweifelhaft ist. Stilistische Parallelen sind ebenfalls für Saqqara (Jeremias-Kloster) bezeugt.
Kompositkapitell mit kleingezahntem Akanthus
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Kapitell besteht wie fast alle in İstanbul gefundene Bauornamentik aus Marmor von der Insel Prokonnesos im Marmarameer. Die dort ansässigen Werkstätten belieferten in frühbyzantinischer Zeit vor allem Konstantinopel, exportierten aber auch in den gesamten Mittelmeerraum. Es handelt sich um ein Kompositkapitell mit zwei Kränzen von Akanthusblättern. Die beiden Blattkränze bestehen aus je acht doppelten Blättern, wobei ein schmaleres von einem größeren Akanthusblatt hinterfangen zu sein scheint. Die Kerben der Blattrippen sind mit Reihen kleiner Bohrlöcher versehen. Die einzelnen Blattlappen enden in kleinteiligen Spitzen, ein Blattschnitt, der als feingezahnter Akanthus bezeichnet wird. Der Blattkragen ist größtenteils à jour, das heißt durchbrochen gearbeitet. Eng verwandt sind Kapitelle aus der Ioanneskirche des Patriziers Stoudios in Konstantinopel, die bald nach der Mitte des 5. Jahrhunderts errichtet wurde. Für das Berliner Kapitell wird als Fundort Altes Serail (b. Leuchtturm) in İstanbul angegeben, doch ist ungeklärt, zu welchem Bauwerk es gehörte.
Kämpferkapitell mit Pinienzapfen auf den Ecken
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Kämpferkapitelle sind seit dem 1. Viertel des 6.Jahrhunderts nachweisbar. Bei dieser Kapitellform vollzieht sich der Übergang vom Rund der Säule zum Rechteck der Deckplatte fließend innerhalb des Kapitellkörpers. Der Reliefschmuck zwischen dem als Lorbeerblattstab ausgebildeten Halsring und der von einem Fries von Blattpalmetten umzogenen Deckplatte zeigt an den vier Kapitellecken stilisierte gestielte Pinienzapfen. Dazwischen ist auf jeder Seite ein fünflappiges Weinblatt ausgebreitet. An seinem unteren Ende setzen zwei schmale Blattwedel an, die, beiderseits nach oben schlängelnd, das Mittelblatt rahmend umgeben. Die Blätter sind durch feine, plastisch gebildete Blattrippen charakterisiert. Die einzelnen Blattlappen bilden an ihren Ansätzen tropfenförmige Zwischenräume aus. Ihre durch feine Kerben voneinander getrennten Blattfinger enden in dreieckigen Zacken. Die oberen drei Blattzacken berühren den rahmenden Blattwedel. Der Weinblatt-Pinienzapfen-Dekor ist wie der Typus der Kämpferkapitelle erstmals im 1. Viertel des 6.Jahrhunderts zu fassen, wie ein Spolienkapitell mit dem Monogramm Kaiser Justins I. an San Marco in Venedig belegt. Der kräftig hinterarbeitete Dekor und die tiefen Zwischenräume zwischen den Blattkonturen rufen eine starke Hell-Dunkel-Wirkung hervor, die an justinianische à jour-Arbeiten des 2. Viertels des 6.Jahrhunderts erinnert. Das ist zusammen mit dem Blattstil bestimmend für eine Datierung des Kapitells in diesen Zeitraum (vgl. Inv.21/92). Das Material erweist die Herstellung in den Werkstätten auf der Prokonnesos, der Insel mit den Marmorsteinbrüchen im Marmarameer. Dort wurde vor allem für die Hauptstadt Konstantinopel, aber auch für den Export in den gesamten Mittelmeerraum gearbeitet. Herkunftsort und Gebäude sind unbekannt.
Kämpferkapitell mit Pinienzapfen auf den Ecken
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Kämpferkapitelle sind seit dem 1. Viertel des 6.Jahrhunderts nachweisbar. Bei dieser Kapitellform vollzieht sich der Übergang vom Rund der Säule zum Rechteck der Deckplatte fließend innerhalb des Kapitellkörpers. Der Reliefschmuck zwischen dem als Lorbeerblattstab ausgebildeten Halsring und der von einem Fries von Blattpalmetten umzogenen Deckplatte zeigt an den vier Kapitellecken stilisierte gestielte Pinienzapfen. Dazwischen ist auf jeder Seite ein fünflappiges Weinblatt ausgebreitet. An seinem unteren Ende setzen zwei schmale Blattwedel an, die, beiderseits nach oben schlängelnd, das Mittelblatt rahmend umgeben. Die Blätter sind durch feine, plastisch gebildete Blattrippen charakterisiert. Die einzelnen Blattlappen bilden an ihren Ansätzen tropfenförmige Zwischenräume aus. Ihre durch feine Kerben voneinander getrennten Blattfinger enden in dreieckigen Zacken, die sich durchgehend mit denen der rahmenden Blattwedel berühren. Der Weinblatt-Pinienzapfen-Dekor ist wie der Typus der Kämpferkapitelle erstmals im 1. Viertel des 6.Jahrhunderts zu fassen, wie ein Spolienkapitell mit dem Monogramm Kaiser Justins I. an San Marco in Venedig belegt. Der kräftig hinterarbeitete Dekor und die tiefen Zwischenräume zwischen den Blattkonturen rufen eine starke Hell-Dunkel-Wirkung hervor, die an justinianische à jour-Arbeiten des 2. Viertels des 6.Jahrhunderts erinnert. Das ist zusammen mit dem Blattstil bestimmend für eine Datierung des Kapitells in diesen Zeitraum (vgl. Inv.22/92). Das Material erweist die Herstellung in den Werkstätten auf der Prokonnesos, der Insel mit den Marmorsteinbrüchen im Marmarameer. Dort wurde vor allem für die Hauptstadt Konstantinopel, aber auch für den Export in den gesamten Mittelmeerraum gearbeitet. Herkunftsort und Gebäude sind unbekannt.
Kämpferkapitell mit Blattreihe
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Kapitell von der Grundform eines Kämpferkapitells weist gedrückte Porportionen auf. Der Schmuck besteht aus einer Reihe aufrecht stehender Akanthusblätter, zwei auf jeder Seite, mit flach eingekerbten Rippen und spitz endenden Blattfingern, deren Spitzen sich auf den Kapitellecken und in den Seitenmitten berühren. Die Ausbildung der Blätter und die niedrige abgerundete Form weisen in die Zeit Justinians oder danach.
Zum Kapitell umgearbeiteter Säulensockel
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelte sich ursprünglich um ein Blattkapitell - an zwei Seiten sind die grob abgeschlagenen Blätter einer korinthischen Ordnung erhalten -, das später auf den Kopf gestellt und in einen Säulensockel mit angearbeiteter Basis umgewandelt wurde. Zu diesem Zweck wurden aus dem vorhandenen Material das Basisprofil ausgearbeitet sowie die Blätter an zwei Seiten grob abgeschlagen. An den beiden anderen Seiten wurde der Blattschmuck vollständig abgearbeitet und durch Trapezfelder mit dreifachen Rundstabrahmen ersetzt, die gestuft profilierte Kreuze umfassen. Diese stehen auf dem Rahmenprofil auf und machen so die gegenüber dem Kapitell umgekehrte Ausrichtung der Basis deutlich. Das Blattkapitell entstand wahrscheinlich im 4./5. Jahrhundert. Die Umarbeitung erfolgte im 6./7. Jahrhundert.
Kapitell mit Vögeln und Akanthusblättern
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf jeder Ecke des Kapitells sitzen jeweils zwei einander zugewandte Vögel. Sie werden durch emporgerichtete, schmale, kleingezackte Akanthusblattzungen getrennt. Auf den Seiten des Kapitells ist jeweils ein aufstrebendes Weinblatt ausgebreitet, auf zwei Seiten unterschnitten, auf den anderen als erhabenes Relief. Sie weisen kleinzackige, stark aufgelöste Blattlappen auf. Das Kleinformat und der Typus sind typisch für die spätbyzantinische Zeit.
Figuriertes Kapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Frontseite: Links geflügelte Sphinx mit Brusttuch und umhülltem Kopf mit abstehenden Pferdeohren, rechts Löwe, der mit vorn herabhängendem Mantel umhüllt, in ihren linken Flügel beißt. Rechte Ecke jugendlicher Kopf, die linke Hand auf die Brust, die rechte auf den Löwen legend; auf der Schmalseite je ein sitzender Löwe mit nach vorn gewandtem Kopf. Hinter ihnen Marmorteile ausgebrochen. Rückseite: Glatt mit horizontalem Einschnitt. Das Kapitell gilt seit 1945 als vermisst.
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Palmettenkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Es weist zudem seitlich unterhalb des Rundstabs Ansätze einer kassettenartigen Wandstruktur (gekehltes Profil) auf. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) fehlt bei diesem angesichts der etwas groben Oberfläche der Voluten als nicht vollendet anzusehenden Kapitell. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Es weist zudem seitlich unterhalb des Rundstabs Ansätze einer kassettenartigen Wandstruktur (gekehltes Profil) auf. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) ist bei AE 595 an der Front zu finden. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell mit Ranken
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das im Grundriss etwas über halbrund ausgearbeitete, kelchförmige Kapitell war an der Rückseite in eine Wand eingelassen. Nach oben schließt eine runde, glattrandige Deckplatte ab, der nur noch an der rechten Seite original erhaltene Halsring ist regelmäßig gerundet. Über dem relativ gut erkennbaren, gerundeten Kapitellkörper legt sich ein Rankenornament wie eine zweite Schicht, die sich infolge des Fehlens von Voluten und Deckplattenknäufen teppichartig entfalten kann. Es ist in der Mitte gespiegelt und zeigt an der Kapitellfront einen breiten Rankenstrang, der sich nach oben hin spaltet und zu beiden Seiten hin jeweils eine Spirale bildet, die in mehreren Verzweigungen nach innen gedreht ist. Für die ursprüngliche Aufstellung in einem geschützten Innenraum spricht der gute Erhaltungszustand. Größe und Form des Kapitells schließt einen Kirchenraum eigentlich aus. Diskutiert wurden St. Pantaleon und St. Gereon in Köln als ursprüngliche Aufstellungsorte. Beide Klausurkomplexe sind in den 1810er-Jahren abgerissen worden und nur unzureichend dokumentiert. Aus den Quellen lassen sich aber für St. Pantaleon keine größeren und anspruchsvollen Baumaßnahmen in der Zeit um 1200 nachweisen, wohl aber für St. Gereon. Verbunden wurde dieses und einige andere Kapitelle mit dem sogenannten Samsonmeister – eine Bezeichnung, unter der man inzwischen eine größere Gruppe von Skulpturen in Köln, am Nieder- und Mittelrhein versteht, die von einer, wenn nicht mehreren Werkstätten ausgeführt wurden. Charakteristika der zahlreichen nichtfigürlichen Werke dieser Gruppe sind eine starke Plastizität der Einzelformen bei oftmals tiefen Aushöhlungen, eine variationsreiche Verwendung von Feinornamentik wie Bohrungen und Diamantierungen sowie ein souveräner Umgang mit der Gesamtkomposition, der bei aller Bewegung und Verschränkung den Verlauf der einzelnen Formen stets nachvollziehbar bleiben lässt. Auf Einflüsse der Goldschmiedekunst und aus Nordfrankreich hat die Forschung häufig hingewiesen. Die Rankenkompositionen dieses Kapitells gehören zu den fantasievollsten der Gruppe. Unmittelbare stilistische und motivische Voraussetzungen liegen in der Skulptur des Westbaus von St. Georg in Köln. Für diese gibt es konkrete Anhaltspunkte, die zuletzt zu einer Datierung der Kapitelle vor 1192 (Untergeschoss) bzw. um 1200 (inneres Obergeschoss) geführt haben. Diese Zeitspanne, also im Wesentlichen die 1190er-Jahre, ist als wahrscheinlichste Entstehungszeit anzunehmen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kapitell mit Fabelwesen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das allseitig ausgearbeitete, kelchförmige Kapitell mit Fabelwesen besitzt eine nach unten abgeschrägte quadratische Deckplatte, der untere Abschluss ist nicht erhalten. Den Übergang vom Rund ins Quadrat verschleifen vier große und sehr plastisch ausgearbeitete Mischwesen, deren menschliche Köpfe mit langen Bärten, übergroßen Augen und kammartig nach oben stehenden Haaren die Ecken besetzen. Jeweils zwei Tierleiber gehen spiegelgleich von einem Kopf aus. Ähnliche Mischwesen, die sich symmetrisch um einen Kapitellkörper ziehen bzw. die Struktur eines romanischen Kapitells durch ihre Anordnung und Gestalt nachahmen, sind im 12. Jahrhundert im ganzen Abendland weit verbreitet. Eine spezifische inhaltliche Bestimmung der Darstellungen verbietet sich in den allermeisten Fällen. Die relativ grobe Bearbeitung und die weite Verbreitung der Motive erschweren eine genaue Einordnung des Kapitells. Die elsässische Provenienz scheint zunächst nur durch Herkunft und Material gestützt. Vergleichbare Köpfe mit Glotzaugen und Bärten lassen sich in dieser Region finden (z. B. Odilienberg, Hl.-Kreuz-Kapelle), doch ist das andernorts geläufige Motiv des Mischwesens aus Menschenkopf und zwei Tierleibern hier eher selten. Auch die verhältnismäßig starke Plastizität der Formen ist untypisch für die romanische Skulptur im Elsass. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Würfelkapitell mit Schaftstück
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das vegetabil gestaltete, würfelförmige Kapitell ist von allen Seiten ausgearbeitet und wird zum noch bestehenden Schaftstück hin durch einen regelmäßig gerundeten Ring, nach oben durch eine glatte quadratische Abakusplatte abgegrenzt. Es zeigt ein auffällig unsymmetrisches, schwer überschaubares vegetabiles Ornament, das in erster Linie aus fleischigen Blättern mit stark eingerollten und tief ausgekehlten Fingern besteht. Die Größe des Stücks, seine allseitige Ausarbeitung und auch Vergleiche mit anderen Kapitellen sprechen für eine ursprüngliche Platzierung in einem mehrjochigen Raum, etwa in der Klausur eines Klosters. Die gleichzeitig entstandenen Kapitelle des Kapitelsaals des Benediktinerklosters Ilsenburg im nördlichen Harzvorland haben beispielsweise sehr ähnliche Maße (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Rundkapitell wird geschmückt von einer regelmäßigen Abfolge aufsteigender, schlanker Palmettenstängel mit diamantierten Rippen, deren fleischige Blätter oben relativ weit nach vorn fallen. Der auf dem ersten Blick schlichten Anordnung liegt jedoch ein komplexes System zu Grunde: Es gibt drei Arten von Stängeln, die ersten beiden unterscheiden sich lediglich in der Höhe und alternieren, sodass sich die Blätter weiter ausbreiten können. Jeweils zwischen zwei Stängeln ist ein kürzerer gestellt (nur auf der rechten Seite erhalten), dessen Blatt sich über den größeren Stängel neigt, um mit dem Blatt des nächsten kleineren Stängels zusammengeführt zu werden. Jeweils zwei dieser am Ende zusammengeführter Stängel wirken zusammen wie eine einzige gespaltene Palmette – ein Eindruck, der sich noch dadurch verstärkt, dass jeweils die Seite an der „Schnittstelle“ neben einem Diamantfries jäh abbricht. Durch diese Versprünge, Aufspaltungen und die entsprechende Schattenbildung erhält das Kapitell ein erstaunliches Maß an Plastizität. Für die ursprüngliche Aufstellung in einem geschützten Innenraum spricht der gute Erhaltungszustand. Größe und Form des Kapitells schließt einen Kirchenraum eigentlich aus. Diskutiert wurden St. Pantaleon und St. Gereon in Köln als ursprüngliche Aufstellungsorte. Beide Klausurkomplexe sind in den 1810er-Jahren abgerissen worden und nur unzureichend dokumentiert. Aus den Quellen lassen sich aber für St. Pantaleon keine größeren und anspruchsvollen Baumaßnahmen in der Zeit um 1200 nachweisen, wohl aber für St. Gereon. Verbunden wurde dieses und einige andere Kapitelle mit dem sogenannten Samsonmeister – eine Bezeichnung, unter der man inzwischen eine größere Gruppe von Skulpturen in Köln, am Nieder- und Mittelrhein versteht, die von einer, wenn nicht mehreren Werkstätten ausgeführt wurden. Charakteristika der zahlreichen nichtfigürlichen Werke dieser Gruppe sind eine starke Plastizität der Einzelformen bei oftmals tiefen Aushöhlungen, eine variationsreiche Verwendung von Feinornamentik wie Bohrungen und Diamantierungen sowie ein souveräner Umgang mit der Gesamtkomposition, der bei aller Bewegung und Verschränkung den Verlauf der einzelnen Formen stets nachvollziehbar bleiben lässt. Auf Einflüsse der Goldschmiedekunst und aus Nordfrankreich hat die Forschung häufig hingewiesen. Unmittelbare stilistische und motivische Voraussetzungen liegen in der Skulptur des Westbaus von St. Georg in Köln. Für diese gibt es konkrete Anhaltspunkte, die zuletzt zu einer Datierung der Kapitelle vor 1192 (Untergeschoss) bzw. um 1200 (inneres Obergeschoss) geführt haben. Diese Zeitspanne, also im Wesentlichen die 1190er-Jahre, ist als wahrscheinlichste Entstehungszeit anzunehmen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Palmettenkapitell mit Diamantband
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das dreiseitig bearbeitete Wandkapitell mit rundem Halsring, schlankem Kelch und einer glatten Deckplatte lag ursprünglich über einer Dreiviertelsäule auf einem horizontalen, halbrunden Gesimsband, das vermutlich die Wand strukturierte und dessen Ansätze jeweils an den Seiten hinter den Eckknollen zu sehen sind. Dafür spricht der Umstand, dass diese Ansätze im Unterschied zum darunter liegenden Kapitellkörper seitlich nicht ausgearbeitet sind. Das Kapitellornament ist dicht, aber klar strukturiert und durch symmetrische Anordnung überschaubar. Die auffällige Diamantierung der Stängel (mit in die Länge gezogenen Buckeln) ist bei diesem Kapitell seitlich zu finden. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eichenblattkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um ein schlichtes, hohes und kelchförmiges Kapitell, das mit aufrecht stehenden Eichenblättern geschmückt ist. Es scheint sich um ein Wandkapitell gehandelt zu haben, das nur dreiseitig ausgearbeitet war. Zum ursprünglich wohl fast frei stehenden Schaft hin grenzt ein gefaster Ring ab, der Übergang zur quadratischen oberen Platte ist nicht gestaltet. Blätter und Früchte sind relativ flach und lösen sich an keiner Stelle vom Kapitellkörper. Während die Blätter mit der einfachen Durchäderung der Finger stilisiert erscheinen, sind die jeweils zu Dreien aus einem Stängel sprießenden Eicheln durchaus naturalistisch. Auch das Vermeiden von Wiederholungen in der Anordnung belebt das Kapitell. Größe und Form legt nahe, dass das Kapitell zusammen mit AE 396 Bögen eines kleinen gewölbten Raums, Blendarkaden oder eine Kleinarchitektur getragen hat. In der offensichtlich bis zur Zerstörung im 17./18. Jahrhundert noch erhaltenen romanischen Klosterkirche Marienzell bei Querfurt, ein dreischiffiger Bau ohne ausgeschiedene Vierung, kommt insbesondere der Lettner in Frage. Denkbar ist natürlich auch, dass die Kapitelle aus der Klausur stammen. Ein Vergleich mit den ähnlich gestalteten Kapitellen der Blendarkaden des sogenannten Achteckbaus des Meißener Doms, um 1270/80 im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Querhausarm errichtet, zeigt, dass auch eine solche Platzierung in der Wand eines gotischen Raums möglich ist. Vorstellbar wäre auch eine Platzierung in der offenbar westlich der Kirche in unbekannter Zeit angebauten Vorhalle, die sekundär mit der Erneuerung der Grablegefunktion 1323 zusammenhängen könnte. Vielleicht stammt das Kapitell auch aus derselben Baukampagne wie ein weiteres Fragment aus dem Kloster Marienzell, einem Kapitell mit Säulensegmenten, das zu einem frühgotischen Wölbbau gehörte (Museum Burg Querfurt, Inv. V 1123 K 4). Auch hier ist das Ornament sehr flach, allerdings handelt es sich um eher konventionelle Rankenformen, wie sie im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts in Sachsen weit verbreitet waren. Die hohe Kelchform und die naturalistischen Eicheln setzen frühgotische Formen voraus, die in der sächsischen Bauskulptur seit dem Auftreten des Naumburger Meisters um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfügbar waren; die Verflachung der Blätter und das Vermeiden von Hinterschneidungen zeigen, dass es sich um noch spätere Werke handelt, auch wenn das Motiv der stehenden Blätter in sehr ähnlicher, aber stilisierterer Form bereits am ehemaligen Refektoriumsportal des sächsischen Zisterzienserklosters Altzella, heute an der Stadtkirche Nossen (um 1230) vorkommt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eckkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Wandkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die niederrheinische Herkunft des Kapitells ist eindeutig. Doch die zahlreichen Bezüge zur Bauskulptur in und um Köln machen eine genauere Zuordnung und Datierung des Fragments nicht einfacher. Aufbau und Struktur des Berliner Stücks, findet sich ähnlich am Langhaus-Nordportal (östliches Kapitell) von St. Georg und in der Vorhalle von St. Andreas in Köln. Auch im Obergeschoß des Westchors von St. Georg und auf der Westempore von St. Andreas, also an Bauteilen, die in denselben oder unmittelbar folgenden Kampagnen entstanden, finden sich auffällige, bis ins Detail gehende Übereinstimmungen. Eine Verbindung des Berliner Kapitells zu diesen Werkstätten ist sehr wahrscheinlich. Für die genannte Bauskulptur an St. Georg und St. Andreas ist eine Datierung um 1200 relativ sicher. Dies muss auch für das Kapitell in der Berliner Skulpturensammlung angenommen werden. Es dürfte nicht viel später entstanden sein, die Variationsbreite und ein offensichtlich sicherer Umgang mit dem Formenkanon sprechen gegen eine spätere Nachfolge. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Säulenfragment und Kapitell mit erhängtem Mönch
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Schmalseiten des Kapitells werden von jeweils einer großen Maske mit schräg nach unten gerichteten Augen, blattartiger Kopfbedeckung, gebogener Nase und gelängter Oberlippe eingenommen. Aus dem Mund wächst eine Ranke, die sich spaltet und deren verästelte Blattenden seitlich nach oben führen. An der beschädigten Längsseite befindet sich ein etwas kleinerer Löwenkopf. Seinem Maul entspringt ebenfalls eine zweiteilige Ranke, deren Enden sich mit denen der Maskenranken vereinen. An der anderen Längsseite ist eine männliche Figur zu sehen, die bislang weder genauer bestimmt noch in ihrer Handlung erkannt wurde. Es handelt sich um einen Mönch mit Tonsur und kurzer bzw. hochgeschürzter Tunika, dessen stark verdrehte Haltung und nach oben gewandtes Gesicht mit weit geöffnetem Mund und leicht heraus gestreckter Zunge (beschädigt) zweifellos Schmerz und Angst ausdrücken. Erst auf dem zweiten Blick erkennt man den groben Strick um seinen Hals, vielleicht den so zweckentfremdeten kordelartigen Gürtel seiner Kleidung; die Halspartie darüber ist straff und schmerzvoll gespannt. Das Ausgreifen der Hände – die linke umfasst die Ranke, die dem Mund der dortigen Maske entwächst, die rechte harkt ein sichelförmiges Winzermesser in die blattförmige Kopfbedeckung der anderen Maske – ist daher als verzweifelter Versuch zu deuten, dem Erstickungstod zu entgehen. Die gleichfalls unnatürliche Stellung der Beine dürfte Ausdruck des hilflosen Hängens sein. Möglicherweise verweist das Messer in der Rechten auf ein Vergehen des Mönchs im Weinberg oder seine Beschäftigung als Winzer. Drastische Darstellungen von erhängten Sündern oder bestraften Mönchen auf Kapitellen waren im Hochmittelalter geläufig. Sie richteten sich wohl vordergründig an ein monastisches Publikum und könnten als moralisierende Warnung verstanden worden sein. In Verbindung mit dem Lebensbaummotiv der Astsäule und dem Verweis auf die Weinernte (Apk 14,14) steht diese aber auch in einem eschatologischen Kontext. Größe, vollrunde Bearbeitung und Längsausrichtung sowie das Thema sprechen zunächst für eine ursprüngliche Anbringung im Kreuzgang eines Mönchsklosters, doch ist natürlich auch ein anderer, durchaus nicht unbedingt monastischer Zusammenhang (Baldachin, Lettner) möglich. Die beiden Masken dürften Konsolen unter profilierten Arkaden (oder gar Rippen?) gewesen sein, was im Kreuzgang ebenso ungewöhnlich wäre wie die Unterteilung des Schafts durch einen mittleren Ring. Wie auch die in Ranken verwobene oder bedrohte menschliche Figur ist das Motiv der Ranken speienden Kopfmaske in der Kapitellskulptur seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts allgemein verbreitet. Im erweiterten Maingebiet taucht es etwa auf einem Kapitell der Gelnhausener Pfalz, als Rankenanfänger am Westportal der Aschaffenburger Stiftskirche oder näher gelegen im sogenannten Kirchgang des Benediktinerklosters Amorbach südlich von Miltenberg auf. Das Ensemble der ehemaligen Kreuzgangkapitelle von Amorbach (auch im Historischen Museum Frankfurt am Main und Stiftsmuseum Aschaffenburg), das in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert wird, scheint mit seiner Formenvielfalt (Kreuzbandknoten, profilierte Halsringe, achteckige Schäfte mit Kanneluren, Bündelsäulen etc.) eine Parallelerscheinung oder ein unmittelbarer Vorläufer des Berliner Stücks zu sein. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Würfelkapitell mit Blattornamenten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Eckkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Kapitell handelt es sich um ein zweiseitig ausgearbeitetes Eckkapitell, das über gerundetem Halsring einen schlanken Kelch und eine glatte Deckplatte besitzt. Es handelt sich zweifellos um Überreste einer Kleinarchitektur, entweder eines Lettners oder einer Wandverkleidung (Nischen, Blendbögen etc.). An dem niederrheinischen Charakter der Kapitelle bestand von Beginn an kein Zweifel. Die schlanke Kelchform, die dichte, aber nicht unübersichtliche florale Ornamentik und Einzelmotive wie Diamantierungen der Blattstängel finden sich in großer Zahl in dieser Region. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Blätterkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Kelchblockkapitell ohne figürlichen Schmuck ist allseitig ausgearbeitet und dürfte frei gestanden haben. Die vier Seiten sind auffällig unregelmäßig mit Rankenwerk geschmückt, was keinen sehr geübten Bildhauer, geschweige denn eine routinierte Bauhütte verrät. An den Ecken über dem gerundeten Halsring stehen stark gekehlte Blätter, über denen die Voluten von den Enden zweier hier zusammenlaufender Ranken gebildet werden. Diese sind an den Kapitellseiten jeweils paarweise und spiegelgleich angeordnet. Drei Seiten sind weitgehend identisch: Die Ranken sind mit einem Perlstab geschmückt und unten zusammen gebunden. Die vierte Seite weicht durch die gezackte Rankenform ohne Perlstab leicht davon ab. Das Kapitell muss für eine allansichtige Aufstellung vorgesehen gewesen sein. Es könnte einen Portikus vor dem Portal getragen haben; auch ein kleinerer Altarbaldachin oder eine Chorschranke kommen in Frage. Die Skulpturen im Paradies am Nordquerhaus des Lübecker Doms sind nicht vor 1250 ausgeführt worden – eine Datierung, die für das Berliner Kapitell etwas zu spät erscheint, auch wenn gebündelte Ranken und stehende, stark gekehlte Eckblätter um diese Zeit durchaus noch vorkommen, wie unter anderem die ornamentale Bauskulptur am Lübecker Domparadies zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Kelchblattkapitell
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das rein ornamentale Kapitell ist vollrund und von allen Seiten identisch gearbeitet. Über einem gerundeten Wulst wachsen vier stilisierte Palmetten empor, die jeweils in einer Eckknolle enden; die Kanten werden durch diamantierte Stängel markiert. Aufgrund der Maße und allseitigen Ausarbeitung dürfte das Kapitell zu einer Kleinarchitektur gehört haben, einem Baldachin oder einer Arkatur. Vielleicht stützte es einst die Arkaden des Doppelfensters einer Hausfassade; die Beschädigungen dürften jedenfalls auf Witterungseinwirkungen zurückzuführen sein. Das Kapitell zeigt in vereinfachter Form das Vokabular der spätromanischen Kölner Bauskulptur. Kelchform, Palmetten mit Eckknollen und vertikale Diamantbänder als Blattstängel gehören zum Allgemeingut jener Zeit. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)