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Objekttyp: Kassette
Deckelkassette mit mythologischen Figuren
Kunstgewerbemuseum
Dieses Behältnis für Schreibzeug enthält Tintenfass, Streusandbüchse, Siegelmasse und Schreibgerät. Im Zentrum des Deckels und an den Seiten erscheint jeweils das schlangenköpfige Haupt der todbringenden Medusa aus der antiken Mythologie. Die Breitseiten zeigen männliche Brustbilder, gerahmt von Füllhörnern und Kentauren, sagenhafte Mischwesen aus Mensch und Pferd, die Nymphen auf ihren Rücken tragen – kleine Schildkröten bilden die Füße. Einzelmotive stammen von antiken Altären und Sarkophagen und besitzen vielleicht eine von dort übertragene Bedeutung. Typische Bronzewerke der Renaissance sind neben Glocken, Mörsern und Kanonen auch Luxusartikel wie Schreibzeuge, Öllampen, Kandelaber, Kerzenhalter oder Türklopfer. Die oberitalienische Residenzstadt Padua war ein Zentrum dieser Produktion. SN
Prunkkassette mit Lapislazuli
Kunstgewerbemuseum
Die Prunkkassette besitzt einen eingezogenen, von Greifen getragenen Unterbau und einen aufklappbaren Deckel, der im Aufbau die Grundform der Basis spiegelt. Alle Seiten sind durch reiche Ornamentfriese architektonisch gegliedert. Zwischen Karyatiden und steinbesetzten Rosetten erscheinen in der Mittelzone auf edel wirkenden Hintergründen aus Lapislazuli kunstvolle Reliefs der Planetengötter: an der Vorderseite Merkur zwischen Saturn und Uranus, an der Rückseite Luna zwischen Neptun und Venus. An einer der Schmalseiten ist der Sonnengott Sol dargestellt, an der anderen Jupiters Gemahlin Juno. Sie ist als Gattin des Göttervaters keine Planetengottheit, ihr Auftreten in dieser Reihe als Göttin der Geburt und Ehe ist wohl als Hinweis auf eine weibliche Empfängerin dieser Prunkkassette zu deuten. Hans Straub (1541–1610) war der Schwiegersohn und einer der Werkstattgenossen von Wenzel Jamnitzer (1508–1585), dem bedeutendsten Nürnberger Goldschmied des 16. Jahrhunderts. Jamnitzer gilt als der Erfinder jener „truehlin“ genannten Prunkkassetten, die er selbst unter anderem für die Kunstkammern der Wittelsbacher und Wettiner lieferte. Es verwundert nicht, dass auch Hans Straub solche hochbegehrten Werke herstellte und sich dabei der von seinem Schwiegervater gefertigten Goldschmiedemodelle bediente. Nachgewiesen ist dies nicht nur für das Mäanderband am unteren und den Metopen-Triglyphen-Fries am oberen Rand der Berliner Kassette. Auch der zauberhafte, am Deckel umlaufende Fries mit den zu Seiten von Maskarons zwischen Girlanden tollenden Putten hatte schon Verwendung an eigenhändigen Arbeiten von Wenzel Jamnitzer gefunden, so an einer Schmuckkassette in der Schatzkammer der Münchner Residenz. Das zugrunde liegende Bleimodell Jamnitzers ist im Bayerischen Nationalmuseum erhalten. LL
Kasten
Kunstgewerbemuseum
In Material und Ausführung der kleinen Kassette Inv. Nr. K 3070 ähnlich, mit übergreifendem Deckel, Eisenbeschlägen, genopptem Eisenband und vergleichbarem Schloß. Im Innern ebenfalls mit rotem Pergament beklebt, das überlappend auch einen Teil des Eichenholzkastens an seinen Außenseiten bedeckt (sichtbar an den Fehlstellen). Geschnittenes Rankenwerk mit punziertem Grund am Kasten. Schriftzeichen in den Seitenfeldern des Deckels sowie ein Schriftband sind nicht zu entziffern. Zwei leere Wappenschilde lassen vermuten, daß diese Laden vorrätig gearbeitet wurden, wobei dem Käufer die Möglichkeit gegeben war, sein Monogramm auf den Schilden nachzutragen. Der Dekor befindet sich hier lediglich an der Vorderseite und am Deckel. EM