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Objekttyp: Kupferstich
Der große Liebesgarten
Kupferstichkabinett
Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien. Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe. Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlanden tätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen. Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)
La Mort de Marc Antonie
Museum Europäischer Kulturen
Querformat. Zwei Frauen bemühen sich um den sterbenden de Marc Antonie: die fürstliche Ehefrau und eine Magd. Johann Georg Wille: "La Mort de Marc Antonie". Nach einem Gemälde von Pompeo Battoni. Signiert: Pompeo Battoni p.; J.G.Wille sc. Ursprünglich gerahmt.
Das Kinderbad
Kupferstichkabinett
Eine nackte Frau mit Turban und Halskette sitzt auf einer Bank und wäscht ein Kind, das sich über ihre Knie beugt. Neben ihr ein Holzzuber, in den ein Wasserstrahl spritzt und in dem zwei Kinder stehen, eines mit Vogel und Birne in den Händen, das andere mit langstieliger Schüssel, anscheinend ähnlich der, aus der die Frau vorn das Kind wäscht. Um den Zuber spielen vier weitere Kinder, eines mit Windrad, ein anderes mit Schemel, den es wohl ins Wasser tauchen will. Am Boden Schüssel, Früchte, Krug. Rechts ein gotisch verzierter Pfeiler und Ausgang. Über der Szene ein leeres Spruchband, dem wir gern ein deutendes Wort entnähmen; denn Genreszenen, d.h. Szenen, die nichts als eine anspruchslose Situation des Alltags schildern wollen, sind erst ca. 200 Jahre später denkbar. Zuvor sollte stets eine allgemeingültige Aussage vermittelt werden; hier ein Sprichwort? Als Gegenstück existiert ein Kupferstich mit spielenden Kindern. Meckenem war ein ungewöhnlich produktiver Stecher, der ein Werk von mehr als 500 Bl. hinterließ. In den meisten Fällen arbeitete er nach fremden Vorlagen; bedeutend das Doppelbildnis von ihm und seiner Frau (selten, Exemplar in Berlin unvollständig). Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 102, Kat. III.18 (mit weiterer Literatur)
Vogel-Unter, aus der Folge der Großen Spielkarten
Kupferstichkabinett
Gedruckte Spielkarten sind ab 1440 überliefert, wobei das dünne, empfindliche Papier für das Spielen eigens verstärkt werden musste. Die Stiche wurden auch als Vorlagen genutzt und als kuriose Objekte gesammelt. Das Große Kartenspiel enthielt 48 Karten: acht Zahlen- und vier Figurenkarten in je vier Farben (Menschen, Hunde, Vögel, Wappen). Vogel-Unter, -Ober, -Dame und -König werden durch „Wilde Leute“ repräsentiert. Die scheuen „Wilden Leute“ mit ihren behaarten Körpern lebten in der mittelalterlichen Vorstellung frei in den Wäldern und in Harmonie mit der Natur. Sie galten zwar als gottlos, triebhaft, ausschweifend und verkörperten damit ein fiktives Gegenbild zur zivilisierten Gesellschaft, wurden aber durchaus positiv gesehen: Der wilde Mann reitet auf dem guten, edlen Einhorn.