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Objekttyp: Lekythos (Gefäßform)
Attische Lekythos
Antikensammlung
Die auf weißem Grund mit Mattfarben bemalten Ölgefäße fanden nur im Rahmen des Bestattungsrituals Verwendung. Sie enthielten das Öl zur Salbung des Leichnams für die Aufbahrung im Haus und wurden unter dem Totenbett aufgestellt. Danach folgten sie den Verstorbenen als Zeichen für die dauernde Totenfürsorge der Hinterbliebenen ins Grab. Deshalb sind sie häufig mit Bestattungs- oder Grabszenen verziert. Hier zeigt das Bild eine Szene am Unterweltsfluß Styx, der die Grenze zum Totenreich bildete. Hermes – erkennbar an seinem Heroldstab (Kerykeion) und den Flügelschuhen – führt einen jungen Verstorbenen heran, den er in den Hades geleiten soll. Von der anderen Seite nähert sich der Fährmann Charon in seinem Boot, um den Neuankömmling überzusetzen. Er stützt sich auf die Stange, mit der er den Nachen vorwärtsbewegt. Sein kurzes Gewand (eine Exomis) bedeckt nur die linke Schulter, um ihn bei der Arbeit nicht zu behindern. Während sich die gelbe Farbe des Schiffes und das Rot von Charons Kleidung gut erhalten haben, ist die Farbe von Hermes’ Mantel weitgehend verschwunden. Da der Maler darauf verzichtete, seinen Umriß mit einer schwarzen Linie anzugeben, ist nur eine helle Fläche als Negativ geblieben. Die beiden unvermittelt neben den Beinen auftauchenden roten Streifen sind als die Borten an den Saumkanten des einstmals wahrscheinlich blauen Mantels zu verstehen. Auch vom roten Mantel des Jünglings sind nur noch Spuren erhalten. In der Zone unter dem Henkel waren einstmals Schilf und andere Ufervegetation – vermutlich in Grüntönen – angedeutet. Da die Mattfarben erst nach dem Brand aufgetragen wurden, waren sie – vor allem gegen Feuereinwirkung – sehr empfindlich und haben häufig ihren Farbwert gewechselt. Der nach einem russischen Sammler – dem Grafen Sabouroff – benannte Maler hat neben weißgrundigen Lekythen auch rotfigurige Gefäße bemalt. Dennoch scheint er sich im Laufe seiner Tätigkeit zunehmend auf die Grabgefäße spezialisiert zu haben. Bilder mit dem Totenfährmann Charon zählten dann zu seinen bevorzugten Themen. Die Antikensammlung. Altes Museum, Pergamonmuseum 3. Aufl. (2007) S. 86 Nr. 45 (A. Schwarzmaier).
Attische Lekythos
Antikensammlung
Links der Grabstele sitzt der verstorbene Jüngling auf einem Erdhügel und stimmt die Lyra; ein Mädchen bringt eine Binde als Grabschmuck.
Attische Lekythos
Antikensammlung
Eindrucksvoll ist auf den Bauch des großen Salbgefäßes auf hellem Grund mit kräftigen Farben eine Trauerszene gemalt: In der Mitte steht ein Totenbett, das mit dunkelviolett gemusterten Stoffen bedeckt ist. Auf ihm ruht in weiße Tücher gehüllt der Verstorbene, ein junger Mann. Die hellbraune Hautfarbe ist das Kennzeichen des außerhalb tätigen Mannes, während für die Frauen weißes Inkarnat verwendet wird. Der Kopf mit den kurzen braunen Haaren ist leicht erhöht gebettet. Um ihn herum steht klagend die Familie. Die Frau hinter dem Bett, die liebevoll ihm das Gesicht streichelt, ist sicher seine Mutter. Sie trägt einen dunkelgrünen fein gefältelten Chiton und darüber einen hellbraunen Mantel. Das Haar ist sorgfältig frisiert und mit Bändern verziert. Ihr gegenüber, am Kopfende stützt sich ein älterer Mann, der einen violetten Mantel trägt, auf einen Stock. Er berührt ebenso mit seiner Linken das Haupt des Verstorbenen, die Rechte hat er im Klagegestus über seinen Kopf gehoben. Die gramvolle Geste und seine unsichere eingeknickte Haltung zeigen, dass es sich um den schon ältlichen Vater des früh verstorbenen Jünglings handelt. Am Fußende steht eine Frau mit kurzem Haar und einfachem braunen Chiton. Sie weist mit der Linken auf den Verstorbenen, die andere Hand trägt einen großen flachen kanoun, den Korb für Opfergaben. Sicher bringt sie darin die Gegenstände für die traditionelle Salbung herbei, wie das Ölfläschchen, das unter der Kline steht oder die violette Binde an der Wand, die wahrscheinlich zum Schmuck des Grabmals verwendet werden sollte. Die aufrechte, fast etwas distanzierte Haltung verrät, dass es sich wohl kaum um eine nahe Angehörige sondern eher um eine Dienerin handelt. Daher ist sie auch von der innigen Zuwendung der beiden Eltern zu dem jungen Mann ausgeschlossen. Diese Reduzierung auf die drei Personen soll aber auch die Tragik des Verlustes deutlich machen. Es ist offenbar das einzige Kind, der Stammhalter, der nun vor seinem schon alten Vater verstorben ist. Es ist hier der Moment unmittelbar nach Eintritt des Todes gezeigt: Die Seele des Verstorbenen, das Eidolon, das die griechischen Künstler als zartes Flügelwesen den toten Körper verlassend darstellten, schwebt über dem Totenbett empor, halb verdeckt durch die Tänie. Noch sind keine gewerbsmäßigen Klagefrauen am Totenbett zu sehen, die dann traditionell Totenwache halten und die Klagegesänge anstimmen und noch führt kein prachtvoller Trauerzug mit Freunden und Angehörigen den Leichnam aus dem Haus, wie es vor allem ältere Vasenbilder zeigen. Diese Szene ist in seiner psychologisch berührenden Intimität ein herausragendes Zeugnis der Kunstfertigkeit eines griechischen Vasenmalers, der auf diesem stark gekrümmten Gefäß ein großartig komponiertes Bild aus der Privatsphäre seiner Mitbürger überliefert. Von Göttern und Menschen - Bilder auf griechischen Vasen (2010) Nr. 58 (U. Kästner).
Attisch-weißgrundige Lekythos (sog. Huge Lekythos)
Antikensammlung
Stele mit Verstorbenen, Krieger mit Pferd, Mann mit Speer, Tänien
Attische Lekythos: Grabszene (alter Mann und verstorbener Sohn als Krieger)
Antikensammlung
Tod und Grab im klassischen Athen: Der Tod galt den Griechen als ein Übergang in die Unterwelt, die man sich als Reich des Schreckens (Hades) oder als paradiesische Insel (Elysion) vorstellte. Auf die Reise ins Jenseits gab man den Toten zahlreiche, heute oft gut erhaltene Beigaben mit: Schmuck, Waffen, Essgeschirr, Toilettengerät oder auch eine Münze für den Totenfährmann Charon. Die Begräbnisriten änderten sich im Lauf der Zeit nur wenig: Die Leiche wurde gesalbt, im Haus aufgebahrt (Prothesis) und von den Frauen beklagt. Anschließend brachten die Trauernden den Toten in einer Prozession (Ekphorá) zum Friedhof (Nekropole), um ihn entweder zu bestatten oder einzuäschern. Tönerne, weißgrundige Salbölflaschen (Lekythen) waren besonders mit dem Totenkult im klassischen Athen verbunden. Sie wurden nicht nur mit ins Grab gelegt, sondern häufig auch vor die Grabmäler gestellt. Die eigentlichen Grabmäler, meist figürliche Reliefs in verschiedener Form, zeigen häufig den Verstorbenen in enger Verbundenheit mit seinen Angehörigen. Neben den Gräbern der Wohlhabenden gab es auch ausgedehnte Armenfriedhöfe, wo die Toten mit nur wenigen bescheidenen Beigaben bestattet wurden.
Attische Lekythos in Six-Technik
Antikensammlung
Ein Satyr überfällt eine schlafende Mänade. Die Mänade liegt auf einem Felsen und hält in ihrer rechten Hand einen Thyrsosstab, der mit einem Büschel aus Efeublättern bekrönt ist. Um ihren Kopf ist eine Schlange gewunden, die sich über der Stirn aufbäumt. Auf der Schulter des Gefäßes ein Kranz aus Lotosknospen mit Hüllblättern.
Attische Lekythos in Six-Technik
Antikensammlung
Ein bärtiger Satyr schreitet nach rechts. Bis auf seine Stiefel ist er nackt. In seiner rechten Hand hält er einen Weinschlauch. In seinem linken Arm trägt er ein viersaitiges Barbiton, an dem ein gepunkteter Beutel und eine gepunktete Tänie mit geradem Fransensaum hängen. Das Fell des Satyrn ist durch Punkte angegeben. Auf der Schulter des Gefäßes fünf Palmetten, die durch dünne Ranken verbunden sind.
Attische Lekythos in Six-Technik
Antikensammlung
Zwei tanzende bärtige Satyrn. Auf der Schulter des Gefäßes Kranz aus Lotosknospen mit Hüllblättern.
Attische Lekythos in Six-Technik
Antikensammlung
Eine nackte Mänade verfolgt einen fliehenden Satyrn, der sich umwendet. Auf der Schulter des Gefäßes ein Kranz aus Lotosknospen mit Ranken.
Attische Lekythos in Six-Technik
Antikensammlung
Eine sitzende nackte Frau lehnt sich zurück und spielt einen Doppelaulos. Von links und rechts nähert sich ein Satyr.
Attisch-schwarzfigurige Lekythos (Deianeiratypus)
Antikensammlung
Große Lekythos mit drei umlaufenden Bildstreifen (Tierfriesen): Löwen und Steinböcke, Schwäne und Löwen, Hähne Namengebendes Werk des Malers von Berlin 1659
Attische Lekythos
Antikensammlung
Grabspenden auf einem Gabentisch, links und rechts eine junge Frau und ein junger Mann.
Attische, weißgrundige Lekythos
Antikensammlung
Totenspende am Grab: Dienerin mit Korb und Salbgefäß; auf der anderen Seite der schmucklosen Stele ein stehender Jüngling.