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Objekttyp: Messkelch
Kelch der Ursula Freiin von Proskau
Kunstgewerbemuseum
Über einem astartigen Reif in Dreipaßform, der sich über einer knospenbesetzten Hohlkehle wiederholt, wächst dichtes Rebstockgeäst mit Weinlaub und kleinen Trauben hervor, das in durchbrochener Arbeit den Fuß des Kelches gestaltet. Auch der Schaft und der Knauf des Gefäßes, die einen herkömmlichen Umriß zeigen, werden von knorrigem und geflochtenem Geäst gebildet. Rebstockzweige mit Blattqwerk und Trqaube - wie am Fuße - umgeben den unteren Teil der glatten Kuppa, abgeschlossen von einem Fries halbkreisförmiger übereinanderliegender Aststücke. Auf der Unterseite ist in den unteren Astreif die Stifterinschrift eingraviert: "IM 1575 IAR HAB ICH VRSVLA FRAW V[ON] PRVSKAW GEBORNE V[ON] LOBKOWICZ AVF ALTENBVRG DISEN KELCH ZVR EHR GOTTES VND MEYNER GEDECHTNVS MACHEN LASSEN." KP
Messkelch
Kunstgewerbemuseum
Der Kelch besitzt einen gerade geschlossenen sechsseitigen Fuß, einen stark gedrückten, aus zwei gleichen Hemisphären bestehenden Nodus und einen nur in Ansätzen ausgebildeten Kuppakorb. Auf dem Fuß erscheinen zwischen fein reliefierten Grotesken in den sechs Eckkartuschen die Leidenswerkzeuge Christi: Kreuz, Lanze und Essigschwamm, Dornenkrone, Kreuzesnägel, Geißelschwänze und Martersäule. Die stark westeuropäisch beeinflussten Ornamentformen verweisen auf eine Entstehung des Kelches in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Lothar Lambacher
Abendmahlskelch
Kunstgewerbemuseum
Der Kelch aus Heinersdorf (heute Ortsteil von Steinhöfel, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg) entspricht dem in Mitteleuropa am Ende des 15. Jahrhunderts weit verbreiteten Grundtypus dieses Abendmahlsgerätes mit sechspassigem Fuß, sechsseitigem Schaft, der als Handhabe einen Knauf (Nodus) mit sechs rautenförmigen Zapfen (Rotuli) besitzt, und einer relativ kleinen, trichterförmig gestrafften Kelchschale (Kuppa), die von einem ornamental gestalteten Kelchkorb unterfangen wird. Auf dem Fuß befinden sich eine kleine plastische Kreuzigungsgruppe sowie die gravierten Halbfiguren des hl. Jakobus mit Pilgerstab und Hut, der hl. Barbara mit Turm und Schwert, der Muttergottes, der hl. Katharina mit Rad und Schwert und des hl. Bartholomäus mit dem Messer. Am Schaft erscheinen in Silber, wohl aus derselben Form gegossene, zwölf miniaturhaft kleine Statuetten der Apostel, je sechs unter- und oberhalb des Nodus. Dabei handelt es sich, im Gegensatz zu den Darstellungen auf dem Kelchfuß, um eine relativ seltene Form der figürlichen Gestaltung an einem Messkelch. Für den Abendmahlskelch einer märkischen Dorfkirche ebenfalls ungewöhnlich ist der künstlerisch sehr qualitätvolle Dekor mit mehrfarbigen Schmelzen in der aufwändigen Technik des so genannten ungarischen Drahtemails. Bei dieser im 14. Jahrhundert in Italien entwickelten, später in Ungarn zu besonderer Blüte gebrachten und im ausgehenden 15. Jahrhundert auch im östlichen Mitteleuropa verbreiteten Schmelztechnik werden die Zellen für die Aufnahme des Emails durch aufgelötete tordierte Silberdrähte gebildet. Nach dem Brand werden die Schmelzen nicht geschliffen, so dass die gedrehten Drähte leicht erhaben als Dekor an den Rändern der emaillierten Felder erscheinen. LL
Messkelch
Kunstgewerbemuseum
Der kleine Zinnkelch mit geschweiftem Stand, linsenförmigem Nodus und schlichter Kuppa ist als Grabbeigabe eines Bischofs in der Nähe von Nancy zu Tage gekommen. Weit häufiger als in Deutschland finden sich in Frankreich aus unedlen Materialien gearbeitete Kelche, Patenen und Krummstäbe in Gräbern von Geistlichen. Sie haben nicht bei liturgischen Handlungen gedient, sondern wurden allein zu dem Zweck geschaffen, den verstorbenen Würdenträgern als Symbole ihres Amtes mit ins Grab gegeben zu werden. LL