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Objekttyp: Mobiliar
Applikation für ein Möbelstück
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Zur Verzierung von Architekturelementen wie Architrave, Kioske und Hausfassaden dienten Applikationen aus verschiedenen Materialien. Schmückende, knaufartige Griffe aus Fayence wurden vermutlich an verschiedenartigen Behältnissen angebracht. Nach: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 374 (Kat.-Nr. 157).
Möbelteil bekrönt von einem sitzenden Löwen mit der Kartusche des Aspelta
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die hölzerne Figur eines sitzenden Löwen wurde im Zuge der Grabungen der Königlichen Museen zu Berlin am 3. Dezember 1907 auf der Nilinsel Elephantine gefunden. Auf der Brust findet sich eine Inschriftenzeile, in der zu lesen ist: „Der vollkommene Gott, Herr der beiden Länder, Aspelta, er lebe ewiglich.“. Es handelt sich hierbei um ein massives Möbelbein, das ursprünglich womöglich als Träger einer Thronplattform in Nubien Verwendung fand. Als Beuteobjekt könnte es während des Rückzugs der ägyptischen Truppen aus Nubien im 3. Regierungsjahr unter Pharao Psammetich II. (593 v. Chr.) auf Elephantine zurückgelassen worden sein. Dort scheint es zu einem späteren Zeitpunkt im Kopfbereich umgearbeitet worden zu sein. Womöglich wurde in diesem Zusammenhang auch die Kartusche des Königs Aspelta weitgehend entfernt. Diese Veränderungen können mit einer Weihung in dem Chnumtempel der Insel stehen. So wurde das Löwenbein dem Ausgräber F. Zucker zufolge in einer sekundären Deponierung in der Nähe des besagten Tempels in einer Aufschüttung gefunden. (J. Helmbold-Doyé)
Applikation aus Holz
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Zur Verzierung von Architekturelementen wie Architrave, Kioske und Hausfassaden dienten Applikationen aus verschiedenen Materialien. Neben Weintrauben aus Fayence wurden florale Motive als Dekor verwendet. Eine große Zahl solcher Objekte fand sich bei der Grabung der DOG in Achet-Aton, wie die hier abgebildete Applikation floralen Motivs aus Holz zeigt. Exemplare aus bemaltem Holz dürften zur Verzierung von Mobiliar gedient haben. Nach: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 374 (Kat.-Nr. 157).
Seitenwand eines Schreins mit verzierten Füllbrettern
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Seitenwand gehörte zu einem Schrein, der einst einen Sarg oder einen mumifizierten Leichnam barg. Vier Relieftafeln sind in ihrer ursprünglichen Position in einen modernen Verband eingepasst. Der Dekor umfasst neben ornamentalen Flechtbändern, einer Ranke sowie Jagd- und Tierkampfszenen auch jenseitsbezogene Motive wie den Lebensbaum oder Adler mit ausgebreiteten Schwingen, welche ein Kreuz im Schnabel halten oder um den Hals tragen. Der Adler gilt in der Grabkunst als Symbol der Errettung der Seele, der Lebensbaum versinnbildlicht das Paradies.
Wiederverwendetes verziertes Brett für eine Bestattung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im Nachtragsband aus dem Jahr 1923 zu den bereits erschienenen Bestandskatalogen der Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen ist das verzierte Brett erstmals eingehend besprochen worden. Seither wurde es mehrfach publiziert. Neue Erkenntnisse konnten vor allem durch Holzanalysen sowie Forschungen im Rahmen einer Dissertation über Holzschnitzereien spätantiker bis frühislamischer Zeit aus Ägypten gewonnen werden. Dendrochronologische Untersuchungen, mit deren Hilfe sich das Alter konkreter als durch die herkömmliche Methode des Stilvergleichs bestimmen ließe, sind noch nicht durchgeführt worden. Die ungewöhnliche Form des reich verzierten Brettes und die Tatsache, dass sein Dekor oben und unten beschnitten ist, sind eindeutige Merkmale für eine Weiterverwertung. Zapfenlöcher an der Unterseite belegen, dass es ursprünglich zu einem Möbelstück gehörte und mit anderen Teilen verbunden war. Mangels komplett erhaltenen Mobiliars aus dem spätantiken Ägypten lässt sich die ursprüngliche Funktion nicht näher bestimmen. Die Vorderseite des Brettes ist bis auf die Ränder an den Schmalseiten über die gesamte Fläche mit Ornamenten, Tierfiguren und pflanzlichen Motiven in flachem Relief überzogen in einem Stil, der deutlich arabischen Einfluss erkennen lässt. Ein Rautenband bildet den oberen, leicht gebogenen Abschluss. In der Mitte der Bildzone darunter ist ein Spitzgiebel zu erkennen, links und rechts davon Halbkreise. Verschiedene Tiere sind dazwischen in symmetrischer Anordnung verteilt: besonders auffallend sind zwei Adler mit aufschwingenden Flügeln, einer Bulla um den Hals und einem Kreuz in einem Kreis über dem Kopf – ein Motiv, das in der Grabkunst geläufig ist und sich auf vielen Stelen wiederfindet. Die anderen Tiere (Fabelwesen zu Seiten der Adler sowie Vierbeiner, vermutlich Löwen, und Pfauen oder Enten in den Ecken oben links und rechts) haben dagegen keinen direkten Bezug zum Totenkult. In der linken Hälfte ist unten teilweise eine Abschlussleiste erhalten, die bezeugt, dass die Bildzone dort endete. Die gegenwärtigen Konturen des Brettes ahmen grob die Umrisse eines menschlichen Körpers nach. Derart zugeschnittene Bretter aus schlichten Hölzern oder aus wiederverwendetem Material sind von der Spätantike an bis etwa zum 8./9. Jahrhundert zu Begräbniszwecken zur Aufbahrung der Toten verwendet worden, wie z. B. Funde aus jüngeren Ausgrabungen in der nördlichen Nekropole von Antinoopolis bezeugen. Sie dienten als Unterlage für den Körper und wurden mit ins Grab gegeben. Cäcilia Fluck (2017)
Füllbrett einer Wand oder eines Schreins mit "Seelenvogel" im Kranz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Ein Blattkranz nimmt nahezu die gesamte Fläche des fast quadratischen Bretts ein, in dessen Ecken Palmetten als Füllmotive sitzen. Der Kranz umschließt einen Adler mit erhobenen Schwingen. Er bewegt sich nach rechts, wendet seinen Kopf aber zurück. Um den Hals trägt er eine Bulla, eine Amulettkapsel zum Schutz gegen böse Mächte, die einen Zaubertext oder Heilkräuter enthalten konnte. Im Zusammenhang mit dem Totenkult hat der Adler die Bedeutung eines „Seelenvogels“. Nach altägyptischer Vorstellung wurde ein Aspekt des Seelischen, der so genannte Ba, u. a. als Vogel dargestellt. Er sollte das Grab aufsuchen, um den Leichnam wiederzubeleben. Eine ähnliche Bedeutung hat der Seelenvogel im christlichen Kontext, denn er gilt als Symbol für die Auferstehung und die Errettung der Seele des Toten. Dementsprechend begegnet er auf vielen Grabmonumenten, wo er oft von Siegeskränzen begleitet wird. Ursprünglich auf die römische Triumphalkunst zurückgehend, versinnbildlichen jene den Sieg über den Tod. Das Holzrelief war sehr wahrscheinlich als Füllbrett in einen Schrein eingelassen. Ähnliche Adlerdarstellungen kommen in Verbindung mit anderen Motiven wie Flechtbändern und belebten Ranken z. B. auf einer Schreinwand vor, die ebenfalls im Museum für Byzantinische Kunst aufbewahrt wird.