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Objekttyp: Modell (Kleinkunst)
Fußfragment eines Bettmodells
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Großteil unseres Wissens über Altägyptische Möbel stammt aus Grabbeigaben, die dem Verstorbenen auf seine Reise ins Jenseits mitgegeben wurden. Hölzerne Modelle zeigen, wie die Betten im täglichen Leben ausgesehen haben mögen. Allerdings konnte sich nur eine wohlhabende Familie solche Betten leisten, denn qualitätvolles Holz war ein exklusives Handelsgut und wurde fast ausschließlich importiert. Modellbetten bestehen daher in aller Regel aus gebranntem bzw. ungebranntem Ton. In Amarna fanden sich die kleinen Modelbetten häufig im Schutt der verlassenen Häuser, waren also nicht als Grabbeigaben gedacht. Auf einem dieser Modellbetten aus einem anderen Fundkontext befanden sich noch zwei weibliche Figuren, weswegen die kleinen Betten und die in der Größe passenden Frauenfigürchen gerne mit Fruchtbarkeitswünschen in Verbindung gebracht werden. Insgesamt fanden sich über 200 solcher weiblichen Figuren in Achet-Aton. Die beiden Fragmente dieses Modellbetts (ÄM 28749, ÄM 28750) gehören wohl zusammen und weisen an den Füßen die seit der 3. Dynastie (ab 2700 v. Chr.) üblichen Löwentatzen auf. Auf den Fragmenten finden sich noch Reste roter und schwarzer Bemalung, was darauf hindeuten mag, dass das Flechtwerk der Liegefläche aufgemalt war. Aus: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 372 (Kat.-Nr. 154).
Treibkitt mit Darstellung Echnatons und einer Gemahlin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Technik des Treibens ist ein Verfahren der Metallbearbeitung, welches die Alten Ägypter vermutlich aus Mesopotamien übernahmen. Hierbei wurde zunächst ein Metallblech auf einen elastischen Treibkitt gelegt. Dieser war auf einer Holzunterlage angebracht und bestand gewöhnlich aus einem Materialgemisch von Wachs, Rindertalg, Pech und Ziegenmehl. Mit Hilfe von Hammer und Punze wurde dann durch die Metallbearbeiter ein erhöhtes Relief in die Rückseite des Blechs getrieben. Abschließend wurde das Metallstück gewendet und auf der Vorderseite mit Ziselierwerkzeugen verfeinert. Zurück blieb der Treibkitt mit dem Abdruck des entstandenen Reliefs, welcher aber vermutlich in der Regel wiederverwendet wurde. Die Grabungsmitglieder der DOG fanden im Januar 1914 einen fast vollständigen Kitt mit erhaltenem Relief. Borchardt notierte in Bezug auf das Material, es sei „aus einer harzigen, glasigen Masse“, wobei der tatsächliche Anteil von Harz sehr gering sein dürfte. Weiterhin vermerkte er im Tagebuch, das Relief sei „vermutlich gegossen und zwar auf einer Holzunterlage“. Seine Behauptung bezieht er auf die Holzfasern, welche auf der Rückseite des Objekts erkennbar sind. Der Tagebucheintrag erweckt allerdings den Eindruck, als würde Borchardt das Relief selbst für das Endprodukt halten, da er es als „gegossen“ bezeichnet. Ob das Materialgemisch zähflüssig oder fest auf der Holzunterlage aufgebracht wurde, lässt sich nicht eindeutig klären. Anhand der gut erkennbaren Punzierungsspuren wird deutlich, dass es sich in jedem Fall um den Abdruck einer Treibarbeit handelt. Denkbar ist sogar, dass auf diesem Stück ein feines Goldblech getrieben wurde, da die Konturen des Reliefs ungewöhnlich präzise ausfallen. Dargestellt ist der Pharao Echnaton mit der Blauen Krone und dem typischen, über das Knie hochgezogenen Schurz. Vor ihm steht seine deutlich kleinere Gemahlin mit einer kurzen Lockenperücke, bei der es sich um Nofretete handeln dürfte. Auffällig ist die Körperhaltung der Gattin, welche sich offensichtlich zu ihrem Mann umdreht, um dessen linke Hand zu halten. Diese Geste, welche für die Amarna-Zeit nicht unüblich war, soll die Vorstellung von familiärer Intimität und Zuneigung unterstreichen. Aus: Hackbeil, C., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 270 (Kat.-Nr. 47).
Modell einer Weintraube
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die einzelnen Beeren der Traube sind rundplastisch ausgearbeitet. Trauben zählten im Alten Ägypten zu den beliebtesten Früchten. Als Dekorationselemente findet man sie häufig in der Architektur oder auch bei Möbelstücken und Schmuck. Belegt sind sie hauptsächlich in Malerei und Relief in den Privatgräbern, jedoch treten sie auch rundplastisch auf. Womöglich könnte diese Weintraube ein dekorativer Bestandteil eines Architekturelements oder eines Möbels gewesen sein. (J. Jancziak)
Modell oder Probeguss eines Ohrrings aus Blei
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Metallschmuck wie Ohr- und Fingerringe entstanden in der Regel aus zwei zusammengehörigen Gussformen. Diese legte man zunächst übereinander, bevor man anschließend das flüssige Metall durch einen Angusskanal in das Model leitete. Nach dem Abkühlungsprozess und dem Entnehmen der Ringe standen die Formen für den nächsten Gussvorgang bereit. Damit eigneten sich die meistens aus Kalkstein gefertigten Formen für die mehrmalige Reproduktion von Schmuckstücken. Die häufigsten in Achet-Aton gefundenen Metallringe bestehen aus Bronze. Sie sind teilweise mit einer Königskartusche an der Siegelringplatte versehen, was den Wert der Ringe eindrucksvoll unterstreicht. Ungewöhnlich hingegen ist ein aus der Grabung stammender Ohrring aus Blei. Da er zum Tragen ungeeignet war, dürfte er vermutlich als Modell oder Probeguss gedient haben. Aus: Hackbeil, C., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 266 (Kat.-Nr. 45).
Geschlachtetes Opferkalb
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die auf der Seite liegende Kuh stammt aus einem größeren Modell, das eine vollständige Schlachtungsszene mit mehreren Akteuren zeigte. Das Motiv der Rinderschlachtung ist in den Grabdarstellungen des Alten Reiches (2700–2150 v. Chr.) sowie in den Modellen des Mittleren Reiches weit verbreitet, denn dadurch wurde die ewige Versorgung des Verstorbenen gewährleistet. Durch das Zusammenbinden eines Vorder- und eines Hinterbeines ist das Tier auf die Seite gefallen. Die rote Farbspur am Hals deutet an, dass dem Rind bereits mit einem scharfen Messer die Halsschlagader durchtrennt worden ist. (O. Zorn)
Modell einer Küchenszene
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
In dem Küchenmodell wird von einer Dienerin ein Feuer geschürt. Die ockergelbe Hautfarbe und das lange Kleid weisen sie eindeutig als Frau aus. Die beiden Männer widmen sich der Brot- und Bierzubereitung. Der am Boden hockende Diener stellt die Teigrohlinge her, während der Mann hinter dem großen Topf, auf dem ein Sieb liegt, die Maische durchseiht. Diese entstand, indem geschrotetes Getreide in Dattelsaft eingeweicht und mehrere Tage in Tonkrügen gelagert wurde. Obwohl die Figuren relativ grob gearbeitet sind, bilden sie mit ihren lebhaften Bewegungen und für ihre Arbeit charakteristischen Gesten eine realistische Szenerie. Damit war der Verstorbene bis in alle Ewigkeit mit den für die Ägypter lebensnotwendigen Gütern, Brot und Bier, versorgt. (O. Zorn)
Modell eines Schildes mit der Imitation einer Fellbespannung
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Bei dem Schild mit einem Spitzbogen handelt es sich um eine Nachbildung aus Holz, das fleckig bemalt ist und somit eine Bespannung mit Rinderhaut andeuten soll. Den Rahmen bildet eine ebenfalls schwarz gefasste, leiterartige Bemalung, die eine Naht imitiert mit der das Fell befestigt war. Innerhalb der zeitgleichen nubischen Festung von Mirgissa wurden im Bereich der ehemaligen Waffenkammer und den angeschlossenen Werkplätzen Rohhäute bzw. steinerne Werkplätze zum Spannen der Rohhäute für Schilde dieser Form gefunden. Derartige Schilde wurden in der Realität vornehmlich zum Schutz des Soldaten eingesetzt und mit der linken Hand gehalten. So befindet sich auch bei diesem auf der Rückseite ein Querriegel, der in der Mitte durchbrochen ist, um diesen mit den Fingern umschließen zu können. Die Nachbildung wurde in einem Grab gefunden und kann als Zeichen des Zeitgeschmacks der Grabausstattung im Mittleren Reich verstanden werden. Entsprechend dazu finden sich vergleichbare Schilde in den sogenannten Gerätefriesen auf den Kastensärgen dieser Epoche. (J. Helmbold-Doyé)
Miniatursarkophag mit Nennung des Namens des Prinzen Thutmosis
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung