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Objekttyp: Mumienhülle (Grabausstattung)
Mumienhülle (Kartonage) des Chaa/Chai-Hor (Oberteil)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die anthropomorphe Mumienhülle des Chai-Hor aus Kartonage hat wie seine Mumientücher eine rote Grundfarbe. Der Unterteil der Kartonagehülle ist sehr flach angefertigt. Dagegen ist der Brustbereich des plastisch ausgeformten Oberteils stark gewölbt. Die Augen und die Brauen des vergoldeten Gesichts sind mit Glaseinlagen eingesetzt. Über der Stirn ist eine von Uräen flankierte Sonnenscheibe zu sehen. Ein separat ausgearbeiteter Götterbart wurde am Kinn befestigt. Die Kartonagehülle war ursprünglich mit religiösen Motiven aufwendig dekoriert. Leider ist die Stucksicht, die die aufgemalten Dekorationen tragen, in vielen Bereichen abgefallen. Man kann das Dekorationsprogramm der Kartonage nicht mehr rekonstruieren. Aber die netzartigen Dekorationen an den Körperseiten der Kartonage, deren Gestaltung eines Mumiennetzes ähnelt, lassen sich noch erkennen. Zwei seitliche, vertikal verlaufende Inschriften, die heute nicht mehr erhalten sind, geben zusammen mit den Inschriften des Holzsarges Auskunft über den Verstorbenen Chai-Hor, der der Sohn eines Nechet-Hor-heb und einer Cha-bas war und das Amt eines zweiten Priesters der Göttin Neith innehatte. (I. Liao)
Brust-Bein-Auflage der Mumie der Ta-scherit-(en)-Amun, Tochter des Ij-em-hetep und der Ta-dit-ta-Repit
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Brust-Bein-Auflage einer Mumie aus Kartonage diente zusammen mit der dazugehörigen Mumienmaske (ÄM 24224/01) und der Fußauflage (ÄM 24224/02) dem Schutz des mumifizierten Körpers der Ta-scherit-Amun, Tochter des Ij-em-hetep und der Ta-dit-ta-Repit. Alle drei Teile wurden komplett mit aufwendigen eingeritzten Dekorationen überzogen und vollständig vergoldet. Die Dekoration der Brust-Bein-Auflage folgt weitgehend der damaligen Konvention. Unterhalb des breiten Halskragens, dessen Abschlussstücke zwei mit Sonnenscheibe bekrönte Falkenköpfe bilden, ist die Himmelsgöttin Nut kniend mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Sie hält zwei Federn der Maat, der Göttin der Gerechtigkeit, in den Händen. Neben den Federn ist jeweils ein Udjat-Auge zu sehen. Im nächsten Register sind die vier Horussöhne abgebildet. Darunter folgt eine Szene, in der die Mumie auf einer Löwenbahre liegt und der schakalköpfige Gott Anubis mit einem Salbgefäß in der Hand, über diese gebeugt ist. Er zeigt damit an, dass die Balsamierung ordnungsgemäß durchgeführt worden ist. Die Göttinnen Isis am Kopfende der Mumie und Nephthys am Fußende beweinen die zu Osiris gewordene Tote. Vier Reihen floraler Motive, die wohl vier stark stilisierte Blütengirlanden zeigen, bilden den Abschluss der Dekoration. Des Weiteren befindet sich in dem zentralen bogenförmigen Feld des Halskragens die Darstellung eines Wesens mit Menschenkopf, Skarabäuskörper sowie Falkenflügeln und -krallen, das aus einer offenen Lotusblume emporsteigt. In dieser Mischgestalt steht der morgendliche Sonnengott sinnbildlich für den immerwährenden Sonnenlauf und die Regeneration bzw. Wiedergeburt, die die Verstorbene erhoffte. Ab der Ptolemäischen Zeit wurden Mumienhüllen aus Kartonage nicht mehr aus einem Stück gearbeitet, sondern setzten sich aus mehreren Teilen zusammen. Da das Gold aufgrund seiner materiellen Unvergänglichkeit den Ägyptern als „Fleisch der Götter“ galt, wurde die Göttlichkeit des Toten durch die Goldfarbe zum Ausdruck gebracht. Die Vergoldung der Mumienmasken, die zuerst den Königen und seine nahen Angehörigen vorbehalten war, breitete sich vom dritten vorchristlichen Jahrhundert auch bei Privatpersonen stark aus. (I. Liao)
Mumienhülle des Ken-hor; Priester des Min
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Als die innerste Komponente des Sargensembles des Ken-Hor gilt die aufwendig dekorierte Mumienhülle aus Kartonage, in der die Mumie eingehüllt war. Ein Götterbart ist am Kinn des fein herausgearbeiteten Gesichts befestigt. Die Augen sind plastisch ausgeformt und bemalt. Zudem lässt sich eine technische Besonderheit an der Kartonage beobachten: Normalerweise wurde die über einer Form angefertigte, mumienförmige Kartonage für das Einführen der Mumie am Rücken aufgeschnitten und wieder verschlossen. Bei ÄM 8500 wurde die Kartonagehülle aber an den Seiten durchtrennt ähnlich eines separaten Deckels. Der seitliche Spalt wurde nach dem Einführen der Mumie von der als Malgrund aufgetragenen Stuckschicht überdeckt. Schon in historischer Zeit, möglicherweise im Rahmen der Bestattungszeremonie, wurde die Kartonage im Liegen mit einer heute schwarz verfärbten Substanz übergossen. Daher ist der größte Teil der Dekorationen überdeckt und nur im leicht erhabenen Relief zu erkennen. Mithilfe der Streiflichtaufnahmen kann man jedoch Teile der Dekorationen und darüber hinaus das theologische Programm der Kartonagehülle erfassen. Auf der Vorderseite, unterhalb des Halskragens folgen sieben horizontale Bildstreifen, die im Fußbereich mit den Darstellungen des Gottes Upuaut in Gestalt zweier liegender Schakale enden. Im darüber befindlichen Streifen wird ein Djed-Pfeiler von zwei Udjat-Augen sowie von Sonnenscheiben gekrönten Weihen flankiert. In den drei mittleren Bildstreifen sind die Totenbuch-Vignetten zu sehen, in denen die Versorgung der Mumie durch Anubis, das Totengericht, und die Vorführung des Verstorbenen vor Osiris nach dem bestandenen Totengericht dargestellt sind. Die anderen Flächen der Kartonage sind ebenfalls durch Darstellungen geschmückt, die der Verstorbene bei seiner Transformation ins jenseitige Leben unterstützen sollte. Dazu gehören zum Beispiel die Darstellungen der tierköpfigen Gottheiten mit Messern aus dem Amduat auf dem Rücken der Kartonage sowie das Bild eines laufenden Apis-Stieres als Schutzsymbol auf der Unterseite der Fußplatte. Trotz des schwarzen Überzugs ist die gute Qualität der Malerei der Mumienhülle des Ken-Hor aus Kartonage erkennbar. (I. Liao nach: Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 76ff.; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 127ff.)
Bauchauflage einer Mumie
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieses Bauchstück einer Mumienhülle stammt aus der Nekropole von Hawara im südöstlichen Fayûm, wo Heinrich Brugsch im März 1892 gegraben und mehrere Mumienauflagen geborgen hatte, die alle in die Ptolemäerzeit datiert werden können. Aufgrund seiner Maße gehörte die Bauchauflage zu der Mumie eines Erwachsenen. Analog zu Darstellungen auf Leichentüchern aus dieser Zeit, sind die einzelnen Motive symmetrisch in rechteckigen, mehrreihig übereinander angeordneten Feldern arrangiert und in ihrer Bedeutung ausnahmslos der altägyptischen Mythologie entlehnt. Charakteristisch sind für das ptolemäerzeitliche Fayûm sind Masken mit büstenartigem Oberteil aus stuckierter Kartonage sowie separate Auflagen im Bereich der Brust, des Bauches und der Beine. Diese lagen in einigen Fällen unter reich bebilderten Leichentüchern und wurden entweder aus Papyrus oder Textilien gepresst, stuckiert und bemalt. Die einzelnen Komponenten wurden neben der Bemalung mitunter sogar vergoldet. Allerdings kann es sich hierbei in vielen Fällen auch um eine in moderner Zeit vorgenommene Maßnahme von Seiten der Händler handeln, um den Verkaufswert zu steigern. Mumienhüllen dieser Art stellen eine Spätform der anthropoiden Särge und Mumien pharaonischer Zeit dar, welche im Zuge der hellenistischen Ägyptomanie besonders im rituellen Kontext wieder auflebte. Die Bauchauflage beschützt den Verstorbenen magisch wie einen Sarg, was alle darauf erkennbaren mythologischen Darstellungen bezeugen. (Jana Helmbold-Doyé)