3914 Ergebnisse
Objekttyp: Plakat
Internationales Tanz-Match
Kunstbibliothek
Eine Reihe von Plakaten aus der Kolonialzeit in der Sammlung der Kunstbibliothek bewerben Feste, Bühnenstücke und Ausstellungen, in denen „ferne Welten“ im Mittelpunkt stehen. Solche Ereignisse waren um 1900 beim europäischen Publikum sehr beliebt. Sie vermittelten mehr oder weniger zutreffende Ansichten und Bilder von anderen Ländern und Kulturen. Im Rahmen von Kolonial-, Kunst- und Kulturausstellungen – etwa „Japan in Borkum“, „Niederländisch-Indische Kunstausstellung“, „Meisterwerke muhammedanischer Kunst“ oder „L‘Andalousie au temps des Maures“ – bestand noch der Anspruch, ein objektives, wissenschaftlich unterfüttertes Bild des jeweiligen Gegenstandes zu entwerfen. Bei Kostümfesten, Theaterstücken, Tanzdarbietungen oder Filmen – darunter „Les Turcs“, „Madame Chrysanthème“/„Mimosa San“, „Mr. Wu“ oder „Sumurun“ – wurde dagegen mehr Wert auf Effekte gelegt als auf historische Genauigkeit. Oft, so scheint es im Rückblick, überwog die Zurschaustellung der „Anderen“ anstelle einer offenen, solidarisch-sachlichen Darstellung anderer Gesellschaften und Kulturen. Nicht selten hatte letztere diskriminierende Züge, bin hin zur propagandistischen Karikatur. Kolonialmächte importierten nicht nur Waren aus Übersee, sondern beförderten auch Vorstellungen über (das Leben der) Menschen in anderen Ländern in die Köpfe der Menschen zuhause. Ein extremes Beispiel waren die sogenannten Völkerschauen, bei denen – unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Weltaneignung – außereuropäische Personen unter degradierenden Bedingungen in europäischen Städten zur Schau gestellt wurden. Aber auch als „harmlos“ wahrgenommene Bühnenstücke trugen mit Bildfiktionen ihren Teil bei. Hier wie dort wurden Menschen aus anderen Kulturen als „exotisch“ vorgeführt, Ethnien und Kostüme teils frei erfunden, Eigenschaften und Verhaltensweisen stereotypisiert, fiktive Kategorien und Hierarchien geschaffen. Der kommerziell-voyeuristische Aspekt des Aufführens spielt eine zentrale Rolle, denn darin spiegeln und konsolidieren sich koloniale Machtverhältnisse. Bühnenproduktionen arbeiteten mit Figuren, die kontinuierlich Stereotype reproduzierten und Klischees verstärkten: die untergebene Asiatin, die ebenso leidende wie leidenschaftliche Haremsdame, der herrische Sultan, der heldenhafte Cowboy und sein hinterlistiger, als „Indianer“ titulierter Gegenspieler und viele mehr. Kritische Stellungnahmen – wie in „Die Juden. Russisches Zeitbild“ von Eugen Tschirikow, einem Stück gegen die Judenverfolgung – oder ein gleichberechtigter Kulturaustausch waren rar, Folklore dafür allgegenwärtig. Kostümfeste und Faschingsfeiern wiederum emulierten die stereotypen Bilder aus Theater, Literatur und nicht zuletzt Werbung. Europäer*innen verkleideten sich in „Andere“ und verdeutlichten so, welche Fantasien sie etwa mit „Persien“ („Perzische Feesten“), der Türkei („Türkisches Fest“), den Kolonien („Kolonialfest“) oder Kannibalen („Kannibalen-Fest“) verbanden. Diese Vorstellungen gebaren hybride Fremdbilder, in denen „orientalistisch“ oder „exotisch“ begriffene Kulturen aus Asien, Afrika und Südamerika vermischt, verallgemeinert oder übertrieben wurden. Die „Anderen“ wurden zur Projektionsfläche der kolonialen Gesellschaft. Auf diese Art verfestigten orientalisierende und exotisierende Veranstaltungen – ob direkt oder unterschwellig – den weißen Überlegenheitswahn, verstellten den Blick auf andere Gesellschaften und trugen auf ideologischer Ebene zur rücksichtslosen Ausbeutung und nachhaltigen Abwertung von Menschen aus kolonisierten Ländern und Gesellschaften bei. Recherche und Text: Kristina Lowis //Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch. _Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513 _Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516 _Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/ _Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/ _________ Rund 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger gehören zur Sammlung Grafikdesign der Berliner Kunstbibliothek. Der Grafiker und Illustrator Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Text: Christina Dembny / Christina Thomson
La Revue Blanche
Kunstbibliothek
Die ikonisch-provokanten Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec geben einen einzigartigen Einblick in die Welt der Pariser Tanz- und Nachtlokale. Mit Vorliebe stellte der Künstler die Stars der Belle Epoque dar, die sich im Tanzlokal „Moulin Rouge“ oder im Cabaret von Aristide Bruant aufhielten. Dabei zeichnete er keine idealisierten Bilder, sondern schuf sensible Porträts der Dargestellten. Charakteristisch ist der künstlerische Gestus der Plakate, mit großen Farbflächen, skizzenhaften Umrisslinien und ungewöhnlichen Perspektiven. Von hohem Wiedererkennungswert geprägt, waren die Werke Toulouse-Lautrecs schon zu seinen Lebzeiten bei Auftraggebern wie Sammlern begehrt. Insgesamt entwarf der bereits mit 36 Jahren verstorbene Künstler nur dreißig Plakate; 21 davon sind mit einem Exemplar in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin vertreten. (Text: Christina Dembny) Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht.
Muratti's
Kunstbibliothek
Plakatwerbung für Tabakprodukte hat eine lange Tradition: Mit Erfindung neuer Rauchwaren und dem massiven Anstieg des Tabakkonsums im 19. Jahrhundert hielt sie Einzug in den öffentlichen Außenraum und blieb jahrzehntelang dort präsent; erst kürzlich wurde sie in vielen Ländern verboten. In Europa wurde Tabak um 1900 – wie auch Kaffee, Kakao, Tee oder Gewürze – zu „Kolonialwaren“ gezählt. Historisch trifft die Bezeichnung wohl zu, denn im 17. und 18. Jahrhundert wurde Tabak noch teuer aus Amerika angeschifft. Im 19. Jahrhundert jedoch stammte der Rohtabak, der in immer mehr europäischen Tabakfabriken verarbeitet wurde, meist aus Anbaugebieten im südöstlichen Mittelmeerraum – und nur selten aus überseeischen Kolonien. „Kolonialware“ war zum Vermarktungsbegriff geworden und stand generisch für „Exotik“, Ferne, Genuss und den neuen Alltagsluxus in der imperialen Konsumgesellschaft. Denn im Zuge der Industrialisierung hatte das einst sehr Wohlhabenden vorbehaltene Genussmittel massenhaft Verbreitung in Europa gefunden: Es gab Tabak jetzt nicht mehr nur zum Schnupfen, Kauen (ID 2645549), Pfeifenrauchen oder in Zigarrenform, sondern auch in Papier gewickelt als fertige Zigarette oder zum Selberdrehen – und all das zu erschwinglichen Preisen. Neue Marken sprangen wie Pilze aus dem Boden, und mit der Konkurrenz auf dem internationalen Markt vermehrte sich auch die Werbung. Die Sammlung der Frühen Plakate in der Kunstbibliothek bildet dies in großer Breite ab. Vertreten sind etwa Werbeplakate des irischen Fabrikanten Gallaher, der 1896 in Belfast die weltweit größte Tabakfabrik besaß (ID 2649379), oder des griechisch-ägyptischen Unternehmens Kyriazi Frères, das im Jahr 1901 über 103 Millionen Zigaretten exportierte (ID 2615623). Auch Dresden, das sich seit Eröffnung der Companie Laferme 1862 (ID 2835412) zum deutschen Zentrum für Tabakumschlag und Zigarettenproduktion entwickelte, ist mit zahlreichen Herstellern präsent, darunter Sulima (ID 2685416), Réunion (ID 2737452), Eckstein (ID 2679421) und Yenidze (ID 2676436). Zum typischen Motivrepertoire der frühen Tabakwerbung gehörten distinguierte Herren, Überseeschiffe und emanzipierte Raucherinnen ebenso wie „orientalische“ Bildwelten. Daneben gab es aber auch eine Form der Gestaltung, die sich von Motivik und Narration distanzierte: das sogenannte Sachplakat, eine moderne Designbewegung in Deutschland. In Reaktion auf die überschwängliche Ornamentik des Jugendstils und klischeebeladene Traditionsreklame gestalteten moderne Grafiker*innen, darunter Julius Klinger (1876–1942), Louis Oppenheim (1879–1936), Lucian Bernhard (1883–1972) und Julius Gipkens (1883¬–1962), sachliche Werbung im reduzierten Stil. Dargestellt wurden nur die Produkte, Verpackungen oder Logos, ohne narratives Beiwerk, in klaren Farben und markanter Typografie, meist auf einfarbigem Hintergrund. Die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, war wegweisend in der Entwicklung der modernen Plakatgestaltung. Mit dem totalen Fokus auf das in Europa produzierte Produkt verschwand auch jede mögliche Referenz auf die Herkunft der Rohstoffe, in diesem Fall Tabak. Recherche und Text: Christina Thomson Verwandte Werktexte: _Esquire Problem (ID 2722386) _Manoli Kardash (ID 2638716) _Moslem (ID 922470) _La Roumanie (ID 2679421) _Eckstein Zigaretten (ID 2830396) //Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854–1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch. _Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513 _Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516 _Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/ _Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/ //Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854–1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch. _Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513 _Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516 _Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/ _Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Theaterausstellung in den Ausstellungshallen am Zoo
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Lustige Blätter
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Müller Extra
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Eine Million
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Nachtfest Berliner Bühnenkünstler
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Der Panther
Kunstbibliothek
Lucian Bernhard gilt als einer der Begründer des deutschen Sachplakats, das vor dem Ersten Weltkrieg die Plakatreklame revolutionierte. Er bewarb Produkte, indem er ihre Darstellung von allen visuellen Ablenkungen befreite. Vor einfarbigem, flächigem Hintergrund wird jeder Gegenstand – von der Zündkerze über die Glühbirne bis hin zum Auto – markant in Szene gesetzt. Dieser neue Minimalismus spiegelt auch den Anspruch des deutschen Werkbundes, der das Designschaffen der Zeit prägte und zur Einheit von Kunst und Industrie mittels Funktionalität aufrief. Bernhard galt als Spezialist für die Darstellung technischer Gegenstände. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt über 250 Plakate Bernhards, 165 davon aus der Zeit vor 1914. Lucian Bernhard arbeitete seit 1903 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, wurde 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht.
Mercedes Schreibmaschine
Kunstbibliothek
Nachdem er die Kunstgewerbeschule in seiner Heimatstadt Wien besucht hatte, übersiedelte Ernst Deutsch 1910 nach Berlin. Dort wurde er bald als Plakatgestalter und Illustrator für Wochenzeitschriften wie „Lustige Blätter“ oder „Die Jugend“ bekannt. Er gründete das „Atelier Deutsch“, in dem eine Vielzahl werbegrafischer Arbeiten entstand: für Theater und Konzerte ebenso wie für Zigaretten, Sekt und vor allem Mode, auf Plakaten elegant in Szene gesetzt. Nach einem Einsatz im Ersten Weltkrieg kehrte Deutsch nach Berlin zurück, wo er sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert sah. Er zog zurück nach Wien, begann eine zweite Karriere als Modedesigner und änderte seinen Namen zu Ernst Dryden. Unter diesem Namen emigrierte er auch 1933 in die USA, wo er die Ausstattung einiger Hollywoodfilme übernahm. Ernst Deutsch-Dryden arbeitete kurz nach seiner Ankunft in Berlin für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur. Diese war wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter rund 40 von Ernst Deutsch-Dryden. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny)
Zoologischer Garten
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)
Kinderball der Bösen Buben
Kunstbibliothek
Der Grafiker und Illustrator Julius Klinger, geboren 1876 in Österreich, spielte ab 1897 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Plakatgestaltung in Berlin, wo er fast zwei Jahrzehnte lang lebte und arbeitete. Seine Entwürfe lassen die präzisen Formen und klaren Linien des von ihm maßgeblich mitgeprägten Sachplakats erkennen, sind dabei aber häufig verspielt oder mit Witz durchzogen. In Werbeplakaten für das Theater, für Ausstellungen oder Konsumgüter wählte er mit Vorliebe Menschen in Kostümen oder Tiere als Motiv. So verbindet Klinger, der ab 1911 auch an der Berliner Reimann-Schule Gestaltung lehrte, in seiner Reklamekunst einprägsam praktischen Nutzen mit humorvoller Ästhetik – wobei sein Humor sich mitunter in einem Bereich des Karikaturistischen bewegt, dessen öffentliche Akzeptanzgrenzen heute anders abgesteckt werden. Julius Klinger arbeitete seit 1900 für die „Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt“, eine Berliner Druckerei und Werbeagentur, die wegweisend für den Umbruch zur Moderne in der Plakatgestaltung und Druckgrafik war. Gegründet 1897 von Erich Gumprecht, etablierte sie eine neue Form der Werbung in Deutschland. Vom Entwurf bis zum fertigen Druckerzeugnis bot Hollerbaum und Schmidt erstmals alle reklamerelevanten Dienstleistungen gebündelt an. Erfolg brachte vor allem eine weitere Innovation: Die Kunstanstalt nahm moderne, junge Plakatkünstler*innen unter Vertrag, die exklusiv für sie arbeiteten und ihren Stil prägten. So entwickelte sich das Berliner Sachplakat – eine ornamentfreie Gestaltungsart, die auf Fernwirkung abzielte. Vor meist einfarbigem Hintergrund treten die Motive klar hervor und konzentrieren die Aussage des Plakats. Ab 1918 war Julius Klinger wieder von Wien aus tätig. Zwei Jahrzehnte später wurde er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die 1942 in der Deportation in das Vernichtungslager bei Minsk endete. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3600 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, darunter 220 Plakate und Plakatentwürfe von Julius Klinger. Dieser herausragende Bestand, an dem sich die Vielfalt der Plakatkunst an den Übergängen von Historismus zu Jugendstil und Sachplakat ablesen lässt, konnte 2021 vollständig digitalisiert und online gestellt werden. Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Dembny / Christina Thomson)