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Objekttyp: Pokal
Kunstgewerbemuseum
Der durch seine Beschaumarke als Arbeit eines unbekannten Goldschmieds in Sitten (Sion, Wallis) ausgewiesene Pokal besitzt eine konische Kuppa über einem ausladenden Wulstring und einen reich verzierten Schaft mit Maskarons und musikalischen Emblemen. An der Wandung der Kuppa erscheinen in zwei Zonen gravierte Wappen mit Initialen, die bislang noch nicht identifiziert worden sind. Möglicherweise handelt es sich um die Zeichen der Mitglieder eines städtischen Rates. Vom gleichen Meister befindet sich eine1584 datierte Fußschale im Landesmuseum Zürich (Inv. Nr. LM 16326).
Pokal mit Genien und Schraubfuß
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit drei Genien mit Fruchtgirlanden
Kunstgewerbemuseum
"Pokal mit "Fruchtkindern" (3 Putten mit Fruchtgirlanden; Becher, Fruchtkorb und Kanne tragend). Nicht facettiert. Rundbogenfriese mit erhabenen Buckeln. Farbe hellrot, ins Bläuliche spielend; sehr viel feine Haarrisse." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 18, Nr. 4 Der Pokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Fuß eines Pokals mit stehendem Bacchus
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Fuß eines Pokals Elfenbein runde Platte und stehende Figur eines jungen Bacchus mit Füllhorn. gez. (gezeichnet) Deutschland 17. Jahrhundert" Das Stück wurde vom Monogrammist VH geschaffen und ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Pokal mit dem Doppelbildnis Friedrich Wilhelms I. und Sophie Dorotheas
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem, manganstichigem Glas, Abriss am Boden, leicht ansteigender Fuß mit einem Fries aus dicht nebeneinander gesetzten, vergoldeten Oliven mit Ovalaugen, der hohe Schaft ist aus drei vergoldeten Nodi zwischen Kehlungen komponiert, davon einer wabenfacettiert und einer mit einem Kranz aus geschliffenen Kerben. Die becherförmige, niedrige Kuppa ist am Ansatz mit einem versenkten und teilvergoldeten Rundbogendekor verziert, die Schauseite der Kuppa trägt eine von der Bügelkrone bekrönte Rollwerkkartusche mit dem Doppelbildnis König Friedrich Wilhelms I. von Preußen und seiner Gemahlin Sophie Dorothea (reg. 1713–1740). Gerahmt wird die Kartusche von gekreuzten Palmzweigen und einer Kette aus vierzehn kleinen Medaillons mit den Monogrammen ihrer vierzehn Kinder, die von zwei preußischen Adlern getragen wird: FCP (Friedrich Cron Prinz), F (Friedrich), FCW (Friedrich Wilhelm Cronprinz), C (Charlotte), AW (August Wilhelm), FHL (Friedrich Heinrich Ludwig), AF (August Ferdinand), AA (Anna Amalie), LU (Luise Ulrike), SDM (Sophie Dorothea Marie), PC (Philippine Charlotte), FL (Friederike Luise), FSW (Friederike Sophie Wilhelmine), EC (Elisabeth Christine) – es der als Säugling verstorbene Ludwig Karl Wilhelm, dafür wurde die Gemahlin des späteren Friedrich II., Elisabeth Christine, mitaufgenommen. Der verwärmte Mündungsrand ist vergoldet. Das Glas ist fortgeschritten krank, ein größerer Ausbruch quer durch das Bildnismedaillon wurde geklebt. Das Doppelbildnis des Königspaares mit den Monogrammen seiner Kinder ist auf mehreren Glaspokalen mit Schnittdekor allerdings ohne Vergoldung überliefert (Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 94/46 A und II 97/144 A; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 7 und 8, S. 15, 20; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 28.5). Gut möglich, dass diese Gruppe anlässlich des 30. Hochzeitstages des Königspaares am 28.11.1736 entstanden ist. Elisabeth Christines Monogramm findet sich ebenfalls auf zwei der anderen Gläser, allerdings zeigen diese fünfzehn kleine Medaillons in der Kette. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Sinnbild und Inschrift
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas, verwärmter Abriss am Boden, ansteigender Fuß mit einem Kranz aus länglichen Oliven, der schlanke Schaft mit Nodus und getrepptem Rundknauf, beide wabenfacettiert, die Zwischenglieder glattrund. Die sich konisch öffnende Kuppa hat einen kräftigen Eisboden, der innen einen Kranz aus acht eingestochenen Luftblasen um eine zentrale hat und außen mit Kantenschliff in einer Art Diamantborte strukturiert ist. Die Wandung der Kuppa trägt oben und unten einen feinen Fries aus kleinen, geblänkten Oliven und ist mit einer emblematischen Szene auf einem umlaufenden Landschaftssockel mit zwei diamantgerissenen Häusern im Hintergrund dekoriert: Ein Amorknabe greift von hinten nach dem Arm einer sitzenden Frau; darüber die anzügliche Inschrift: Vergnügen geht über reichthum. Die Kuppa ist krank. Formal dürfte es sich bei diesem Pokal um ein Produkt der Zechliner Glashütte handeln (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 34.2; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nr. II 97/139 A). Er datiert in die 1740er Jahre. Eine Nähe des Glasschneiders zu dem dort tätigen Meister Elias Rosbach (tätig 1727–1765) ist offensichtlich, sehr ähnlich sind Sujetwahl und Handschrift, etwa Details der Landschaft. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Weinlaub und grünem Schaft
Kunstgewerbemuseum
Pokal mit Tellerfuß und ausgestellter Kuppa aus farblosem, sowie einem Schaftbaluster aus smaragdgrünem Glas. Der Rand des breiten Fußes ist nach unten umgelegt, seine Oberseite bedeckt ein mattgeschnittener Dekor aus Weinranken und geblänkten Reben, Boden mit Abriss. Der massive Schaft ist an die ihn unten und oben rahmenden doppelten Ringscheiben angesetzt, ihn zieren mattierte Rundbögen und Kugelfacetten. Die Kuppa ist umlaufend mit dem Dekor aus Weinranken- und -reben verziert, Mündungsrand verwärmt. Die farblosen Elemente des Pokals sind fortgeschritten krank. Barockgläser mit doppelter Farbigkeit sind überaus selten. Dieses Potsdamer Glas hat lediglich ein Pendant aus farblosem und blauem Glas, welches das Museum des Kreises Plön mit norddeutscher Glassammlung verwahrt (Inv.-Nr. 2002/042, Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 104, S. 167). Robert Schmidt (1878–1952) bildet überdies einen Pokal mit goldstaffiertem kaiserlichen Wappen aus farblosem Glas ab, dessen Deckelknauf ein aus grünem Glas gebildeter Adler formt (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 38, S. 93). Formal datiert dieses Glas in die Regierungszeit Kurfürst Wilhelms III. (vgl. ebenda, Taf. 4.4 und 4.6). Der dichte, geschnittene Dekor charakterisiert den Pokal als Weinglas und ist auf zwei weiteren Potsdamer Erzeugnissen der Zeit um 1690 überliefert (Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 149, S. 244; Rückert, Die Glassammlung, Bd. 2, 1982, Kat. 804, S. 271, Taf. 246). [Verena Wasmuth] MAKR
Kuppa mit Schaft eines Pokals
Kunstgewerbemuseum
Becherförmige Kuppa mit Balusterschaft aus farblosem Glas zum Einstecken in einen dafür rund zugeschliffenen Fuß. Der Baluster mit großer, eigestochener Luftblase zwischen Ringscheiben mit Oliven trägt einen versenkten Spitzblattdekor, ebenso der Kuppaansatz. Die Wandung der Kuppa ist mit dem großen, von zwei großen Adlern flankierten brandenburgisch-preußischen Wappen in Tiefschnitt dekoriert. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein Rundbogendekor in Schälschliff. Dieses Pokalfragment ist sehr krank. Das dargestellte Wappen spricht dafür, dass es sich bei dem Pokal um eine höfische Auftragsarbeit handelt. Kein zweiter brandenburgischer Pokal mit einer Steckfunktion am Übergang vom Fuß zum Schaft ist dokumentiert oder überliefert. Daher muss die Frage nach der Fußform unbeantwortet bleiben. Das Glas dürfte stilistisch in die Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. (reg. 1713–1740) datieren und aus Potsdam stammen. [Verena Wasmuth] MAKR
Römer für Christian Peter Wilhelm Beuth
Kunstgewerbemuseum
Der mit geschnittenem Weinlaubdekor und der Inschrift "Viel Wunder im Weinglas" dekorierte Römer stammt aus der Sammlung des Begründers des Preußischen Gewerbeinstituts Christian Peter Wilhelm Beuth. In dessen Besitz war das vermutlich in der westfälischen Glashütte der Gebrüder Schrader in Gernheim gefertigte Glas wohl im Jahr 1830 als Weihnachtsgeschenk gelangt. Darauf bezieht sich vermutlich ein Tagebucheintrag des Berliner Goldschmieds Johann George Hossauer vom 12. Dezember 1830: "Heute ist durch Zufall der Glas Pokal für das Weihnachtsgeschenk des G. R. Beuth gebrochen". Wahrscheinlich bot dieses Mißgeschick den Anlaß zur Anfertigung des silbernen Fußes des Pokals, der Hossauers Meisterzeichen trägt. LL
Trichterpokal mit Leda und dem Schwan
Kunstgewerbemuseum
"Trichterpokal mit Leda. Leda mit dem Schwan unter einem Baum in waldiger Landschaft mit Ruine. Hinten blitzschleudernder Adler in Wolken. Am Schaft rundbogiger Pfeifendekor; an Fuß und Kuppa rundbogige Längsfacetten; am Lippenrand Kugelborte. Glas hell, stark haarrissig." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 33, Nr. 4 Der Pokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Großer Trichterpokal mit Kugel- und Olivenschliff
Kunstgewerbemuseum
Kelch aus farblosem, etwas gelbstichigem Glas, schlierig, Abrissnarbe am Boden, angesetzter Massivbalusterschaft mit kleiner Luftblase, über einer Ringscheibe ist die trichterförmige Kuppa mit einem Kranz aus zwei versetzten, polierten Oliven verziert, der untere mit einem Rahmen aus mattierten Perlen, darüber ein Fries aus Vögeln und Blumen zwischen geblänkten Kugelungen, Mündungsrand verwärmt. Der Trichterpokal gehört zu einer Gruppe von formähnlichen Gläsern mit böhmisch anmutendem Dekor aus der Zeit vor 1700, die in der Literatur nach Brandenburg verortet wird (vgl. Poser, Berliner Becher, 2017; Fischer, Gläserne Pracht, 2011, Kat. 98, S. 83, Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 131, 133–136, 166–168; Rückert, Die Glassammlung, 1982, Bd. 2, Kat. 800–802, Taf. 245; Schmidt, Brandenburgischer Gläser, 1914, Taf. 4.2). Allein sechzehn Exemplare sind im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin vorhanden (publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de). Nahezu identische Gläser wurden zeitgleich auch im Riesengebirge hergestellt (vgl. Wierzchucka/Kügler, Barockes Glas, 2016, Kat. 20, S. 46; Jentsch, Licht und Rausch, 2004, Abb. 27, S. 49; Brožová, Sklo v Praze, Ars Vitraria 9, 1989, S. 17). Eine zweifelsfreie Zuschreibung ist unmöglich. Karl-Heinz Poser hat für ihn den Begriff "Potsdamer Kelch" geprägt (Poser, Berliner Becher, 2017). Trifft die Potsdamer Herkunft zu, hat diese charakteristischen Trichterpokale wohl ein in Berlin ansässiger, böhmischer Glasschneider veredelt. Dass hingegen auch andere zeitgenössische Kreideglashütten in Brandenburg Glasschneider beschäftigten, ist dokumentiert. Ab 1654 bis in die 1670er Jahre waren in Marienwalde und Grimnitz drei Brüder Gampe aus Böhmen tätig. Die Standorte Pinnow bei Oranienburg und Zerpenschleuse bei Wandlitz haben der Potsdamer Hütte um 1690 Konkurrenz gemacht und könnten ebenso gut die Rohlinge zur Weiterveredlung beispielsweise nach Berlin geliefert haben (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 21, 35, 112). [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal
Kunstgewerbemuseum
Farbloses, dickwandiges Glas, optisch geblasen, mit verschlungenen weißen, roten und blauen Einlagen in Spitzenfiligran (Petinet). Gewölbter Fuß, Hohlbalusterschaft, konische, unten abgesetzte Kuppa. Das Glas vertikal gerippt, in jeder Rippe feine weiße Fadenbündel, in jeder zweiten zusätzlich zwei rote und zwei blaue Fäden. Ausführung durch Alois Seidel nach Entwurf von Franz Pohl.
Pokal mit Kinderbacchanal
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas mit leicht ansteigendem Fuß, Abriss am Boden, massiver Balusterschaft über Nodus und unter einer kräftigen Ringscheibe, angesetzt eine becherförmige, hohe Kuppa. Sowohl auf dem Fuß, am Schaftbaluster als auch Ansatz der Kuppa ist ein versenkter Spitzblattdekor in Mattschnitt aufgebracht. Die Wandung der Kuppa ist umlaufend mit einem Landschaftsfries dekoriert auf dem mattgeschnittene Kinder bzw. Putti sich dem Konsum von geblänkten Weintrauben widmen, darunter einer auf einem Faß sitzend. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Kugelfries. Die alte Inventarnummer ist am Boden in Gelb und Schwarz aufgemalt worden. Der Pokal ist insgesamt von der fortgeschrittenen Glaskrankheit betroffen. Das Kinderbacchanal ist ein wiederkehrendes Motiv auf Gläsern der Potsdamer Hütte (vgl. Netzer, Was großes Aufsehn macht, 2001, Abb. 15, 22, 23, S. 73, 77 und Kat. 128-130, 142). Es verweist auf Fruchtbarkeit und Wohlstand und wird meist mit der Berliner Werkstatt von Gottfried Spiller (um 1663–vor 1728) in Verbindung gebracht. Die Dekorelemente und sehr lebendige Darstellung sprechen für eine Zuschreibung auch dieses Potsdamer Pokals an einen Glasschneider aus dem Umkreis Spillers in der Zeit um 1720. Sehr ähnlich ist ein Pokal mit Kinderbacchanten, den die Stiftung Stadtmuseum Berlin verwahrt (Inv.-Nr. SM 2013-7642). Die Glaskrankheit, die bei sehr vielen Potsdamer Gläsern zu beobachten ist, hat ihre Ursache in einem fehlerhaften Mischungsverhältnis der Zutaten, aus denen die Glasmasse geschmolzen wurde. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit der Allegorie der Fruchtbarkeit
Kunstgewerbemuseum
Kelch aus farblosem Glas, Bodenkugel, ansteigender Fuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries, angesetzt ein massiver Balusterschaft mit eingestochener Luftblase zwischen Trommelscheiben und eine sich konisch weitende Kuppa. Den Schaftbaluster und den Kuppaansatz zieren ebenfalls Spitzblattfriese. Die Wandung ist mit einem umlaufendem Landschaftssockel dekoriert, den eine flache Architektur vor einer Kirche und Pflanzen auflockern. Auf der Schauseite in feinem Mattschnitt dargestellt ist eine Nackte mit Füllhorn voller Früchte sowie einem Kranz aus Weinreben auf dem Kopf. Der verwärmte Mündungsrand trägt einen geblänkten Kugelfries. Das Glas trägt die beiden charakteristischsten Merkmale eines Produktes der Potsdamer Hofglasmanufaktur der Jahre 1720 bis 1735: Spitzblatt- und Kugelfries. Beliebt war damals die bildliche Darstellung von etwas Abstraktem: Allegorische Darstellungen auf Potsdamer Gläsern umfassen Themen wie Fruchtbarkeit – so hier – Trunksucht, unerfüllte Liebe, Vergänglichkeit des Glücks und der Zeit. Diese Sujets werden meist in Menschengestalt personifiziert, die über Attribute, Mimik oder Kleidung kenntlich gemacht sind. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Habsburgischem Doppeladler
Kunstgewerbemuseum
Schwerer Pokal aus dickwandigem, stark manganstichigem Glas, kein Abriss am Boden, der breite Fuß steigt sanft an und ist innen mit einem Kranz aus Oliven in Schälfschliff sowie außen mit einem tiefgeschnittenen Fries aus Lorbeerzweigen verziert. Angesetzt zwischen zwei Trommelscheiben mit einem Kranz aus geblänkten Oliven ist ein massiver Balusterschaft. Der Baluster wie auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt den Dekor aus geschälten Oliven vom Fuß. Die Schauseite der Kuppawandung ist mit einem bekrönten, doppelköpfigen Adler in feinem Tiefschnitt dekoriert, das Monogramm "L" auf der Brust, in den Fängen ein Schwert sowie ein Zepter, flankiert von Palmenzweigen. Den plan- und innen eingeschliffenen Mündungsrand ziert ein Fries aus großen, geblänkten Kugelungen. Ein ehemals zugehöriger Deckel fehlt. Das Glas ist krank. Die violette Färbung des Glases wurde von UV-Licht verursacht. Es handelt sich um ein repräsentatives Potsdamer Vivatglas auf Kaiser Leopold I. aus dem Hause Habsburg (reg. 1658–1705). Susanne Netzer hat bereits vermutet, dass es im Zuge der diplomatischen Vorbereitungen Kurfürst Friedrichs III. (1657–1713) entstand, außerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation die Königswürde zu erhalten. Leopold unterstützte dieses Ansinnen nach längeren Verhandlungen schließlich im November 1700 mit dem "Krontraktat", so dass sich Friedrich am 18. Januar 1701 zum ersten König in Preußen krönte. Der Pokal könnte ebenfalls zum Dank danach entstanden sein, sicherlich aber vor dem Tod Leopolds am 5. Mai 1705. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Monogramm Kurfürst Friedrich III.
Kunstgewerbemuseum
"Trichterförmiger Pokal mit Monogramm C F 3 (Churfürst Friedrich III.) unter Kurhut in Mattschnitt Hinten Kreis mit 7 blanken Kugelungen und Trophäen. Glas gelblich, mit kleinen Luftbläschen durchsetzt." aus Robert Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 4, Nr. 1 Das Glas ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Pokal mit Wappen und Monogramm AM
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem Glas, Abriss am Boden, Scheibenfuß mit verwärmtem Rand, angesetzt ein massiver Doppelbalusterschaft mit Ringscheiben, die becherförmige Kuppa mit einem mattierten Fries aus Spitzblättern im Wechsel mit Rundbögen am Ansatz ist auf der Schauseite mit einem bekrönten Medaillon in Mattschnitt dekoriert, das ein Spiegelmonogramm "AM" (vielleicht "AMC") zeigt und mit einem Kranz aus geblänkten Perlen auf mattiertem Grund gerahmt ist. Zu beiden Seiten flankiert von efeuumrankten Säulen und Zweigen. Die Gegenseite trägt einen von zwei Wilden Männern gehaltenen zweigeteilten Schild unter der Bügelkrone, links mit dem preußischen Adler, rechts mit dem Wappen Sachsens. Den verwärmten Mündungsrand ziert eine geschnittene Borte aus Festons mit Blattwerk. Die Kuppa ist korrodiert. Das Monogramm bezieht sich vermutlich auf ein Mitglied des sächsischen Adels in preußischen Diensten. Das Glas ist als brandenburgisches Erzeugnis des 18. Jahrhunderts inventarisiert, für das der Spitzblattdekor charakteristisch war. Hingegen sind Pendants mit diesem alternierenden Spitzblatt- sowie dem Festonschmuck aus keiner preußischen Glashütte überliefert. Ähnlichkeiten gibt es zu thüringischen Gläsern, typisch ist die Schaftform sowie der beschriebene Kranz als Medaillonrahmen (vgl. Rudolf Hoffmann: Thüringer Glas aus Lauscha und Umgebung, Leipzig 1993, Kat. 47, S. 86, 87). Vergleichsstücke mit sächsischer Provenienz waren nicht zu ermitteln. Denkbar ist, dass ein nach Brandenburg immigrierter thüringischer Glasschneider verantwortlich für den Dekor zeichnet. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Monogramm und Allianzwappen des Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach.
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Pokal ohne Deckel mit pseudo-facettiertem Schaft und geschnittenem Dekor. Auf der Schauseite Monogramm und Wappen von Johann Wilhelm, Herzog zu Sachsen-Eisenach. Auf der Rückseite: Störche in einer Flußlandschaft, umrahmt von Laub- und Bandelwerk, und Schriftband mit Inschrift: me stante nil timendum. Am Fuß bezeichnet: Kunkel fec." Der Pokal ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Pokal auf Glockenfuß
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas mit Manganstich, Abriss am Boden, der Glockenfuß ist mit zwei übereinander liegenden Friesen aus hochgeschnittenen Rundbögen verziert. Der angesetzte, massive Schaft ist aus einem strahlenfacettierten, gekehlten Nodus und zwei gedrückten Kugelbalustern komponiert, die jeweils wabenfacettiert sind. Die auf einer Ringscheibe angesetzte, becherförmige Kuppa wiederholt am Ansatz den Rundbogendekor vom Fuß, den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries. In der Literatur ist kein Pendant publiziert, sowohl der Glockenfuß als auch die Schaftform sind eher ungewöhnlich für ein Glas aus Brandenburg. Der stilistische Vergleich einzelner Dekorelemente – insbesondere Strahlenfacettierung, Rundbögen und Perlfries – macht aber eine Zechliner Provenienz um 1740 wahrscheinlich (vgl. Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 72, 85; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 47, S. 102, Taf. 34.2, 37.2+6). Das große Format sowie die starke Wandung sprechen dafür, dass dieser Pokal ursprünglich eine geschnittene Zutat auf der Wandung aufnehmen sollte, etwa ein Monogramm, Wappen oder Bildnis. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit virtuos geschnittenen Ranken und Tieren
Kunstgewerbemuseum
Zarter Pokal aus farblosem Glas, manganstichig, Abriss am Boden breiter Tellerfuß mit nach unten umgelegtem Rand, dekoriert mit einem feingeschnittenen Rankendekor mit unterschiedlichen, großen Blüten, der schlanke Massivbalusterschaft ist wabenfacettiert, darüber zwischen zwei Ringscheiben eine Trommelscheibe mit Schälschliff. Der Ansatz der becherförmigen Kuppa ist ebenfalls wabenfacettiert. Deren Wandung ist umlaufend mit einem verschlungenen Netzwerk aus exquisit geschnittenen Blumenranken dekoriert, aus deren unterschiedlichen Blüten Hirsche und Jagdhunde erwachsen, in den Ranken sitzen Vögel, der Mündungsrand ist verwärmt. Das Glas zeigt fortgeschrittene Merkmale der Glaskrankheit, so dass sich der Dekor nur noch im Streiflicht erkennen lässt. Nach Angaben im Inventarbuch soll es sich bei diesem Pokal um ein Potsdamer Erzeugnis handeln. Tatsächlich trägt er keine der charakteristischen Merkmale von Gläsern aus dieser Manufaktur. Es ist jedoch trotzdem denkbar, dass er tatsächlich aus Potsdam stammt, denn dort waren eingewanderte Glasschneider tätig, beispielsweise aus Böhmen, Schlesien und Dessau, die verschiedene Handschriften mitbrachten. Die Qualität dieses Pokals als auch seine ungewöhnliche Stilistik machen eine zweifelsfreie Zuschreibung und Datierung unmöglich. Sowohl fortgeschrittene Glaskrankheit als auch der Manganstich sind jedenfalls Hinweise auf eine brandenburgische Provenienz. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Amorknabe und Sinnspruch
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, Bodenkugel, leicht ansteigender Scheibenfuß mit versenktem Zungenfries, angesetzt ein massiver, sich konisch weitender Schaft mit achtfacher in Rundbögen auslaufender Facettierung in zwei Etagen übereinander, der nahtlos in die Kuppa übergeht. Die Kuppawandung ist mit der Darstellung eines unter einem Baum sitzenden Amorknaben auf einem Landschaftssockel dekoriert, daneben ein kubisches Monument und verschiedene Pflanzen. Darüber die Umschrift: Durch Gedultt und Zeitt. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein Kranz aus geblänkten Kugeln. Das Glas ist fortgeschritten krank. Trichterpokale mit "gemuscheltem" Schaft und mythologischem Sujet aus der Potsdamer bzw. Zechliner Hofglashütte sind mehrfach überliefert. Sie werden meist in die Jahre 1730 bis 1740 datiert und mitunter dem Glasschneidermeister Elias Rosbach (tätig 1727–1765) zugeschrieben (vgl. Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Kat. 137; Baer, Ausgewählte Werke, 1975, Kat. 26, S. 126f.; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 33.4+6). Spätere Pokale diesen Typs sind ebenfalls bekannt, diese sind zudem überwiegend vergoldet. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal mit Phaeton als Lenker des Sonnenwagens
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, verwärmter Abriss am Boden, glockenförmiger Fuß mit einem hochgeschnittenen Kranz aus Akanthusblättern, der mit Ringscheibe und Stufenbaluster plastisch gegliederte Schaft ist massiv, der Ansatz der sich konisch weitenden Kuppa wiederholt den Akanthusdekor vom Fuß, ihm wurden acht Luftblasen konzentrisch um eine zentrale Blase eingestochen. Die Wandung ist umlaufend mit einer Darstellung Phaetons als Lenker des von vier durchgehenden Pferden gezogenen Sonnenwagens in Tiefschnitt geschmückt, in den Wolken darüber greift Zeus mit seinem Blitzbündel ein, begleitet von seinem Attribut, dem Adler. Den plan- und schräg beschliffenen Mündungsrand ziert ein feiner Perlfries. Das Glas weist Symptome der Glaskrankheit auf, fortgeschritten am Fuß. Der stilistische Abgleich legt nahe, dass es sich hierbei um ein Erzeugnis der Potsdamer Glashütte aus der Zeit nach 1730 handelt (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 28.5). Der Akanthusfries ist zwar bereits von früheren Gläsern aus dieser Manufaktur bekannt, allerdings sprechen Glockenfuß, Schaftform und Kuppaansatz für diese Datierung. Der Phaethonmythos geht auf eine Erzählung aus den Metamorphosen des Ovid zurück, in der es um die Selbstüberschätzung des Menschen geht. Das Sujet war – wie andere mythologische Bildthemen – im Zeitalter des Barock aufgrund des narrativen und personellen Reichtums nicht nur für bildende Künstler, sondern auch für Glasschneider hochinteressant. [Verena Wasmuth] MAKR
Fußbecher mit Darstellungen aus der Schöpfungsgeschichte
Kunstgewerbemuseum
Die leicht konische Kuppa aus tiefblauem Kobaltglas ist mit fünf Szenen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte bemalt: In einer Küstenlandschaft ist die Erschaffung der Eva aus der Rippe Adams (Gen 2,21–23) dargestellt, daneben erscheinen in einem Rundrahmen Adam und Eva am Baum der Erkenntnis (Gen 3,1–7), gefolgt von der Szene der Vertreibung aus dem Paradies (Gen 3,23–24), die unter einem spitzbogigen Himmelsgewölbe spielt. Das nächste Rundbild zeigt Adam und Eva bekleidet und mit Grabstock und Spinnrocken in den Händen, den Werkzeugen ihres mühevollen irdischen Schaffens (Gen 3,16–19). Zwischen den beiden erscheinen ihre Söhne Kain und Abel. Den Abschluss des Zyklus bildet die Szene der Ermordung Abels durch seinen Bruder Kain (Gen 4,1–8) unmittelbar über der Darstellung der Erschaffung der Eva. Die bildräumliche Vereinigung von Schöpfungsakt und Brudermord verdichtet die Kernaussage der Bildfolge auf besonders eindringliche Weise. Holzschnitte in zwei illustrierten Bibeln, die 1490 in Venedig und 1493 in Monteferrato erschienen sind, zeigen diese beiden Szenen in ganz ähnlicher Komposition und gleicher Figurensprache. Sie geben einen Hinweis auf die Entstehungszeit des kostbaren Fußbechers. Emailmaler benutzten häufig zeitgenössische druckgrafische Vorlagen für ihre Darstellungen. Die zwischen 1440 und 1520 in Venedig besonders florierende Kunst der Emailmalerei auf Glas zeigt, dass farblose Klarheit und kunstvolle Dünnwandigkeit damals noch nicht als die einzig erstrebenswerten Qualitäten des Materials galten. Vielmehr wirkte offenbar die aus dem Mittelalter stammende Vorstellung von farbigem Glas als Edelsteinersatz fort. Es ist bezeichnend, dass für die Ausführung der Malereien nicht etwa die Glashersteller, sondern spezialisierte Emailmaler verantwortlich waren. LL
Pokal mit Grenadieren
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem, leicht gelbstichigem Glas, Abriss am Boden, breiter, leicht ansteigender Fuß mit einem versenkten Spitzblattfries, der Balusterschaft über einem kleinen Nodus hat eine eingestochene Luftblase, darüber eine Trommelscheibe, diese sowie der Nodus sind mit einem Kranz aus mattierten Kugeln verziert. Der Baluster, wie auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt den Spitzblattfries vom Fuß. Die Kuppa ist dreiseitig mit je einer tiefgeschnittenen Grenadierfigur auf einem umlaufenden Landschaftssockel dekoriert, auf dem Kopf eine Grenadiermütze mit dem Monogramm "FR" (Fridericus Rex): Einer macht sich bereit, das geschulterte Gewehr zu laden, einer präsentiert das Gewehr und einer legt es zum Schuß an. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Fries aus eng gesetzten, großen Kugelungen. Das Glas ist fortgeschritten krank. Mit dem Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) mehrten sich ab 1713 militärische Motive auf Potsdamer Gläsern. Die Darstellung ganzfiguriger Grenadiere in ähnlich freistehender Manier sind auf weiteren Beispielen dokumentiert, mitunter mit Ornamenten oder einer Inschrift (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 67–69, S. 134–136; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1957, Abb. 12; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 20.2+3, 29.2). Aus derartigen Gläsern wurde sicherlich auf das Wohl des auch als "Soldatenkönig" bezeichneten brandenburgisch-preußischen Regenten getrunken. [Verena Wasmuth] MAKR
Relief: Kampfszene
Ethnologisches Museum
Form: Pokal mit konischem Fuß, Relief Farbe/Technik: roter Scherben, Reste weißer Bemalung, Relief als umlaufender Fries Relief: Kampfszene (Beatrix Hoffmann, 2008)
Pokal mit der Heiligen Katharina und der Heiligen Barbara
Kunstgewerbemuseum
Mit Sechspaß-Fuß und gestempelter Oberflächenmusterung. Aufgelegt in kräftigem Relief die Figuren der heiligen Katharina und Barbara und zwei bärtige Köpfe, zum Teil kalt bemalt und vergoldet. Der Hals in kupfervergoldeter und gravierter Montierung vom Ende des 16. Jahrhunderts. ursprünglich im Petrikloster zu Erfurt aus dem Ausstellungskatalog "Drei Jahre Nationalsozialistischer Museumsarbeit", 1936 Das Objekt ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Pokal mit Doppelmonogramm und Wappen
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus sehr reinem, farblosem Glas, Abriss am Boden, mit einem breiten Scheibenfuß, dessen Rand nach unten umgelegt ist. Der angesetzte Massivbalusterschaft mit Nodus zwischen flachen Ringscheiben hat zwei übereinander eingestochene, tropfenförmige Luftblasen und ist mit tief versenkten Rundfacetten im Schälschliff dekoriert. Auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa trägt Rundfacetten, die Schauseite der Wandung zeigt zwei mattgeschnittene Medaillons unter einer großen Grafenkrone, die von zwei Engeln getragen wird. Ein weiterer Engelskopf ist unter den Medaillons eingeschnitten, rechts und links werden sie flankiert von langgezogenen Blattranken. Das linke Medaillon trägt das Spiegelmonogramm "JvB", das rechte "B". Die Gegenseite ist mit einem Familienwappen mit reichem Rollwerk verziert, es zeigt einen Querbalken mit drei Pfeileisen, als Helmzier den Kopf einer Löwin oder eines Leoparden. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Kugelfries unter einem mattierten Kordelstrang. Sehr wahrscheinlich entstand dieses Glas anlässlich einer Eheschließung. Das Wappen konnte nicht aufgelöst werden (Dank für weiterführende Hinweise), daher können auch die Monogramme nicht ohne Vorbehalt zugeordnet werden. Elemente des Dekors, wie die sehr tiefen Rundfacetten und der Kordelstrang datierten diesen Potsdamer Pokal in die Jahre 1715 bis 1730, vgl. ein Glas im Potsdam Museum (Inv. Nr. 80-564-GL) sowie zwei im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin (Inv. Nrn. II 71/130 A; KH 2001/131 GA), alle publiziert im Themenportal Brandenburgisches Glas auf museum-digital.de. [Verena Wasmuth] MAKR
Pokal in Form eines Stiefels
Kunstgewerbemuseum
Pokal in Form eines Reiterstiefels, aus Laticinio-Glas, Basis und Mündung in vergoldetem Silber montiert von Christoff oder Wolff Straub zu Nürnberg. Die Wade mit gestricktem milchweißen Fadenglas verziert, an der rechten Seite vier wasserhelle Knöpfe, in Form von verschieden gestellten Löwenmasken, in Knöchelhöhe ein Sporn. Die Sohle von drei Wappen in Rollwerk-Cartouche durchbrochen: dem Reichsadler über den beiden heraldischen Emblemen der Stadt Nürnberg. Nürnberger Beschau: Rosenberg 1186 und Marke: Rosenberg 1248. Der Absatz unten granuliert, am Seitenmantel mit gravierten Voluten verziert. Vermutlich Gabe der Stadt an einen verdienten Reitersmann. Von derlei Trinkgefäßen stammt die Redensart: "Er trinkt einen guten Stiefel". Text der Zettelkartei. Das Trinkgefäß ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. Es konnte nur die Sohle aus vergoldetem Silber geborgen werden. MAKR