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Objekttyp: Pyxis
Nordsyrische Reliefpyxis
Antikensammlung
Zwei einander gegenüberstehende Menschenpaare, dazwischen Stiere und ein Palmettenbaum; die vollplastisch ausgeführten Köpfe sind hohl und nicht genau anpassend.
Pyxis mit zwei Wunderheilungen Christi
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Dargestellt sind die Heilung des Blinden und des Wassersüchtigen. Christus schreitet weit ausholend auf die von Krankheit gebeugte Person zu. In der Linken das Stabkreuz tragend, hält er die Rechte im Rede- oder Segensgestus erhoben. Typisch für die Schnitzarbeit ist das jugendlich-bartlose Gesicht mit der breiten Wangenpartie und dem ausladenden Lockenkranz. Die begleitenden Apostel sind durch Codex oder die Geste der Akklamation als Zeugen des Wundergeschehens ausgewiesen. Die Figuren sind stark untersetzt. Während bei den Aposteln die Köpfe ohne erkennbaren Halt auf den Schultern lasten, wirkt die Ausarbeitung der Christus-Figur sorgfältiger. Charakteristisch für den Stil ist die Bildung der Gesichtsmerkmale: Der Augapfel bleibt eckig gebrochen stehen und erfährt keine weitere Differenzierung. Ebenso typisch sind die flüchtig gearbeiteten Finger und vor allem die nahezu entstellt wirkenden Füße. Die Pyxis wird aufgrund der stilistischen Nähe zu Bodenfunden aus Ägypten zusammen mit weiteren in Bonn, London, Paris und einem in Berlin befindlichen Fragment einer Werkstatt im spätantiken Ägypten zugeschrieben. Doch lassen sich auch Verbindungen zu der Kathedra des Bischofs Maximian in Ravenna aufzeigen, weshalb eine Entstehung in Konstantinopel nicht ausgeschlossen ist.
Pyxis mit Kreuzen und Weinstöcken unter Arkaden
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die leicht bauchige Pyxiswandung zeigt rundum eine reliefierte Säulenstellung. Der Rhythmus der formal differenzierten Bekrönung wird abgeschwächt und zurückgenommen durch die gleichartige Gestaltung des Archivolten- und Kielbogenbandes in der Art eines Perlstabs. In den sechs Interkolumnien wachsen symmetrische Weinstockranken empor. Unter den Rundbögen steigen sie aus kleinen Gefäßen auf; unter den Kielbögen schlängeln sie sich zu Seiten eines auf einem hohen Stab aufgesteckten Kreuzes. Das Kreuz wird damit augenfällig zum Lebensbaum. Zugleich lassen die Weinstöcke an die Symbolik der Worte Jesu »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben« (Joh 15,5) denken. Die Pyxis steht an der Schwelle zwischen der christlich-frühbyzantinischen und islamischen Bildwelt. Vergleichbare, unter dem Einfluss der islamischen Kunst Ägyptens entstandene Pyxiden in Berlin und London zeigen auf ebenfalls bauchiger Wandung ein dichtes Weinrankenwerk in flachem Relief. Die rote Fassung wurde ebenso wie das pfeilartige Ornament am Rand oben und die stegartige Aussparung unten nachträglich ausgeführt. Ebenfalls aus späterer Zeit stammt das auf der Unterseite aufgemalte Christuslamm mit Nimbus.
Deckelbüchse aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Unterteil und der passgenau gearbeitete Deckel der gedrechselten Büchse bilden zusammengesetzt eine sehr geschlossen wirkende, annähernd zylindrische Grundform. Die Kontur des Behältnisses wird zur Standfläche sowie zur Oberseite hin jeweils durch dünne Profilstäbe und schmale Fasen elegant verbreitert. Deckel und Wandung sind außen durch rhythmisch angeordnete Drechselrillen gegliedert. Die sorgfältig bearbeitete Oberfläche ist holzsichtig, Spuren einer früheren farbigen Fassung sind nicht vorhanden. Das Werk selbst gibt keinen Aufschluss darüber, ob es für eine profane oder kirchliche Nutzung angefertigt wurde. Im sakralen Zusammenhang dienten hölzerne Deckelbüchsen häufig zur Aufbewahrung von unkonsekrierten Hostien; auch ihre Verwendung als Behältnis für Reliquien ist belegt. Die in der Ahornpyxis aus dem Welfenschatz enthaltenen Reliquien, darunter auffallend zahlreiche der 11.000 Jungfrauen, befanden sich 1482 allerdings noch in einem anderen Reliquiar des Kirchenschatzes von St. Blasius in Braunschweig, einem heute verschollenen, mit Vögeln bemalten Elfenbeinkasten. Ähnliche spätmittelalterliche Deckelbüchsen, meist jedoch farbig gefasst, sind in verschiedenen Kirchenschätzen erhalten, so im Dionysiusschatz aus Herford (Berlin, Kunstgewerbemuseum, Inv. Nr. 1888,653), im Schatz von St. Servatius in Quedlinburg, im Halberstädter Domschatz und aus dem Clarissenkloster in Ribnitz (Schwerin, Staatliches Museum, Inv. Nr. MK 49). Ebenfalls ungefasst und sowohl in den Proportionen wie in der ornamentalen Anordnung der Drechselrillen dem Exemplar aus dem Welfenschatz besonders eng verwandt ist eine Reliquien-Pyxis im Staatlichen Museum Schwerin (Inv. Nr. MK 47). Diese stammt aus der Mensa des Hochaltars im Dom zu Güstrow und ist durch das Siegel der darin enthaltenen Weiheurkunde in die Zeit um 1335 datiert. Mit Blick auf dieses Vergleichsbeispiel wird hier die Entstehung der Deckelbüchse aus dem Welfenschatz ebenfalls im 14. Jahrhundert vermutet. LL
Kleine Reliquienpyxis aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Kunstgewerbemuseum
Reliquien werden aller Wahrscheinlichkeit nach [...] in dem kleinen büchsenförmigen Behältnis [...] aus Knochenschnitzerei geborgen gewesen sein, deren Deckel sich nicht erhalten hat. Ihr Schmuck besteht aus zwei übereinander angeordneten Reihen von Kreisen, dazwischen kleine, übereck stehende Quadrate mit Einlagen aus vergoldetem Kupfer, während die Zwickel oben und unten flach reliefierte, stilisierte Blätter füllen. Über die Herkunft und über die ursprüngliche Bestimmung dieser Büchse ist nichts bekannt, auch ihre Entstehungszeit ist bislang nicht näher geklärt. Auflagen und Einlagen aus anderen Materialien, wofür insbesondere Gold und farbige Glaspasten verwendet wurden, findet man wiederholt an spätkarolingischen, westfränkischen Elfenbeinarbeiten. Es scheint zumindest möglich, daß auch die kleine Pyxis im Dionysius-Schatz in nicht allzu großer Entfernung von diesen entstanden ist, obwohl sie sich in Material, in Form und Schmuck vergleichsweise sehr viel bescheidener ausnimmt. DK