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Objekttyp: Relief (Stele)
Grabstele des Rij
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das Hauptfeld dieser hochrechteckigen Stele ist von einer plastisch hervorgehobenen oberen und seitlichen Rahmung mit jeweils einer Inschriftenzeile umgeben und weist damit die äußere Form eines Naos auf. Das obere Bildfeld zeigt den Steleninhaber Rij zusammen mit seiner Gattin Maia in Anbetung vor den Totengöttern Osiris, Isis und Nephthys. Im mittleren Register treten die beiden selbst als Opferempfänger vor einen mit Opferbroten gedeckten Tisch in Erscheinung. Die diesem Bild zugehörigen Inschriften beinhalten Opferformeln, in denen Rij sich verschiedene Gnaden, wie die Zuweisung von Opfergaben und -handlungen von verschiedenen Göttern erbittet. Aufgrund der Nennung des memphitischen Nekropolengottes Ptah-Sokar-Osiris ist anzunehmen, dass die Stele ursprünglich aus Rijs Grab in Sakkara stammt. Vergleichbare Beispiele zeigen, dass derartige Denkmäler an der Westwand der Kultkapelle memphitischer Kapellengräber aufgestellt waren und damit die zentrale Kultstelle der Anlage bildeten. Hier konnten die Hinterbliebenen verschiedene Kulthandlungen zugunsten des Verstorbenen praktizieren, um auf diese Weise seine jenseitige Versorgung sicherzustellen. (A. Herzberg)
Grabstele des Upuatmose, Schreiber des Königs und Vorsteher der Scheunen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die monumentale Rundbogenstele des Scheunenvorstehers Upuatmose dürfte einst in der zentralen Kultkammer seiner Grabanlage Platz gefunden haben. Die antithetisch aufgebaute Szene im oberen Bereich zeigt den Grabbesitzer in Adoration vor dem Sonnengott Re-Harachte auf der rechten Seite und vor dem Totengott Osiris auf der linken Seite. Ganz im Stil der Nachamarnazeit manifestiert sich hier das theologische Konzept der damaligen Zeit, in dem Re und Osiris als zwei sich ergänzende Hälften desselben kosmologischen Zyklus verstanden wurden. Während Re als Sonnengott die diesseitige Welt der Lebenden symbolisiert, beherrscht Osiris das jenseitige Reich der Unterwelt, in die der Verstorbene einzutreten wünscht. Die Stele diente als Markierung der zentralen Kultstelle im Grab des Verstorbenen, an der die mit dem Totenkult des Verstorbenen in Zusammenhang stehenden Handlungen vollzogen werden sollte. Aus diesem Grund richtet sich der auf der Stele notierte Text auch direkt an diejenigen, die dieses Grab betreten werden, und fordert sie auf, Gebete für die jenseitige Versorgung des Verstorbenen zu sprechen. (A. Herzberg)
Inschrift mit Erneuerung eines ursprünglich von Ptolemaios II. (146-116 v.Chr.) verhängten Asylie-Dekrets für die Synagoge von Leontopolis (?)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf der rechteckigen Marmorplatte findet sich eine ursprünglich griechische und sekundäre lateinische Inschrift. Es handelt sich um die Neusetzung der Weihinschrift einer Synagoge, wodurch dieser das Asylrecht verliehen wird. Die Originalweihung wird unter Ptolemaios Euergetes II. (146–116) datiert, während die sekundäre Inschrift, mit dem lateinischen Text, unter Kleopatra VII. und Kaisarion (47–31) eingefügt wurde. Sehr wahrscheinlich handelt es sich hierbei um die Synagoge von Leontopolis, dem heutigen Tell el-Yahudiya, nordöstlich von Kairo. Ungewöhnlich ist das Material: Marmor musste in der Regel importiert werden. (J. Helmbold-Doyé)
Grabstele mit einer Aufbahrungsszene (Prothesis) eines Verstorbenen auf einer Kline
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Entdeckung dieser Grabstele ereignete sich unter Ludwig Borchardt, der die Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft im Totentempel des Sahure bei Abusir zwischen 1907 und 1908 leitete. Ihr zunächst auffälligstes Charakteristikum ist die für ägyptische Stelen ungewohnt gräzisierende Form. Die bildliche Darstellung beinhaltet fünf menschliche Gestalten, wovon eine Person ein im Zentrum aufgebahrter Verstorbener ist, der in einem bis zu den Knöcheln reichendem Chiton bekleidet ist. Als Bahre fungiert eine Art Kline, deren Kopfende durch ein Volutenkapitell verziert ist. Möglicherweise sind auf der Schulter des Toten herabfallende Lockensträhnen zu erkennen, was sich jedoch anhand des unzureichenden Erhaltungszustandes nicht gänzlich aussagen lässt. Am Kopfende ist eine Frau in linker Profilansicht erkennbar, wie auch eine andere Frau in rechter Profilansicht hinter der Kline. Sowohl anhand ihrer Kleidung, wie auch durch die Formgebung ihrer Brust, sind sie als solche zu identifizieren. Den Frauen scheint darüber hinaus gelöstes, herabfallendes Haar gemein zu sein. Die Frau am rechtsgelegenen Kopfende legt erkennbar ihre linke Hand an den Kopf des Verstorbenen, während ihre rechte Hand als Klagegestus ihrem eigenen Kopf zugewandt erhoben scheint. Es kann sich aber hierbei auch um ein Messer handeln, dass zum Kopf geführt wird. Dies wird als Hinweis auf die von Herodot überlieferte karische Trauersitte gedeutet sich mit einem Messer in die Stirn zu schneiden. Auch die hinter dem Toten stehende Frau erhebt ihre linke Hand zum Klagegestus, während sich ihre rechte Hand dem Toten zuneigt. Im Gegensatz zu der aufrecht stehenden Frau am Kopfende, ist die Haltung der anderen Frau leicht zum Toten gebeugt. Links von Letzterer steht auch in leicht gebeugter, dem Toten zugeneigt Haltung ein kurzhaariger Mann mit einem Spitzbart, der scheinbar einen Wedel zur Vertreibung von Fliegen in seiner rechten Hand bewegt. Dieser ist mit einem kurzen Chiton und hohen, bis zu den Waden reichenden Stiefeln bekleidet, was anhand seiner vor der Bahre hervorragenden Beine ersichtlich ist; auch die Beine der Frau vor ihm sind unterhalb der Bahre deutlich sichtbar. Am Fußende steht in rechter Profilansicht ein weiterer Mann in aufrechtstehender Haltung, dessen rechter erkennbarer Arm den bereits beschriebenen Klagegestus ausführt. Er ist mit einem langen Chiton bekleidet, der bis zu den Knöcheln reicht. Die gesamte Darstellung wird von einer geflügelten Sonnescheibe bekrönt, die als offensichtlichstes ägyptisches Element auffällt. Rechts entlang des szenischen Geschehens ist eine karische, vertikal und linksläufig verlaufende, Inschrift zu erkennen, die aufgrund des Erhaltungszustandes nicht mehr zweifelsfrei entziffert werden kann. Während eine genaue Datierung der Stele zwar nicht möglich erscheint, ist eine grobe Einordnung in das 6. Jh. v. Chr. naheliegend. In diesem Kontext illustriert sie anschaulich eine Phase der kulturellen Vermischung und des religiösen Synkretismus, in der althergebrachte indigen-ägyptische Vorstellungen mit griechischen Elementen zu einer neuen Einheit erhoben wurden. Der Rückgriff der griechischen Oberschicht auf ägyptische Symbolik und Formensprache verleiht ihr die nötige Legitimation und Autorität, um das von ihr beanspruchte pharaonische Erbe antreten zu können. (Alberto Alfredo Winterberg / Jana Helmbold-Doyé)
Stele des Vorstehers der Wüsten, Kai
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele des Kai ist zweigeteilt. Im oberen Bildfeld sind Inschriften im versenkten Relief angebracht, während im unteren Bereich die Darstellungen im erhabenen Relief ausgearbeitet sind. Kai, der den Titel eines Polizeivorstehers der westlichen Wüsten trägt, ist im unteren Bildfeld in Begleitung einer weiblichen Familienangehörigen in schreitender Haltung dargestellt. Er trägt eine kugelige Lockenperücke, einen kurzen Schurz mit Vorbau sowie um den Hals einen Halskragen und zwei Armreifen an den Handgelenken. In seinen Händen hält Kai Bogen und Pfeile, die auf seine Karriere im militärischen Bereich hinweisen. Hinter seinen Beinen sind zwei namentlich genannte Jagdhunde dargestellt, die ihren Herrn begleiten. Vor ihm in Augenhöhe sind zudem vier Steingefäße für Parfüm oder Öl zu sehen. Die Frau im langen, eng anliegenden Kleid, die entweder seine Gemahlin oder seine Mutter Beschet darstellt, steht hinter Kai und legt ihren linken Arm unterstützend um seine Schulter. Sie trägt zudem eine Perücke mit geflochtenen Strähnen. In ihrer rechten Hand hält sie eine Lotusblüte. Des Weiteren kauern unterhalb der Standlinie noch drei weitere Jagdhunde, die ebenfalls mit Namen gekennzeichnet sind. Interessanterweise sind die dargestellten Personen nicht mit ihren Namen versehen, während die Namen der Jagdhunde angegeben sind. In der achtzeiligen Inschrift präsentiert Kai, der als Polizeivorsteher der westlichen Wüste amtierte, sich selbst als einen starken Kämpfer und vortrefflichen Anführer des Heeres. Ikonographisch ließ er sich ebenfalls mit entsprechenden Attributen, mit Bogen und Pfeilen sowie fünf Jagdhunden darstellen, um seinen Beruf im militärischen Umfeld sowohl schriftlich als auch darstellerisch zum Ausdruck zu bringen. Auch wenn diese Stelle im funerären Kontext zu verorten ist, geht es bei der ikonographischen Gestaltung der Stele in erster Linie um die Selbstdarstellung des Kai als vom König gelobter, siegreicher Würdenträger Ägyptens. Darüber hinaus berichtet Kai in der Inschrift über einen Auszug in die westliche Oase, vermutlich die Oase Dachla, um die Sicherheit der Wüstenwege zu wahren. Westlich von Kamula, dem angeblichen Fundort der Stele, kann auch eine antike Wüstenroute vom Niltal in die Oasen Dachla und Charga archäologisch belegt werden. Aus stilistischen und paläographischen Gründen ist die Stele des Kai in die frühe 12. Dynastie, möglicherweise in der Regierungszeit Sesostris‘ I., zu datieren. (I. Liao)
Votivstele des Montuhotep für den Gott Month
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die oben gerundete Stele enthält zwei Felder mit Texten und bildlichen Darstellungen, die von einer eingravierten Linie gerahmt sind. Das obere Feld zeigt links den Gott Month-Re mit einer seiner Gefährtinnen, der Göttin Tjenenet. Sie sitzen auf kubischen Hockern mit kurzer Rückenlehne und blicken zu dem rechts stehenden Opfertisch, der mit Broten, Obstkörben, Geflügel und Lotusblumen beladen ist. Unter dem Tisch stehen in Ständern ein Bierkrug und eine Schale mit Lauch. Der Kriegsgott Month-Re ist falkenköpfig dargestellt und trägt als Kopfschmuck zwei hohe Federn mit Sonnenscheibe und Uräus. In seiner linken Hand hält er ein Was-Zepter, in der rechten ein Anch-Zeichen. Tjenenet trägt als Kopfschmuck die sie kennzeichnende Hieroglyphe. Das Uterus-Zeichen verdeutlicht, dass sie als Geburtshelferin fungierte ‒ vor allem bei der Geburt des Königs und dessen Krönung, die als rituelle Neugeburt galt. Über dieser Szene sind zwei Textblöcke mit je fünf Kolumnen angeordnet, die von der Mitte aus zu lesen sind. Der linke Textblock nennt die Gottheiten und ruft Month-Re mit verschiedenen Beinamen an. Im rechten Textblock sind die Opfergaben aufgelistet, die Month-Re dargebracht werden. Im unteren Bildfeld ist rechts der Stifter dieser Stele dargestellt: Montuhotep. Sein Haupt ist kahlgeschoren, bekleidet ist er mit einem knielangen Schurz. In seinen vorgestreckten Händen hält er jeweils einen Ständer für Rauch- oder Brandopfer. Hinter ihm steht seine Ehefrau (Name nicht lesbar) in einem langen, enganliegenden Trägerkleid. Einen Arm hat sie in einer Geste der Anbetung erhoben. Der Text dieses Feldes umfasst fünf Kolumnen und umschließt auch die beiden Figuren. Er beinhaltet Montuhoteps Bericht über seine täglichen Gebete zu Month. Seinen Titeln nach war Montuhotep oberster Reinigungspriester und Sänger des Month. Seine Frau war ebenfalls Sängerin dieses Gottes. D. Chapman / übersetzt u. redakt. bearb. v. C.-B. Arnst
Fragment einer Stele des Ptahmose, Bürgermeister von Memphis
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Fragment einer Stele aus blauer Fayence; nur das Oberteil ist erhalten. Die figürlichen Motive und die Inschrift sind in erhabenem Relief ausgeführt, wobei die Details hier nicht wie üblich schwarz akzentuiert sind. Unter dem Himmelssymbol in Form der p.t-Hieroglyphe steht rechts der Auftraggeber, ein Mann namens Ptahmose (bis in Kniehöhe erhalten). Seine Kleidung ist typisch für die hoher Beamter der frühen 19. Dynastie. Ptahmose hat die Arme im Verehrungsgestus erhoben. Vor ihm steht ein kleiner runder Opfertisch mit einem Bierkrug, zwei runden Ta-Broten (undeutlich) und einem darüberliegenden Papyrusstengel. Ihm gegenüber, in der linken Bildhälfte, thront der Gott Osiris (bis zu den Ellenbogen erhalten). Hinter bzw. neben ihm steht die Göttin Isis (bis in Schulterhöhe erhalten), die ein Wadj-Szepter vor sich hält. Die Beischrift - eine horizontale und fünf vertikale Kolumnen - nennt die Namen und Epitheta der verehrten Götter, bezeichnet den Zweck der Handlung und nennt den Namen und Titel des Auftraggebers. Zeile 3-6 (von links): " Verehrung für deinen Ka, Osiris, damit er geben möge Leben, Heil und Gesundheit dem Königlichen Schreiber und Bürgermeister, Ptahmose." Ptahmose war in der frühen 19. Dynastie Bürgermeister von Memphis. (C.-B. Arnst)
Votivstele der Bildhauer Majj und Chaemope für den Gott Osiris
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auch für das diesseitige Leben wendeten sich die Menschen an ihnen nahestehende Gottheiten, oft mit ganz konkreten Bitten. Diese Haltung kommt in den zahlreichen Votivstelen zum Ausdruck, die in den Heiligtümern aufgestellt, waren. Daneben wurden weiterhin Grabstelen aufgestellt. Eine solche Grabstele ist die der beiden "Vorsteher der Künste" an der "Stätte der Wahrheit" (das ist die Königsnekropole) Majj und Chaemope. Im oberen Register sind beide betend vor dem Totengott Osiris dargestellt. Unten sind sechs Angehörige (vier Frauen und 2 Männer) der Verstorbenen abgebildet.
Stele des Kama
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele des Geflügelhofangestellten des Ptah-Tempels in Memphis, namens Kama, stellt ein besonders anschauliches Beispiel eines Familienmonuments dar, auf dem mehrere Generationen der Sippe mit Namen und Titeln verzeichnet sind. Während die Hauptbildfelder im oberen Register Kama und seiner Ehefrau vorbehalten sind, folgen in den beiden unteren Registern die Kinder und ihre Ehepartner sowie die Enkel. Die Form der Stele, die oben einen dreieckigen – die Grabpyramide ersetzenden – Abschluss zeigt, sowie die Abbildung der gesamten Familie über drei Generationen, weisen darauf hin, dass der Gedenkstein dieser eher unbedeutenderen Beamtenfamilie wahrscheinlich eine weitaus kostspieligere Grabkapelle ersetzen sollte. Ähnliche Stelen, die fast alle aus der memphitischen Nekropole stammen und ebenfalls einen pyramidenartigen Abschluss zeigen und deren Bildfelder mit einer Hohlkehle und einem Rahmen eingefasst sind, unterstützen diese Annahme. Neben den genannten Personen verdienen die dargestellten Götter besondere Beachtung. Die Symbolik der Sonnenscheibe in einem „Horizont-Zeichen“ direkt unter dem mit einer Querlinie abgetrennten „Pyramidion“ ist lokal unabhängig; die Totengötter Osiris und Sokar aber sind aufgrund der „Kapellengestaltung“ eng mit der Nekropole von Memphis verbunden. Beide Götter sind stehend in einer Kapelle dargestellt, auf deren Dach ein liegender, in Tücher gehüllter Sokar-Falke zu sehen ist. Sokar war ein lokaler Totengott der Region um Memphis, der mit Osiris und dem Schöpfergott Ptah eine synkretistische Einheit als „Ptah-Sokar-Osiris“ eingehen konnte, aber als eigenständige Gottheit immer mit Falkenkopf abgebildet wurde. Stellt man sich die achsensymmetrische Anordnung der Bildfelder in den Raum projiziert vor, dann wird der Grabkapellencharakter der Stele erneut augenfällig. Man betritt eine von einer Pyramide bekrönte „Kapelle“ mit zwei Götterschreinen für Sokar und Osiris, vor denen Kama und seine Frau anbetend stehen. Ihnen folgen die Paare der zweiten Generation – jeweils der Mann rechts und die Dame links – und den Schluss dieser Art Prozession bilden die Enkel. Den Opfertisch im unteren Register darf man sich dabei sicherlich direkt vor den beiden Götterschreinen im Inneren der Kapelle vorstellen. (F. Seyfried)
Votivstele des Ipepi für den Gott Osiris-Chontamenti
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Giebelfeld der oben abgerundeten Stele des Ipepi sind als Bekrönung ein Paar Udjat-Augen und ein Schen-Ring abgebildet. In den beiden Giebelecken befinden sich außerdem Darstellungen von zwei Opfermatten mit darauf liegenden Broten. Unterhalb der vierzeiligen Opferformel ist der Steleninhaber Ipepi, der das Amt des Vorstehers der Stätte innehatte, anbetend vor dem mumienförmigen Osiris bzw. Osiris-Chontamenti (wörtlich Osiris, Vorderster der Westlichen) mit der weißen Krone zu sehen. Die blaue, grün gemeinte Gesichtsfarbe des Osiris, der ein Was-Szepter vor sich hält, symbolisiert die Fruchtbarkeit. Zwischen Ipepi und Osiris ist ein in zwei Subregister gegliederter Opferaufbau abgebildet. Die Beischrift in einer senkrechten Kolumne vor Ipepi beschreibt seine anbetende Darstellung als „Lobpreis geben an Osiris, Herrn von Abydos“. Im unteren Bildfeld steht direkt unterhalb von Ipepi seine Frau Bebiresti, die sich eine Lotusblüte an ihre Nase hält. Vor ihr ist auf dem Boden ein kleiner Opferständer zu sehen. Ihr gegenüber stehen zwei weitere Frauen mit Lotusblüten in den Händen. Sie besitzen ebenfalls jeweils einen Opferständer, der vor ihren Füßen aufgestellt ist. Die Beischriften benennen sie als die Mutter des Ipepi Seteschsat und seine Schwester Hapi. Alle Darstellungen und Inschriften sind in recht flachem versenktem Relief gearbeitet und wurden anschließend bemalt. Ab dem Mittleren Reich erfreute sich der Kult des Jenseitsgottes Osiris mit Abydos als Hauptkultzentrum sehr großer Popularität. Der Gott wurde zum Herrscher des Totenreiches erklärt. Anders als im Alten Reich, in dem nur der König als Osiris zum ewigen Herrn der Toten wurde, war es mit Beginn des Mittleren Reiches allen Verstorbenen möglich, zu Osiris zu werden. Ipepi tritt hier in der Rolle des Horus, Sohn des Osiris, vor den Gott, zu dem er selbst geworden ist und dessen Triumph über den Tod auch ihm zuteilwerden soll. Seine engsten Familienmitglieder begleiten ihn bei diesem Prozess. Da die Darstellung einer anbetenden Privatperson vor einer Gottheit erst ab dem späten Mittleren Reich belegt ist, kann die Stele des Ipepi nicht früher datiert werden. Zudem werden in der Opferformel neben Osiris weitere abydenische Gottheiten, Upuaut und Min-Hornacht (wörtlich Min, starker Horus), angerufen. Die Nennung dieser drei abydenischen Gottheiten könnte als Indiz für Abydos als möglicher Herkunftsort der Stele dienen. Zudem erscheint der Gott Min-Hornacht erst ab der 13. Dynastie auf den abydenischen Stelen. Eine Datierung der Stele in die 13. Dynastie scheint daher überzeugend zu sein. Dafür sprechen auch die stilistischen und kompositorischen Kriterien, die der Zeit vom späten Mittleren Reich bis zum Beginn der Hyksosherrschaft in der 15. Dynastie zuzuordnen sind.
Grabstele der Aplonarin und des Lysimachos
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Zum Korpus der wahrscheinlich aus Terenuthis, dem heutigen Dorf namens Kom Abu Billu im Westdelta, stammenden Grabstelen der Römischen Kaiserzeit gehört auch die rechteckige Stele der Aplonarin und des Lysimachos. Sie weist eine Ädikula-Umrahmung mit seitlichen Papyrussäulen und einem Rundbogengiebel auf. In dem architektonischen Rahmen ist in versenktem Relief auf einer Kline eine halbliegende Frau in hellenistischem Gewand und mit Melonenfrisur dargestellt, die in ihrer rechten Hand ein Trinkgefäß emporhält. In ihrer linken Hand hält sie eine Handgirlande. Die Kline wird nur durch die darauf befindliche Matratze und zwei Kissen, auf denen die Darstellte ihren linken Ellenbogen stützt, angedeutet. Zu ihrem Fußende sitzt ein Knabe mit Seitenlocke auf einem hohen Polster, der seine beiden Hände erhebt. Direkt über dem Knaben ist ein auf einer Konsole liegender Schakal zu sehen. Unterhalb der Darstellungen befindet sich eine in zwei waagerechten Zeilen eingravierte griechische Inschrift. Der Text lautet: „Aplonarin, (verstorben im Alter von) 40 Jahren; Lysimachos, (verstorben im Alter von) 1 Jahr. Seid guten Muts!“ Die Pluralendung des Segenwunsches wurde nachträglich – wenn auch orthographisch ungenau – hinzugefügt. Die verstorbene Aplonarin erbittet mit der angehobenen, dem Trinkgefäß haltenden Hand um Trankopfer von den Hinterbliebenen. Die Handgirlande aus Rosenblüten in ihrer linken Hand galt im ägyptischen Bereich als Rechtfertigungskranz nach einem glücklich überstandenen Totengericht. Der liegende Schakal stellt den ägyptischen Jenseitsgott Anubis dar. Offenbar besitzt der sehr jung verstorbene Knabe Lysimachos keine eigene Grabstele, sondern wurde zusammen mit Aplonarin – wohl eine enge Familienangehörige – auf einer Stele abgebildet. Seine Jugendlocke, die ein Kennzeichen für Kindheit in der ägyptischen Ikonographie ist, kennzeichnet ihn eindeutig als Kind. Die Grabstelen aus Terenuthis waren in der Regel nur für eine verstorbene Person gedacht. Nur wenn die Todesdaten der Personen dicht beieinander lagen und sie tatsächlich miteinander begraben wurden, konnten mehrere Personen gemeinsam auf einem Relief verewigt werden. Dies geschah zumeist nach Krankheiten oder Unglücksfällen, denen mehrere Familienmitglieder zum Opfer gefallen waren. Bei Aplonarin und Lysimachos war dies wahrscheinlich auch der Fall. Die erhobenen Hände des Knaben sind daher wohl nicht als Anbetungsgestus zu verstehen. Vielmehr wurde dieser Gestus als Kennzeichnung jüngerer Verstorbene gegenüber Älteren eingesetzt, welche die wichtigen Lebensziele wie Familiengründung und das auf die Welt Bringen von Nachkommen bereits erfüllt hatten. Die Stele wurde nicht als freistehendes Objekt gedacht, sondern war wahrscheinlich als Schmuck des Grabes in einer Nische an der Rückwand eingefügt. (I. Liao)
Stele des Hor, zusammen mit seiner Frau vor dem Gott Re-Harachte
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Anbetend tritt der Steleninhaber Hor mit erhobenen Armen in Begleitung seiner Gemahlin vor den Gott Re-Harachte, der auf einer erhöhten Basis vor einem Opfertisch thront. Der falkenköpfige Gott ist mit einer Sonnenscheibe mit Uräusschlange bekrönt. In seinen Händen hält er Krummstab und Wedel – die Herrschaftsinsignien und osirianischen Attribute. Sein Körper ist wie der des Osiris mumienförmig wiedergegeben. Hor, der mit einem modischen Kinnbart dargestellt ist, trägt über dem kurzen Schurz einen plissierten Überwurf mit weiten Ärmeln. Seine Frau ist in ein enganliegendes, langes Kleid gehüllt, über dem ebenfalls ein halbtransparenter plissierter Überwurf liegt. Auf ihren Köpfen tragen die beiden jeweils ein Stirnband und einen Salbkegel mit herabhängender Lotusknospe. Eine geflügelte Sonne unter der gebogenen Himmelshieroglyphe bildet den oberen Abschluss der abgerundeten Stele. Zwischen der geflügelten Sonne und den Inschriftenkolumnen befindet sich eine Symbolgruppe für immerwährenden Schutz und dauerhafte Versorgung, die aus einem Schen-Ring, Wasserlinien, einem Napf sowie umrahmenden Udjat-Augen zusammengesetzt ist. Derartige Gruppierungen von Schutzsymbolen finden sich häufig auf den Totenstelen ab dem Mittleren Reich. Den Inschriften folgend war Hor, Sohn des Kapef-en-ha-Mut, als Reinigungspriester und Handwerker tätig. Seine Gemahlin Mut-chati, Tochter der Mut-en-ipet, trug den Titel der Hausherrin und Sängerin des Amun. Auch wenn der Fundkontext des Objektes unklar bleibt, ist die Stele aus Kalkstein eindeutig dem funerären Kontext zuzuschreiben. Die Dominanz der Darstellungen, die hier in versenktem Relief ausgeführt sind, ist typisch für die Stelen der Dritten Zwischenzeit. Zudem finden sich in der Dritten Zwischenzeit bis zur Kuschitenzeit auf den Grab- oder Totenstelen Darstellungen des sitzenden, falkenköpfigen Re-Harachte mit Mumienkörper und osirianischen Attributen. Als Re-Harachte ist Re als morgendlicher, im Osten aufgehender Sonnengott charakterisiert. Im Neuen Reich, mit der aufsteigenden Beliebtheit der Sonnentheologie, hat sich die kosmisch-solare Gottheit im Totenglauben neben Osiris immer mehr in den Vordergrund geschoben. Der Verstorbene wünschte sich die tägliche Wiedergeburt im Gefolge des Sonnengottes, indem er mit ihm zusammen die solare Fahrt durch die Unterwelt und den Himmel durchführte. (I. Liao)
Grabstele der Taaimais (?) und des Souairous (?)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf einer Kline ist halbliegend, mit aufgerichtetem Oberkörper eine Frau, die eine Melonenfrisur mit auf die Schultern fallendem Haar trägt, frontal dem Betrachter zugewandt. Sie stützt ihren linken Arm auf drei Kissen am Kopfende und umarmt ein kleines Kind auf ihrem Schoss. In ihrer rechten Hand hält sie eine Schale empor, um eine Trankspende von den lebenden Familienmitgliedern zu erbitten. Über der erhobenen Hand ist ein liegender Anubis-Schakal auf einer Konsole abgebildet. Die Darstellung in erhabenem Relief war von einer Ädikula-Umrahmung, bestehend aus zwei, den Segmentgiebel tragenden Papyrussäulen und einer Art Basisplatte, eingefasst. Die Fläche zwischen den Klinebeinen ist undekoriert. Die üblichen Opfergaben könnten ehemals in Malerei wiedergegeben worden sein. Auf dem Sockelbereich des architektonischen Rahmens befindet sich eine beschädigte, griechische Inschrift in zwei Zeilen: „Taaimais (?), (verstorben im Alter von) 8 (+x) Jahren, die kinderliebe, Souairous (?); seid guten Muts!“ Die Todesalter der beiden Dargestellten sind nicht erhalten. Von den Rändern der Kalksteinplatte sind mehrere Fragmente abgebrochen. Typologisch gesehen stammte die Grabstele höchstwahrscheinlich aus dem antiken Ort Terenuthis im Westdelta. Entweder waren die beiden Verstorbenen Angehöriger derselben Familie, die zeitnah verstorben sind, oder hier wurde die bei der Geburt bzw. kurz nach der Geburt verstorbene Mutter zusammen mit dem ebenfalls verstorbenen Kind in einem Grab bestattet, weshalb sie gemeinsam auf einer Grabstele verewigt wurden. (I. Liao)
Grabstele der Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, vor den Göttern Horus (Falke) und Anubis (Schakal)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die wahrscheinlich in Terenuthis hergestellte Grabstele aus Kalkstein, deren Ränder teilweise abgebrochen sind, zeigt eine in Kontrapose stehende Frau in hellenistischer Gewandung, die ein Sistrum in ihrer erhobenen rechten und eine Handgirlande in der linken Hand hält. Um ihr linkes Handgelenk befindet sich noch ein herabhängendes Objekt, wohl eine Situla. Dies wurde meist als ein Teil des drapierten Gewands interpretiert. Ihr Gesicht ist teilweise zerstört. Die Frauengestalt wird von einem Ädikula-Rahmen mit flachem Segmentgiebel eingerahmt. Die Säulen sind größtenteils weggebrochen. Links von der Frau sitzt ein Schakal, der ihr zugewandt ist und auf sie blickt. Über ihm steht auf einer geschweiften Konsole ein Horus-Falke. Auf einem im rechten Bildfeld befindlichen Gegenstück war möglicherweise ein liegender Anubis-Schakal dargestellt, von dem nur noch sehr geringe Spuren erhalten sind. Darunter befindet sich der untere Teil eines ständerartigen Gebildes, dessen Form an einen Räucheraltar erinnert. Zwischen den beiden Säulen und unterhalb der Darstellungen in erhabenem Relief befinden sich sechs Zeilen griechischer Inschrift: „Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, die unvergleichliche, fromme, mutterliebende, (verstorben im Alter von) 10 Jahren, 2 Monaten und 19 Tagen. Sei guten Muts.“ Die Namensform des verstorbenen Mädchens weist darauf hin, dass sie das römische Bürgerrecht besaß. Der Gentilname Aelius legt die Vermutung nahe, dass die Stele in die nachhadrianische Zeit datiert, da von den Römischen Kaisern zuerst Hadrian diesen Namen geführt hatte. Die verstorbenen Kinder in Terenuthis wurden normalerweise auf ihren Grabstelen stehend mit erhobenen Armen gezeigt. Mit dieser Haltung soll vermutlich verdeutlicht werden, dass sie die wichtigen Lebensziele, wie zum Beispiel Familiengründung und das auf die Welt Bringen von Nachkommen, nicht erreicht hatten. Für die jung verstorbene Ailia Pompeia wurde jedoch bewusst eine andere Ikonographie ausgewählt: Die Handgirlande aus Rosenblüten war ein Rechtfertigungskranz nach überstandenem Totengericht. Das Sistrum wurde Ailia Pompeia entweder wegen des Bezugs auf den ab der Ptolemäischen Zeit in Terenuthis belegten Hathor-Tempel oder wahrscheinlicher aber wegen der Verbindung zur Göttin Isis beigegeben. Zusammen mit der Situla wurde das Sistrum als wichtiges Kultgerät der Isis betrachtet, wie es zahlreiche Darstellungen der Isis-Dienerinnen belegen. Ihr Gewand mit einer verzierten Schärpe ist auch eine der typischen Trachten für Isis-Priesterinnen in der Griechisch-Römischen Zeit. Des Weiteren sind die paarweise auftretenden Horus-Falken und Anubis-Schakale auf den Konsolen auf mehreren Terenuthis-Stelen belegt, wobei in der Regel der das Jenseits symbolisierende Anubis-Schakal links und der für das Diesseits stehende Horus-Falke rechts abgebildet sind. Ob es sich bei der Seitenumkehrung der beiden Götter auf dieser Stele sowie der Position des Räucheraltars zur Linken der Toten, der meist auf der rechten Seite abgebildet ist, um eine gewollte Abweichung oder einen kompositorischen Fehler handelt, bleibt ungeklärt. (I. Liao)
Grabstele der Melanous, liegend auf einer Kline
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf der römisch-ägyptischen Grabstele mit dem bogenförmigen oberen Abschluss ist die Verstorbene in Chiton und Mantel, die auf einer Kline – einem Speisesofa – beim Totenmahl liegt, in versenktem Relief abgebildet. Mit aufgerichtetem Oberkörper stützt sie ihren linken Arm auf zwei Kissen. In ihrer rechten Hand hält sie ein Trinkgefäß empor. Über der rechten Hand der Verstorbenen ist noch ein auf einer Konsole liegender Schakal eingraviert, wobei die Konsole nur durch eine waagerechte Linie angedeutet ist. Vor der Kline mit einer Lehne am Kopfende und gedrechselten Beinen, deren Liegefläche mit einer Matratze belegt ist, sind zwei Trinkschalen auf einem Dreifuß, eine auf einem Gestell platzierten Weinamphore mit einer langstieligen Schöpfkelle und ein Blumenstrauß dargestellt. Unterhalb der Darstellungen befinden sich drei Register. In den oberen beiden Zeilen sind der Name der Verstorbenen und ihr Todesdatum auf Griechisch geschrieben: „Melanous, (verstorben im Alter von) 21 Jahren im 6. Regierungsjahr am 25. Choiach. Sei guten Mutes!“ Mithilfe der Inschrift kann die Stele in das Jahr 300 n. Chr. datiert werden. Die Stele der Melanous wurde aus einem wiederverwendeten Gesimsblock gearbeitet, dessen Konsolenreihe auf der Rückseite noch gut erhalten ist. Die bogenförmige Umrahmung einer schwarzen Doppellinie wurde in Malerei wiedergegeben, von der heute nur geringe Reste erhalten sind. In dieser Weise sollte vielleicht eine konkave Nische angedeutet werden. Das Emporhalten eines Trinkgefäßes durch einen Toten war ein Motiv, das bereits im 6. vorchristlichen Jahrhundert belegt ist. Es zeigt die Verstorbenen beim Erbitten einer Trankspende von den Grabbesuchern. Die vor der Kline abgebildeten Gerätschaften waren die Requisiten eines Totenmahls und gehörten zum traditionellen Bestand derartiger Darstellungen. Ein weiteres, interessantes Motiv ist der auf der Konsole liegende Schakal, der den ägyptischen Totengott Anubis in Tiergestalt wiedergibt. Typologisch gesehen stammt die Stele höchstwahrscheinlich aus Terenuthis am westlichen Rand des Nildeltas. Sie wurde vermutlich in einer Nische auf der Rückwand eines Graboberbaus aus Ziegelmauerwerk, das die unbemalten Ränder bedeckte, eingelassen. (I. Liao nach: Parlasca, K., Zur Stellung der Terenuthis-Stelen – Eine Gruppe römischer Grabreliefs aus Ägypten in Berlin, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo, (1970), Bd. 26, S. 176f., 191; Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 207. )
Grabstein des Asklepiades
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser Kalkstein kam 1892 als Geschenk von Rudolf Mosse in die Sammlung des Berliner Ägyptischen Museums. Erworben hatte diesen aus Tell el-Mugdam stammenden Stein ursprünglich Karl Heinrich Brugsch in Ägypten. Auf seiner nahezu quadratischen Vorderseite enthält er eine bis auf einige Beschädigungen in den ersten zwei Zeilen recht gut erhaltene, griechische Inschrift in 6 Zeilen mit ca. 4,5 cm hohen, aber recht schmalen und tief eingemeißelten Buchstaben, deren Form eine Datierung in die römische Zeit nahelegt. Die Inschrift ist eine Grabinschrift des Asklepiades, des Sohnes des Chairemon, der 66 Jahre alt wurde. Von dieser aus anderen antiken Quellen nicht weiter bekannten Person wird zudem berichtet, dass es sich um einen ehemaligen ‚Gymnasiarchen‛ und ‚Exegeten‛ gehandelt hat. Es ist anzunehmen, dass Asklepiades diese beiden hohen und prestigeträchtigen liturgischen Ämter der städtischen Verwaltung in Leontopolis, dem antiken Namen des Fundorts Tell el-Mugdam, bekleidet hat, und zwar zunächst das Amt des ‚Exegeten‛ und danach das nächste städtische Amt des ‚Gymnasiarchen‛, da diese wie üblich in absteigender Reihenfolge ihrer Bedeutung angegeben sind. (Marius Gerhardt)
Oberteil einer Stele
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das abgerundete Stelenoberteil zeigt in erhabenem Relief insgesamt fünf Personen, zwischen denen sich rechteckige Felder finden, ‚Kolumnen‛, die alle ohne Inschriften blieben oder womöglich nicht mehr erhalten sind. In diesen stehen gewöhnlich die Namen, Titel sowie Epitheta der Dargestellten neben formelhaften Texten, die partiell einer Beschreibung der jeweiligen Szene gleichkommen. Stilistisch ist das Berliner Stück in die spätptolemäische Zeit einzuordnen, auch wenn das Relief im Unterschied zu anderen Stelen erhaben gearbeitet wurde. Es bleibt zu vermuten, dass die plastische Modellierung durch die ehemaligen Binnenzeichnungen betont wurde, von denen jedoch keine Farbreste nachgewiesen werden konnten. Zudem sind die kugeligen Bäuche und Brüste der weiblichen Personen kennzeichnend für diesen Zeitraum. Als Ganzes betrachtet gehört die Stele zu der Gruppe der ‚Landschenkungsstelen‛, die im oberen Bereich den Spender mit dem Opfer und den durch das Opfer bedachten Gottheiten zeigt. Sie markierten die Grenzen der Ackerflächen, die von einem König zugunsten eines Tempels gestiftet wurden. Damit gehörte das Land dem Tempel, das von diesem gewinnbringend verpachtet wurde. Auch der Aufbau der Szene auf der Berliner Stele ist repräsentativ für dieses Korpus: Die opfernde Partei steht rechts, die empfangende, göttliche Partei ist links dargestellt. Der oft schlechte Erhaltungszustand der Stelen wird auf ihren Aufstellungskontext zurückgeführt, da sie wohl in den Boden eingegraben waren. Sehr wahrscheinlich folgte unter dem Bildfeld eine glatte, unbeschriebene Fläche. Damit kann auch bei dem vorliegenden Stück der unebene, untere Rand erklärt werden, der nicht allein auf Kriegsschäden zurückzuführen ist. (Jana Helmbold-Doyé)
Stiftungsurkunde in Gestalt einer Stele mit Spitzgiebel
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser Granitstein kam 1892 als Geschenk von Rudolf Mosse in das Berliner Ägyptische Museum. Er wurde von Heinrich Brugsch von den Beduinen Ali und Farag gekauft und stammt aus Soknopaiu Nesos im Arsinoites. Der Stein hat die Form einer Stele mit Spitzgiebel. Auf seiner Frontseite befindet sich eine vollständig erhaltene Inschrift von 20 Zeilen. Die zierlichen und nur ca. 1,1 cm hohen Buchstaben sind dabei nur leicht eingeritzt. Die Inschrift lässt sich aufgrund des in ihr angegebenen 18. Regierungsjahres des Ptolemaios Alexander in das Jahr 97/96 v. Chr. datieren. Es handelt sich um die Stiftungsurkunde eines Apollonios. Von diesem wird nicht nur berichtet, dass er der Sohn eines Ischyrion war. Darüber hinaus erfahren wir, dass er Schreiber eines Pantaleon war, von dem wiederum gesagt wird, dass er den Rang eines ὁμότιμος τοῖς συγγενέσι innehatte, eines der höheren Ränge im ptolemäischen Reich und für die Naturalsteuer des Herakleides-Bezirks des Arsinoites zuständig war. Apollonios stiftet nun in seinem Namen und im Namen seiner Untergebenen eine jährliche und auch in der Zukunft zu erfüllende Weihgabe von 182 ½ Artaben Weizen an die Götter Soknopaios und Nepherses. Die Stiftung soll am ersten Tag des nächsten Jahres mit einer Lieferung in die Tempelbäckerei beginnen. Für die Versorgung der Priester wird mit dieser Stiftungsinschrift somit täglich ½ Artabe (= ca. 19,6 l) Weizen versprochen. (Marius Gerhardt)
Grabstele des Prinzen Taktidamani mit einer Inschrift in Kursivmeroitisch
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Die Könige von Kusch und ihre Angehörigen sind unter steilwandigen Pyramiden begraben worden, an deren Ostseite Opferkapellen angebaut waren. In der in den Pyramidenkörper einschneidenden inneren Westwand der Kapellen stand die Grabstele. Im Bildfeld der Stele des Prinzen Taktidamani tritt der Verstorbene betend vor den thronenden Osiris, der von seiner Gemahlin Isis mit den geflügelten Armen schützend umfangen wird. In der rechten Hand hält die Göttin die Feder der Maat, in der linken ein Gefäß, aus dem die Wasserspende fließt. Die Würde des Prinzen ist durch den über die Schulter gelegten und über der Brust verknoteten Umhang und ein Diadem kenntlich, die rechte Hand hält die Lotosblüte und einen Palmzweig. Alte ägyptische Tradition ist die geflügelte Sonnenscheibe über der Szene. Unter dem Bilde enthalten sechs Zeilen in archaischen meroitischen Kursivzeichen die Opferformel. Sie gehört zu den Texten, die teilweise bereits verständlich sind: „O Isis, o Isis, dem Taktidamani, den Dokarora gezeugt hat, den Amaniteres geboren hat, gutes Brot möget ihr (?) gewährten (?), gutes … möget ihr …, o Isis, o Isis.“ Die meroitischen Grabstelen und die Opfertafeln, die ebenfalls mit der Opferformel beschriftet werden, enthalten häufig sehr ausführliche Angaben über die Verwandten des Toten und über seine Funktionen. Auch wenn noch längst nicht alle Titel in ihrem Bedeutungsgehalt sicher „übersetzt“ werden können, sind diese Stelen die wichtigste Quelle, die uns für die Rekonstruktion der Gesellschaftsstruktur des Reiches von Kusch bisher zur Verfügung steht. Die langen in meroitischer Sprache abgefaßten „historischen“ Steleninschriften der Könige aus den Tempeln sind noch fast völlig unverständlich.“ Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 259 (Kat. 158).
Miniaturstele mit einer Weihung an Osiris-Apis
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele aus der 26. Dynastie ist eine der frühesten Zeugnisse des Kultes der heiligen Apisstiere in Memphis. Ihre Schauseite zeigt fünf Zeilen flüchtig eingeritztes Demotisch, der abgerundete undekorierte Stelenabschluss ist mittels einer Linie abgetrennt. Das Stück wurde dem Gott von einem Privatmann namens Oaphres mit dem Wunsch nach ewigem Leben gewidmet: „Osiris-Apis, er gewähre | Leben an Oaphres, | Sohn des Peteyris, im 23. | Regierungsjahr (= Amasis): Er möge dauern ewig | bis in die Unendlichkeit!“ (Jan Moje)
Stele des Königs Nastasen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Im Reichstempel des Amun in Napata wurden eine Reihe von Stelen gefunden, in deren Inschriften die Herrscher von Kusch über ihre Thronbesteigung, Feldzüge, Tempelbauten und Stiftungen für die Götter berichten. Bis zum Ende des 4. Jhs. v. Chr. sind sie in ägyptischer Sprache abgefaßt. Zu diesen wertvollen Denkmälern der Geschichte des Reiches gehört die Stele aus dem 8. Jahre des Königs Nastasen, die mit Sicherheit aus Napata stammt, auch wenn sie, erst im vorigen Jahrhundert verschleppt, 1853 in Neu Dongola entdeckt wurde. Die Reliefs des Giebelfeldes und die Inschriften sind ungewöhnlich sorgfältig gearbeitet, zeigen aber einen schon recht eigenwilligen „unägyptischen“ Stil. Besonders die Hieroglyphen haben oft eine seltsame Form. Wie auch auf Stelen der ägyptischen Könige häufig, ist im Giebelfeld in antithetischer Anordnung der König vor zwei Göttern opfernd dargestellt. Rechts steht er vor dem widderköpfigen Amun von Napata, links vor dem menschenköpfigen Amun von Karnak. Der König ist mit dem ägyptischen Herrscherschurz bekleidet, trägt aber die kuschitische Königskappe mit dem breiten Diadem, an dem nur ein Uräus befestigt ist. Er reicht dem Gott ein Pektoral und eine Kette aus ovalen Kugeln. Für das Reich von Kusch geradezu selbstverständlich ist der König von seiner Hauptgemahlin (in der rechten Szene) und seiner Mutter begleitet, der „Königsschwester und Königsmutter, der Herrin von Kusch, Pelcha“. Sie trägt die Königskappe mit Diadem und Uräus wie der Sohn, hält in der linken Hand das Sistrum und gießt mit der rechten aus einem Kulteimer, der Situla, Wasser vor dem Gotte aus. Sie ist eine der Kandakes der meroitischen Inschriften und der griechisch-römischen Literatur, die sie zu den eigentlichen Herrschern des Reiches machte, obwohl dies nur in Einzelfällen zutraf. Auf eine besondere historische Rolle der Pelcha scheint eine Beischrift nach dem Namen hinzudeuten: „Ihr wurde die Krone in Napata gegeben, weil ihr Vater die Kapelle der Königskappe des Re-Harachte „befestigt“ hat.“ Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 258 (Kat. 157).
Restaurierungstele über den Bau einer Umfassungsmauer um den Tempel von Heliopolis, mit der Darstellung des opfernden Königs vor Re-Harachte
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele weist einen rechteckigen Körper mit rundbogenförmigem Abschluss auf. Das Giebelfeld ist durch die bogenförmig verlaufende Himmelshieroglyphe eingerahmt. Darunter befindet sich eine geflügelte Sonnenscheibe als symbolischer Verweis auf den Sonnengott sowie als ikonographischer Bezug zum ägyptischen Königtum. Das obere Bildfeld umfasst eine Verehrungsszene, die König Thutmosis III., bekleidet mit einem kurzen Schurz und der oberägyptischen Krone, bei der Darbringung eines Opfers für den auf der rechten Seite positionierten, falkenköpfigen Sonnengott Re-Harachte zeigt. Die Opferspende besteht aus einem Tablett mit vier Nemset-Krügen, die im Kultgeschehen zum Ausgießen von Wasser verwendet wurden. Der darunter befindliche Text beginnt mit einer Datumsangabe, durch welche dokumentiert ist, dass die Stele in das 47. Regierungsjahr des Königs datiert. Darunter folgt eine Aufzählung von königlichen Bauarbeiten am Tempelbezirk von Heliopolis, insbesondere der Errichtung der Tempelumfassungsmauer. Das untere Ende der Stele ist abgebrochen, sodass nur die ersten vier Textzeilen erhalten geblieben sind. (A. Herzberg)
Stele des Amenemhet mit der Darstellung Thutmosis III. vor dem Gott Amun-Re
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Den oberen Abschluss der Rundbogenstele bildet eine mit zwei Uräen behangene geflügelte Sonnenscheibe. Darunter findet sich eine Verehrungsszene, in der König Thutmosis III. dem auf der rechten Bildseite dargestellten Sonnengott Amun-Re, Herrn von Karnak, ein Trankopfer in Form von zwei Weingefäßen darbringt. Während Amun-Re die Doppelfederkrone trägt, ist der König mit der blauen Chepesch-Krone bekleidet. Zwischen den beiden befindet sich ein niedriger Tisch, auf dem verschiedene Opfergaben liegen. Trotz der prominenten Darstellung des Königs handelt es sich nicht um ein offizielles, vom König in Auftrag gegebenes Denkmal. Stattdessen wurde die Stele durch einen hochrangigen Beamten namens Amenemhet, der in dem dreizeiligen Text im unteren Bereich der Stele genannt ist, zu Ehren des Götter- und Königskults gestiftet. Amenemhet war als Bürgermeister einer Domäne tätig, die von König Thutmosis I. in der memphitischen Region eingerichtet worden war. Die daraus erwirtschafteten landwirtschaftlichen Erträge gehörten dem Königshaus. (A. Herzberg)
Stele mit Darstellung eines syrischen Söldners beim Biertrinken
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der kleine Gedenkstein eines Soldaten namens Terura und seiner Frau Arbura stammt vermutlich aus Amarna, dem antiken Achet-Aton. Die geringe Größe sowie die schlichte Rahmung des Gedenksteins in Form eines Türdurchgangs mit oberem Hohlkehlen-Abschluss sowie die gänzlich profane Darstellung einer häuslichen Szene schließen eine Verwendung als Grabstele aus und verweisen auf eine Aufstellung im häuslichen Bereich. Da ähnlich kleinformatige Stelen insbesondere aus Amarna, der Residenzstadt des Königs Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete, bekannt sind und im familiären Ahnenkult eine Rolle spielten, dürfte die Herkunft als relativ gesichert gelten. Die außergewöhnliche Darstellung eines sitzenden, syrischen Soldaten, der sich vollkommen entspannt mithilfe eines Trinkrohrs am Wein labt, hat die kleine Stele schon vor langer Zeit zu einem besonders beliebten und viel beachteten Objekt werden lassen. Allerdings ist die häufig zu lesende Bezeichnung „Bier trinkend“ irreführend, da es sich bei dem mit einer Blumengirlande geschmückten Gefäß, das in einem hohen Gefäßständer steht, eindeutig um eine Weinamphore handelt. Geknickte Trinkrohre dieser Art sind aus dem vorderasiatischen Raum bekannt und waren auch in Ägypten verbreitet. Funde belegen, dass sie häufig aus Blei gefertigt waren. Terura ist aufgrund seiner Tracht eindeutig als Syrer gekennzeichnet, wozu neben dem mit einem Stirnband gebändigten, vollen Haar und dem charakteristischen Vollbart auch der bunte, quastenbesetzte Schurz gehört. Besonders signifikant und leicht überzeichnet sind auch die Gesichtszüge mit der gewölbten Stirn, den hervortretenden Wangenknochen und der kleinen gebogenen Nase. Sowohl der Dolch in seinem Gürtel als auch die senkrecht aufgesteckte Lanze hinter dem Stuhl kennzeichnen ihn als Soldaten. Syrische Söldner waren im Neuen Reich in beträchtlicher Zahl in die ägyptischen Truppen integriert. Teruras Frau trägt zwar ebenfalls einen ausländischen Namen, ist aber vollkommen wie eine ägyptische Dame mit langem, fließendem Leinengewand bekleidet und mit typischer Haartracht dargestellt. Da alle Personen und auch die Weinamphore mit einem Blütenkranz bzw. mit Halskrägen geschmückt sind, darf man das Ensemble in einen festlichen Kontext einbetten, was auch gut zur intendierten Ahnenverehrung passt, die insbesondere an Festen praktiziert wurde. (F. Seyfried)
Hausaltar: Echnaton, Nofretete und drei ihrer Töchter unter dem Strahlenaton
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Diese Reliefplatte ist das Altarbild eines Schreins und hat sich nur noch in diesem Stück in Vollständigkeit erhalten. Sie zeigen das königliche Paar in vertrautem Beisammensein mit seinen Kindern und darüber die Erscheinungsform, in der Echnaton den Gott Aton gesehen hat und darstellen ließ: als Sonnenscheibe mit einer Vielzahl von Strahlenarmen, die zur Erde gerichtet sind und "Lebenszeichen" reichen. Standen sich früher König und Gott auf gleicher Ebene gegenüber, so ist Aton nun in der hoch an den Himmel gesetzten Sonnenscheibe sichtbar. Stellvertretend für die Menschheit ist das Königspaar Echnaton und Nofretete mit seinen Töchtern dargestellt, was auf jene Rolle als Mittler zwischen Mensch und Gott hinweist. Die Darstellung zeigt eine intime, zärtliche Familienszene des Herrscherpaares zusammen mit den kindlichen Prinzessinnen.
Grenzstele des Königs Sesostris III.
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Unter der Leitung von Carl Richard Lepsius gelangte die Königlich Preußische Expedition am 17. Juli 1844 zur Festung Semna. Diese Festung ist eine von Vieren, die, an einer strategischen Stelle am Nil gelegen, mit den Festungen Kumma, Semna-Süd und Uronarti in der 12. Dynastie die südliche Grenze Ägyptens markierte. Wie die anderen Fundstücke der Königliche Preußischen Expedition kam auch diese Stele als ein offizielles Geschenk des ägyptischen Vizekönigs Mohamed Ali mit nach Berlin. Das Expeditionsteam hat 1844 in zehn Tagen die Festungsruinen mit ihren kleinen Tempeln und Felsinschriften dokumentiert. In seinem Expeditionstagebuch berichtet Lepsius, wie die Stele durch Feuer gesprengt worden war, um sie so transportfähig zu machen. Auch ein weiterer Expeditionsteilnehmer Georg Erbkam berichtete in seinem "Tagebuch meiner Ägyptischen Reise" von den Schwierigkeiten beim Verladen der schweren Stele, Arbeitsunfällen der Arbeiter und einem Sandsturm. Zunächst kam nur das untere Stelenfragment nach Berlin, welches durch einen Gipsabguss ergänzt wurde, denn der obere Teil war in einer Kiste in Semna vergessen worden. 1886 fand der holländische Kunsthändler Jan H. Insinger diese Kiste noch vor Ort in Semna. Sie wurde zunächst ins Ägyptische Museum Kairo verbracht und 1899 nach Berlin, wo sie wieder mit dem unteren Teil zusammengefügt werden konnte. Die große Stele aus Semna wurde von Pharao Sesostris III. in dessen 16. Regierungsjahr (ca. 1860 v. Chr.) in der Festung von Semna, 60 km oberhalb des zweiten Nilkataraktes, aufgestellt. Auf Grund ihrer Inschrift kann diese als Grenz- und Siegesstele bezeichnet werden. Das Giebelfeld der Stele ist oben mit der Himmelshieroglyphe „pet“ bogenförmig umrandet. Darunter befinden sich die geflügelte Sonnenscheibe des Gottes Horus mit dem achsensymmetrisch gespiegelten Namen seines oberägyptischen Hauptkultortes Edfu hinter jeweils einem Uräus mit Schen-Ring um den Hals. Die Beischrift lautet jeweils: "Der von Behedet". Im unteren Teil des Giebelfeldes sind zwei Schriftzeilen mit der fünfteiligen Königstitulatur angebracht. Darunter befinden sich 19 waagerechte Textzeilen, die jeweils durch waagerechte Striche voneinander getrennt sind. Der Text ist in klassischem Mittelägyptisch in formvollendete Hieroglyphen in versunkenem Relief in den Stein gemeißelt worden. Die Art und Weise der Bearbeitungsspuren auf den Seitenflächen der Stele lassen vermuten, dass sie in eine Mauer eingelassen gewesen war. Unter der Fünfteiligen Königstitulatur nennt die Inschrift zunächst das Datum: Regierungsjahr 16, 3. Monat der Peret-Jahreszeit (Frühjahr), die Errichtung der Grenze bei Heh (Semna) durch seine Majestät, und hebt dann die charakterlichen Handlungsweisen des Königs hervor: Einer, der zupackt, Dinge vermehrt, Milde gegen den Geringen walten lässt, aber Härte gegen den Feind. Außerdem sei er einer, der sich intelligent artikulieren könne und sich nicht von seinen Grenzen vertreiben lasse. Die Nubier werden als verachtungswürdige Leute, „Elende mit zerbrochenem Herzen“, beschrieben, gefolgt von erfolgreichen Raub- und Beutezügen Sesostris' III. Der Wahrheitsgehalt des Stelentextes wird nochmals hervorgehoben und Sesostris III. fordert seine Nachfolger eindringlich auf, die Grenzen zu respektieren. (J. Helmbold-Doyé)
Unfertige Stele mit der Darstellung von Echnaton und Nofretete vor einem Opfertisch
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die persönliche Frömmigkeit der Bewohner Achet-Atons verteilte sich auf den privaten und den so genannten „offiziellen“ Bereich. Zu Letzterem zählt eine kleine Votivstele, auf der das Königspaar beim Darbringen von Opfergaben an Aton dargestellt ist. Das versenkte Relief ist lediglich grob ausgeführt und weist Spuren von Bemalung auf. Die vier Namenskartuschen sind leer geblieben und waren ursprünglich vermutlich bemalt, jedoch ist nicht festzustellen, wessen Namen sie beinhalteten. Aus stilistischen Gründen darf allerdings davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Dargestellten um Echnaton und Nofretete handelt. Die Bewohner Achet-Atons stellten sich zuweilen Stelen wie diese in ihre Häuser, um ihre überzeugte Anhängerschaft zum offiziellen Glauben zu demonstrieren. Neben Beamten, welche die Religion Echnatons aus Karrieregründen nach außen trugen, gab es auch loyale Anhänger der Lehre des Königs. Sie trugen Ringe, Ketten sowie Anhänger mit dem Namen des Aton bzw. ihres Pharaos und ehrten die Triade von Achet-Aton mit Votivstelen und Hausaltären. Nach: Taschner, L.; Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 238 (Kat.-Nr. 25).
Kleine Weihetafel mit kniendem König und Kartuschen von Aton, Echnaton und Nofretete
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im 6. Regierungsjahr änderte Echnaton mehrere Bestandteile seines Namens und ließ den Gott Amun durch Aton ersetzen. Auf dem Weihetäfelchen (ÄM 2045), das von Lepsius während der Expedition gekauft wurde, erscheint der Pharao als der lebensspendende Gott Schu. In dieser Funktion erhebt er die beiden Kartuschen mit dem Namen des Gottes Aton und setzt damit die Bedeutung des Wortes Schu in eine aktive Handlung um, da das Wort neben der Bedeutung „Sonne; Licht“ auch „erheben“ heißen kann. Diese Umsetzung findet sich auch in seinem geänderten Goldhorus-Namen wieder: „Der den Namen des Aton erhebt.“ Vor und hinter dem Pharao befinden sich seine beiden Namen in Kartuschen und die Kartusche der großen Königsgemahlin Nofretete. Die Funktion des Objektes ist nicht eindeutig geklärt, doch lässt es sich am wahrscheinlichsten als Teil einer Votivgabe interpretieren. Aus: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 236 (Kat.-Nr. 24).