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Objekttyp: Relief (Stele)
Grabstele des Upuatmose, Schreiber des Königs und Vorsteher der Scheunen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die monumentale Rundbogenstele des Scheunenvorstehers Upuatmose dürfte einst in der zentralen Kultkammer seiner Grabanlage Platz gefunden haben. Die antithetisch aufgebaute Szene im oberen Bereich zeigt den Grabbesitzer in Adoration vor dem Sonnengott Re-Harachte auf der rechten Seite und vor dem Totengott Osiris auf der linken Seite. Ganz im Stil der Nachamarnazeit manifestiert sich hier das theologische Konzept der damaligen Zeit, in dem Re und Osiris als zwei sich ergänzende Hälften desselben kosmologischen Zyklus verstanden wurden. Während Re als Sonnengott die diesseitige Welt der Lebenden symbolisiert, beherrscht Osiris das jenseitige Reich der Unterwelt, in die der Verstorbene einzutreten wünscht. Die Stele diente als Markierung der zentralen Kultstelle im Grab des Verstorbenen, an der die mit dem Totenkult des Verstorbenen in Zusammenhang stehenden Handlungen vollzogen werden sollte. Aus diesem Grund richtet sich der auf der Stele notierte Text auch direkt an diejenigen, die dieses Grab betreten werden, und fordert sie auf, Gebete für die jenseitige Versorgung des Verstorbenen zu sprechen. (A. Herzberg)
Inschrift mit Erneuerung eines ursprünglich von Ptolemaios II. (146-116 v.Chr.) verhängten Asylie-Dekrets für die Synagoge von Leontopolis (?)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf der rechteckigen Marmorplatte findet sich eine ursprünglich griechische und sekundäre lateinische Inschrift. Es handelt sich um die Neusetzung der Weihinschrift einer Synagoge, wodurch dieser das Asylrecht verliehen wird. Die Originalweihung wird unter Ptolemaios Euergetes II. (146–116) datiert, während die sekundäre Inschrift, mit dem lateinischen Text, unter Kleopatra VII. und Kaisarion (47–31) eingefügt wurde. Sehr wahrscheinlich handelt es sich hierbei um die Synagoge von Leontopolis, dem heutigen Tell el-Yahudiya, nordöstlich von Kairo. Ungewöhnlich ist das Material: Marmor musste in der Regel importiert werden. (J. Helmbold-Doyé)
Oberteil einer Stele
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das abgerundete Stelenoberteil zeigt in erhabenem Relief insgesamt fünf Personen, zwischen denen sich rechteckige Felder finden, ‚Kolumnen‛, die alle ohne Inschriften blieben oder womöglich nicht mehr erhalten sind. In diesen stehen gewöhnlich die Namen, Titel sowie Epitheta der Dargestellten neben formelhaften Texten, die partiell einer Beschreibung der jeweiligen Szene gleichkommen. Stilistisch ist das Berliner Stück in die spätptolemäische Zeit einzuordnen, auch wenn das Relief im Unterschied zu anderen Stelen erhaben gearbeitet wurde. Es bleibt zu vermuten, dass die plastische Modellierung durch die ehemaligen Binnenzeichnungen betont wurde, von denen jedoch keine Farbreste nachgewiesen werden konnten. Zudem sind die kugeligen Bäuche und Brüste der weiblichen Personen kennzeichnend für diesen Zeitraum. Als Ganzes betrachtet gehört die Stele zu der Gruppe der ‚Landschenkungsstelen‛, die im oberen Bereich den Spender mit dem Opfer und den durch das Opfer bedachten Gottheiten zeigt. Sie markierten die Grenzen der Ackerflächen, die von einem König zugunsten eines Tempels gestiftet wurden. Damit gehörte das Land dem Tempel, das von diesem gewinnbringend verpachtet wurde. Auch der Aufbau der Szene auf der Berliner Stele ist repräsentativ für dieses Korpus: Die opfernde Partei steht rechts, die empfangende, göttliche Partei ist links dargestellt. Der oft schlechte Erhaltungszustand der Stelen wird auf ihren Aufstellungskontext zurückgeführt, da sie wohl in den Boden eingegraben waren. Sehr wahrscheinlich folgte unter dem Bildfeld eine glatte, unbeschriebene Fläche. Damit kann auch bei dem vorliegenden Stück der unebene, untere Rand erklärt werden, der nicht allein auf Kriegsschäden zurückzuführen ist. (Jana Helmbold-Doyé)
Grabstele der Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, vor den Göttern Horus (Falke) und Anubis (Schakal)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die wahrscheinlich in Terenuthis hergestellte Grabstele aus Kalkstein, deren Ränder teilweise abgebrochen sind, zeigt eine in Kontrapose stehende Frau in hellenistischer Gewandung, die ein Sistrum in ihrer erhobenen rechten und eine Handgirlande in der linken Hand hält. Um ihr linkes Handgelenk befindet sich noch ein herabhängendes Objekt, wohl eine Situla. Dies wurde meist als ein Teil des drapierten Gewands interpretiert. Ihr Gesicht ist teilweise zerstört. Die Frauengestalt wird von einem Ädikula-Rahmen mit flachem Segmentgiebel eingerahmt. Die Säulen sind größtenteils weggebrochen. Links von der Frau sitzt ein Schakal, der ihr zugewandt ist und auf sie blickt. Über ihm steht auf einer geschweiften Konsole ein Horus-Falke. Auf einem im rechten Bildfeld befindlichen Gegenstück war möglicherweise ein liegender Anubis-Schakal dargestellt, von dem nur noch sehr geringe Spuren erhalten sind. Darunter befindet sich der untere Teil eines ständerartigen Gebildes, dessen Form an einen Räucheraltar erinnert. Zwischen den beiden Säulen und unterhalb der Darstellungen in erhabenem Relief befinden sich sechs Zeilen griechischer Inschrift: „Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, die unvergleichliche, fromme, mutterliebende, (verstorben im Alter von) 10 Jahren, 2 Monaten und 19 Tagen. Sei guten Muts.“ Die Namensform des verstorbenen Mädchens weist darauf hin, dass sie das römische Bürgerrecht besaß. Der Gentilname Aelius legt die Vermutung nahe, dass die Stele in die nachhadrianische Zeit datiert, da von den Römischen Kaisern zuerst Hadrian diesen Namen geführt hatte. Die verstorbenen Kinder in Terenuthis wurden normalerweise auf ihren Grabstelen stehend mit erhobenen Armen gezeigt. Mit dieser Haltung soll vermutlich verdeutlicht werden, dass sie die wichtigen Lebensziele, wie zum Beispiel Familiengründung und das auf die Welt Bringen von Nachkommen, nicht erreicht hatten. Für die jung verstorbene Ailia Pompeia wurde jedoch bewusst eine andere Ikonographie ausgewählt: Die Handgirlande aus Rosenblüten war ein Rechtfertigungskranz nach überstandenem Totengericht. Das Sistrum wurde Ailia Pompeia entweder wegen des Bezugs auf den ab der Ptolemäischen Zeit in Terenuthis belegten Hathor-Tempel oder wahrscheinlicher aber wegen der Verbindung zur Göttin Isis beigegeben. Zusammen mit der Situla wurde das Sistrum als wichtiges Kultgerät der Isis betrachtet, wie es zahlreiche Darstellungen der Isis-Dienerinnen belegen. Ihr Gewand mit einer verzierten Schärpe ist auch eine der typischen Trachten für Isis-Priesterinnen in der Griechisch-Römischen Zeit. Des Weiteren sind die paarweise auftretenden Horus-Falken und Anubis-Schakale auf den Konsolen auf mehreren Terenuthis-Stelen belegt, wobei in der Regel der das Jenseits symbolisierende Anubis-Schakal links und der für das Diesseits stehende Horus-Falke rechts abgebildet sind. Ob es sich bei der Seitenumkehrung der beiden Götter auf dieser Stele sowie der Position des Räucheraltars zur Linken der Toten, der meist auf der rechten Seite abgebildet ist, um eine gewollte Abweichung oder einen kompositorischen Fehler handelt, bleibt ungeklärt. (I. Liao)
Grabstele der Melanous, liegend auf einer Kline
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf der römisch-ägyptischen Grabstele mit dem bogenförmigen oberen Abschluss ist die Verstorbene in Chiton und Mantel, die auf einer Kline – einem Speisesofa – beim Totenmahl liegt, in versenktem Relief abgebildet. Mit aufgerichtetem Oberkörper stützt sie ihren linken Arm auf zwei Kissen. In ihrer rechten Hand hält sie ein Trinkgefäß empor. Über der rechten Hand der Verstorbenen ist noch ein auf einer Konsole liegender Schakal eingraviert, wobei die Konsole nur durch eine waagerechte Linie angedeutet ist. Vor der Kline mit einer Lehne am Kopfende und gedrechselten Beinen, deren Liegefläche mit einer Matratze belegt ist, sind zwei Trinkschalen auf einem Dreifuß, eine auf einem Gestell platzierten Weinamphore mit einer langstieligen Schöpfkelle und ein Blumenstrauß dargestellt. Unterhalb der Darstellungen befinden sich drei Register. In den oberen beiden Zeilen sind der Name der Verstorbenen und ihr Todesdatum auf Griechisch geschrieben: „Melanous, (verstorben im Alter von) 21 Jahren im 6. Regierungsjahr am 25. Choiach. Sei guten Mutes!“ Mithilfe der Inschrift kann die Stele in das Jahr 300 n. Chr. datiert werden. Die Stele der Melanous wurde aus einem wiederverwendeten Gesimsblock gearbeitet, dessen Konsolenreihe auf der Rückseite noch gut erhalten ist. Die bogenförmige Umrahmung einer schwarzen Doppellinie wurde in Malerei wiedergegeben, von der heute nur geringe Reste erhalten sind. In dieser Weise sollte vielleicht eine konkave Nische angedeutet werden. Das Emporhalten eines Trinkgefäßes durch einen Toten war ein Motiv, das bereits im 6. vorchristlichen Jahrhundert belegt ist. Es zeigt die Verstorbenen beim Erbitten einer Trankspende von den Grabbesuchern. Die vor der Kline abgebildeten Gerätschaften waren die Requisiten eines Totenmahls und gehörten zum traditionellen Bestand derartiger Darstellungen. Ein weiteres, interessantes Motiv ist der auf der Konsole liegende Schakal, der den ägyptischen Totengott Anubis in Tiergestalt wiedergibt. Typologisch gesehen stammt die Stele höchstwahrscheinlich aus Terenuthis am westlichen Rand des Nildeltas. Sie wurde vermutlich in einer Nische auf der Rückwand eines Graboberbaus aus Ziegelmauerwerk, das die unbemalten Ränder bedeckte, eingelassen. (I. Liao nach: Parlasca, K., Zur Stellung der Terenuthis-Stelen – Eine Gruppe römischer Grabreliefs aus Ägypten in Berlin, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo, (1970), Bd. 26, S. 176f., 191; Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 207. )
Grabstele der Taaimais (?) und des Souairous (?)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auf einer Kline ist halbliegend, mit aufgerichtetem Oberkörper eine Frau, die eine Melonenfrisur mit auf die Schultern fallendem Haar trägt, frontal dem Betrachter zugewandt. Sie stützt ihren linken Arm auf drei Kissen am Kopfende und umarmt ein kleines Kind auf ihrem Schoss. In ihrer rechten Hand hält sie eine Schale empor, um eine Trankspende von den lebenden Familienmitgliedern zu erbitten. Über der erhobenen Hand ist ein liegender Anubis-Schakal auf einer Konsole abgebildet. Die Darstellung in erhabenem Relief war von einer Ädikula-Umrahmung, bestehend aus zwei, den Segmentgiebel tragenden Papyrussäulen und einer Art Basisplatte, eingefasst. Die Fläche zwischen den Klinebeinen ist undekoriert. Die üblichen Opfergaben könnten ehemals in Malerei wiedergegeben worden sein. Auf dem Sockelbereich des architektonischen Rahmens befindet sich eine beschädigte, griechische Inschrift in zwei Zeilen: „Taaimais (?), (verstorben im Alter von) 8 (+x) Jahren, die kinderliebe, Souairous (?); seid guten Muts!“ Die Todesalter der beiden Dargestellten sind nicht erhalten. Von den Rändern der Kalksteinplatte sind mehrere Fragmente abgebrochen. Typologisch gesehen stammte die Grabstele höchstwahrscheinlich aus dem antiken Ort Terenuthis im Westdelta. Entweder waren die beiden Verstorbenen Angehöriger derselben Familie, die zeitnah verstorben sind, oder hier wurde die bei der Geburt bzw. kurz nach der Geburt verstorbene Mutter zusammen mit dem ebenfalls verstorbenen Kind in einem Grab bestattet, weshalb sie gemeinsam auf einer Grabstele verewigt wurden. (I. Liao)
Stele des Königs Nastasen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Im Reichstempel des Amun in Napata wurden eine Reihe von Stelen gefunden, in deren Inschriften die Herrscher von Kusch über ihre Thronbesteigung, Feldzüge, Tempelbauten und Stiftungen für die Götter berichten. Bis zum Ende des 4. Jhs. v. Chr. sind sie in ägyptischer Sprache abgefaßt. Zu diesen wertvollen Denkmälern der Geschichte des Reiches gehört die Stele aus dem 8. Jahre des Königs Nastasen, die mit Sicherheit aus Napata stammt, auch wenn sie, erst im vorigen Jahrhundert verschleppt, 1853 in Neu Dongola entdeckt wurde. Die Reliefs des Giebelfeldes und die Inschriften sind ungewöhnlich sorgfältig gearbeitet, zeigen aber einen schon recht eigenwilligen „unägyptischen“ Stil. Besonders die Hieroglyphen haben oft eine seltsame Form. Wie auch auf Stelen der ägyptischen Könige häufig, ist im Giebelfeld in antithetischer Anordnung der König vor zwei Göttern opfernd dargestellt. Rechts steht er vor dem widderköpfigen Amun von Napata, links vor dem menschenköpfigen Amun von Karnak. Der König ist mit dem ägyptischen Herrscherschurz bekleidet, trägt aber die kuschitische Königskappe mit dem breiten Diadem, an dem nur ein Uräus befestigt ist. Er reicht dem Gott ein Pektoral und eine Kette aus ovalen Kugeln. Für das Reich von Kusch geradezu selbstverständlich ist der König von seiner Hauptgemahlin (in der rechten Szene) und seiner Mutter begleitet, der „Königsschwester und Königsmutter, der Herrin von Kusch, Pelcha“. Sie trägt die Königskappe mit Diadem und Uräus wie der Sohn, hält in der linken Hand das Sistrum und gießt mit der rechten aus einem Kulteimer, der Situla, Wasser vor dem Gotte aus. Sie ist eine der Kandakes der meroitischen Inschriften und der griechisch-römischen Literatur, die sie zu den eigentlichen Herrschern des Reiches machte, obwohl dies nur in Einzelfällen zutraf. Auf eine besondere historische Rolle der Pelcha scheint eine Beischrift nach dem Namen hinzudeuten: „Ihr wurde die Krone in Napata gegeben, weil ihr Vater die Kapelle der Königskappe des Re-Harachte „befestigt“ hat.“ Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 258 (Kat. 157).
Miniaturstele mit einer Weihung an Osiris-Apis
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele aus der 26. Dynastie ist eine der frühesten Zeugnisse des Kultes der heiligen Apisstiere in Memphis. Ihre Schauseite zeigt fünf Zeilen flüchtig eingeritztes Demotisch, der abgerundete undekorierte Stelenabschluss ist mittels einer Linie abgetrennt. Das Stück wurde dem Gott von einem Privatmann namens Oaphres mit dem Wunsch nach ewigem Leben gewidmet: „Osiris-Apis, er gewähre | Leben an Oaphres, | Sohn des Peteyris, im 23. | Regierungsjahr (= Amasis): Er möge dauern ewig | bis in die Unendlichkeit!“ (Jan Moje)
Grabstele des Prinzen Taktidamani mit einer Inschrift in Kursivmeroitisch
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Die Könige von Kusch und ihre Angehörigen sind unter steilwandigen Pyramiden begraben worden, an deren Ostseite Opferkapellen angebaut waren. In der in den Pyramidenkörper einschneidenden inneren Westwand der Kapellen stand die Grabstele. Im Bildfeld der Stele des Prinzen Taktidamani tritt der Verstorbene betend vor den thronenden Osiris, der von seiner Gemahlin Isis mit den geflügelten Armen schützend umfangen wird. In der rechten Hand hält die Göttin die Feder der Maat, in der linken ein Gefäß, aus dem die Wasserspende fließt. Die Würde des Prinzen ist durch den über die Schulter gelegten und über der Brust verknoteten Umhang und ein Diadem kenntlich, die rechte Hand hält die Lotosblüte und einen Palmzweig. Alte ägyptische Tradition ist die geflügelte Sonnenscheibe über der Szene. Unter dem Bilde enthalten sechs Zeilen in archaischen meroitischen Kursivzeichen die Opferformel. Sie gehört zu den Texten, die teilweise bereits verständlich sind: „O Isis, o Isis, dem Taktidamani, den Dokarora gezeugt hat, den Amaniteres geboren hat, gutes Brot möget ihr (?) gewährten (?), gutes … möget ihr …, o Isis, o Isis.“ Die meroitischen Grabstelen und die Opfertafeln, die ebenfalls mit der Opferformel beschriftet werden, enthalten häufig sehr ausführliche Angaben über die Verwandten des Toten und über seine Funktionen. Auch wenn noch längst nicht alle Titel in ihrem Bedeutungsgehalt sicher „übersetzt“ werden können, sind diese Stelen die wichtigste Quelle, die uns für die Rekonstruktion der Gesellschaftsstruktur des Reiches von Kusch bisher zur Verfügung steht. Die langen in meroitischer Sprache abgefaßten „historischen“ Steleninschriften der Könige aus den Tempeln sind noch fast völlig unverständlich.“ Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 259 (Kat. 158).
Restaurierungstele über den Bau einer Umfassungsmauer um den Tempel von Heliopolis, mit der Darstellung des opfernden Königs vor Re-Harachte
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele weist einen rechteckigen Körper mit rundbogenförmigem Abschluss auf. Das Giebelfeld ist durch die bogenförmig verlaufende Himmelshieroglyphe eingerahmt. Darunter befindet sich eine geflügelte Sonnenscheibe als symbolischer Verweis auf den Sonnengott sowie als ikonographischer Bezug zum ägyptischen Königtum. Das obere Bildfeld umfasst eine Verehrungsszene, die König Thutmosis III., bekleidet mit einem kurzen Schurz und der oberägyptischen Krone, bei der Darbringung eines Opfers für den auf der rechten Seite positionierten, falkenköpfigen Sonnengott Re-Harachte zeigt. Die Opferspende besteht aus einem Tablett mit vier Nemset-Krügen, die im Kultgeschehen zum Ausgießen von Wasser verwendet wurden. Der darunter befindliche Text beginnt mit einer Datumsangabe, durch welche dokumentiert ist, dass die Stele in das 47. Regierungsjahr des Königs datiert. Darunter folgt eine Aufzählung von königlichen Bauarbeiten am Tempelbezirk von Heliopolis, insbesondere der Errichtung der Tempelumfassungsmauer. Das untere Ende der Stele ist abgebrochen, sodass nur die ersten vier Textzeilen erhalten geblieben sind. (A. Herzberg)
Stele des Amenemhet mit der Darstellung Thutmosis III. vor dem Gott Amun-Re
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Den oberen Abschluss der Rundbogenstele bildet eine mit zwei Uräen behangene geflügelte Sonnenscheibe. Darunter findet sich eine Verehrungsszene, in der König Thutmosis III. dem auf der rechten Bildseite dargestellten Sonnengott Amun-Re, Herrn von Karnak, ein Trankopfer in Form von zwei Weingefäßen darbringt. Während Amun-Re die Doppelfederkrone trägt, ist der König mit der blauen Chepesch-Krone bekleidet. Zwischen den beiden befindet sich ein niedriger Tisch, auf dem verschiedene Opfergaben liegen. Trotz der prominenten Darstellung des Königs handelt es sich nicht um ein offizielles, vom König in Auftrag gegebenes Denkmal. Stattdessen wurde die Stele durch einen hochrangigen Beamten namens Amenemhet, der in dem dreizeiligen Text im unteren Bereich der Stele genannt ist, zu Ehren des Götter- und Königskults gestiftet. Amenemhet war als Bürgermeister einer Domäne tätig, die von König Thutmosis I. in der memphitischen Region eingerichtet worden war. Die daraus erwirtschafteten landwirtschaftlichen Erträge gehörten dem Königshaus. (A. Herzberg)
Grabstele des Rij
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das Hauptfeld dieser hochrechteckigen Stele ist von einer plastisch hervorgehobenen oberen und seitlichen Rahmung mit jeweils einer Inschriftenzeile umgeben und weist damit die äußere Form eines Naos auf. Das obere Bildfeld zeigt den Steleninhaber Rij zusammen mit seiner Gattin Maia in Anbetung vor den Totengöttern Osiris, Isis und Nephthys. Im mittleren Register treten die beiden selbst als Opferempfänger vor einen mit Opferbroten gedeckten Tisch in Erscheinung. Die diesem Bild zugehörigen Inschriften beinhalten Opferformeln, in denen Rij sich verschiedene Gnaden, wie die Zuweisung von Opfergaben und -handlungen von verschiedenen Göttern erbittet. Aufgrund der Nennung des memphitischen Nekropolengottes Ptah-Sokar-Osiris ist anzunehmen, dass die Stele ursprünglich aus Rijs Grab in Sakkara stammt. Vergleichbare Beispiele zeigen, dass derartige Denkmäler an der Westwand der Kultkapelle memphitischer Kapellengräber aufgestellt waren und damit die zentrale Kultstelle der Anlage bildeten. Hier konnten die Hinterbliebenen verschiedene Kulthandlungen zugunsten des Verstorbenen praktizieren, um auf diese Weise seine jenseitige Versorgung sicherzustellen. (A. Herzberg)
Stele eines Unbekannten vor einem Opfertisch mit Fischen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
"Die ehemals bemalte Holzstele zeigt im oberen Feld das Sonnenschiff mit der falkenköpfigen Gestalt des "Horus im Horizont" in der großen Sonnenscheibe. Darüber die Beischrift: "Re-Harachte, der große Gott, der Gnädige", ergänzend ist nachträglich links hinzugefügt worden: "Amon-Re, Herr der Throne der beiden Länder, herrschend in Karnak, der große Gott, der Beliebte", vermutlich als zeitgemäßes Bekenntnis zum wiederhergestellten Amon-Glauben nach Echnaton. Damit wäre die Stele noch in das Ende der 18. Dynastie zu datieren, etwas früher also als die meisten Denksteine mit Darstellungen des Sonnenschiffes aus Der el-Medine. Etwa in der Mitte der Stelenfläche ist als Illustration zu dem darunterstehenden Text ein großer fliegender Skarabäus dargestellt. Der Lobpreis des rechts knienden Stifters richtet sich nämlich nicht an Re als solchen, sondern an die Vielfalt seiner Erscheinungsformen, die in Ägyptisch "cheperu" heißen, was in der Hieroglyphenschrift mit dem Bild des heiligen Käfers Cheper wiedergegeben wird und mit dessen Selbstschöpfungssymbolik zusammenhängt. Eine in den Königsgräbern des Neuen Reiches oft vorkommende Litanei zählt 75 solcher "Verwandlungen" des Sonnengottes auf, davon ist eine seiner geheimsten Gestalten die eines Nilfisches der Spezies Mormyros (Hyperopsius Bebe), den man auf dieser Stele links in siebenfacher Ausführung über einem Torgebäude wiedergegeben sieht. Diese Darstellung scheint in der religiösen Ikonographie einzigartig zu sein. Leider ist von dem sicher ebenso außergewöhnlichen Text auf der Rückseite der Stele so gut wie nichts erhalten. Von dem Stifter läßt sich der Name nicht mehr ermitteln, dafür aber sein Amt: als "Diener an der Stätte der Wahrheit" gehörte er der im Königsgräbertal tätigen Handwerker- und Künstlergilde an." Aus: W. Kaiser, Ägyptisches Museum Berlin. Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg (Berlin 1967) S. 77, Nr. 807.
Stele des Amenemopet vor dem Gott Amun-Re in verschiedenen Erscheinungsformen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Steleninhaber kniet opfernd vor dem thronenden menschengestaltigen Gott Amun-Re mit hoher Doppelfederkrone, das Leben spendende Anch-Zeichen und das Glück verheißende Was-Zepter in den Händen. Gans und Widder verweisen auf die tierischen Erscheinungsformen dieses Gottes, der seit dem Neuen Reich als oberster Gott in Ägypten verehrt wurde. Die Inschrift berichtet, dass der königliche Sandalenmacher des Osiris, Amenemopet, diese Stele für „den großen Gott Amun-Re, den Herrn der beiden Länder, den Herrn des Himmels und kraftvollen Löwen“ hat anfertigen lassen.
Relieffragment mit Darstellung der Königin Teje von der Stele Amenophis III. bei den Memnonkolossen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das Relieffragment zeigt die Gemahlin Amenophis III., die als Zeichen ihrer Würde die Geierhaube mit zwei aufgesteckten hohen Federn trägt. An der Haube befestigt ist das Symbol der oberägyptischen Kronengöttin, der Kopf eines Geiers, sowie die die Krone Oberägyptens tragende Königsschlange, der Uräus. Das Fragment war Teil des Giebelfeldes einer Stele. Die Szene zeigt das Königspaar beim Opfer, wobei Teje hinter ihrem Gemahl steht. Teje stammte aus einer "bürgerlichen" Familie von Provinzbeamten. Sie war während der gesamten regierungszeit Amenophis' III. dessen Hauptkönigin. Ihre besondere Bedeutung wird u.a. aus den bildlichen Darstellungen ersichtlich, in denen sie die Königsmutter als wichtigste Frau bei Hofe ablöste. Sie nimmt eine fast gleichberechtigte Stellung neben dem König ein, was sich z.B. bei öffentlichen Auftritten und in der Korrespondenz mit fremden Herrschern zeigt, ohne jedoch ihre nichtkönigliche Herkunft zu verschweigen. (K. Finneiser)
Stele mit Darstellung eines syrischen Söldners beim Biertrinken
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der kleine Gedenkstein eines Soldaten namens Terura und seiner Frau Arbura stammt vermutlich aus Amarna, dem antiken Achet-Aton. Die geringe Größe sowie die schlichte Rahmung des Gedenksteins in Form eines Türdurchgangs mit oberem Hohlkehlen-Abschluss sowie die gänzlich profane Darstellung einer häuslichen Szene schließen eine Verwendung als Grabstele aus und verweisen auf eine Aufstellung im häuslichen Bereich. Da ähnlich kleinformatige Stelen insbesondere aus Amarna, der Residenzstadt des Königs Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete, bekannt sind und im familiären Ahnenkult eine Rolle spielten, dürfte die Herkunft als relativ gesichert gelten. Die außergewöhnliche Darstellung eines sitzenden, syrischen Soldaten, der sich vollkommen entspannt mithilfe eines Trinkrohrs am Wein labt, hat die kleine Stele schon vor langer Zeit zu einem besonders beliebten und viel beachteten Objekt werden lassen. Allerdings ist die häufig zu lesende Bezeichnung „Bier trinkend“ irreführend, da es sich bei dem mit einer Blumengirlande geschmückten Gefäß, das in einem hohen Gefäßständer steht, eindeutig um eine Weinamphore handelt. Geknickte Trinkrohre dieser Art sind aus dem vorderasiatischen Raum bekannt und waren auch in Ägypten verbreitet. Funde belegen, dass sie häufig aus Blei gefertigt waren. Terura ist aufgrund seiner Tracht eindeutig als Syrer gekennzeichnet, wozu neben dem mit einem Stirnband gebändigten, vollen Haar und dem charakteristischen Vollbart auch der bunte, quastenbesetzte Schurz gehört. Besonders signifikant und leicht überzeichnet sind auch die Gesichtszüge mit der gewölbten Stirn, den hervortretenden Wangenknochen und der kleinen gebogenen Nase. Sowohl der Dolch in seinem Gürtel als auch die senkrecht aufgesteckte Lanze hinter dem Stuhl kennzeichnen ihn als Soldaten. Syrische Söldner waren im Neuen Reich in beträchtlicher Zahl in die ägyptischen Truppen integriert. Teruras Frau trägt zwar ebenfalls einen ausländischen Namen, ist aber vollkommen wie eine ägyptische Dame mit langem, fließendem Leinengewand bekleidet und mit typischer Haartracht dargestellt. Da alle Personen und auch die Weinamphore mit einem Blütenkranz bzw. mit Halskrägen geschmückt sind, darf man das Ensemble in einen festlichen Kontext einbetten, was auch gut zur intendierten Ahnenverehrung passt, die insbesondere an Festen praktiziert wurde. (F. Seyfried)
Kleine Weihetafel mit kniendem König und Kartuschen von Aton, Echnaton und Nofretete
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im 6. Regierungsjahr änderte Echnaton mehrere Bestandteile seines Namens und ließ den Gott Amun durch Aton ersetzen. Auf dem Weihetäfelchen (ÄM 2045), das von Lepsius während der Expedition gekauft wurde, erscheint der Pharao als der lebensspendende Gott Schu. In dieser Funktion erhebt er die beiden Kartuschen mit dem Namen des Gottes Aton und setzt damit die Bedeutung des Wortes Schu in eine aktive Handlung um, da das Wort neben der Bedeutung „Sonne; Licht“ auch „erheben“ heißen kann. Diese Umsetzung findet sich auch in seinem geänderten Goldhorus-Namen wieder: „Der den Namen des Aton erhebt.“ Vor und hinter dem Pharao befinden sich seine beiden Namen in Kartuschen und die Kartusche der großen Königsgemahlin Nofretete. Die Funktion des Objektes ist nicht eindeutig geklärt, doch lässt es sich am wahrscheinlichsten als Teil einer Votivgabe interpretieren. Aus: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 236 (Kat.-Nr. 24).
Unfertige Stele mit der Darstellung von Echnaton und Nofretete vor einem Opfertisch
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die persönliche Frömmigkeit der Bewohner Achet-Atons verteilte sich auf den privaten und den so genannten „offiziellen“ Bereich. Zu Letzterem zählt eine kleine Votivstele, auf der das Königspaar beim Darbringen von Opfergaben an Aton dargestellt ist. Das versenkte Relief ist lediglich grob ausgeführt und weist Spuren von Bemalung auf. Die vier Namenskartuschen sind leer geblieben und waren ursprünglich vermutlich bemalt, jedoch ist nicht festzustellen, wessen Namen sie beinhalteten. Aus stilistischen Gründen darf allerdings davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Dargestellten um Echnaton und Nofretete handelt. Die Bewohner Achet-Atons stellten sich zuweilen Stelen wie diese in ihre Häuser, um ihre überzeugte Anhängerschaft zum offiziellen Glauben zu demonstrieren. Neben Beamten, welche die Religion Echnatons aus Karrieregründen nach außen trugen, gab es auch loyale Anhänger der Lehre des Königs. Sie trugen Ringe, Ketten sowie Anhänger mit dem Namen des Aton bzw. ihres Pharaos und ehrten die Triade von Achet-Aton mit Votivstelen und Hausaltären. Nach: Taschner, L.; Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 238 (Kat.-Nr. 25).
Hausaltar: Echnaton, Nofretete und drei ihrer Töchter unter dem Strahlenaton
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Diese Reliefplatte ist das Altarbild eines Schreins und hat sich nur noch in diesem Stück in Vollständigkeit erhalten. Sie zeigen das königliche Paar in vertrautem Beisammensein mit seinen Kindern und darüber die Erscheinungsform, in der Echnaton den Gott Aton gesehen hat und darstellen ließ: als Sonnenscheibe mit einer Vielzahl von Strahlenarmen, die zur Erde gerichtet sind und "Lebenszeichen" reichen. Standen sich früher König und Gott auf gleicher Ebene gegenüber, so ist Aton nun in der hoch an den Himmel gesetzten Sonnenscheibe sichtbar. Stellvertretend für die Menschheit ist das Königspaar Echnaton und Nofretete mit seinen Töchtern dargestellt, was auf jene Rolle als Mittler zwischen Mensch und Gott hinweist. Die Darstellung zeigt eine intime, zärtliche Familienszene des Herrscherpaares zusammen mit den kindlichen Prinzessinnen.
Stele der Ubech(et)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stifterin dieser Stele, Ubechet, wird im unteren Bereich mit erhobenen Händen wiedergegeben, wie sie die thebanische Schlangengöttin Meretseger anbetet, deren Namen wörtlich „die das Schweigen liebt“ bedeutet. Als „Herrscherin des Westens“, die im oberen Bereich der Stele als Schlange dargestellt ist, beschützt sie fürsorglich die Verstorbenen im Westgebirge. In der Inschrift wird beschrieben, wie Meretseger Lobpreis entgegengebracht wird, damit sie Ubechet Leben, Gesundheit und Wohlergehen im Jenseits schenken möge.
Unfertiges Relief mit Darstellung zweier königlicher Personen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das unfertige Relief eines unbekannten Bildhauers wurde am 11. Dezember 1911 in einem kleinen Haus Achet-Atons aufgefunden. Es zeigt auf der linken Seite einen sitzenden Pharao, der einen Becher auf Mundhöhe hält. Ihm wird mit Hilfe eines kleinen Gefäßes Wasser oder Wein von einer anderen königlichen Person eingeschenkt. Der Status beider Figuren ist an den Uräen, welche sich am jeweiligen Kronenansatz befinden, zu erkennen. Über dem Paar ist die Sonnenscheibe, von der zwei angedeutete Strahlen abgehen, dargestellt. Das erhaben herausgearbeitete Relief zeigt lediglich die Umrisslinien der Personen. Es handelt sich bei dem Objekt um eine Stele im Rohzustand, welche sich noch mitten in der Fertigung befand. Vorzeichnungen mit schwarzer Tinte waren laut Inventarbuch direkt nach der Auffindung noch vorhanden, sie sind heutzutage jedoch nicht mehr erkennbar. Seit vielen Jahren gibt es Kontroversen über die Identität der dargestellten Personen. Der auf der linken Bildseite thronende König kann eindeutig als männliche Person identifiziert werden, während das Geschlecht der ihm gegenüberstehenden Person nicht klar zu bestimmen ist. Die füllige Brust und weite Hüften sprechen für eine Frau, jedoch sind diese Merkmale ebenfalls bei männlichen Personen der Amarnazeit zu beobachten. Des Weiteren sprechen der kurze, nicht ausgearbeitete, aber wohl nur knielange Schurz sowie die blaue Chepresch-Krone für eine männliche Person. Borchardt nahm an, dass das Relief ursprünglich aus der Bildhauerwerkstatt O 49.14 stammte und dann in das Haus O 49.12 verschleppt wurde. Er begründet seine Vermutung allerdings nicht. Der Zweck des Objektes könnte nach der Vollendung die Verwendung als Hausaltar gewesen sein. Aus: Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 412 (Kat.-Nr. 200).
Grenzstele des Königs Sesostris III.
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Unter der Leitung von Carl Richard Lepsius gelangte die Königlich Preußische Expedition am 17. Juli 1844 zur Festung Semna. Diese Festung ist eine von Vieren, die, an einer strategischen Stelle am Nil gelegen, mit den Festungen Kumma, Semna-Süd und Uronarti in der 12. Dynastie die südliche Grenze Ägyptens markierte. Wie die anderen Fundstücke der Königliche Preußischen Expedition kam auch diese Stele als ein offizielles Geschenk des ägyptischen Vizekönigs Mohamed Ali mit nach Berlin. Das Expeditionsteam hat 1844 in zehn Tagen die Festungsruinen mit ihren kleinen Tempeln und Felsinschriften dokumentiert. In seinem Expeditionstagebuch berichtet Lepsius, wie die Stele durch Feuer gesprengt worden war, um sie so transportfähig zu machen. Auch ein weiterer Expeditionsteilnehmer Georg Erbkam berichtete in seinem "Tagebuch meiner Ägyptischen Reise" von den Schwierigkeiten beim Verladen der schweren Stele, Arbeitsunfällen der Arbeiter und einem Sandsturm. Zunächst kam nur das untere Stelenfragment nach Berlin, welches durch einen Gipsabguss ergänzt wurde, denn der obere Teil war in einer Kiste in Semna vergessen worden. 1886 fand der holländische Kunsthändler Jan H. Insinger diese Kiste noch vor Ort in Semna. Sie wurde zunächst ins Ägyptische Museum Kairo verbracht und 1899 nach Berlin, wo sie wieder mit dem unteren Teil zusammengefügt werden konnte. Die große Stele aus Semna wurde von Pharao Sesostris III. in dessen 16. Regierungsjahr (ca. 1860 v. Chr.) in der Festung von Semna, 60 km oberhalb des zweiten Nilkataraktes, aufgestellt. Auf Grund ihrer Inschrift kann diese als Grenz- und Siegesstele bezeichnet werden. Das Giebelfeld der Stele ist oben mit der Himmelshieroglyphe „pet“ bogenförmig umrandet. Darunter befinden sich die geflügelte Sonnenscheibe des Gottes Horus mit dem achsensymmetrisch gespiegelten Namen seines oberägyptischen Hauptkultortes Edfu hinter jeweils einem Uräus mit Schen-Ring um den Hals. Die Beischrift lautet jeweils: "Der von Behedet". Im unteren Teil des Giebelfeldes sind zwei Schriftzeilen mit der fünfteiligen Königstitulatur angebracht. Darunter befinden sich 19 waagerechte Textzeilen, die jeweils durch waagerechte Striche voneinander getrennt sind. Der Text ist in klassischem Mittelägyptisch in formvollendete Hieroglyphen in versunkenem Relief in den Stein gemeißelt worden. Die Art und Weise der Bearbeitungsspuren auf den Seitenflächen der Stele lassen vermuten, dass sie in eine Mauer eingelassen gewesen war. Unter der Fünfteiligen Königstitulatur nennt die Inschrift zunächst das Datum: Regierungsjahr 16, 3. Monat der Peret-Jahreszeit (Frühjahr), die Errichtung der Grenze bei Heh (Semna) durch seine Majestät, und hebt dann die charakterlichen Handlungsweisen des Königs hervor: Einer, der zupackt, Dinge vermehrt, Milde gegen den Geringen walten lässt, aber Härte gegen den Feind. Außerdem sei er einer, der sich intelligent artikulieren könne und sich nicht von seinen Grenzen vertreiben lasse. Die Nubier werden als verachtungswürdige Leute, „Elende mit zerbrochenem Herzen“, beschrieben, gefolgt von erfolgreichen Raub- und Beutezügen Sesostris' III. Der Wahrheitsgehalt des Stelentextes wird nochmals hervorgehoben und Sesostris III. fordert seine Nachfolger eindringlich auf, die Grenzen zu respektieren. (J. Helmbold-Doyé)
Stele des königlichen Sandalenmachers Ripa
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
"Der schlichte, oben abgerundete Denkstein zeigt den königlichen Sandalenmacher Ripa, gefolgt von seinem Sohn Pabau, in anbetender Gebärde vor dem Jenseitsherrscher Osiris, dem der schakalköpfige Totengott Anubis schützend zur Seite steht. Die überlangen, schmalen Gestalten verraten einen Stil, der sich aus den schematisch skizzierten Papyrusvignetten entwickelt haben dürfte. Die Erwähnung von "Amon-Re, zu Gast im Wüstentale" im Text des Opfergebets weist offenbar auf die Herkunft des Grabsteines hin: den felsigen Talkessel von Der el-Bahari auf der Westseite Thebens, ein besonders heiliges Gebiet der Totenstadt, zu dem alljährlich Amon von Karnak in feierlicher Prozession über den Nil herüberkam." Aus: W. Kaiser, Ägyptisches Museum Berlin. Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg (Berlin 1967) S. 78-79 (Kat. 811a).
Stele des Wen-nechu
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele des Wen-nechu gliedert sich in zwei Register. Das obere Bildfeld wird von der Darstellung zweier thronender Götter bestimmt. Links befindet sich Amun-Re mit der Doppelfederkrone und rechts Re-Harachte, der falkenköpfige Sonnengott. Beide sitzen sich gegenüber und halten jeweils ein machtsymbolisierendes Was-Zepter in der Hand. Der Stifter des Denksteines ist im unteren Register in betender Haltung zu sehen. Die Inschrift beinhaltet ein Gebet mit der Bitte an die oben dargestellten Gottheiten um „Leben und Wohlergehen“ sowie dem Wunsch nach einem „schönen Begräbnis“ im „großen Westen von Theben“. Zwischen den erhobenen Händen Wen-nechus steht in der senkrechten Kolumne außerdem sein Titel „Diener an der Stätte der Wahrheit“. Damit kann eine sichere Aussage über die Herkunft der Stele getroffen werden: Sie stammt aus dem Ort, der heute Deir el-Medine genannt wird. In dieser planmäßig angelegten Arbeitersiedlung in Theben-West lebten seit Beginn des Neuen Reiches Handwerker und Künstler mit ihren Familien. Sie waren mit dem Bau und der Dekoration der Königsgräber im Tal der Könige beauftragt. Die Arbeiter legten ihre eigenen Gräber in unmittelbarer Nähe zur Stadt an, die eine bemerkenswerte Ausschmückung aufweisen. Aufgrund ihres Berufes stellten sie zum Teil auch ihre eigenen Stelen her, die entweder im Grabbereich oder als Votivstelen im Tempel ihre Aufstellung fanden. Die Darstellung der Gottheiten im oberen Bildfeld spricht zunächst für eine Platzierung im Tempelbezirk. Doch die direkt formulierte Bitte an die Götter ist ein Zeichen persönlicher Frömmigkeit. Damit besteht die Möglichkeit, dass das Objekt aus dem Grabbezirk des Wen-nechu stammt und dort im Hof oder in einer Nische der Kapelle aufgestellt war. (M. Jung)
Grabstein des Asklepiades
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser Kalkstein kam 1892 als Geschenk von Rudolf Mosse in die Sammlung des Berliner Ägyptischen Museums. Erworben hatte diesen aus Tell el-Mugdam stammenden Stein ursprünglich Karl Heinrich Brugsch in Ägypten. Auf seiner nahezu quadratischen Vorderseite enthält er eine bis auf einige Beschädigungen in den ersten zwei Zeilen recht gut erhaltene, griechische Inschrift in 6 Zeilen mit ca. 4,5 cm hohen, aber recht schmalen und tief eingemeißelten Buchstaben, deren Form eine Datierung in die römische Zeit nahelegt. Die Inschrift ist eine Grabinschrift des Asklepiades, des Sohnes des Chairemon, der 66 Jahre alt wurde. Von dieser aus anderen antiken Quellen nicht weiter bekannten Person wird zudem berichtet, dass es sich um einen ehemaligen ‚Gymnasiarchen‛ und ‚Exegeten‛ gehandelt hat. Es ist anzunehmen, dass Asklepiades diese beiden hohen und prestigeträchtigen liturgischen Ämter der städtischen Verwaltung in Leontopolis, dem antiken Namen des Fundorts Tell el-Mugdam, bekleidet hat, und zwar zunächst das Amt des ‚Exegeten‛ und danach das nächste städtische Amt des ‚Gymnasiarchen‛, da diese wie üblich in absteigender Reihenfolge ihrer Bedeutung angegeben sind. (Marius Gerhardt)
Stiftungsurkunde in Gestalt einer Stele mit Spitzgiebel
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser Granitstein kam 1892 als Geschenk von Rudolf Mosse in das Berliner Ägyptische Museum. Er wurde von Heinrich Brugsch von den Beduinen Ali und Farag gekauft und stammt aus Soknopaiu Nesos im Arsinoites. Der Stein hat die Form einer Stele mit Spitzgiebel. Auf seiner Frontseite befindet sich eine vollständig erhaltene Inschrift von 20 Zeilen. Die zierlichen und nur ca. 1,1 cm hohen Buchstaben sind dabei nur leicht eingeritzt. Die Inschrift lässt sich aufgrund des in ihr angegebenen 18. Regierungsjahres des Ptolemaios Alexander in das Jahr 97/96 v. Chr. datieren. Es handelt sich um die Stiftungsurkunde eines Apollonios. Von diesem wird nicht nur berichtet, dass er der Sohn eines Ischyrion war. Darüber hinaus erfahren wir, dass er Schreiber eines Pantaleon war, von dem wiederum gesagt wird, dass er den Rang eines ὁμότιμος τοῖς συγγενέσι innehatte, eines der höheren Ränge im ptolemäischen Reich und für die Naturalsteuer des Herakleides-Bezirks des Arsinoites zuständig war. Apollonios stiftet nun in seinem Namen und im Namen seiner Untergebenen eine jährliche und auch in der Zukunft zu erfüllende Weihgabe von 182 ½ Artaben Weizen an die Götter Soknopaios und Nepherses. Die Stiftung soll am ersten Tag des nächsten Jahres mit einer Lieferung in die Tempelbäckerei beginnen. Für die Versorgung der Priester wird mit dieser Stiftungsinschrift somit täglich ½ Artabe (= ca. 19,6 l) Weizen versprochen. (Marius Gerhardt)
Stele des Vorstehers der Wüsten, Kai
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Stele des Kai ist zweigeteilt. Im oberen Bildfeld sind Inschriften im versenkten Relief angebracht, während im unteren Bereich die Darstellungen im erhabenen Relief ausgearbeitet sind. Kai, der den Titel eines Polizeivorstehers der westlichen Wüsten trägt, ist im unteren Bildfeld in Begleitung einer weiblichen Familienangehörigen in schreitender Haltung dargestellt. Er trägt eine kugelige Lockenperücke, einen kurzen Schurz mit Vorbau sowie um den Hals einen Halskragen und zwei Armreifen an den Handgelenken. In seinen Händen hält Kai Bogen und Pfeile, die auf seine Karriere im militärischen Bereich hinweisen. Hinter seinen Beinen sind zwei namentlich genannte Jagdhunde dargestellt, die ihren Herrn begleiten. Vor ihm in Augenhöhe sind zudem vier Steingefäße für Parfüm oder Öl zu sehen. Die Frau im langen, eng anliegenden Kleid, die entweder seine Gemahlin oder seine Mutter Beschet darstellt, steht hinter Kai und legt ihren linken Arm unterstützend um seine Schulter. Sie trägt zudem eine Perücke mit geflochtenen Strähnen. In ihrer rechten Hand hält sie eine Lotusblüte. Des Weiteren kauern unterhalb der Standlinie noch drei weitere Jagdhunde, die ebenfalls mit Namen gekennzeichnet sind. Interessanterweise sind die dargestellten Personen nicht mit ihren Namen versehen, während die Namen der Jagdhunde angegeben sind. In der achtzeiligen Inschrift präsentiert Kai, der als Polizeivorsteher der westlichen Wüste amtierte, sich selbst als einen starken Kämpfer und vortrefflichen Anführer des Heeres. Ikonographisch ließ er sich ebenfalls mit entsprechenden Attributen, mit Bogen und Pfeilen sowie fünf Jagdhunden darstellen, um seinen Beruf im militärischen Umfeld sowohl schriftlich als auch darstellerisch zum Ausdruck zu bringen. Auch wenn diese Stelle im funerären Kontext zu verorten ist, geht es bei der ikonographischen Gestaltung der Stele in erster Linie um die Selbstdarstellung des Kai als vom König gelobter, siegreicher Würdenträger Ägyptens. Darüber hinaus berichtet Kai in der Inschrift über einen Auszug in die westliche Oase, vermutlich die Oase Dachla, um die Sicherheit der Wüstenwege zu wahren. Westlich von Kamula, dem angeblichen Fundort der Stele, kann auch eine antike Wüstenroute vom Niltal in die Oasen Dachla und Charga archäologisch belegt werden. Aus stilistischen und paläographischen Gründen ist die Stele des Kai in die frühe 12. Dynastie, möglicherweise in der Regierungszeit Sesostris‘ I., zu datieren. (I. Liao)
Grabstele mit einer Aufbahrungsszene (Prothesis) eines Verstorbenen auf einer Kline
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Entdeckung dieser Grabstele ereignete sich unter Ludwig Borchardt, der die Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft im Totentempel des Sahure bei Abusir zwischen 1907 und 1908 leitete. Ihr zunächst auffälligstes Charakteristikum ist die für ägyptische Stelen ungewohnt gräzisierende Form. Die bildliche Darstellung beinhaltet fünf menschliche Gestalten, wovon eine Person ein im Zentrum aufgebahrter Verstorbener ist, der in einem bis zu den Knöcheln reichendem Chiton bekleidet ist. Als Bahre fungiert eine Art Kline, deren Kopfende durch ein Volutenkapitell verziert ist. Möglicherweise sind auf der Schulter des Toten herabfallende Lockensträhnen zu erkennen, was sich jedoch anhand des unzureichenden Erhaltungszustandes nicht gänzlich aussagen lässt. Am Kopfende ist eine Frau in linker Profilansicht erkennbar, wie auch eine andere Frau in rechter Profilansicht hinter der Kline. Sowohl anhand ihrer Kleidung, wie auch durch die Formgebung ihrer Brust, sind sie als solche zu identifizieren. Den Frauen scheint darüber hinaus gelöstes, herabfallendes Haar gemein zu sein. Die Frau am rechtsgelegenen Kopfende legt erkennbar ihre linke Hand an den Kopf des Verstorbenen, während ihre rechte Hand als Klagegestus ihrem eigenen Kopf zugewandt erhoben scheint. Es kann sich aber hierbei auch um ein Messer handeln, dass zum Kopf geführt wird. Dies wird als Hinweis auf die von Herodot überlieferte karische Trauersitte gedeutet sich mit einem Messer in die Stirn zu schneiden. Auch die hinter dem Toten stehende Frau erhebt ihre linke Hand zum Klagegestus, während sich ihre rechte Hand dem Toten zuneigt. Im Gegensatz zu der aufrecht stehenden Frau am Kopfende, ist die Haltung der anderen Frau leicht zum Toten gebeugt. Links von Letzterer steht auch in leicht gebeugter, dem Toten zugeneigt Haltung ein kurzhaariger Mann mit einem Spitzbart, der scheinbar einen Wedel zur Vertreibung von Fliegen in seiner rechten Hand bewegt. Dieser ist mit einem kurzen Chiton und hohen, bis zu den Waden reichenden Stiefeln bekleidet, was anhand seiner vor der Bahre hervorragenden Beine ersichtlich ist; auch die Beine der Frau vor ihm sind unterhalb der Bahre deutlich sichtbar. Am Fußende steht in rechter Profilansicht ein weiterer Mann in aufrechtstehender Haltung, dessen rechter erkennbarer Arm den bereits beschriebenen Klagegestus ausführt. Er ist mit einem langen Chiton bekleidet, der bis zu den Knöcheln reicht. Die gesamte Darstellung wird von einer geflügelten Sonnescheibe bekrönt, die als offensichtlichstes ägyptisches Element auffällt. Rechts entlang des szenischen Geschehens ist eine karische, vertikal und linksläufig verlaufende, Inschrift zu erkennen, die aufgrund des Erhaltungszustandes nicht mehr zweifelsfrei entziffert werden kann. Während eine genaue Datierung der Stele zwar nicht möglich erscheint, ist eine grobe Einordnung in das 6. Jh. v. Chr. naheliegend. In diesem Kontext illustriert sie anschaulich eine Phase der kulturellen Vermischung und des religiösen Synkretismus, in der althergebrachte indigen-ägyptische Vorstellungen mit griechischen Elementen zu einer neuen Einheit erhoben wurden. Der Rückgriff der griechischen Oberschicht auf ägyptische Symbolik und Formensprache verleiht ihr die nötige Legitimation und Autorität, um das von ihr beanspruchte pharaonische Erbe antreten zu können. (Alberto Alfredo Winterberg / Jana Helmbold-Doyé)