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Objekttyp: Reliefgruppe
Besuch Marias bei Elisabeth (Heimsuchung)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Reliefgruppe stellt den Besuch von Maria bei Elisabeth, der künftigen Mutter Johannes’ des Täufers, dar. Beide Frauen sind schwanger. Sie stehen sich gegenüber, die Gesichter fast im Dreiviertelprofil gegeben. Die aufrecht verharrende Mariengestalt wirkt ausgesprochen elegant, selbstsicher in der Erscheinung. In der Haltung von Elisabeth drücken sich Begrüßen und Erkennen des Geheimnisses aus, das Maria umgibt. Die Gruppe, von einem herausragenden, jedoch namentlich noch nicht identifizierten Künstler geschnitzt, stammt wahrscheinlich aus der Predella des Annen-Retabels der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Schwaz in Tirol, eines der Zentren des Kupfer- und Silberbergbaus. Erkennbar sind Einflüsse des Veit Stoss, der für den nördlichen Bürgerchor der Schwazer Pfarrkirche ein großes Flügelretabel geschaffen hatte.
Minneszene (Luxuria)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Gruppe ist eine besonders geschickte Fälschung, für die ein im späten Mittelalter gefällter und sehr wahrscheinlich als Deckenbalken verwendeter Eichenstamm mit Altersspuren und Schadbefall verwendet wurde. Im Mittelalter sind Darstellungen der Luxuria (Unzucht) in zahlreichen Spielarten verbreitet, als Einzel wie als Paar- und Gruppendarstellung, mit Tier- oder menschlichen Figuren. Auch die Beteiligung von Geistlichen war nicht unüblich. Solche Bilder beschränkten sich jedoch auf kleinere Formate oder untergeordnete Funktionsbereiche. Im frühen 14. Jahrhundert – in der Zeit also, auf die sich die Fälschung bezieht – wären etwa Miserikordien an der Unterseite der Klappsitze eines Chorgestühls, Ränder in Lehrbüchern und vor allem Wandmalereien in weltlichem Kontext für solche Szenen infrage gekommen. Die Monumentalisierung der Flirtszene zwischen einer verheirateten Frau und einem Mönch entspricht jedoch zweifellos einer Vorstellung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Heilige Sippe
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im Zentrum des Reliefs sind Maria, ihre Mutter Anna und das Jesuskind dargestellt. Über ihnen stehen die drei Ehemänner Annas. Rechts und links oben sind die Töchter aus der zweiten und dritten Ehe Annas mit ihren Ehemännern abgebildet. Darüber hinaus sind rechts Johannes der Täufer mit seiner Mutter Elisabeth und links Emelia und ihr Kind, der Heilige Servatius, sowie die Enkelkinder Annas zu sehen. Darstellungen der Heiligen Sippe sind aus dem genealogischen Interesse des Spätmittelalters heraus entstanden. Durch die Jungfrauengeburt war der Stammbaum Marias für Christus von entscheidender Bedeutung. Da die Matthäus- und Lukas-Evangelien jedoch nur den Stammbaum des Nährvaters Joseph wiedergaben, bildeten sich um die Abstammung Marias zahlreiche Legenden.
Marienkrönung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Christentum glaubt, dass Gott ein einziges Wesen ist, das aber in drei Personen existiert: Vater, Sohn und der Heilige Geist. Auf diesem Relief ist Gottvater rechts, und der Sohn Gottes oder Christus, links dargestellt. Sie setzen eine Krone auf das Haupt der Jungfrau Maria, die zwischen ihnen kniet. Es ist wahrscheinlich, dass das Relief ursprünglich noch eine Taube umfasste, die den Heiligen Geist symbolisiert hatte. Gottvater, hier als älterer Mann mit langem Bart dargestellt, hält eine Kugel, ein Zeichen seiner Herrschaft über die Welt, auf seinem Knie, während Christus mit der linken Hand ursprünglich ein Zepter hielt. Christus wird hier als ein jüngerer Mann mit einem kürzeren Bart dargestellt. Maria wurde schwanger mit Christus und durch sie wurde Gott menschlich. Im Laufe des Mittelalters wurde die Jungfrau Maria Gegenstand einer ständig wachsenden Verehrung. Die wichtigsten Kirchen wurden ihr gewidmet und mehrere Städte stellten sich unter ihren Schutz. Die Krönung der Jungfrau erscheint nicht in den Evangelien. Das Thema wird zunächst auf Glasmalereien und Skulpturen in den Tympana von Kirchen im 12. Jahrhundert dargestellt und wird in der Goldenen Legende im 13. Jahrhundert erwähnt. Seine zahlreichen Darstellungen in den 14. und 15. Jahrhundert spiegeln die wachsende Popularität des Kultes um die Jungfrau zu dieser Zeit. Die länglichen Gesichter mit hervorstehenden Wangenknochen der seitlichen Figuren in dem Berliner Relief zeigen den Einfluss des Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider. Die Skulptur war ursprünglich farblich gefasst.
Verlobung Mariä
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im späten Mittelalter wurden viele Kirchen in Nordeuropa mit geschnitzten Retabeln geschmückt, die den Mittelpunkt für die an den Altären gefeierten Messen bildeten. Ein typischer Altaraufsatz bestand aus einem zentralen Schrein mit Flügeln, die geöffnet oder je nach dem liturgischen Kalender geschlossen werden konnten; der Schrein wurde durch einen Sockel - oder Predella - erhöht. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dieses Relief ursprünglich Teil der Predella eines großen Altaraufsatzes, der der Jungfrau Maria gewidmet war. Die dargestellte Szene erscheint nicht in den Evangelien, sondern in apokryphen Texten, wie z.B. der Goldenen Legende, eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Sammlung von Geschichten über das Leben von Heiligen. Maria, die Mutter Jesu, wird hier im Alter von 14 gezeigt, als sie von Gott erwählt worden war, den älteren Zimmermann Joseph zu verheiraten. Ihre Vereinigung ist durch die Platzierung ihrer rechten Hand in seine Rechte symbolisiert. Die Jungfrau wird geführt von einer Engel-ähnlichen Figur, die wie ein Messdiener gekleidet ist. Der jüdische Hohepriester wird hier mit der Mitra, typisch für einen christlichen Bischof, dargestellt. Angesichts seiner Bedeutung - er dient als optisches Pendant zu Maria und ist stärker präsent als Joseph - ist es möglich, dass die Szene auch als eine Allegorie der mystischen Vereinigung der Jungfrau mit der Kirche zu verstehen ist. Zehn reich gekleidete Zuschauer, sechs Frauen und vier Männer, umgeben die zentrale Gruppe. Die Qualität der Ausführung zeigt sich in Details, wie der genauen Darstellung der Gesichter, des wallenden Haares und der organischen Gliederung der Gewänder der Figuren. Die beiden Figuren, die im Vordergrund von hinten zu sehen sind, entsprechen Motiven des Malers Rogier van der Weyden (um 1400-1464) von Brüssel. Wahrscheinlich sind diese Reliefs in dieser Stadt erdacht und geschnitzt worden.