37 Ergebnisse
Objekttyp: Reliquiar
Muttergottes
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Silbermadonna zählt zu den großen figürlichen Reliquiaren des späten 15. Jahrhunderts, die sich aus der Zisterzienserabtei Kaisheim bei Donauwörth erhalten haben. Die Inschrift auf der Reliquienkapsel im Sockel, die Maria, die Patronin des Ordens, preist, ist aufschlussreich für die Entstehung des Werks. Sie nennt den Stifter, den Abt Hans Fisches, der dem Kloster von 1479 bis 1490 vorgestanden hatte und ihm mit der Madonnenfigur zu Beginn seiner Amtszeit ein kostbares Geschenk gemacht hatte, ferner den Augsburger Goldschmied Heinrich Hufnagel sowie das Datum der Vollendung 1482. Es handelt sich hier um den im Mittelalter einzigartigen Fall, dass sich das vom Goldschmied benutzte holzgeschnitzte Modell noch erhalten hat: eine künstlerisch sehr qualitätvolle Statuette, ebenfalls in der Berliner Skulpturensammlung (siehe Inv. Nr. M 304), die zu Recht dem Ulmer Bildhauer Michel Erhart zugeschrieben wird.
Bürgereidkristall aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Architekturteile und Figuren gegossen. Dach, Hintergründe der Figuren und Steine, Unterseite, Innenseiten und Inkarnat unvergoldet. Gewänder z. T. punziert. Zeichen auf der Unterseite. Figuren, Steine usw. mit durchgesteckten Schlaufen, in die Keile geschoben sind, befestigt. Ausarbeitung vergleichsweise grob. – Je zwei Nieten an den Ecken deuten darauf hin, daß der Schrein ursprünglich Füße oder einen Sockel besaß. Drei der Kreuzblumen an den Ecken, ein Finger des Weltenrichters, ein Teil des Schwertes von Paulus und Attribut eines Heiligen verloren. Vergoldung z. T. abgerieben, Email stellenweise fehlend. Truhenförmiges, als gotische Kapelle gestaltetes Reliquiar. Übereck gestellte, gestufte und mit Fialen, Zinnen und Kreuzblume besetzte Strebepfeiler, die in Richtung der Längeseiten – ursprünglich! – nach außen geneigt sind. Hohe, pultförmige, durch Stabfries und Hohlkehlprofile gegliederte Sockelzone. Form der Standplatte dem Grundriß entsprechend, Wulstrand durch Nut abgesetzt. Dachgesims längsseitig mit Blattfries, an den Schmalseiten als säulengetragene Kielbögen mit Krabben und Kreuzblume. Zurückgesetzte Wandungen der Längsseiten rechts und links eines größeren Mittelfeldes durch Strebepfeiler und Säulchen, die Baldachine tragen, in je zwei Felder geteilt, davor Statuetten auf Sockeln mit Stabmuster. In der Mitte der einen Längsseite Christus als Weltenrichter in der Mandorla, seine Wundmale weisend und hinter sich das Richtschwert, der Nimbus mit aufgesetztem Filigran. In halbrunden Feldern die vier Evangelistensymbole auf transluzid blauem Emailgrund. Seitlich, kniend auf transluzid grün emaillierten Hügeln, Maria und Johannes der Täufer, außen zwei posaunenblasende Engel. Auf der Gegenseite der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, die auf niedriger angebrachten Konsolen stehen. Seitlich Petrus und Paulus, links außen der Evangelist Matthäus, gekennzeichnet durch ein Schwert im Rücken, und rechts außen ein Heiliger, dessen Attribut fehlt. In den auch als Türchen dienenden Nischen der Schmalseiten der heilige Georg mit Drachen und eine weibliche Heilige mit Palmwedel, wohl die heilige Ursula, Lüneburgs Stadtpatronin. Auf der Dachwölbung zylindrischer Reliquienbehälter aus Bergkristall, verschlossen durch zwei Kappen, die entsprechend den Schmalseiten des Kastens verziert sind. An der vergoldeten Unterlage mit graviertem Blattrand zwei Schriftbänder, die dunkel bzw. transluzid blau emailliert sind. Auf dem einen (Seite des Weltenrichters) in Majuskeln „ITE VENITE“, auf dem anderen in Minuskeln „benedicti p(at)r(i)s mei“ nach Matth. 25,41 und 25,34 (Gehet hin ihr Verfluchten/ Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters). Rechts und links kniender Schutzengel, auf den Flügeln blaues, transluzides Email mit goldenen Punkten (nur z. T. erhalten). Am Sockel verschieden geformte blaue und helle, ehemals gelb und rot hinterlegte Glassteine in vier- und sechseckigen Fassungen.
Kapellenkreuz aus dem Baseler Münsterschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Kapellenkreuz aus dem Basler Münsterschatz zählt zu den bedeutendsten Verlusten, die das Berliner Kunstgewerbemuseum seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu beklagen hat. In seiner reichen Farbigkeit, dem wohlproportionierten Aufbau und dem edlen Ausdruck der Figuren darf es als eines der Hauptwerke gotischer Goldschmiedekunst gelten. Mehrheitlich wird in der jüngeren Forschung seine Entstehung um 1330 am Oberrhein angenommen. Obwohl eine relativ gute fotografische Dokumentation erhalten ist, sind weiterführende stilkritische Aussagen über das verlorene Werk kaum möglich. Der auf sechs Löwenfiguren ruhende Sockel des Reliquienkreuzes ist an der Zarge mit zweiundzwanzig transluziden Emails mit Heiligenfiguren besetzt. Auf ihm stehen inmitten einer blumenübersäten Wiese aus farbigen Schmelzen zuseiten einer gotischen Kapelle zwei Engel. Sie präsentieren in Kristallzylindern die wohl 1834 in das Kloster Mariastein überführrten Reliquien. Über der Kapellenarchitektur erhebt sich ein Lilienkreuz mit einer rundplastisch gearbeiteten Kreuzigungsgruppe von grosser Ausdruckskraft. Am Querbalken erscheinen zwei Engel in Halbfigur, Symbole von Mond und Sonne haltend. LL
Bursenreliquiar
Kunstgewerbemuseum
Das Reliquiar in Gestalt einer Tasche (bursa) gehört zu den bedeutendsten Werken der Goldschmiedekunst, die sich aus dem frühen Mittelalter erhalten haben. An seiner Vorderseite sind zwölf Edelsteine, darunter vier antike Gemmen, so um einen perlenumkränzten Zentralstein gruppiert, dass sie ein doppeltes – orthogonales und diagonales – Kreuz ergeben. Die durch den Steinbesatz manifestierte christliche Kreuz- und Zahlensymbolik wird ergänzt durch Tier- und Pflanzendarstellungen in zehn, ursprünglich zwölf kleinen Feldern mit Goldzellenschmelz, die zu den frühesten Zeugnissen von westeuropäischem émail cloisonné zählen. Die stilisierten Vögel, Fische und Reptilien sollen im Kontext christlicher Heilssymbolik als Vertreter der belebten Schöpfung in der Luft, im Wasser und auf der Erde verstanden werden. Die Rückseite zeigt in zwei Reihen unter Arkaden in getriebenen Halbfigurenreliefs oben Christus zwischen Engeln und unten die Muttergottes mit den Aposteln Petrus und Paulus. An den Schmalseiten setzen sich die figürlichen Darstellungen mit Heiligen und Engeln fort. Die fünf gegossenen Löwen am First des Reliquiars, dem Verschlussbügel realer Bursen, werden als Wächter seines Inhaltes interpretiert, auch wenn sich der tatsächliche Zugang zu dem heute keine Reliquien mehr enthaltenden Inneren an der Unterseite befindet. Wegen der Herkunft aus dem angeblich durch Widukind begründeten Engerer Stift hat man vermutet, das Bursenreliquiar wäre eine jener dona magnifica an Widukind, die Karl der Große (Reg. 768–814) nach dem Bericht der Annales Mosellani dem überwundenen Sachsenführer zu dessen erzwungener Taufe im Jahre 785 als Patengaben verehrte. LL
Doppelseitige Reliquienbüste einer weiblichen Heiligen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Figürliche Reliquiare aus dem mittelalterlichen Europa werden als aktiv kommunizierende Objekte verstanden. Sie benutzen ihre menschliche Form, um mit dem Publikum zu »sprechen«. Das doppelfigurige Reliquiar der weiblichen Heiligen ist ein besonders eindrückliches Beispiel. Es ist bedeutend größer als ältere mittelrheinische Beispiele und zeigt die Heilige als eine Halbfigur, beinahe lebensgroß. Ursprünglich war die Figur bemalt. Vielleicht wurde die Figur bei Prozessionen benutzt, wo sie von allen Seiten zu sehen gewesen wäre, oder sie war auf einer Kirchengalerie platziert, von wo aus sie auf die Gemeinde im mittleren Kirchenschiff und auf die Leute im zweigeschossigen Seitenschiff blicken konnte (Abb. 20). Reliquiare wie dieses waren auch schützende Umhüllungen für die Reliquien, die sie in sich bargen, und verwehrten den Zugang zu ihren kostbaren und kraftvollen Inhalten. Die Reliquien dieser Figur waren wohl in kostbare Seidenstoffe gewickelt und in der Aushöhlung im Bauch platziert, die mit einem Dreipassmaßwerk verschlossen war. (Andrew Sears 2017)
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Reliquiarkreuz ist eine von zwei aufeinanderpassenden, oben ehemals durch ein Scharnier verbundenen Hälften erhalten. Ursprünglich konnte es mittels Ösen und eines Stiftes am unteren Ende verschlossen werden. Auf den Ecken der Kreuzarme sitzen Bronzeperlen, die das Vorbild echten Perlenschmucks von Goldkreuzen nachahmen. Der bildliche Schmuck des Reliquiarkreuzes ist graviert. Er zeigt frontal stehend und mit betend erhobenen Armen einen Heiligen, der durch die griechische Inschrift über seinem Kopf und zuseiten seines Halses als O AΓΗΟΣ ΓEOPΓΗΟΣ, also als heiliger Georg bezeichnet wird. Die Figur ist stark stilisiert, die dünnen von Schraffuren überzogenen Arme gehen nahtlos über die Schulterpartie in einen Wulst, der den Kopf umgibt, über, das Gewand ist mit ornamentalen Linien überzogen, die Gesichtszüge sind aus zwei Punkten und zwei Strichen gebildet. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Fragment eines Reliquiarkreuzes wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Reliquiarkreuz ist eine von zwei aufeinanderpassenden, oben ehemals durch ein Scharnier verbundenen Hälften erhalten. Ursprünglich konnte es mittels Ösen und eines Stiftes am unteren Ende verschlossen werden. Die untere Öse ist abgebrochen. Der figürliche Schmuck ist in flachem Relief ausgeführt. Christus hängt am Kreuz, die Füße auf einem Querbrett, über sich eine Inschrifttafel. Er trägt ein langes, ärmelloses Gewand (Kolobion) und wird durch einen Kreuznimbus ausgezeichnet. Ihn flankieren auf den waagerechten Kreuzarmen klein die Figuren von Maria links und Johannes rechts. Sonne und Mond oberhalb des Kreuzes stehen für die kosmische Dimension des Kreuzestodes Christi. Christus selbst ist inschriftlich nicht bezeichnet. Maria und Johannes werden durch die griechische Fassung der Worte Christi, die er vom Kreuz zu ihnen gesprochen haben soll, kenntlich (Bibel, Johannes-Evangelium 19, 26-27). Die Inschrift selbst ist stark verderbt, in Übersetzung lautet sie: Siehe Deinen Sohn - siehe Deine Mutter. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Fragment eines Reliquiarkreuzes wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Reliquiarkreuz ist eine von zwei aufeinanderpassenden, oben ehemals durch ein Scharnier verbundenen Hälften erhalten. Ursprünglich konnte es mittels Ösen und eines Stiftes am unteren Ende verschlossen werden. Die Ösen sind schadhaft. Der Schmuck ist in flachem Relief gearbeitet, aber stark verrieben. Das Zentrum bildet Maria, frontal stehend, die Hände betend erhoben. Sie trägt ein knöchellanges Gewand und darüber ein Schultertuch, das auch über den Kopf gezogen ist. Maria wird von vier Medaillons mit männlichen Büsten auf den Kreuzarmen umgeben. Die Dargestellten werden durch die beigeschriebenen griechischen Buchstaben Λ, I, M und M als die vier Evangelisten Lukas, Ioannes, Matthäus und Markus identifiziert. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Fragment eines Reliquiarkreuzes wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiar in Sarkophagform
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Reliquiar besteht aus einem rechteckigen Kasten und einem dachförmigen Deckel mit Eckakroterien und greift damit im Kleinen die Form eines Sarkophags auf. Die Sarkophagform leitet sich davon her, dass in diesem Behältnis Überreste eines Verstorbenen, nämlich Reliquien eines Heiligen, beigesetzt waren. Diese Reliquien wurden dabei für gewöhnlich noch zusätzlich in einem Kästchen aus Edelmetall geborgen, manchmal in kostbare Seidenstoffe gehüllt. Der Reliquienkasten fand seinen Platz in Kirchen entweder unter dem Altar oder offen sichtbar in einem Nebenraum. Dort konnten die Gläubigen die Reliquien verehren, die Hilfe des Heiligen, von dem sie stammten, erbitten oder Berührungsreliquien mitnehmen, die als Schutz gegen mancherlei Übel dienen sollten. Kasten und Deckel sind mit reliefierten Blättern geschmückt. In die Giebelstirnen des Deckels sind einfache Kreuze geritzt. Der Dekor gibt vereinfacht Ornamente wieder, die im 6. Jahrhundert weit verbreitet waren.
Kuppelreliquiar aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Die Gestalt des Kuppelreliquiars erinnert an eine Kreuzkuppelkirche. Das vielgestaltige Ornament, das die Oberfläche der Architektur überzieht, wendet gleichsam den Innendekor eines Kirchengebäudes nach außen. Die Reliefs an den Stirnseiten der Kreuzarme zeigen die Heilige Familie, die Reise der Heiligen Drei Könige, die Kreuzigung Christi sowie die Frauen am Grabe. Unter den übrigen Arkaden befinden sich Propheten, die Texte ihrer Weissagungen halten. Als Vertreter des Alten Bundes weisen sie auf die zu Seiten Christi am Tambour thronenden Apostel als Zeugen des Neuen Bundes voraus. Die Inschrift an der Tambourbasis enthält den Beginn des Bekenntnisses Petri (Mt 16,13-16): VENIT (AVTEM) IHC IN PARTES C(A)ESARE(A)E PHILIPPI ET INTERROGAVIT DISCIPVLOS SVOS DICENS + (Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger). Der Text setzt sich in den Schriftbändern Christi und der Apostel fort (Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!). Die Abfolge des Textes zeigt, dass die Position der Apostel nicht mehr der originalen Anordnung entspricht. 1482 befand sich die Kopfreliquie des hl. Gregor von Nazianz im Kuppelreliquiar. Das Fehlen entsprechender bildlicher oder inschriftlicher Hinweise und weitere Gründe haben jüngst zu der Annahme geführt, dass das Werk ebenso wie sein Schwesterstück im Londoner Victoria and Albert Museum ursprünglich nicht als Reliquiar, sondern als Tabernakel für die Aufbewahrung der Hostie dienen sollte. LL
Reliquienkreuz aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das kleine in einer niedersächsischen Werkstatt um 1400 entstandene Reliquienkreuz aus vergoldetem Kupfer ist im ganzen hohl und wie eine Kapsel gebildet. Es zeigt in den spitz zulaufenden Dreipaßenden der Vorderseite in flachem Reliefschnitt die Symbole der Evangelisten in ganzer Figur mit unbeschrifteten Spruchbändern um einen kleinen in Bronze gegossenen und vergoldeten Kruzifixus. Der obere Dreipaß ist vorne als Zugang zum Inneren des Kreuzes zu öffnen. Die ehemals darin befindlichen Reliquien nennen zwei Inschriften auf der Oberseite des Fußes; es waren Passionsreliquien, eine Partikel vom Schweißtuch des Herrn, de sudario d(omi)ni, und eine Partikel vom Kreuze Christi, de ligno domini. Die Verbindung von Kreuz und Ständer durch die vier zungenförmigen Kupferbänder am unteren Ende des Kreuzes geht vermutlich auf eine spätere Reparatur zurück. Dietrich Kötzsche
Tragaltarförmiges Reliquiar aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Reliquiar besitzt die Grundform eines kastenförmigen Tragaltars mit überstehender Crepido und Mensaplatte, wie sie im 12. Jahrhundert weit verbreitet war. Das Reliquienbehältnis unterscheidet sich von einem Portatile jedoch dadurch, dass es keinen Altarstein besitzt. Das Nußbaumholz zeigt Spuren der Grundierung für eine Fassung in Blau und Grün (außer an der Unterseite). Das Fehlen von Nagellöchern weist darauf hin, dass das Reliquiar schon ursprünglich farbig gefasst war und keinen aufwändigen Metallbeschlag besaß. Lediglich in dem aus einem separaten Werkstück gearbeiteten flachen Mittelaufsatz der Deckplatte befinden sich vier (jüngere?) Nägel mit abgekniffenen Köpfen. Von den ehemals sechs blau und rot untermalten Bergkristallcabochons ist einer in Verlust geraten. Das Innere des Reliquienbehältnisses ist von der Bodenplatte aus zugänglich, hier wird die Öffnung des Sepulchrums durch eine aufgenagelte Kupferplatte verschlossen. LL
Armreliquiar der hl. Maria Magdalena aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Bei dem Armreliquiar der hl. Maria Magdalena weist die zylindrische Deckelbüchse als Attribut der Heiligen auf die im Arm geborgene Reliquie deutlich hin. Sie gibt das Gefäß wieder, aus dem Maria Magdalena Haupt und Füße Christi gesalbt hat oder auch jenes Salbgefäß, mit dem sie am Ostermorgen zum Grabe Christi gekommen war, um seinen Leib zu salben. Die in rote Seide gehüllte, auf einem Pergamentstreifen bezeichnete Reliquie, ist an der Innenseite des ausgehöhlten Armes sichtbar. Dietrich Kötzsche
Großes Reliquienkreuz aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Am Braunschweiger Stift St. Blasius beschloss man 1482, ein neues großes Reliquienkreuz für den Gebrauch bei Prozessionen und Heiltumsweisungen anfertigen zu lassen, in dem vor allem zahlreiche Herrenreliquien des Kirchenschatzes "aus anderen Monstranzen und Schreinen" zusammengefasst werden sollten. Neben den Kreuzpartikeln, die in Gestalt eines Patriarchenkreuzes in die Vierung eingefügt wurden, seien hier nur die Dornen von der Dornenkrone Christi und die Partikel von der Geißelsäule und von der Heiligen Lanze in den oberen Kreuzarmen der als Reliquienostensorium gearbeiteten Seite des Kreuzes erwähnt. Die andere Seite des Reliquienkrqeuzes zeigt an der Vierung die zu klein anmutende gegossene Figur des Gekreuzigten und an den dreipassigen Kreuzenden Medaillons mit den inschriftlich bezeichneten Evangelistensymbolen. Den Auftrag zur Anfertigung dieses sogenannten Großen Reliquienkreuzes erhielt 1482 der Braunschweiger Goldschmied Werner Korff. Die dafür notwendige Übertragung von Reliquien aus anderen Reliquiaren mag einer der Anlässe dafür gewesen sein, dass "im Jahre 1482, um Michaelis, [...] das Stiftskapitel von St. Blasius in Braunschweig drei Stiftsherren und drei Vikare [beauftragte], alle Heiligtümer in allen Schreinen und Monstranzen und in anderen Reliquienbehältnissen aufzuschreiben", also das bis 1485 vollendete "Preciosenbok", das älteste bekannte Inventar des Welfenschatzes, zu erstellen. LL
Ostensorium mit Reliquie des hl. Blasius aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Wohl im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand das Ostensorium mit einer Reliquie des hl. Blasius. Es gehört zur Gruppe der turmförmigen Ostensorien, die es in einfachster Form repräsentiert; alle Grundelemente dieses Typus sind darin bereits voll ausgebildet. In seinen schlanken, ausgewogenen Proportionen darf es sicher als eines der schönsten Beispiele dieser Form des Reliquiars bezeichnet werden. Seine Bekrönung ist abgebrochen [...]. Der sternförmige Fuß und der kapellenartig gebildete Sockel des Ständers weisen auf Verbindungen zu rheinischen Goldschmiedearbeiten hin. Die sechs Rautenknöpfe des durchbrochenen Nodus zeigen, wie häufig an dieser Stelle, eine Inschrift, hier in blauem Schmelzwerk den Namen des Evangelisten LVCAS und eine Rosette. Möglicherweise war das Ostensoprium ursprünglich für eine Lukas-Reliquie angefertigt und erst später für die Blasius-Reliquie verwendet worden. Sie ist in einer vergoldeten Silberkapsel mit der gravierten und niellierten, griechischen Inschrift "ΛΙΨΑΝΟΝ ΤΟΥ ΑΓΙΟΥ ΙΕΡΟΜΑΡΤΥΡΟ ΒΛΑCΙΟΥ" (Reliquie des hochheiligen Märtyrers Blasius) gefaßt und im Reliquienbehälter aufgehängt. Auf diese Reliquie bezieht sich der schmale Pergamentstreifen, auf dem nur die Worte "de osse S. Blasii" lesbar sind, während die Aufschrift des breiteren Streifens "pollex de s. marco" als mißverstandene Wiedergabe der griechischen Inschrift der Reliquienkapsel gedeutet wird. Dietrich Kötzsche
Armreliquiar eines der Zehntausend Krieger aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Armreliquiar eines der Zehntausend Krieger mit vergoldetem Ärmel umschließt eine unverhüllte Reliquie, die auf einem breiten Pergamentstreifen als "pars brachii dece(m) milliu(m) millitu(m)", als Reliquie eines der "Zehntausend Krieger" benannt ist. Über diese berichtet eine erst seit dem 15. Jahrhundert verbreitete Legende, daß Achatius, der Anführer eines Teils der Truppen des römischen Kaisers Hadrian (117-138), von der Stimme eines Engels bekehrt wurde und neuntausend Krieger ihm folgten. Sie verweigerten die Opfer und die Anbetung der heidnischen Götter und wurden deshalb gemartert; als sich ihnen daraufhin weitere tausend Bekenner anschlossen, sollen alle zehntausend auf dem Berge Ararat gekreuzigt worden sein. Dietrich Kötzsche
Tabernakel mit thronender Maria mit Kind aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Die kleine Figurengruppe einer thronenden Maria mit Kind aus Elfenbein wird oberhalb eines durchbrochen gearbeiteten, als Depositorium für Reliquien dienenden Sockels in einem tabernakelförmigen architektonischen Gehäuse verwahrt, welches durch insgesamt vier bewegliche Flügel geschlossen werden kann. Die Innenseiten dieser Flügel zeigen aufgelötete Stanzreliefs, deren Model wohl noch etwas älter sind als die übrige Goldschmiedearbeit. An den beiden inneren Feldern erscheinen jeweils ein stehender und ein kniender Orant unter einem schwebenden Engel, an den beiden äußeren je ein kniender Engel, darüber auf dem linken Flügel Christus als Weltenrichter, auf dem rechten eine stehende männliche Figur. Die Außenseiten der beiden die Frontseite des Tabernakels verschließenden schmalen Flügel tragen eine gravierte Inschrift mit dem Verzeichnis der (ehemals) enthaltenen Reliquien: AN/DR/EE • / AP(OSTO)/LI • /MA/VR/IC/II • / BL/AS/II • / GE/OR/GI/I • C/LA/RE • / VI/RG/IN/IS. Dieses kleine, eher für den individuellen Gebrauch geeignete tabernakelförmige Reliquiar ist durch die spätere Hinzufügung eines Ständers mit einem rundem, nur durch ein Perlband an der Zarge verzierten Fuß und einem Nodus in Gestalt eines sechsfach gebusten Rippenknaufs zu einem Reliquienostensorium umfunktioniert worden. Die Erwähnung einer Reliquie der hl. Klara macht eine Entstehung der ursprünglichen Teile des Werkes nach der Kanonisierung der Heiligen im Jahr 1255 wahrscheinlich. Eine überzeugende Lokalisierung der Entstehung der Elfenbeinschnitzerei ist bislang nicht gelungen. LL
Reliquienostensorium aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Die beiden Elfenbeinreliefs mit der Darstellung der Verkündigung an Maria und der Kreuzigung Christi wurden zu Seiten eines sechsseitig gearbeiteten, von einem hohen Turmaufsatz bekrönten zylindrischen Schaugefäßes in der Art feststehender Altarflügel sekundär wiederbenutzt. Sie flankieren an dieser Stelle zwei schlanke rundbogige Fenster mit Hornverschluss, hinter denen Reliquien verwahrt wurden. Das handwerklich äußerst schlicht gearbeitete Reliquienostensorium ruht auf einem vierpassförmigen Fuß, zwischen dessen Passfeldern sich kräftige Zwickelsporne befinden. Der Schaft des Ständers ist durch einen ellipsoidförmigen Nodus gegliedert. Die senkrechten Randstege der sorgfältig geglätteten Rückseiten beider Elfenbeinplatten sind ungleichmäßig beschnitten, woraus auf die Zweitverwendung der Werke an diesem Ostensorium zu schließen ist. Wahrscheinlich zierten beide Reliefs ursprünglich die Außenseiten von Schreibtäfelchen, wie die zur Aufnahme von Wachs geeigneten flachen Umrahmungen an den Rückseiten der Platten vermuten lassen. LL
Armreliquiar des hl. Sigismund aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Armreliquiar des hl. Sigismund gehört zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen dieses weit verbreiteten Typs der „redenden“ Reliquiare. Nach einer, allerdings erst um 1300 an der Unterseite des Sockels eingeritzten, Inschrift birgt es Reliquien des heiligen Burgunderkönigs Sigismund († 524), den die brunonischen Gründer des Braunschweiger Blasius-Stiftes zu ihren Ahnen zählten. Das Armreliquiar erhebt sich über einem quadratischen Sockel mit Tatzenfüßen. Das getriebene Rankenwerk an der Oberseite des Sockels steht stilistisch in der Tradition der vegetabilen Ornamentik am Hezilo-Leuchter und an der Rückseite des Hezilo-Kreuzes in Hildesheim. Es bildet zusammen mit dem Filigran an den Borten der Ärmel des Unter- und des Obergewandes sowie an der Zarge und in den Spitzovalen des Sockels einen wichtigen Anhaltspunkt für die Datierung und Lokalisierung der Entstehung des Reliquiars. Im ausgehenden 13. oder frühen 14. Jahrhundert wurde die ursprünglich wie die Ärmel in Silberblech getriebene Hand durch eine aus Bronze gegossene ersetzt. Diese hält in manierierter Weise zwischen drei Fingern einen Knauf mit aufgesetzter Lilie. Darin wurde die verkürzte Darstellung eines Lilienzepters erkannt. Im Zuge der Ergänzung der Hand wurde der Querschnitt beider Ärmel verkleinert, wodurch sich die außergewöhnlich schlanken Proportionen des Armreliquiars ergaben. Vermutlich noch etwas später wurde der Daumenring mit der gotischen Minuskelinschrift ciismundus (Sigismund) hinzugefügt. LL
Armreliquiar des hl. Laurentius aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Armreliquiar enthält laut der Beschriftung des Pergamentzettels hinter dem runden Fenster sowie einer im 14. Jahrhundert hinzugefügten Inschrift an seiner Standfläche eine Reliquie des hl. Laurentius. Es ist jedoch vermutet worden, dass es ursprünglich eine jener Armreliquien der Apostel barg, die Heinrich der Löwe (Duc. 1139–1180, †1195) von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land 1172/73 mitgebracht haben soll. Das Reliquiar zeigt über dem fein gefältelten Untergewand ausnahmsweise zwei weitere Ärmel, die mit ornamentalen Stanzen belegt sind. Am äußeren Ärmel handelt es sich dabei jedoch weitgehend um spätere Ergänzungen, ursprünglich war dieses Gewandteil mit getriebenem vergoldeten Silberblech überzogen. Die Stanzen an den Borten dagegen enthalten figürliche Darstellungen: Am mittleren Ärmel erscheinen alternierend Samsons Kampf mit dem Löwen und ein Drache mit Blattschweif, am äußeren zwei gegenständige Drachen mit verschlungenen Schwänzen. Der Saum an der Standfläche zeigt auf nielliertem Grund die Brustbilder von Christus und vier Heiligen, von denen einer heute fehlt. Ob es sich dabei um Darstellungen der Evangelisten, der vier Großen Propheten oder von Aposteln handelt, ist in der Forschung umstritten. Zweifellos aber zählen diese kleinen Figürchen zu den besten Schöpfungen spätromanischer Goldschmiedekunst. Die drei mit Bergkristallen verschlossenen Fenster an der Innenseite des Armes sind erst im 14. Jahrhundert hinzugefügt worden. Sie tragen dem seit dem frühen 13. Jahrhundert anwachsenden Bedürfnis nach unmittelbarer Ansichtigkeit der Reliquie Rechnung. LL
Armreliquiar des hl. Georg aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
An der Innenseite des Armreliquiars sind beide Ärmel durch ein Gitter aus Perlleisten überdeckt, hinter dem die in rotes Seidengewebe gehüllte Reliquie sichtbar ist. Das vor die Handfläche applizierte Attribut, eine miniaturhaft kleine Reiterlanze mit Brechscheibe, gibt einen Hinweis auf den verehrten Heiligen: Es handelt sich um das nach schriftlicher Überlieferung durch Herzog Albrecht von Braunschweig, Bischof von Halberstadt (Ep. 1324–1358), dem Schatz von St. Blasius in Braunschweig gestiftete Armreliquiar des hl. Georg. Den herausragenden künstlerischen Rang des Werkes begründen die großformatigen figürlichen Gravierungen an der Außenseite des Armes. Unter einer Doppelwimperg-Arkade erscheint rechts der gerüstete Ritterheilige, links im bischöflichen Ornat der hl. Blasius, der Patronatsheilige der Braunschweiger Stiftskirche. Georg hält einen Schild mit dem Wappen der Herzöge von Braunschweig, Blasius einen mit dem Familienwappen der Rixa von Werle († 1317), der Mutter des Stifters. Das Wappen mit der Löwenmaske am Ärmel des Untergewandes gehört der Familie Morder, Vasallen des Albrecht von Mansfeld, Halberstädter Gegenbischof seit 1346, mit dem sich Albrecht von Braunschweig 1350 versöhnt hat. Es wird vermutet, dass die Stiftung des Armreliquiars mit diesem Ereignis in Verbindung stehen könnte. Das Armreliquiar des hl. Georg zählt gemeinsam mit dem Rückdeckel des Einbandes vom Plenar Ottos des Milden zu einer im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts wohl in Braunschweig entstandenen Werkgruppe, die einen besonderen Höhepunkt gotischer Goldschmiedekunst bezeichnet. LL
Büstenreliquiar des hl. Blasius aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Das Büstenreliquiar des Hauptpatrons des Braunschweiger »Doms«, der Kirche des ehemaligen Burgstiftes, birgt unterhalb der über ein Scharnier nach hinten klappbaren Mitra eine große Reliquie vom Haupt des hl. Blasius sowie einen Armknochen und den Teil einer Rippe des Heiligen. Weitere Reliquien anderer Heiliger wurden in dem jetzt leeren, durch eine Türöffnung im Rücken der Figur zugänglichen Depositorium verwahrt. Auf diesen umfangreichen Reliquieninhalt verweist die unter dem runden Bergkristall in der Mitte des Palliums sichtbare Beschriftung: In hoc sci. Blasii ep. et martiris capite continentur reliquie multe. Mitra und Pallium als Insignien des bischöflichen Amtes des hl. Blasius, der als Bischof von Sebaste in Kappadokien während der Christenverfolgung im 4. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten haben soll, sind durch Filigranranken mit Blättern und Blüten sowie durch Steinbesatz reich geschmückt. Augäpfel und Lippen sind auf das getriebene Silberblech aufgemalt, wodurch der Gesichtsausdruck des Heiligen eine spürbare Individualisierung erfährt und beim Betrachter den Eindruck gütiger Zuwendung hervorruft. Diese Emotionalisierung des Ausdrucks ist ein Indikator für die relativ fortgeschrittene Position der Blasiusbüste in der Entwicklungsreihe der Büstenreliquiare von einer Sonderform der „redenden“ Reliquiare hin zu plastischen Bildwerken „mit Reliquiarfunktion“. Das kleine Medaillon mit einem Fabelwesen in Silbergrubenschmelz am Halsausschnitt der Kasel ist sicher erst nachträglich angebracht worden, es entstand vermutlich im frühen 14. Jahrhundert in Frankreich. LL
Reliquienstatuette des hl. Georg
Kunstgewerbemuseum
In voller Rüstung, das jugendliche Haupt mit den reichen, vergoldeten Locken jedoch heroisch unbehelmt, steht der hl. Georg in einer fast tänzerisch anmutenden Schrittstellung über dem bereits bezwungenen Drachen. Die zweifach gebrochene Lanze hat den Hals des Untiers durchbohrt. Mit dem Krummschwert holt der Heilige zum letzten Streich aus. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der das Ungeheuer überwunden wird, darf wohl aus Ausdruck jener göttlichen Kraft verstanden werden, mittels derer der Heilige die Inkarnation des Bösen besiegt. Fast erscheint die allansichtig gearbeitete Statuette wie ein preziöses Kunstkammerstück, dessen Zweckbestimmung allein in der Demonstration der außergewöhnlichen bildnerischen Fähigkeiten seines Schöpfers beruht. Tatsächlich aber war ihre unmittelbare Funktion die eines Reliquiars: In der runden Kapsel auf dem von drei „wilden Männern“ getragenen Sockel wurden einst Reliquien verwahrt. Die als umfriedeter Erdhügel gestaltete Standfläche erscheint als eine Sphäre bildlicher Fabulierfreude: Totenschädel und Gebein bedecken den Boden, ein Speerträger schleicht sich an miniaturhaft kleine Drachen an. Das besiegte Ungeheuer ist einer von dunklen Naturkräften dominierten Welt verhaftet, in der man nur durch den Beistand des Heiligen bestehen zu können glaubte. Der hl. Georg wurde als Schutzheiliger gegen Pest, Lepra und Syphilis verehrt. So verwundert es nicht, dass unser Reliquiar in einer Nische der Kirche des Georgenhospitals in Elbing (Ostpreußen) aufgefunden wurde, wo es 1564 eingemauert worden war. Vermutlich stammt es, ebenso wie eine sehr ähnliches zweites Exemplar (Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe), aus dem Besitz der Elbinger Georgenbruderschaft. LL
Heiliger Sebastian
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Reliquien waren das Ergebnis eines unermesslich großen Opfers, und häufig zeigen Reliquiare die Heiligen und ihr Erleiden großer Qualen, um den Betrachtern ihre Kraft zu demonstrieren. Der heilige Sebastian zum Beispiel wurde ursprünglich als von Pfeilen durchbohrt dargestellt (die bei dieser Büste nicht mehr vorhanden sind). Die ganzfigurige Darstellung wurde in späterer Zeit zersägt und in ein Reliquiar umgewandelt, vielleicht im Laufe des 18. Jahrhunderts. Das Werk betont die Quelle der Heiligkeit Sebastians, sein Martyrium, das er durch die Pfeile der Bogenschützen des Diokletian erlitt. Es repräsentiert dieses Ereignis und erlaubt dem Betrachter so, die vermittelnde Kraft zu begreifen und für das Opfer des Heiligen dankbar zu sein. (Andrew Sears 2017)
Reliquiarkreuz (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Reliquiarkreuz besteht aus zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften. Mittels Ösen und einem Stift konnte es am unteren Ende verschlossen werden. Der Schmuck ist gravier, aber stark verrieben. Auf einer Seite ist der Christus, bekleidet mit langem ärmellosen Gewand (Kolobion), an das Kreuz genagelt. Seine Füße stehen auf einem Querbrett, über ihm ist eine Inschrifttafel, allerdings ohne Inschrift, an dem Kreuz angebracht. Sein Haupt umgibt ein Kreuznimbus. Zuseiten seines Kopfes sind Reste der Inschrift IC XC NIKA, übersetzt Jesus Christus möge siegen, erhalten. Die andere Seite des Reliquiarkreuzes nimmt Maria ein. Sie trägt ein knöchellanges Gewand und darüber ein Schultertuch. Den Kopf umhüllt entweder eine Falte des Schultertuches oder eine eigenständige Haube. Ihre Hände sind betend erhoben. Über ihrem Kopf ist ein Kreuz eingraviert. Zuseiten Mariens stehen die griechischen Buchstaben ΘΕΟΤ[Ο]ΚΟY, was Gottesgebärerin bedeutet, ein Beiname, den Maria offiziell 431 auf dem Konzil zu Ephesos verliehen bekam. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiarkreuz (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Reliquiarkreuz besteht aus zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften. Mittels Ösen und eines Stiftes konnte es am unteren Ende verschlossen werden. Der Schmuck ist graviert. Auf einer Seite ist Christus, bekleidet mit langem ärmellosen Gewand (Kolobion), an das Kreuz genagelt. Seine Füße stehen auf einem Querbrett, über ihm ist eine Inschrifttafel, allerdings ohne Inschrift, an dem Kreuz angebracht. Sein Haupt umgibt ein Kreuznimbus. Unter den Kreuzarmen stehen die griechischen Buchstaben IC XC NIKA, übersetzt: Jesus Christus möge siegen. Die andere Seite des Reliquiarkreuzes nimmt Maria ein. Sie trägt ein knöchellanges Gewand und darüber ein Schultertuch. Den Kopf umhüllt entweder eine Falte des Schultertuches oder eine eigenständige Haube. Ihre Hände sind betend erhoben. Sie wird durch zwei Palmwedel flankiert. Über ihrem Kopf stehen die griechischen Buchstaben ΘΕΟΤΟ als Abkürzung für ΘΕΟΤΟΚΟΣ, was Gottesgebärerin bedeutet, ein Beiname, den Maria offiziell 431 auf dem Konzil zu Ephesos verliehen bekam. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Reliquiarkreuz ist eine von zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften erhalten. Ursprünglich konnte es mittels Ösen und eines Stiftes am unteren Ende verschlossen werden. Die obere Öse ist ganz, die untere zum Teil abgebrochen. Der Schmuck ist graviert, aber stark verrieben und von schlichter Qualität. Christus, bekleidet mit kurzem Gewand, ist an das Kreuz genagelt. Seine Füße stehen auf einem Querbrett, über ihm ist eine Inschrifttafel, allerdings ohne Inschrift, an dem Kreuz angebracht. Sein Haupt umgibt ein Kreuznimbus. Unter den Kreuzarmen sind Reste der Inschrift IC XC NIKA, übersetzt Jesus Christus möge siegen, erhalten. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen.
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Reliquiarkreuz besteht aus zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften. Mittels Ösen und eines Stiftes konnte es am unteren Ende verschlossen werden. Zwei der oberen Ösen sind abgebrochen. Der rechte Kreuzarm jeder Hälfte ist durch Fehlstellen beschädigt. Der Schmuck ist graviert. Auf der einen Seite steht frontal Maria, bekleidet mit knöchellangem Gewand und darüber einem Schultertuch. Den Kopf umhüllt eine Haube. Ihre Hände sind betend erhoben. Vor ihrem Körper, scheinbar schwebend, ist das ebenfalls frontal gegebene Christuskind sichtbar, gekleidet in langes Gewand und Kapuzenmantel. Maria wird über ihrem Kopf in griechischer Schrift als ΠΑΝΑΓΗΑ, also Allheilige bezeichnet. Auf der anderen Seite steht ein Heiliger, ebenfalls frontal und mit betend erhobenen Händen. Von seiner linken hängt ein stark stilisiertes Räuchergefäß herab, in seiner rechten hält er ein Kreuz oder Stock mit T-förmiger Krücke. Er scheint einen vorn in der Mitte offenen, reich mit Schmuckborten besetzten wadenlangen Mantel zu tragen und ornamentierte Strümpfe oder Stiefel. Über sdeinem Kopf wölbt sich eine Kreislinie. Dabei kann es sich entweder um eine dichte Haarkalotte, eine eng anliegende Kopfbedeckung oder erinen Nimbus handeln. Über dem Kopf wird der Dargestellte in einer auf zwei Zeilen verteilten Inschrift als Ο ΑΓΗΟΣ ΣTEΦΑΝΟΣ, also als heiliger Stephanos benannt. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.
Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von dem Reliquiarkreuz ist eine von zwei aufeinanderpassenden, oben ehemals durch ein Scharnier verbundenen Hälften erhalten. Ursprünglich konnte es mittels Ösen und eines Stiftes am unteren Ende verschlossen werden. Drei der Ösen sind zum Teil abgebrochen. Der Schmuck ist graviert. Maria, bekleidet mit knöchellangem Gewand, Schultermantel und Haube steht frontal. Sie hält mit beiden Händen das in ein reich ornamentiertes Steckkissen (?) gepackte Christuskind mit Kreuznimbus vor sich, indem sie die Ränder einer Aureole ergreift, die den Oberkörper des Kindes umgibt. Flankiert wird Maria von den Brustbildern des Apostels Petrus links, des Apostels Paulus rechts Beide tragen Handkreuze. Maria wird über ihrem Kopf mit einer griechischen Inschrift als ΠΑΝΑΓIΑ, also als Allheilige bezeichnet. Den Apostelbüsten sind Namensinschriften beigegeben. In eine kreisrunde Verteifung auf der Brust Christi war wahrscheinlich ehemals ein Glasfluss als Schmuck eingelassen. Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen. Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.