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Objekttyp: Reliquienbüste
Heiliger Bischof
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Als „redendes“ Reliquiar, das durch seine figürliche Gestalt zu erkennen gibt, von welchem Körperteil die in ihm verschlossenen Körperteile stammen, birgt es noch heute Reste von Knochen. Eine Partie der Schädeldecke ist zwischen den Hörnern der Mitra, des Bischofshuts, unter einer Klappe sichtbar. Unter dem großen Bergkristall vor der Brust, auch als Schließe des Pluviale, des Chormantels, zu verstehen, findet sich ein stoffumhüllter Splitter der Rippe aufbewahrt. Ein zugehöriger Pergamentstreifen mit lateinischer Beschriftung weist Beschädigungen auf, so dass ihm nicht mehr zu entnehmen ist, welchem Bischofsheiligen hier dereinst die Verehrung galt. Auf einige der das Bildwerk reich ausschmückenden Einzelheiten sei besonders aufmerksam gemacht, so auf die auf den Goldgrund der Cappa, der Kapuze des Chormantels, gemalte Muttergottes über der Mondsichel und im Strahlenkranz sowie auf die vier Medaillons der Mitra, in denen die Bildnisse von Alexander dem Großen und Julius Cäsar denen der römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. und Karl V. gegenübergestellt sind.
Reliquiar des heiligen Dominikus
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Halbfigur gehört zu den Reliquienbüsten: Seit dem Mittelalter wurden Reliquien u.a. in Behältnissen aufbewahrt, die den Heiligen oder auch einen bestimmten Teil seines Körpers zeigten, dessen sterbliche Überreste sie bargen. Das meist mit Steinen besetzte und vergoldete Äußere bot der Reliquie Schutz, ließ die Identifizierung von Reliquie und Träger zu und verwies auf die körperliche Unversehrtheit des Heiligen am Jüngsten Tag. Die unanschaulichen Reliquien erhielten durch die Reliquiare für den Gläubigen ein Gesicht. Die spanische Büste steht mit dem heiligen Dominikus in Verbindung, dessen Bild das Medaillon der Halbfigur schmückt: Erkennbar ist der Stern auf der Brust seines Gewandes sowie der Hund mit einer brennenden Fackel im Maul. Genauere Angaben über den in der Reliquienbüste Dargestellten können nicht getroffen werden, da sich keine weiteren Attribute erhalten haben. Es ist ein Zusammenhang mit einem spanischen Dominikanerkloster zu vermuten, umso mehr, als der heilige Dominikus ursprünglich aus Spanien stammte und einige Verehrung genossen haben dürfte.
Reliquienbüste eines männlichen Heiligen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im Christentum sprach man Reliquien – in der Regel Knochen von Heiligen oder Objekten, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind – fürbittende Kräfte zu. Man verstand sie als Pignorae oder »Sicherheitspfänder«, die die heiligen Figuren zurückgelassen haben, um ihren fortwährenden Beistand für jene auf Erden zu bekunden. Reliquienbehälter waren oft reich gearbeitet, häufig aus kostbaren Materialien, wie es ihren geweihten Inhalten angemessen war. Reliquiare unterstützten und verstärkten die Kräfte der Reliquien. Sie vermittelten in der Gesellschaft, versprachen Hilfe für einzelne Personen oder Gemeinschaften in Not und boten Schutz gegen Bedrohungen. Reliquiare wirkten auf zweifache Weise: Sie bewahrten die Kräfte ihrer Inhalte und handelten damit selbst als Wahrer eines gemeinschaftlichen Interesses. Der imposante Blick versinnbildlicht diese Funktion. (Andrew Sears 2017)