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Objekttyp: Reliquienkreuz
Kleines Reliquienkreuz aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Kunstgewerbemuseum
Das kleine aus Kupfer gearbeitete, innen hohle Reliquienkreuz war ehemals ganz versilbert, was die wenigen davon erhaltenen Reste noch deutlich erkennen lassen. An der Vorderseite schmückt die kleeblattförmigen Balkenenden jeweils ein großer, ovaler Bergkristall in einer Zackenfassung, während die übrige Fläche ganz mit Gravierung ausgefüllt ist. Sie zeigt im Vordergrund ein perspektivisch wiedergegebenes einfaches, glattes Balkenkreuz, mit einem lebhaft geschwungenen Schriftband als Titulus. Die eingefügten Löcher machen deutlich, daß ihm einst ein gesondert gearbeiteter, plastischer, vermutlich gegossener Kruzifixus aufgelegt war. Den Hintergrund bildet dichtes Blattwerk. Die Öffnung für die Reliquien, die im Inneren des Kreuzes geborgen waren, befindet sich in der Vierung der glatten Rückseite. DK
Heinrichskreuz aus dem Basler Münsterschatz
Kunstgewerbemuseum
An der Basler Überlieferung, wonach das Gemmenkreuz ebenso wie die Reliquien vom Heiligen Blut und vom Heiligen Kreuz ein Geschenk Kaiser Heinrichs II. (Reg. 1002–1024) an den 1019 geweihten Basler Dom war, sind in der Forschung begründete Zweifel geäußert worden. Dennoch und trotz umfangreicher Veränderungen darf das Heinrichskreuz als Hauptwerk ottonischer Goldschmiedekunst gelten. Im Mittelalter war es das wichtigste Heiltum des Basler Münsters. An der Vierung befindet sich eine römische Phalera. Ursprünglich ein militärisches Ehrenzeichen, kommt dem antiken Kameo im Kontext der Herrenreliquien des Heinrichskreuzes eine auf Christus bezogene Bedeutung zu. Vier Bergkristalle über kreisförmigen Erweiterungen der Kreuzarme lassen die darunter verwahrten Reliquien erkennen. Noch heute birgt das Kreuz an beiden Enden des Stammes Partikel vom Heiligen Kreuz, die Heiligblutreliquie fehlt dagegen. Am horizontalen Kreuzbalken befinden sich indessen Teile der 1347 aus Bamberg nach Basel gelangten Reliquien des 1146 heilig gesprochenen Kaisers Heinrich II. Der Kruzifxus an der Rückseite wurde wohl 1437/38 vom Goldschmied Heinrich Schwitzer geschaffen. Die Enden der Kreuzarme zeigen hier Beschläge mit Blattwerk, die von einer früheren Erneuerung in der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen. Die Beschlagbleche mit Rautenmuster an den Zargen und an der Vorderseite zeugen dagegen von einer erneuten Instandsetzung des Kreuzes in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. LL
Engerer Kreuz aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Kunstgewerbemuseum
Die Vorderseite des Reliquienkreuzes ist in der Art einer Crux gemmata reich mit Steinbesatz, Perlen und Filigranranken verziert. Das Reliquiensepulcrum in der Vierung wird durch einen Beschlag mit der umlaufenden Inschrift + DE LIGNO DO(MI)NI (Vom Holz des Herrn) verschlossen. Darüber sitzt ein feiner karolingischer Bergkristallschnitt aus dem 9. Jahrhundert mit der Darstellung eines Engels. Perlschnüre umlaufen diesen sowie die acht anderen Hauptsteine an den Kreuzarmen und an den Balkenenden, wo sie von weiterem Steinbesatz und Perlgruppen konzentrisch umgeben sind. In zwei der Fassungen befinden sich antike Gemmen, von denen der repräsentative braun-weiß-blau geschichtete Sardonyx mit dem Profilbildnis eines Kaisers am unteren Kreuzende wohl erst in nachantiker Zeit durch Umarbeitung eines Kaiserinnen-Kameos aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. seine heutige Gestalt erhielt. An der Rückseite des Krückenkreuzes zeigen niellierte Beschläge an der Vierung das blutende Agnus Dei mit der Hand Gottes und an den Balkenenden anthropomorphe Evangelistensymbole. Die Darstellung der Gewandfalten lässt Einflüsse des so genannten parzellierenden Stils erkennen, der um 1100 vor allem in Niedersachsen und Westfalen verbreitet war. Die darauf beruhende frühere Zuschreibung des Engerer Kreuzes zum Kreis der mit dem Namen Roger von Helmarshausen verbundenen Werke wird von der jüngeren Forschung jedoch zu Recht einhellig abgelehnt. LL
Welfenkreuz aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Dieses Reliquienkreuz von außergewöhnlich großer Kostbarkeit steht, einem Leitstern gleich, im Mittelpunkt des Welfenschatzes. Es birgt unter einem quadratischen Bergkristall am unteren Kreuzende ein Partikel des Heiligen Kreuzes. Das darüber angebrachte Enkolpion, in seiner ursprünglichen Bestimmung ein Brustkreuz, ist vermutlich deutlich älter als das mit feinstem Filigranwerk überzogene krückenförmige Kreuz. Der unter byzantinischem Einfluss wahrscheinlich im 11. Jahrhundert entstandene Goldzellenschmelz des Kapselkreuzes zeigt neben dem Gekreuzigten die Brustbilder Marias, des Evangelisten Johannes und – oben – wohl das des Erzengels Michael. Den niellierten Inschriften S(ANCTI) PETRI AP(OSTO)LI, S(ANCTI) MA(R)CI EVA(N)G(E)LI(STAE), S(ANCTI) IOHA(N)NIS BA(P)T(ISTAE), S(ANCTI) SEBASTIANI an der Rückseite zufolge, enthält das Welfenkreuz neben der Heiligkreuzreliquie auch Reliquien der Heiligen Petrus, Markus, Johannes des Täufers und Sebastian. In den mit gesenkten Fackeln dargestellten Todesgenien und der als Triumphzeichen zu deutenden Säule am Kreuzfuß leben antike Bildideen fort, die in eindrücklicher Weise auf die Funktion des Welfenkreuzes als „Reliquiengrab“ Bezug nehmen. Die Palmette an der Rückseite des unteren Kreuzarmes nimmt das gleiche Motiv am Kapitell der Säule auf, ein deutliches Indiz für die ursprüngliche Zusammengehörigkeit von Kreuz und Kreuzfuß. Das Welfenkreuz besitzt ein im Aufbau geschwisterlich ähnliches, in der künstlerischen Qualität allerdings weniger herausragendes Gegenstück im Domschatz von Velletri südlich von Rom. LL