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Objekttyp: Sarkophag
Stirnseite eines Sarkophags
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die nach über einem Jahrhundert erstmalige Freilegung der technischen Bearbeitungsspuren auf der Rückseite hat ergeben, dass das Relief ursprünglich die Schmalseite vom Kasten eines kleinasiatischen Säulensarkophages des 3. Jahrhunderts bildete. Sie wurde im frühen 5. Jahrhundert überarbeitet und offenbar in einem christlichen Grabkontext wieder verwendet: Aus der Mittelfigur, welche sich völlig darin genügt, den Sitz ihres über der Tunika getragenen Mantels (Pallium) zu ordnen und fest zu halten, schuf man einen jugendlichen und langlockigen Christus mit Kreuznimbus. Fragwürdig ist die bisher häufig vorgeschlagene Deutung der beiden seitlichen Begleiter als Apostel, deren Attribut zumeist eine Schriftrolle (Rotulus) oder ein gebundenes Buch (Codex) ist. Eindeutig aber hält der Begleiter rechts von Christus ein sogenanntes Diptychon: Zwei zusammengeklappte, auf den jetzt unsichtbaren Innenseiten mit Wachs beschichtete Schreibtafeln, deren Ränder ringsum gerahmt sind und die mit einem quer liegendem Band zusammengehalten werden. Es existiert kein Anzeichen, den Gegenstand des Begleiters auf der linken Seite anders zu ergänzen. Das Motiv des Festhaltens mit beiden empor gehaltenen Händen entspricht einem repräsentativen Vorweisen – beide Begleiter waren nicht nur des Lesens, sondern auch des Schreibens kundig. Für eine in der Forschung mehrmals erwogene Lehrszene fehlt die geringste Andeutung eines Gespräches durch Blick oder Geste. Jegliche Bewegtheit ist zeitloser Repräsentation untergeordnet. Die allerdings im Zeitstil überarbeiteten Köpfe der beiden Begleiter waren vermutlich als Porträts gedacht. Auf römischen Sarkophagen sind Verstorbene of mit einem Diptychon in den Händen porträtiert worden, so dass diese Deutung nicht auszuschließen ist. Die Verdopplung hinsichtlich der Tracht, des Attributes und des Motivs widerspricht nicht der belegbaren Tatsache, dass in einem Sarkophag auch mehrere Personen (z.B. Brüder) bestattet werden konnten.
Kasten eines einzonigen Friessarkophages
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Sarkophagkasten ist auf der Vorderseite mit vier verschiedenen Szenen dekoriert: Ganz links sitzt der Verstorbene vor seinem Haus auf einem Klappstuhl und liest in einer Schriftrolle. Er ist mit Tunika und Pallium sowie mit Schnürschuhen bekleidet, wodurch er als Bürger hohen Standes gekennzeichnet ist. Vor ihm liegt ein Bündel mit weiteren Schriftrollen. Es schließt sich eine Weinernte an. In einem weitverzweigten Weinstock mit Blättern und Reben sind drei Eroten zu erkennen, die geerntete Reben in einem Korb sammeln. Ein vierter steigt auf einer Leiter – nur in wenigen Fragmenten erhalten - zu ihnen empor; ein fünfter füllt zwei am Boden stehende Körbe. Diese Darstellung ist als Allegorie des Herbstes zu verstehen. Mittig folgt eine weitere Darstellung des Verstorbenen. Er ist mit einer gegürteten Tunika und einem im Rücken flatternden Mantel bekleidet und reitet über seine Ländereien, auf die er mit seiner erhobenen Linken verweist. Er hält in seiner Rechten eine Art Stab. Begleitet werden Reiter und Pferd von einem Hund, der neben dem Pferd herläuft. Ein Jüngling schreitet der Gruppe voran, blickt aber auf sie zurück. Dieser ist bekleidet mit Sandalen, Ärmelgewand und Tunika. Er hat einen Stock geschultert und hält in seiner Rechten einen Erfrischungskrug. Ganz rechts folgt eine Olivenernte, die als Allegorie des Winters zu verstehen ist. In den Wipfeln dreier Olivenbäume füllen drei Eroten an den Ästen hängende Körbchen; zwei weitere steigen auf Leitern zu ihnen empor; ein sechster Eros füllt drei am Boden stehende Körbe. Der Verstorbene demonstriert mit der Szenenauswahl seinen materiellen Wohlstand. Er hat sich als Gutsbesitzer verewigen lassen, der Herr über ein ansehnliches Heim, Weinberge und Olivenhaine ist. Doch neben dem aktiven Arbeitswirken kommt er auch dem besinnlichen Leben nach, indem er sich lesend hat darstellen lassen.
Rechte Ecke vom Kasten eines einzonigen Fries-Sarkophags
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment stammt von der rechten Ecke eines nur an der Front dekorierten Sarkophags, doch greift das Relief ein wenig auf die Nebenseite über: Ein Jüngling mit lang gelocktem Haar schreitet nach rechts und blickt dabei zur Bildmitte zurück. Er ist mit einer langen, gerafften Ärmeltunika bekleidet, die untergegürtet ist und einen Bausch bildet. Um den Hals trägt er einen gedrehten Metallreif (torques) mit broschenförmiger Schließe. In beiden Händen hält er einen Teller, auf dem Zweige und ein gebratener Vogel liegen. An der Nebenseite wird sein linker Arm mit einem flatternden Handtuch sichtbar. Zwischen seinen Beinen sitzt am Boden ein Vogel (Gans?). Sein rechtes Bein wird vom linken Fuß (mit Stiefel) einer benachbarten Dienerfigur überschnitten. Diese hält in ihrer gesenkten Linken als Teil einer Waschgarnitur eine Griffschale, wie man sie beim Mahl zur Handwaschung gebrauchte. Im Hintergrund, der durch einen Vorhang (parapetasma) abgeschlossen wird, erscheint ein weiterer zurückblickender Diener mit einem Torques. In der Mitte des Sarkophagkastens hat man sich den auf einer Kline zum Mahle gelagerten Grabherrn und seine am Fußende oder auf einem Sessel sitzende Gattin vorzustellen, verbunden mit weiteren Dienerfiguren. Haartracht, Kleidung und vor allem die Torques kennzeichnen die Jünglinge nicht als gewöhnliche Mahldiener, sondern gleichsam als Kultdiener, die dem Entrückten Verstorbenen zum ewigen Freudenmahl aufwarten.
Sogenannter Jonas-Sarkophag
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der Mitte ruht der Prophet Jonas (Jona 1-4) unter einer Kürbislaube in schlafender Stellung – ein freundliches Wunschbild für den Tod. In einer idyllischen Landschaft mit Bäumen springt fröhlich eine Ziege umher, während ein Rind und Schafe friedlich weiden oder lagern. Links stützt sich ein junger Hirt auf seinen Wanderstab und blickt sinnend zurück. Rechts hat sich ein alter Hirt auf einen Fels gesetzt, um seinem Hund, der brav die Pfote hebt, einen Bissen zu reichen. Ganz rechts steht ein Schafträger, ganz links eine verschleierte Frau mit zum Gebet erhobenen Armen. Ein Hinweis auf die Frömmigkeit des Verstorbenen oder eine Hinterbliebene, die für dessen glückliche und friedliche Weiterexistenz im Jenseits betet. (Theun-Mathias Schmidt)
Sogenannter Theusebios-Sarkophag
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Aus einem älterem Architekturteil gearbeitet, wurde der Kasten des 4. Jahrhunderts später nochmals verwendet und mit einem ebenfalls umgearbeiteten Architekturteil als Deckel versehen. Dieser trägt ein Christusmonogramm und nennt in der zweispaltigen Inschrift ein dreizehn Monate altes Kind namens Theusebius, dessen Unschuld, Getauftsein und christliche Tugenden die Eltern Rufinus und Severa wortreich preisen in der Gewissheit, dass ihr Sohn „von Christus wiedergeboren“ wurde und den „Sitz des ewigen Lebens“ erlangt hat. Die Bildszenen – Maria mit dem Christuskind, den drei Magiern (einer davon im Hintergrund), der verstorbene Knabe im Habitus des Betens zwischen zwei bärtigen Aposteln (?), Noah in der Arche sowie das Quellwunder des Petrus – weisen auf Taufe, Glaube und Errettung. Kindersarkophage haben sich in großer Zahl erhalten und zeugen von der hohen Kindersterblichkeit der Antike. Überaus selten ist die antike Version der Heimreise der drei Magier: Sie entfernen sich ohne Geschenke von Maria und dem Kind, blicken aber noch einmal zu dem stehen gebliebenen Stern zurück. Bevor sie ihre Rückkehr antraten, wurde ihnen im Traum geboten, auf keinen Fall zu Herodes zurückzukehren (Matthäus 2, 12). Andere Quellen sprechen von der Erscheinung eines „Engels in Gestalt jenes Sterns, der ihnen zuvor Wegführer gewesen“ (Arabisches Kindheitsevangelium 7). In diesem Bild richtet der Stern mit eigener Stimme jenes Gebot an die bereits aufbrechenden Magier. Nur zwei weitere, erheblich spätere Sarkophage (ehemals in Marseille, jetzt verschollen und Mailand, San Celso) wiederholen das in der frühchristlichen Kunst bisher noch nicht identifizierte Bildthema. Seine frühesten Darstellungen glaubte man erst im beginnenden Mittelalter fassen zu können. Diese unterscheiden sich allerdings durch die Darstellung dreier schlafender Magier, denen ein Engel erscheint, der das Traumgebot verkündet.
Kasten eines Riefel-Sarkophages mit Dach-Deckel
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Sarkophag, der bereits 1891 bei Syrakus gefunden wurde, gehört zu den wenigen Stücken mit vollständig erhaltenem Deckel. Der Deckel ahmt die Form eines Daches nach. In der Mitte ist eine hochragende Tabula angebracht, deren (einst gemalte?) Inschrift heute fehlt. Die Front des Sarkophagkastens ist mit S-förmig geschwungenen und in paralleler Folge angeordneten Riefeln (sog. strigilis) verziert. Diese sind auf zwei in sich geschlossene Felder verteilt und oben und unten von einem profilierten Rahmen eingefasst. In der Mitte und an den Enden blieben drei schmale Bildfelder ausgespart, die Raum für jeweils eine Figur boten. Im Zentrum steht vor einem aufgespannten Vorhang (parapetasma), der Grabherr mit ausgearbeiteten Porträtzügen. Er trägt eine lange Tunika und eine Toga (toga contabulata), in deren geschwungenen Bausch er mit seiner Rechten greift. Die anspruchsvolle Gebärde, die vornehme senatorische Tracht und der Vorhang sollen deutlich machen, dass der Verstorbene in eine höhere Sphäre entrückt ist. Durch die Schriftrolle in seiner Linken und das zusammengeschnürte Rollenbündel am Boden ist er als Philosoph gekennzeichnet. Im linken Eckfeld steht ein bärtiger Hirte nach außen gewandt, bekleidet mit kurzer, gegürteter Ärmeltunika, Schulterkragen (alicula) und Stiefelchen. Von seinem linken Arm hängt eine Hirtentasche herab. Auf den Schultern trägt er eine Ziege, deren Beine er mit der Linken zusammenhält, während er in der Rechten einen Kantharos empor hält, um das Tier zu tränken. Links unten neben ihm sitzt ein Hund, rechts sprosst ein Zweig empor. Der jugendliche Hirte im rechten Eckfeld wiederholt das Motiv des linken Hirten in spiegelbildlicher Anordnung, trägt jedoch ein Schaf auf den Schultern. Als Allegorien des erhofften Jenseitsfriedens stehen beide Hirtenfiguren in fortdauerndem Sinnbezug zu dem bereits entrückten Toten.
Stülpsarkophag
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das kastenförmige Relief war ursprünglich mit seiner Öffnung zum Erdboden hin aufgestellt. Somit diente der Boden als Deckel. Wahrscheinlich war das Stück als Scheinsarkophag über ein Grab gestülpt bzw. einer Wandnische vorgeblendet, weshalb es keine Rückseite benötigte. Die dekorierte Kastenfront ist durch vier Bäume gegliedert. Ein kahler Stamm begrenzt das linke Bildfeld. Die hier fragmentarisch erhaltene Szene lässt einen feierlichen Moment vermuten, der für den Verstorbenen von Bedeutung gewesen sein wird. Die drei rechten Bäume stehen in vollem Laub. Von links nach rechts ziehen drei Tierherden durch die vier Bildfelder, zunächst sieben Rinder, darunter ein säugendes Kalb. Sie werden von einem Hirt geführt, der sich rastend auf einen Stab stützt. Es folgt eine neunköpfige Schafherde samt Hirt, der seine Provianttasche zu überprüfen scheint sowie einem Hund. Neun Schweine bilden die dritte Herde. Sie wird von einem Hirt angeführt, der auch eine trächtige Sau zu beaufsichtigen hat. Die Anordnung der Tiere erinnert an ein Tieropfer der Römer, die sogenannte Suovetaurilia. Diese bukolische Szenerie drückt nicht nur ein heiteres Idyll aus. Einzelne Details wie der kahle Baumstamm oder der Hirt, der seinen Proviant überprüft deuten zudem auf die Vergänglichkeit des Lebens hin. Zwei Durchbohrungen der Relieffront belegen, dass das Stück als Brunnen wiederverwendet wurde.
Kasten eines Riefel-Sarkophags
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der vollständige, nur auf der Vorderseite dekorierte Sarkophagkasten wird an den Ecken durch je einen Pilaster gerahmt. Der Pilaster besitzt eine mehrfach profilierte Basis, einen kannelierten Schaft mit Stegen im unteren Drittel sowie ein Kompositkapitell (Blattkelch, Voluten, Abakus). Der größte Teil der Vorderwand ist mit S-förmig geschwungenen Riefeln (sog. Strigileis) dekoriert. In der Mitte steht ein Gefäß in der Form eines Kantharos dessen Henkel nicht mehr sichtbar sind, weil sie sich mit dem Verlauf der Strigileis decken. Über der Mündung eine Fontäne mit sprudelndem Wasser. Am Rande sitzen zwei Tauben; die linke neigt sich vor um zu trinken, die rechte blickt sich um. (Theun-Mathias Schmidt)
sog. "Berliner" Sarkophag
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Sarkophagkasten ist nur auf der Vorderseite dekoriert und in fünf Bildfelder untergliedert: In der Mitte steht ein Philosoph, bekleidet mit Stiefeln, Tunika und Toga; in seiner Linken hält er eine Schriftrolle: Hinter ihm ist ein Vorhang aufgespannt (Parapetasma). Die beiden anschließenden Felder sind mit S-förmigen Riefeln dekoriert. Ganz links steht ein Hirt, bekleidet mit Stiefeln, Gamaschen, Ärmeltunika und Schultermantel. Auf seinen Schultern trägt er einen Widder, dem er mit der Linken einen zweihenkligen Becher (Kantharos) darbietet. Links neben ihm wächst eine Staude. Das stark zerstörte Bildfeld ganz rechts wiederholt dasselbe Motiv in spiegelverkehrter Weise. (Theun-Mathias Schmidt)
Front vom Kasten und Deckel eines Riefel-Sarkophags
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der Mitte der Sarkophagfront umschließt ein Clipeus die bossierten Brustbilder eines Paares. Diese ragen aus einem angedeuteten Blattkelch empor. Unterhalb dessen sitzen zwei voneinander abgewandte Tauben auf einem altarähnlichen, mit Girlanden und Bukranien dekorierten Podest. Sie wenden den Blick rücklings aufeinander zu. Seitlich schließt jeweils ein Riefelfeld an. Die linke Eckfigur schaut über ihre rechte Schulter und erhebt ihren linken Arm wie im Gebetsgestus. Ihre rechte Hand führt sie - wie in einer Tanzpose - zu ihrem linken Handgelenk. Die Haltung erinnert auch an Kithara-Spieler oder die Muse Urania, allerdings hielt die Figur zu keiner Zeit etwas in ihren Händen. Im rechten Eckfeld ist ein kynischer Philosoph dargestellt. Beide Figuren werden durch ein sich im Hintergrund fortsetzendes Parapetasma miteinander verbunden. Auf der Deckelleiste gleiten Meerwesen – meist paarweise – durch das wogende Meer auf die unbeschriebene Tafel in der Mitte zu. Diese wird von zwei Muschelhorn blasenden Mischwesen gehalten. Das gesamte Bildprogramm ist auf das verstorbene Paar ausgerichtet, wie in den Clipeus-Büsten, den Eckfiguren und Tauben, aber auch den Meerwesen deutlich wird. Letztere symbolisieren den glückseligen Zustand, den das Paar nach seinem Tod erwartet. Ob der Sarkophag tatsächlich zwei Verstorbenen für ihre letzte Ruhe diente, ist nicht gesichert, da keine Grabinschrift erhalten ist. (Ehler 2017)