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Objekttyp: Schale
Attische Trinkschale
Antikensammlung
Innen: Kriegers Abschied Aussen: Parisurteil Namengebendes Werk des Malers von Berlin 2536.
Attisch-rotfigurige Schale (stark fragmentiert)
Antikensammlung
Attisch-rotfigurige Schale (ca. Mitte 5. Jh.v.Chr.) Innen: Jüngling im Mantel spendet aus Phiale auf Altar, umgeben von Gelageszenen Außen: Umlaufend Gelageszenen, darunter Trinkgefäße (schwarzfigurig aufgemalt) Schale nur fragmentarisch erhalten (Außenseite B fehlt fast komplett)
Attische Schale
Antikensammlung
Tondo: Ein Knabe legt mit ausgebreiteten Armen einen Mantel zusammen, den er bereits zur Hälfte gefaltet hat. Außen: Seite A: Ein Knabe streift sich einen Mantel über. Rechts von ihm eine Herme. Zwischen beiden hängen ein Schwamm, ein Aryballos und eine Strigilis. Hinter der Herme folgen ein Baum und ein junger Mann im Mantel, der sich auf einen Stock unter seiner Achsel stützt. Seite B: Rechts von einer Herme taucht ein junger Mann seine Arme in ein großes Becken (Louterion). Hinter ihm hängen ein Schwamm, ein Aryballos und eine Strigilis, über dem Louterion eine zusammengebundene Schreibtafel. Es folgt ein bärtiger Mann, der seinen Mantel über den HInterkopf gezogen hat und seine vorgestreckte rechte Hand auf einen Stock stützt.
Pocolom-Schale mit Weihung an Aesculapius
Antikensammlung
Innenbild: Schwebender Eros; Aufschrift: "Becher des Aesculapius".
Schale in Muschelform mit sog. "Zwiebelmuster"-Dekor in Blau
Kunstgewerbemuseum
Die muschelfärmige Schale hat eine gerippte Wandung. Der Dekor in blauer Unterglasurmalerei im Spiegel besteht aus Blumenmotiven. Auffallend ist die schräg verlaufende Blumenbordüre. Ebenso wie die Schalenform rekuriert diese Art der Flächenaufteilung auf japanische Vorbilder. Die Bordüre teilt den Spiegel in ein linkes Feld, das etwa zwei Drittel einnimmt, und ein rechtes, etwa ein Drittel einnehmendes Feld. Im linken Feld sind eine Bambus-, eine Rankenpflanze mit Blüten, eine Päonie mit gezacktem Doppelblatt und eine Chrysantheme dargestellt. Im rechten Feld erscheinen zwei querovale "Zwiebeln" (eine Mischung nach chinesischem Vorbild aus Melone und Granatapfel - der Begriff "Zwiebelmuster" ist eine Wortschöpfung des 19. Jahrhunderts), weitere Blütenzweige und, auf dem Kopf stehend, einer spitz zulaufenden Pfirsichfrucht. Gemarkt ist die Schale mit der Schwertermarke mit geschwungenen Parierstangen sowie, im Innern des Standringes, mit drei gebohrten und drei gemalten Punkten. Es handelt sich, der Marke und der Dicke des Scherbens zufolge, um ein besonders frühes Beispiel des sog. "Zwiebelmusters". Vgl. dazu Stefan Bursche: Das Zwiebelmuster. Ein eigenständiger Meissner Dekor, in: Keramos 113 (Juli 1986), S. 19-26. ClKa
Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren. Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen. Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."
Kleine Konfektschale mit Granatäpfeln aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Rand gesondert gefertigt und wie der Spiegel vergoldet, Außenseite unvergoldet. Marken auf der Unterseite der Wappenscheibe. Flache, fußlose, der Schale der vorigen Katalognummer ähnliches Gefäß, doch einfacher in der Ausführung. Buckel in gleicher Anzahl, aber gedrungener und ohne punzierte Blüten. Mittelteil im Verhältnis größer. Pflanzliche Motive stark stilisiert und ein ornamentales Muster bildend. Astring tremoliert, gekappte Zweige nur angedeutet. Sechs aufgesprungene Granatäpfel zwischen Blattwerk, Grund punziert. Um das blau und transluzid grün emaillierte Wappen ein kleiner, dem äußeren entsprechender Astring. Das Wappen mit einem nach rechts springenden Pferd wird von Schröder mit dem Geistlichen Hinrick Wackershagen, von Warncke dagegen mit dem Lübecker Bürger Gerd Reuter (gest. 1564) in Verbindung gebracht. Erwähnt ist die Schale zuerst im Inventar von 1598 (C. 210): "Noch eine Schale ohne Fuss inwendig getrieben mit Sechs Appel vnd ein wapen darein ein Pferd, halb bae (?) vnd gelb."
Ovale Schale mit Darstellung der Vision des Johannes
Kunstgewerbemuseum
Dichtes manganviolettes Grundemail, mehrstufige Lavierungen, Konturen und Binnenzeichnung in enlevage-Technik. Das Inkarnat der Figuren in kräftig roten, Lasuren und mit Rotschraffuren akzentuiert. Im Mittelgrund Gottvater, zu seiner Seite die Evangelistensymbole, über ihm, dem Text der Apokalypse folgend, die sieben Fackeln seines Geistes. Ein gehörntes Lamm zu seiner Rechten, Sinnbild Christi des Erlösers, wird das Siegel des Buches brechen. Umgeben ist diese Gruppe von den 24 Ältesten des Stammes Israel auf einem Wolkenkranz, vorn links, dem Betrachter zugewandt, sitzt der Evangelist Johannes, Autor der Apokalypse, des letzten Buches des Neuen Testaments, und weist mit dem Finger auf das zentrale Geschehen. Die Darstellung geht zurück auf Dürers Holzschnitt aus dem Jahre 1498 (B 63), der verschiedentlich abgewandelt wurde, so auch in der bei Jean de Tournes in Lyon 1556 erschienenen Bibel, deren Holzschnitt-Illustration Bernard Salomons die Grundlage des Emailleurs gewesen sein dürfte. Die Darstellung der Rückseite läßt sich mit einem Stich von Hieronymus Cock in Verbindung bringen.
Faltschale mit dem Gedenkbild zum 200. Jahrestag der Confessio Augustana: Kurfürst Johannes I. von Sachsen und Martin Luther
Kunstgewerbemuseum
Runde Schale mit gewelltem Rand, gemalter Dekor in In- und Aufglasurfarben (Blau, Mangan, Gelb, Grün und Schwarz). Im Spiegel ein gerahmtes Medaillon, darin zwei Standfiguren an einem Altar: links Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585-1656, Kurfürst 1611) und rechts Martin Luther. Der Kurfürst trägt einen hermelinbesetzten Mantel und eine Krone und hält mit der Rechten das Kurschwert nach oben. Mit der Linken weist er auf die Bibel, die aufgeschlagen auf der linken Seite des Altars liegt und mit der Aufschrift "BIBLIA SACRA" versehen ist. Daneben liegt ein zweites aufgeschlagenes Buch mit der Aufschrift "CONFESSIO AUGUSTANA". Martin Luther trägt einen langen schwarzen Rock und hält in der Rechten eine brennende Kerze über den Altar. Links neben der Kerze ist zu lesen "Johannes Herzog zu Sachsen, Churfürst", rechts: "D.M. Lutherus Der H. Doctor und Professor zu Wittenberg". Oberhalb der Szene steht die Inschrift "Betrachte das Gemähl und schaue was das Jahr, Dir für ein Jubel=Bild in solchem stellt dar. Gott las dein Wort so lang uns reine führen bis in der Seeligkeit wir Ewig Jubiliren. Anno 1730: d. 25. Junÿ". Die Ornamentik des übrigen Spiegelgrundes und des Steigbordes weist mit dem gelben Beschlagwerk Reminiszenzen an die Renaissance auf. Alternierend eingefügt sind jeweils ein Blütenkorb und ein grünes Blattwerkgebilde mit Blüten. Rückseitig ist die Schale in Mangan signiert: G.F. (Gre)bner. 1730 - (d.) 2. January à (Nürn)berg Der Dekor verweist auf die zweite Säkularfeier der Confessio Augustana im Jahr 1730. Anlässlich dieses Jubiläums fertigte die Nürnberger Fayencemanufaktur Schalen und Walzenkrüge mit ähnlichen Dekoren. Unmittelbare Vergleichsstücke zu der Schale, ebenfalls signiert von dem damals für die Manufaktur tätigen Fayencemaler Georg Friedrich Grebner († nach 1744), befinden sich in Sèvres, in Liberec (Reichenberg), in New York (Metropolitan Museum) und im Münchener Kunsthandel Peter Vogt. Auf der Rückseite sind unterschiedlich Entstehungsdaten angegeben (2. Januar 1530 / 14. Januar 1530). Silvia Glaser vermutet in ihrem Bestandskataolg von 2017, dass es sich um Bestellungen bei der Manufaktur gehandelt hat. Die Walzenkrüge (Hamburg, Würzburg, Schloss Höchstädt und Londoner Kunsthandel 1989) sind nicht alle von Grebner signiert, jedoch alle mit dem 23. Juni 1730 datiert. Neben Grebner hat auch sein Malerkollege Philipp Conrad Schwab im Jubiläumsjahr Schalen mit dem Reformationsmotiv dekoriert. Das Motiv basiert auf Kupferstichvorlagen und wurde auch in Medaillenform verbreitet. Lit.: Kat. Berlin 1976 (Kunstgewerbemuseum), Fayencen, S, 76, Nr. 71; Kat. Berlin (Geheimes Staatsarchiv PK / KGM) 2017: Kreuzwege, S. 250-253 (Lothar Lambacher / Mathis Leibetseder); Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen, Bestandskatalog GNM Nürnberg 2017, S. 121-124, Abb. 36, und S.166, Abb. 26 (Vgl.) ClKa
Kleine gebuckelte Konfektschale aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Rand gesondert gefertigt. Dieser und die innere Buckelreihe vergoldet. Wappen mit drei durchgesteckten und von einer Gegenplatte auf der Unterseite gehaltenen Stiften befestigt. Dort die Marken und graviert: HANS RODE 1540. Der Name nochmals außen unter dem Rand leicht eingeritzt. Wappen mit Resten von gelbem, dunkelrotem und transluzidem Email. Flache, in der Mitte hochgezogene Schale mit profiliertem Rand und drei Reihen sich nach innen verkleinernder, gegenläufig verschränkter und fischblasenförmiger Buckel, die der mittleren Reihe als Füße dienend. Jeder zweite der zwölf äußeren über eine Einschnürung mit einem der sechs inneren Buckel verbunden. Äußere und innere Buckel durch Grate maßwerkartig aufgeteilt, Mittelfeld der inneren Reihe aufgetrieben und vergoldet. Im Spiegel das Wappen des 1540 gestorbenen Lüneburger Bürgers Hans Rode, dessen Name mit Jahreszahl auf der Schalenunterseite erscheint. Laut Auskunft der Kämmereirechnungen kam das Stück als Herwede (Nachlaßsteuer) an den Rat der Stadt: "Item 26 M vor Hans Roden wede – 1 sulueren Schale." Nach dem noch ganz der Gotik angehörenden Stil muß es aber erheblich vor 1540 entstanden sein. Ein verwandtes, etwas älteres Beispiel, das auch ein Wappen in der Mitte trägt, befindet sich in der Leipziger Thomaskirche.
Gewölbte Schale mit hl. Georg
Kunstgewerbemuseum
Schale mit gewölbtem Rand und Verzierung in Reliefguss. Im Boden, eingefasst von einem schmalen Ornamentstab, der hl. Gerog im Kampf mit dem Drachen und die Bezeichnung CE 1615. Um das Mittelbild ein glattes Rundprofil und ein aus langen Buckeln und kleinen Rosetten gebildeter Ornamentstab. (Hintze II, Nr. 161 k)
Gebuckelte Fußschale, beidseitig Darstellung antikischer Köpfe
Kunstgewerbemuseum
Bei der "Schale" handelt es sich wohl um einen Deckel, der durch seinen neuen Fuß zur Schale umfunktioniert wurde. Dichtes, schwarzes Grundemail, Grisaillemalerei ohne Inkarnattönung. Malerei in dünnen Weißlavierungen, in Zeichnung und Ausdruck schematisch. Achsensymmetrische Kompositionen: auf beiden Seiten der Schale jeweils vier lorbeergerahmte goldpunktierte Medaillons. Darin sind einander männliche und weibliche Brustbilder paarweise zugeordnet. Die Zwickel tragen Goldranken und Bandwerk. Auf eines dieser Bänder ist ein Vexierbild gezeichnet: Ein Papstkopf im Profil, der, auf den Kopf gestellt, das Profil eines "Teufels", eines knollennasigen Mannes mit wilder Mähne wiedergibt. Ähnliche Gefäße mit Medaillonköpfen befinden sich heute in vielen Sammlungen. SN
Silberschale mit Maroquin-Futteral
Kunstgewerbemuseum
Martin-Guillaume Biennais (1764–1843) war 1806 zum Hofgoldschmied Napoleons I. (reg. 1799/1804–1814/15) ernannt worden. Für den Kaiser hatte er neben Reise- und Tafelservice auch die Krönungsinsignien geschaffen. Diese flache Schale aus vergoldetem Sterlingsilber (Vermeil) im Empirestil, einer französischen Sonderform des Klassizismus, schmückt ein reicher Fries mit Akanthusranken und Pfauen, Fackeln tragenden Genien und Girlanden tragenden Putten am Rand, der an den Langseiten von zwei Medaillons unterbrochen wird. Diese zeigen das Urteil des Paris und die drei Grazien. Die Mitte der Schale zieren, umgeben von einem Lorbeerkranz, die Initialen von Marie-Louise von Österreich (1791–1847). Das dazugehörige Etui aus Maroquin (feines Ziegenleder) trägt das Monogramm von Marie-Louise mit der Erzherzogskrone. Vermutlich war die Silberschale ein Verlobungsgeschenk Napoleons an seine zweite Frau. STh
Sogenannte Taufschale Widukinds aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford
Kunstgewerbemuseum
Bei der flachen Schale aus Serpentin handelt es sich wahrscheinlich um ein Werk spätantiker Steinschneidekunst. Die Montierung aus vergoldeter Bronze, die den Rand der Steinschale elegant umfasst und zugleich durch eine Fingeröse mit Daumenplatte eine Handhabe bildet, stammt dagegen erst aus dem hohen Mittelalter. Das vegetabile Ornament auf dem stark abgenutzten Deckblech der Daumenplatte sowie der epigrafische Befund und die Reimart der außen umlaufenden Inschrift + MUNERE TAM CLARO DITAT NOS AFFRICA RARO („Mit einer so prächtigen und seltenen Gabe beschenkt uns Afrika“), ein zweisilbig reiner leoninischer Hexameter, sprechen für eine Datierung in das 12. Jahrhundert. Das schlichte Gerät unbestimmter liturgischer Funktion stammt aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger, das 1414 an die Johanniskirche in der Herforder Neustadt übergesiedelt war. Durch die 1810 erfolgte Säkularisation gelangte der Kirchenschatz in den Besitz des Königreichs Westfalen und nach dessen Untergang 1813 in das Eigentum des preußischen Staates. Aufbewahrt wurde er zunächst weiterhin in der Herforder Johanniskirche. Während die meisten Teile des Dionysius-Schatzes 1885 in das Berliner Kunstgewerbemuseum überführt wurden, hatte die Stadt Herford in eigentümlicher Auslegung der Besitzverhältnisse die Serpentinschale bereits im Oktober 1840 dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (* 1795, reg. 1840–1861) als Huldigungsgeschenk überreicht. Über die Königliche Kunstkammer gelangte sie schließlich 1876 gleichfalls in das Berliner Kunstgewerbemuseum. Eine erstmals 1743 in Carl Ludwig Storchs Verzeichnis der in Herford befindlichen Reliquiæ Widekindi Magni fassbare, vermutlich aber bereits deutlich früher entstandene legendenhafte Lokaltradition deutete die Serpentinschale im Sinne einer Berührungsreliquie als „Das Geschirr, woraus Widekindus soll getruncken haben“. Erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Annahme, es handele sich um die Taufschale des Widukind. Diese Interpretation nahm indirekt Bezug auf die Mitteilung in den Annales Mosellani, wonach Karl der Große nach der 785 in Attigny erfolgten Taufe des Sachsenführers seinen früheren Gegner „mit großartigen Geschenken ehrte“ („et domus rex suscepit eum a fonte ac donis magnificis honoravit“, MGH SS XVI, p. 497). Die ‚historische‘ Deutung der Steinschale als eine jener Gaben Karls des Großen und damit als materielles Zeugnis der Christianisierung der Sachsen wurde auch auf das karolingische Reliquiar in Bursenform aus dem Schatz des Dionysius-Stiftes übertragen, das sich ebenfalls im Berliner Kunstgewerbemuseum befindet (Inv. Nr. 1888,632). LL
Kleine Schale mit Bacchus
Kunstgewerbemuseum
Schälchen mit gewölbtem Rand. Im gehobenen Boden in Reliefguss ein von einem schmalen Blattstab eingefasstes Rundbild mit weinbekränztem Bacchusknaben vor einem Fass, mit der Überschrift BACHVS, in der Linken ein Glas haltend. Ausserdem im Mittelbild die gegossene Meistermarke mit heraldischer Lilie. Um das Mittelbild ein glattes Rundprofil und ein aus schräg liegenden Blättern gebildeter Ornamentstab. (Hintze II, Nr. 240)
Schale mit Heiliger Dreifaltigkeit
Kunstgewerbemuseum
Schale mit gewölbtem Rand. Im gehobenen Boden in Reliefguss ein von einem Blattkranz eingefasstes Medaillon mit Darstellung der Trinität nebst Beischrift BENEDICTA SEMPER SANCTA SIT TRINITAS und der mitgegossenen Meistermarke mit den Buchstaben B. Ö. Um das Mittelbild ein glattes Rundprofil und ein Ornamentstab. Auf dem Schalenrand leicht eingedrückte schräge Züge. (Hintze II, Nr. 192)
Schale mit Inschrift
Kunstgewerbemuseum
Niedrige Schale aus sehr dickwandigem, rotbraunem bzw. bernsteinfarbenem Glas, Boden plangeschliffen, der Ansatz der Wandung ist gekehlt und mit einer Borte aus Rundfacetten in Schälschliff versehen. Die schmale, darüberliegende Wandung trägt eine geschnittene Inschrift: Zechlinsche Glaß=hütte den 2. October 1774. Der Mündungsrand ist verwärmt und ist mit einem Fries aus polierten Kugeln verziert. 1774 war Kommerzienrat Johann George Stropp (1742–1778) Pächter der königlich preußischen Zechliner Glashütte in der Nähe von Rheinsberg, der damals auch die örtliche Grüne Hütte mitverwaltete (Friese, Glashütten in Brandenburg, 1992, S. 6, 7, 45; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 52). Nicht geklärt werden konnte der Anlass für die Inschrift. Die Stiftung Stadtmuseum Berlin verwahrt eine mit Vergoldung veredelte Schale aus dem gleichen Farbglas (Inv.-Nr. VI 12659, publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" in museum-digital.de). Sie soll ebenfalls eine Zechliner Provenienz haben, was der Vergleich mit dieser bezeichneten Schale bekräftigt. [Verena Wasmuth] MAKR
Schale mit Päonien- und Chrysanthemen-Dekor ("famille rose")
Kunstgewerbemuseum
Die Schale weist einen asymmetrisch angeordneten Dekor aus blühenden Päonien- und Chrysanthemenzweigen auf. Die Farbgebung entspricht mit ihren beiden Rosatönen der als "famille rose" bezeichneten Dekorgruppe. Die Aufglasurfarbpalette opaker Rosatöne wurde in den kaiserlichen Werkstätten in Peking (Beijing) in der späten Kangxi- (1662-1722)- und Yongzheng-Ära (1723-1735), parallel zur Emailtechnik auf Metall, entwickelt. In China spricht man von falangcai-Porzellanen ("Emailfarben", in der westlichen Literatur als "fremde Farben" übersetzt). Bei der Schale wird der emailartige Charakter durch die reliefierte Konturenbetonung unterstrichen. Die in die Rückseite eingekratzte und geschwärzte sog. Palaisnummer "N: 176 I" weist die Schale als Bestandteil der ehemaligen Porzellansammlung Augusts des Starken im Japanischen Palais in Dresden aus. Weitere Teile dieses einst umfangreichen chinesischen Services sind im 19. Jahrhundert auf verschiedene Museen verteilt worden, darunter das Victoria & Albert Museum in London. Weiterführende Informationen zu Vergleichstücken in dem 2015 erschienenen Katalog "Made in China" des Ostfriesischen Landesmuseums Emden (hrsg. Annette Kanzenbach und Daniel Suebsman). ClKa
Fußschale mit alttestamentarischen Szenen
Kunstgewerbemuseum
Das Gefäß wurde aus drei Teilen zusammengesetzt. Dunkelrot schimmerndes Grundemail, Modellierung in kräftigen Weißhöhungen. Konturen und Binnenzeichnung meist in enlevage-Technik herausgekratz, dünne Rotlavierungen im Inkarnat. Auf der Unterseite der Schale, auf dem Kopf stehend, ist eine Episode aus dem Buch Mose des Alten Testaments wiedergegeben: Moses schlägt Wasser aus dem Felsen (Exodus 17, Vers 1-6). Die Form der Schale sowie die Tatsache, daß die Hauptszenen auf der Unterseite und hier auf dem Kopf stehen, lassen darauf schließen, daß es sich bei dieser "Schale" ursprünglich um einen Deckel gehandelt haben dürfte, der später ummontiert worden ist. Die Darstellung geht zurück auf Holzschnitt-Illustrationen Bernard Salomons in verschiedenen, um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Lyon erschienenen illustrierten Bibelausgaben. Die Puttengruppen auf dem Fuß gehen zurück auf eine Kupferstichfolge der Argonautensage, entworfen von Léonard Thiry und gestochen von René Boyvin (RD 39-64). Wie die alttestamentarische Erzählung vom Manna-Segen in der Wüste ist das Quellwunder - Brot und Wasser für das auserwählte Volk Gottes - eine signifikante Zierde für Tafelgerät.
Evangelistenschale aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Zinnenkreuz, Evangelistensymbole und Baldachine gegossen. Profilrand der Schale gesondert gearbeitet. Evangelistensymbole, Zinnenkranz innen, Schale mit Ausnahme des Randes, der gravierten Blüten und des Mittelmedaillons unvergoldet. Baldachine durch einen angelöteten Ring verbunden, daran die Schale durch einen Zungenkranz befestigt. Graviertes wie gepunztes Prankenkreuz je einmal auf einem Fußring und auf der Schalenunterseite sowie dreimal auf dem Medaillon. Besonders die Figuren und das Medaillon von hoher handwerklicher Qualität. Breit ausladende Schale, getragen von den Symbolen der vier Evangelisten unter Baldachinen, die aus im Dreieck angeordneten Wimpergen gebildet sind. Dem Betrachter Bänder mit ihren Namen weisend, sitzen sie auf rechteckigen Sockeln mit Zinnenkranz, die gleichsam die Türme einer Befestigungsanlage darstellen. Schale verziert mit einem gravierten Fries aus Blattranken, hängenden Blüten und birnförmigen Früchten. Auf der profilierten Wölbung des Schalenbodens ein reliefiertes Medaillon, das den Weltenrichter zeigt, thronend auf dem Regenbogen und die Weltkugel zu seinen Füßen. Seinem Munde entspringen als Sinnbilder der Gnade und Gerechtigkeit Lilienzweig und Schwert (Mt 6, 28ff. und Offb 19, 15), und er weist nach rechts und links auf umlaufende, in gotischen Minuskeln geschriebene Sprüche. Sie lauten, jeweils oben beginnend: "venite benedicti in regnu(m) dei" (Kommt ihr Gesegneten in das Reich Gottes, nach Mt 25, 34) und "ite maledicti in igne(m) eternu(m)" (Geht ihr Verfluchten in das ewige Feuer, nach Mt 25, 41). Als Hintergrund ein fein punzierter Blattkranz und Blattranken.
Kirchenväterschale aus dem Lüneburger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Technisch entsprechend Inv. Nr. 1874,394, Ausführung aber weniger sorgfältig. Zeichen auf der Mitra des Ambrosius. Große Eindellung in der Schale. Email des Medaillons teilweise verloren. Außer den Figuren weitgehend mit der Evangelistenschale übereinstimmend. Mauerkranz nach demselben Modell gegossen, im Durchmesser aber größer, die Türme breiter, auch sind gegenüber der früheren Schale die Ecken des Fußringes abgerundet. Identisch ist der gravierte Fries des Schalenrandes. Die vier lateinischen Kirchenväter thronen in einer Baldachinarchitektur aus gotischem Strebewerk, Spitzbögen, Triforien, Fialen und Wasserspeiern. Gregorius ist durch die Tiara (Teil des Stabes abgebrochen), Hieronymus durch den Löwen mit Nagel gekennzeichnet, Augustinus und Ambrosius (beide mit aufgeschlagenem Buch) sind nur durch kleine auf ihren Mitren befindliche Sternchen bzw. Prankenkreuze unterschieden. Den Architekturen und Figuren liegt jeweils ein Modell zugrunde, die Figuren unterscheiden sich nur in ihren Attributen, Kopfbedeckungen, Handhaltungen, der Hieronymus auch durch einen anderen Gewandtypus. Im Schaleninneren ein emailliertes Wappen-Medaillon mit der Inschrift: HANC APOTECARIUS TRIBVIT DOMINIS MATHIAS MUST 1476. (Diese Schale schenkte der Apotheker Matthias Must den Ratsherren 1476). Farben: Schwarz, Blau, Honigfarbe und transluzides Grün. Zwischen dem Wappen und einem umgebenden Blattkranz graviert (und ehemals emailliert) Blätter, Blüten, ein Hund und ein geflügeltes Mischwesen.
Große Konfektschale mit Granatäpfeln aus dem Lünebuerger Ratssilber
Kunstgewerbemuseum
Rand gesondert gefertigt und wie der Mittelbuckel vergoldet, Außenseite unvergoldet. Marken in der Mitte der Unterseite. – Emaillierung beschädigt. Flache Schale auf drei naturgetreu gestalteten, als Füße dienenden Granatäpfeln mit spiralig gedrehtem Stiel. Wandung aus 24 zungenförmigen Buckeln, dazwischen von außen gepunzte Blütenmotive. Nach innen getriebenes, auf dem Grund punziertes Mittelteil: umlaufender, tremolierter Astring, aus dem sechs aufgesprungene Granatäpfel, alternierend mit Blattrankenwerk, wachsen. Im rot und transluzid grün emaillierten Mittelfeld zwei Wappenschilder und Pflanzendekor, umlaufend ein Flechtkranz mit dreilappigen Blättern. Im einen Schild Darstellung der Anna Selbdritt, im anderen Wappen der Familie Stolterbole. Die Schale wird 1535 als Herwede (Nachlaßsteuer) erwähnt: "Jt. 30m bartold Stolterbole 1 schale noch 1 sulueren schale im testamente gegheuen", erscheint auch im Inventar von 1555/56 (B. 21) als "Ein nige suluere schale, so Bartelt Stolterbole gegeuen", und genauer im Inventar von 1598 (C. 162) als "Ein silbern Schale mit einem Fuss, mitten ausgetrieben, vnd etwas verguldet, vnd Stolterbolen wapen, Nemblich drey wolffsangel im blaën felde."