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Objekttyp: Schrankenplatte
Relief mit Petrus in einer Wunderszene
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf der Vorderseite der Schrankenplatte erscheint Petrus, der ein großes Kreuz – Zeichen seines Martyriums – schultert und seine rechte Hand in einer Gebärde erhebt, die das sich rechts ereignende Geschehen bezeugt. Er trägt die typische Kleidung der Apostel: Tunika und Pallium sowie Sandalen an den Füßen. Die Nase war gesondert angesetzt. Links neben ihm schreitet ein Mann in gebückter Haltung und mit gesenktem Haupt. Er ist mit der kurzen, gegürteten Tunika und bis zur Wade reichenden Stiefeln bekleidet. Seine Arme sind weggebrochen, doch erkennt man an den Ansätzen, dass sie leicht vorgestreckt waren. Die vermutlich jüngere Rückseite zeigt ein großes Kreuz, das sich über einen Himmelsglobus auf zweistufigem Unterbau erhebt. Das Kreuz war Teil einer symmetrisch um ein Zentralmotiv (Kreuz?) angeordneten Komposition. Die Vorderseite der einst 233 cm langen Platte schmückte eine vielfigurige Szene, vermutlich die Heilung der beiden Blinden von Jericho (Matthäus 20,30-34) mit Christus im Zentrum, begleitet von weiteren Jüngern.
Platte mit Monogramm
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In einen quadratischen Rahmen sind ein Rhombus, ein Vierpass und ein Kreis geschachtelt. Der Kreis umschließt ein Monogramm aus griechischen Buchstaben, die sich übersetzt zu »des Bischofs« zusammensetzen lassen. Die Platte gehört zu Architekturteilen, die 1903 in Milet in einer Kirche mit Grundriss eines Zentralbaues ausgegraben wurden. Eine unvollständige Inschrift auf einem ebenfalls ausgestellten Türsturz identifiziert das Gebäude als Marienkirche. Übersetzt lautet die Türinschrift »[…] der heiligen ruhmvollen Gottesgebärerin und immer jungfräulichen Maria, der in der (Region) des Kyros«. Sie spielt damit auf den Zusammenhang mit einer Marienkirche in der Region des Kyros in Konstantinopel an. Der auf der Platte erwähnte Bischof war wahrscheinlich Bischof von Milet, doch lässt er sich nicht namentlich identifizieren. Format, Dicke und Bearbeitungsspuren lassen vermuten, dass der Block nicht als Schrankenplatte diente, sondern in eine Wand eingesetzt war.
Schrankenplatte mit geometrischen Motiven auf der einen und Lateinischem Kreuz auf der anderen Seite
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Schauseite der auf beiden Seiten verzierten Schrankenplatte ist in zwei annähernd quadratische Felder aufgeteilt, die durch kräftige Profile gerahmt und weiter unterteilt werden. In das linke Feld sind zwei konzentrische Rauten eingeschrieben, an deren Ecken jeweils ein doppelschichtiges herzförmiges Blatt sitzt. Die außen verbleibenden dreieckigen Felder sind mit stilisierten Blatt- und Fruchtformen gefüllt. Das innere Quadrat umschließt eine Kreuzrosette. Dem rechten Feld ist orthogonal ein kleines Quadrat eingeschrieben, das von Dreiviertelkreisen an den Ecken und spitzen Winkeln an den Seiten so umgeben wird, dass der Eindruck eines Vierpasses mit dazwischen gefügten Spitzen entsteht. Das Zentrum bildet auch hier eine Kreuzrosette. Das einzige Motiv der gerahmten Rückseite bildet ein lateinisches Kreuz mit geschweiften Hastenenden auf einer kreisrunden Scheibe in flachem Relief. Die kräftige Profilierung der Vorderseite ebenso wie die vegetabilen Füllmotive sind typisch für Bauglieder der iustinianischen Zeit, häufig treten sie in Verbindung mit konzentrisch oder über Eck verschachtelten Quadraten, Rauten und Vierpässen auf. Besonders ähnlich ist eine Reliefplatte im Archäologischen Museum in İstanbul, die aus der iustinianischen Apostelkirche stammen soll. Die 1906 für das Museum erworbene Schrankenplatte wurde in einem Vorort İstanbuls, in Bakırköy (früher Makriköy) gefunden. Dort befand sich in byzantinischer Zeit ein Hebdomon genannter Platz, der sieben römische Meilen westlich des Milion lag, des zentralen Meilensteins vor der Hagia Sophia. Neben einem Militärlager, einem Hafen und Palastbauten wurden an dieser Stelle seit dem 4. Jahrhundert Kirchen errichtet. In einer dieser Kirchen wird die Schrankenplatte zur Abgrenzung des Sanktuariums vom Naos oder aber als Brüstung einer Empore gedient haben. Für die iustinianische Zeit ist die Erneuerung mehrerer Kirchen – Johannes des Täufers, der heiligen Theodote und des heiligen Bikentios – bezeugt. Doch kann die Schrankenplatte ebenso gut zu einer dieser Kirchen gehört haben wie zu einer nicht in den Quellen erwähnten Neuausstattung einer anderen.
Schrankenplatte mit Tieren und Ornamenten in Schlingbandranke, Fragment
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von der Platte ist nur noch das rechte Endstück erhalten. Das Kreisnetz aus einem dreistreifigen Band ist ähnlich konstruiert wie auf römischen Schrankenplatten des 9. Jahrhunderts (vgl. Inv. 6366), womit deutlich wird, wie verbreitet diese Art der Flechtbandornamentik im mittelbyzantinischen Kulturkreis war. Lediglich am Außenrand ist die Borte durch je eine weitere Schlinge innerhalb der Zwischenräume vermehrt. Die Kreise sind mit verschiedenen pflanzlichen, ornamentalen und figürlichen Motiven gefüllt. Von links oben nach rechts unten: Achtstrahlige Rosette; gleicharmiges Kreuz mit geschweiften Zackenenden; Akanthuspalmette; Raubtier (Löwe oder Drache?) mit streifiger Mähne, zurückgewandtem Kopf, aufgerissenem Rachen und herausgestreckter Zunge; Kopfreste eines Vogels(?); Löwe mit aufgerissenem Rachen und aufwärts geschwungenem Schweif. In den Zwickeln zwischen den Kreisschlingen oben Knotenornament, unten Kreuz mit abgerundeten Enden. Der gebundene, flache und etwas trockene Stil der Platte findet seine Parallelen in der östlichen Bauplastik des 10./11. Jahrhundets.