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Objekttyp: Statue (Rundbild)
Unterteil einer kuboiden Statue (Würfelhocker) des Pa-iri-Jah, sekundär zu einem Mörser umgearbeitet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Erhalten ist noch der untere Teil einer kuboiden Statue, die nach massiven Brandeinwirkungen in zahlreiche Teile zerplatzt war und nun wieder zusammengesetzt ist. Der gesamte obere Teil sowie die nach vorne ragenden Füße wurden während eines späteren, unbekannten Zeitpunktes abgearbeitet, als die Statue zu einem Mörser umfunktioniert wurde. Auf der planen, neu geschaffenen Oberseite ist um die Öffnung im Abstand von ca. 1 cm eine Rille gezogen. Am vorderen Teil des Gewandes sind noch fünf Zeilen einer eingravierten, linksläufigen Hieroglyphenschrift mit Zeilentrennern erhalten, die sich wie folgt übersetzen lassen: „[Der König gebe ein Opfer an Osiris], damit jener gebe ein Totenopfer an Rindern, Vögeln und allen vollkommenen und reinen Dingen, von denen der Gott lebt, an allem, was herausgekommen ist auf den Opferaltar für den Herrn der Ewigkeit, für den Ka des Renep-Priesters, Diensthabenden und Gehilfen des Sieglers, Pa-iri-Jah, Sohn des Renep-Priesters Peteese, gerechtfertigt, geboren von der Herrin des Hauses, Sistrumspielerin bei Hathor, der von ihrem Ehemann Versorgten, Schesep-Amun-tai-es-herit, gerechtfertigt.“ Auf dem breiten und flachen Rückenpfeiler finden sich noch die unteren Partien von drei Kolumnen, deren Anfang jeweils verloren gegangen ist. Der nicht klar übersetzbare Titel „Renep“ wird von Priestern im 3. Unterägyptischen Gau mit der Hauptstadt Kom el-Hisn getragen. Dies könnte einen Hinweis auf die ursprüngliche Herkunft der Statue aus Kom el-Hisn bieten, jedoch ist es gut möglich, dass die Statue auch ursprünglich im nicht weit entfernten Saïs gestanden hat, wo sie jedenfalls im 19. Jh. gefunden wurde. Der Gott Osiris als Herr der Ewigkeit ist eine in Saïs verehrte Lokalform, dessen Kapelle sich im Neith-Tempel von Saïs befand und die in der Mitte der 26. Dynastie restauriert wurde. Vielleicht war die Statue des Pa-iri-Jah dort im Tempelkomplex der Neith aufgestellt. Ähnliches ist für den Naophor Berlin ÄM 12421 zu vermuten. Man könnte vermuten, dass der Kuboid zusammen mit dem Naophor vergesellschaftet war. (Jan Moje)
Doppelstatue des Neferhor mit seiner Ehefrau Wiaj
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Doppelstatue präsentiert ihren Besitzer Nefer-Hor mit seiner Frau Wiaj. Der Mann trägt ein hemdartiges Oberteil und einen Plisseeschurz sowie eine zweiteilige, schulterlange Perücke, deren unterer Bereich eine feine Löckchenstruktur aufweist. Seine Frau ist mit einem feinen, faltenreichen Gewand bekleidet. Ihr Gesicht wird von einer dreiteiligen Löckchenperücke gerahmt, und die Brustlappen sind mit jeweils einem geflochtenen Zopf verziert. Im Alten Ägypten waren Perücken ein wichtiger Bestandteil der Kleidung, vor allem wenn man im Königshaus oder als Beamter arbeitete. Die reich plissierte Kleidung der beiden Dargestellten sowie die aufwendig verzierten Haartrachten heben sich von den einfacheren Gewändern und Formen der 18. Dynastie ab und gelten als Datierungskriterium für die Ramessidenzeit (1292 – 1070 v. Chr.). Ebenfalls von Bedeutung ist der Schmuck des Ehepaares: Die detailliert gestalteten Armreife weisen auf einen gehobenen sozialen Status des Ehepaares hin. Die Inschrift auf der Rückenlehne nennt die Titel und Aufgaben der beiden. Nefer-Hor war der „Schreiber des Gottesopfers von allen Göttern in Ober- und Unterägypten“ und zusätzlich der „Oberarchivar der Scheune des Pharao“. Damit hatte Nefer-Hor sowohl in der Tempelversorgung als auch in der staatlichen Getreideverwaltung ein Amt inne. In der Zeit des Neuen Reiches waren die Gesamtverwaltungen der Tempel und des Staates eng miteinander verknüpft. Seine Frau, die im Text auch liebevoll als Nefer-Hors Schwester bezeichnet wird, war eine „Sängerin der Göttin Mut“. Aufgrund der Darstellungsweise und des Textinhaltes liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem Objekt um eine Grabstatue handelt. In den ramessidischen Gräbern wurden sie in der zentralen Kultkapelle oder in den Nebenkultstellen des Grabes platziert, um dort Opfergaben zu empfangen. Die Darstellungsweise von Nefer-Hor und Wiaj zeigt die beiden in der Blüte ihres Lebens, kanonisiert und idealisiert – ein typisches Merkmal altägyptischer Kunst. Allerdings hat sich der Künstler dieser Statuengruppe mit den Proportionen verschätzt: Der rechte Arm von Wiaj ist zu lang gearbeitet und scheint somit nicht recht zum Rest ihres Körpers zu passen. (M. Jung)
Kniefigur eines Mannes, eine Osirisfigur haltend (Theophor); auf seinen Schultern hockt ein Mantelpavian
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die unfertige Statue zeigt einen knienden Mann, der vor sich eine Figur des sitzenden Gottes Osiris hält, dessen Kopf nicht mehr erhalten ist. Auf seinen Schultern hockt ein Pavian, das heilige Tier des Schreibergottes Thot von Hermupolis. Er hat seine Hände schützend auf die Stirn des Mannes gelegt. Diese Darstellung und der Gestus zeigen, dass es sich bei dem Mann wahrscheinlich um einen Schreiber handelt. Auffällig ist die unterschiedliche Bearbeitung der Statue. Während der obere Teil, vor allem der Pavian, sehr detailliert ausgearbeitet ist, wurden das Gesicht und der Rest der Skulptur nur oberflächlich bearbeitet und nicht vollständig fertiggestellt. Man erkennt eindeutig die Werkzeugspuren. Zahlreiche halbfertige Objekte, vor allem Skulpturen und Reliefs, haben sich bis heute erhalten. Sie dienten zum einen als Lehrmaterial für die Ausbildung von Bildhauern und geben dadurch Einblick in den Werkprozess der Künstlerwerkstätten des Alten Ägypten. Zum anderen wurden einige Statuen auf Vorrat produziert und erst nach Bestellung endgültig bearbeitet. Wenn der Käufer den Auftrag gab, die Statue fertigzustellen, wurden das Gesicht, die Kleidung und die Inschriften ausgeführt. Das Wichtigste war die Anbringung des Namens, da dieser die Skulptur zu einem Individualbild werden ließ und damit die Persönlichkeit des Dargestellten bewahrte. Eine weitere Besonderheit des Objekts ist der Pavian auf dem Kopf des Mannes. Dieser Statuentypus ist nicht häufig belegt und drückt eine der engsten Verbindungen und Nähe des Gottes Thot mit dem Menschen aus. Thot war der Schreiber der Götter und der Herr über die Jahreszeiten, Mondphasen sowie den Kalender. Jeder Schreiber hatte den Wunsch Thot’s Fähigkeiten wie Genauigkeit, Wissen, Bildung und vieles mehr zu erlernen. Die Anwesenheit des Thot stärkte den Besitzer der Figur in seinem Bemühen, ein vorbildlicher Beamter zu sein. Die Figur gehört zudem zu den theophoren Statuen. In demütiger Haltung stiftet der Besitzer die Statue des Totengottes Osiris und bringt so seine Verehrung zum Ausdruck. Die Statue hätte vermutlich nach ihrer Fertigstellung im Tempelbezirk gestanden, entweder im Hofbereich oder vor den Pylonen. Hier nahm sie am täglichen Opferritual teil, d. h., sie war Bestandteil des altägyptischen Kultes und erhielt Speis und Trank. M. Jung
Oberteil einer Standfigur der Göttin Sachmet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das Oberteil gehört zu einer großen Standfigur der Göttin Sachmet. Ihr ägyptischer Name bedeutet die „Mächtige“, was durch ihre löwenköpfige Darstellung noch betont wird. Sie verkörpert demnach einen wilden, furchteinflößenden und gefährlichen Aspekt. Auch ist Sachmet die Göttin des Krieges und begleitet den König im Kampf, um ihm zum Sieg über die Feinde zu verhelfen. Auf der anderen Seite ist sie aber auch eine Göttin, die vor Krankheiten schützt, und hat eine heilende Wirkung. Darüber hinaus kann Sachmet Katastrophen, wie Kriege, Stürme und Plagen, vorhersagen und abwenden. Sie bildet mit den Göttern Ptah und Nefertem eine Triade und hatte ihren Hauptkultort in Memphis. Als Tochter des Re und an der Seite ihres Göttergemahls Ptah, ist sie eine der wichtigsten Göttinnen des altägyptischen Pantheon. Im Neuen Reich wird sie mit der Göttin Mut gleichgesetzt, der König Amenophis III. wohl mehr als 600 solcher Statuen in ihren Tempel in Karnak und in seinen Totentempel in Theben-West stiftete, von denen die vorderen saßen und die hinteren standen. Heute sind sie über die ganze Welt verteilt. In der Forschung wird vermutet, dass man jeden Tag einer anderen Statue Opfer darbrachte und vor ihr betete. Vielleicht sollten sie aber auch nur großes Unheil abwehren, wie z. B. die Pest, die wahrscheinlich zu dieser Zeit wütete und etliche Opfer forderte. Sachmet wird immer als Frau mit Löwenkopf dargestellt. Letzterer ist bei dieser Statue detailliert wiedergegeben und wird von einer Löwenmähne umrahmt, die in eine dreiteilige Perücke übergeht und somit geschickt den Übergang von Löwe zu Mensch verdeckt. Die Göttin trägt einen breiten Halskragen. Ursprünglich umfasste sie mit ihrer linken Hand ein langes, knapp bis unter die Brüste reichendes Papyruszepter, von dem noch der obere Abschluss zu sehen ist. Ab dem Neuen Reich wird sie häufig mit den ihr typischen Attributen Sonnenscheibe, Uräusschlange, Anch-Zeichen und Papyruszepter dargestellt. (J. Jancziak)
Fragment eines linken Ohres einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Sowohl die Größe als auch der Farbton der Ohren zeigen deutlich, dass diese von zwei verschiedenen etwa lebensgroßen Statuen stammen.
Fragment eines rechten Ohres einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Sowohl die Größe als auch der Farbton der Ohren zeigen deutlich, dass diese von zwei verschiedenen etwa lebensgroßen Statuen stammen.
Unvollendeter Kopf einer Statue einer Frau
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Bei ÄM 21289 handelt es sich nach dem Fundjournal Ludwig Borchardts um den Kopf einer unvollendeten weiblichn Statue und „eine Anzahl zum Teil sicher nicht dazugehörender Bruchstücke aus demselben Material“. Diese wurden in der so genannten „tiefen Halle“ von P 47.3 gefunden. Nach: Taschner, L.; Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 390 (Kat.-Nr. 178).
Teil einer Statue, aus einzelnen Fragmenten zusammengefügt
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Bei dem Objekt handelt es sich um 12 zusammengefügte Fragmente, die aus zwei verschiedenen Fundgruppen (ÄM 21372 und ÄM 21289) stammen. Sie sollen an dieser Stelle separat erklärt werden, um eine vollständige Erfassung der Rekonstruktion zu ermöglichen. ÄM 21372: Laut Fundjournal Ludwig Borchardts handelt es sich bei ÄM 21372 um „mehrere Bruchstücke von verschiedenen Skulpturen“. Ein genauer Fundkontext ist nicht angegeben. Von ÄM 21372 wurden 16 Stücke, von ursprünglich 24, entnommen. Nur 11 dieser Fragmente konnten zusammengefügt werden. Es scheint jedoch sicher, dass die übrigen Stücke ebenfalls zum Objekt gehören. ÄM 21289: Bei ÄM 21289 handelt es sich nach dem Fundjournal Ludwig Borchardts um den Kopf einer unvollendeten Statue und „eine Anzahl zum Teil sicher nicht dazugehörender Bruchstücke aus demselben Material“. Diese wurden in der so genannten „tiefen Halle“ von P 47.3 gefunden. Ein Fragment aus ÄM 21289 wurde der Gruppe entnommen und zusammen mit den elf bereits erwähnten Bruchstücken von ÄM 21372 zu der neuen Nummer ÄM 37352 zusammengesetzt. Aus: Taschner, L.; Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 390 (Kat.-Nr. 178).
Kopf einer Königin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Statuenkopf aus rotem Sandstein wurde in demselben Raum gefunden, aus dem das Statuenfragment ÄM 21223, der Kopf einer Prinzessin, stammt. Im Grabungstagebuch ist Folgendes festgehalten: „Teile einer lebensgroßen Statue des Königs aus rötlichem Sandstein; erhalten ist die obere Gesichtspartie, halbe Nase, Augen und Stirn in 3 Teilen, Nacken und Teil des Halses in / Teil, Lippe und Kinn fehlen leider; auch diese Arbeit ist nicht vollendet und weist Vorzeichnungen auf. Bruchstücke eines Beines.“ Als die hier angesprochenen „Beinstücke“ konnten die Fragmente ÄM 21312 identifiziert werden. Es ist jedoch nicht eindeutig feststellbar, ob es sich nicht doch um Armbruchstücke handelt. Von den ehemaligen Vorzeichnungen ist heute nur noch sehr wenig erkennbar, lediglich rote Spuren an den Augen weisen darauf hin. Die groben, ohne Binnendetails gestalteten Ohren und die Augen ohne ausgearbeitete Lider bezeugen, dass die Figur nicht zu Ende gearbeitet wurde. Trotz der fragmentarischen und unvollendeten Erscheinung des Kopfes vermittelt er dem Betrachter den Eindruck von Unnahbarkeit und Erhabenheit. Umstritten ist das Geschlecht der dargestellten Person. Die Reste eines Zapfens auf dem Kopf deuten auf eine Kompositfigur mit einer separat angefertigten Krone hin, so dass sich der Personenkreis auf das Königspaar eingrenzen lässt. Ein Vergleich mit den Köpfen ÄM 21220 und 21358 spricht dafür, dass es sich wahrscheinlich um die Darstellung einer Königin, wohl Nofretete, handelt – vermutlich aus der Endphase der Amarnazeit, da der Kopf große Ähnlichkeiten mit ÄM 21358 aufweist, der als „ältere Nofretete“ bezeichnet wird. Dorothea Arnold vermutet bei diesem zuletzt genannten Stück, dass es vom jüngsten Bildhauer der Werkstatt des Thutmosis geschaffen wurde, der in der Nach-Amarnazeit an den Tempeln in Theben tätig war. Trotz dieser Vergleichstücke fallen aber auch die Unterschiede auf, die sich in der relativ breiten Nase, dem gedrungenen Kopf und der dadurch etwas zu breiten Wangenpartie bemerkbar machen. Das Fehlen des Mundes und von einem Teil der Nase ist auffällig. Es ist möglich, dass bei der Grabung nicht alle Fragmente entdeckt wurden; denkbar ist aber auch, dass der Figur absichtlich der Mund ausgeschlagen wurde, was einer „damnatio memoriae“, dem Auslöschen des Andenkens einer Person, gleichkäme. An den Bruchkanten der Fragmente ist nicht erkennbar, ob hier ein Meißel angesetzt wurde. Wenn hier eine beabsichtigte Ausschlagung erfolgt sein sollte, dann wäre die Annahme eines Abbildes des Echnaton ÄM 21222 am sichersten, was der Vermutung der Ausgräber von 1912 entspräche. Aus: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 346 (Kat.-Nr. 128).
Fragmente einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die drei Fragmente mit der Inventarnummer ÄM 21312 sind aus Sandstein gefertigt. Sie bildeten die Extremitäten – vielleicht Teile der Arme – einer Figur, die unvollendet blieb. Sie gehören zum Statuenkopf ÄM 21222. Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 278 (Kat.-Nr. 55).
Fragment einer Prinzessinnenlocke einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahre 1912 stieß Borchardt auf die Mauern eines umfangreichen Komplexes, der als Wohn- und Arbeitsort des Oberbildhauers Thutmosis identifiziert wurde. In den Werkstätten dieser großflächigen Anlage befanden sich, neben der berühmten Büste der Nofretete, zahlreiche Einzelteile für Statuen. Bei diesen Teilen handelte es sich meist um Körperteile, die aus verschiedensten Materialien hergestellt wurden und die miteinander kombiniert werden konnten. Die fertige Statue bestand somit aus einer Komposition einzelner Stücke, was den Fachterminus „Kompositstatue“ prägte. Besonders beeindruckend ist die einsetzbare Locke einer Prinzessin (ÄM 21272). Sie besteht aus Granit und kann durch einen Zapfen in den Kopf einer Kompositstatue eingesetzt werden. Nach: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 356 (Kat.-Nr. 133).
Unterteil einer Büste
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahre 1912 stieß Borchardt auf die Mauern eines umfangreichen Komplexes, der als Wohn- und Arbeitsort des Oberbildhauers Thutmosis identifiziert wurde. In den Werkstätten dieser großflächigen Anlage befanden sich, neben der berühmten Büste der Nofretete, zahlreiche Einzelteile für Statuen. Bei diesen Teilen handelte es sich meist um Körperteile, die aus verschiedensten Materialien hergestellt wurden und die miteinander kombiniert werden konnten. Die fertige Statue bestand somit aus einer Komposition einzelner Stücke, was den Fachterminus „Kompositstatue“ prägte. In der Werkstatt befanden sich zudem viele unfertige Reliefs, Büsten und Statuen. Es ist deshalb nicht immer eindeutig zu erkennen, ob es sich um Teile für Kompositstatuen oder um Bildhauermodelle handelt. Als Material für Bildhauermodelle eignete sich vor allem Gips oder Kalkstein, da diese einfach zu bearbeiten waren und in ausreichender Menge zur Verfügung standen. Von dem Stück (ÄM 21217) ist der gesamte Kopf weg gebrochen. Diese Büste aus porösem Kalkstein darf wohl als Bildhauermodell angesprochen werden, da fertige Körperteile von Kompositstatuen in der Regel aus Hartgestein bestanden. Deutlich sichtbar ist auch die vertikale Mittellinie, an der sich der Bildhauer orientieren konnte. Die Oberflächenstruktur der Büste ist im Halsbereich bereits deutlich herausgearbeitet worden. Rundplastische Büsten sind im Alten Ägypten eher selten belegt und treten vermehrt erst mit der Amarna-Zeit auf, wohingegen der Typus im Flachbild häufiger dargestellt wurde. Nach: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 356 (Kat.-Nr. 133).
Standfigur einer Königin oder Göttin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Statue zeigt eine stehende Frau mit vorgestelltem linken Bein. Auf der Rückseite befindet sich ein sehr flacher, rechteckig abschließender und unbeschrifteter Rückenpfeiler. Die Arme hängen vertikal eng am Körper herab und in der rechten Hand hält die Figur einen Schattenstab. Sie ist mit einem glatten Gewand bekleidet, das bis auf die Unterarme den gesamten Körper bedeckt. Unter dem Gewand, vor allem im Bereich der Brüste und des Bauches, tritt der schlanke Körper deutlich hervor. Den Kopf bedeckt eine dreiteilige Perücke, deren seitliche Teile bis auf die Brust reichen. Oberhalb der Ohren umgibt diese ein bereits horizontales Band mit einem Uräus über der Stirn; plastisch kaum abgesetzt läuft es am Hinterkopf in den Rückenpfeiler hinein. Auf der Kalotte befinden sich ein quadratisches Zapfenloch und eine sorgfältig aufgeraute Fläche für den Kronenaufsatz. Das Gesicht ist oval, das Karnat voll und faltenlos. Infolge der Uräusschlange wurde die Statue stets unter die Königinnenbildnisse eingereiht, obgleich diese auch bei Göttinnen gut bezeugt ist. Ohne weitere Epitheta oder eine Inschrift ist diese Statue daher nicht eindeutig als Königin oder Göttin zu identifizieren. Auch stilistisch ist ihre Einordnung umstritten. Einerseits werden die konventionellen Elemente als Hinweis für eine Datierung in die ausgehende Spätzeit gewertet, andererseits wird die Statue ohne nähere Erläuterungen in die ptolemäische Zeit datiert. Kaum zu beantworten ist die Frage, welcher der frühen Ptolemäerinnen dieser Statue darstellen könnte. (J. Helmbold-Doyé)
Zwei einander umarmende Skarabäen mit Menschenkopf
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Zwei Skarabäen stehen Bauch an Bauch zueinander. Ihre Kopfsegmente fehlen, stattdessen gehen die Nackenschilde ohne klare Grenze in einen menschlichen Brust-Hals-Bereich und Kopf über. Das Gesicht blickt über einen Käferleib hinweg, so dass die Rückenschilde der Tiere gewissermaßen Bauch und Rücken der Figur als Ganzes bilden. Die Beine der Käfer enden in Händen, die Proportionen der Gliedmaßen sind jedoch die des Insekts. Die ‚Arme‘ des vorderen Käfers sind über die des hinteren gelegt, so dass der Eindruck einer Umarmung entsteht. Am hinteren bzw. unteren Körperende halten die vier dort zusammentreffenden Gliedmaßen ein relativ kleines, rundliches, aber nicht genau kugelförmiges Objekt. Der haarlose Kopf gibt am ehesten einen Hinweis auf die vermutliche Datierung des Stücks. Das Gesicht ist das eines männlichen Erwachsenen mit kleinem Mund, vollen Wangen und leichtem Doppelkinn. Diese Formgebung ist charakteristisch für die sog. „Egg-heads“, die bevorzugt der 30. Dynastie oder der beginnenden Ptolemäerzeit zugerechnet werden. Hervorzuheben ist der nicht restlos vollendete Zustand: Am gesamten Objekt sind trotz des hellen Materials keinerlei Farbreste zu erkennen. Überdies ist der Stein an den Hinterhänden und am linken ‚Arm‘ des hinteren Käfers nicht vollständig abgearbeitet. Umgekehrt wurden die Ohren nachträglich entfernt, ohne Glättung der verbleibenden Oberfläche. Ob die auffällige Scharte am Hinterkopf im selben Zuge zugefügt wurde oder eine spätere Beschädigung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Stärkerer Abrieb an Hinterkopf und hinterem Rückenschild weist darauf hin, dass das Stück über längere Zeit in entsprechender Position lag. Stand jetzt ist der Doppelskarabäus mit Menschenkopf ohne genaue Parallele. Das geläufige Bildmotiv des Skarabäus mit Sonnenscheibe vor bzw. über dem Kopfsegment als Erscheinungsform des morgendlichen Sonnengottes legte eine vergleichbare Deutung nahe, die in der älteren Literatur auch so und ähnlich zu finden ist. Andererseits fehlt die Sonnenscheibe, und es bleiben das rundliche Objekt im Fußbereich und der menschliche Kopf zu erklären. Aufschluss geben mehrere Darstellungen in Reliefs meist ähnlicher Datierung, die einen Skarabäus mit Menschenkopf darüber zeigen. Dieser ist zusätzlich mit einem erigierten Phallus versehen, an dessen Spitze ein Ei steht, mit dem das hier gehaltene rundliche Objekt identisch sein dürfte. Damit kann die Skulptur als komplexe Figur des geschlechtlich handelnden Schöpfergottes angesprochen werden. Seine namentliche Identität geht aus den Beischriften zu einigen der Reliefs eindeutig hervor, nämlich „Ptah, der Selbstentstandene“ (Ptḥ ḫpr ḏs⸗f). Die Unterschiede zwischen zwei- und dreidimensionaler Darstellung – namentlich das Fehlen des Phallus und die zwangsläufig andere Position des Eis, dafür aber die Ausführung mit zwei Skarabäen – könnten auf die Grenzen des technisch Machbaren zurückgeführt werden. Weitere denkbare Ausdeutungen der Darstellung als Ganzes oder einzelner Bildmotive sind nicht auszuschließen und möglicherweise auch intendiert. Zu der/den anzunehmenden Funktion(en) des Stücks – rituell und/oder funerär – zumal unter Einbeziehung seines offenbar beabsichtig unfertigen und beschädigten Zustands sind keine gesicherten Aussagen möglich. Immerhin sprechen Material und Gewicht (ca. 7,5 kg) trotz der handhabbaren Größe gegen eine regelmäßige Verwendung als mobiles Kultobjekt. (Burkhard Backes / gekürzt aus: B. Backes, Summe seiner Teile? Überlegungen zum doppelten Skarabäus mit Menschenkopf Berlin ÄM 11405, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache (ZÄS) 146.2, 2019, S. 129–137 (mit älterer Literatur).)
Standfigur des Meh-Chonsu (Mx-Cnzw), eine Osirisfigur haltend (Theophor)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die qualitativ sehr gut bearbeitete Bronzestatuette eines Gottesvaters des Chons namens Meh-Chonsu stellt den kahlköpfigen Priester in schreitender Haltung dar, der in einem langen, plissierten Schurz mit Vorbau, glattem Ärmelhemd und Sandalen gekleidet ist. Um seinen Hals hängt ein Amulett in Form des falkenköpfigen Mondgottes Chons. Seine Hände liegen auf dem Vorderteil des Schurzes und berühren fast die Schultern einer Osirisstatuette, die sich vorne halbrundplastisch auf dem Schurz befindet. Auf der rechten Seite des Schurzes ist außerdem im erhabenen Relief ein Priester mit einem Räucherarm in seiner rechten Hand dargestellt; auf der anderen Seite sieht man noch einmal denselben Priester im erhabenen Relief, der zwei kugelartige Objekte in den Händen hält. Die Beischriften nennen ihn als Pa-scheri-(en)-Iset. Auf dem Oberkörper des Meh-Chonsu sind weitere, feine Dekorationen in Gravuren vorhanden. Auf dem Rücken ist in einem rechteckigen Bildfeld die Götterfamilie Osiris, Horus und Isis unter einer Himmelshieroglyphe dargestellt. Auf den Ärmeln des Hemdes sieht man rechts den menschengestaltigen Amun-Re mit Doppelfederkrone und links den ithyphallischen Amun von Luxor. Die theophore Statuette des Meh-Chonsu zeigt eine Darstellung des Darbringens einer Götterfigur bzw. des Beschütztseins durch den Gott Osiris, wobei er auch von anderen dargestellten Gottheiten, wie Chons und Amun, beschützt ist. Der an den Körperseiten dargestellte Priester Pa-scheri-(en)-Iset, höchstwahrscheinlich ein Familienangehöriger des Meh-Chonsu, opfert gleichzeitig dem Gott Osiris sowie dem Besitzer der Statuette Meh-Chonsu. ÄM 23732 gehört zu einer relativ kleinen Gruppe von besonders qualitätsvoll tauschierten Metallstatuen der Dritten Zwischenzeit. Die separat angefertigten Arme sind ebenfalls typisch für ihre Entstehungszeit. (I. Liao)
Standfigur des Horos, Sohn des Thotoes (Xr zA Twtw/Horsatutu)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Statue des Horsatutu gehört zweifellos zu den anspruchsvollsten Werken der späten Ptolemäerzeit, die von Privatpersonen in Auftrag gegeben wurden. Horsatutu trägt ein Unter- sowie ein Oberhemd, die vor allem anhand der runden und spitzen Ausschnitte zu erkennen sind. Darüber liegt auf der linken Schulter ein Mantel, der zudem einen Großteil des Oberkörpers umhüllt. Unterhalb des Brustkorbs diente eine vertikale längliche Einlassung zur Befestigung eines Amuletts - womöglich eine Figur der Göttin Neith. Die rechteckige Form des Kopfes wird durch scharf modellierte Falten dominiert. Das Haar umschließt den Kopf wie eine Kappe und ist in kurze Sichellocken unterteilt. Der Inschrift auf dem Rückenpfeiler nach handelt es sich um das Standbild des Horos, der Befehlshaber der Truppen im Delta der zugleich Priester der Göttin Neith in Sais war. Ursprünglich war die Statue in dem dortigen Tempel der Göttin aufgestellt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Frisur überarbeitet und das Haarband sowie die Halskette entfernt. Diese Veränderungen gehen wohl mit einer sekundären Aufstellung im augustäischen Alexandria, dem späteren Fundort, einher. (J. Helmbold-Doyé)
Kultstatue der Isis-Demeter mit Schlange und Cista
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Kultstatue ist in der (griechischen) Körperhaltung des Kontrapost gearbeitet. Bekleidet ist sie mit Chiton und Himation sowie Sandalen. In der Linken hält sie ein Henkelgefäß, in der Rechten eine sich windende Schlange. Das Gefäß ist zwar nicht als geflochtenes Körbchen erkennbar, greift aber wohl auf die alte Cista mystica der Demeter zurück. Die Haare sind in Korkenzieherlocken gelegt, auf dem Scheitel sitzt eine Krone aus Ähren, Sonnenscheibe und Schlange. Alle diese Attribute können mit Demeter und Isis verbunden werden, den Garantinnen für die Fruchtbarkeit der Erde und für eine reiche Ernte sowie allgemein für Regeneration und Schutz. (J. Helmbold-Doyé)