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Objekttyp: Statue (Rundbild )
Figur eines knieenden Mischwesens, das die Götter Horus, Amun, Min und Hapi in sich vereint
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Diese Statuette zeigt eine kniende, menschliche Gestalt mit Widderkopf, Strähnenperücke und Flügeln eines Vogels. Mit der linken Hand umfasst sie den Phallus, wohingegen die rechte zur Faust geballt auf dem Oberschenkel liegt. In der Statuette sind verschiedene Götter vereint, wobei der Widderkopf für Amun, die Flügel für Horus und die ityphallische Haltung für Min stehen könnten. Die Darstellung eines knienden Gottes ist äußerst selten belegt. Einer der wenigen Götter, der kniend gezeigt wird, ist der Gott der Nilflut Hapi. Auch der rundliche Bauch, die recht breiten Hüften und die ausgeprägte Wölbung des Brustbereichs stimmen mit der Ikonographie des Gottes Hapi überein. Somit vereint sich in dieser Statuette eine Vielzahl von Göttern, die mit Fruchtbarkeit und Wiedergeburt assoziiert werden können. Im 2. Weltkrieg erlitt die Statue erhebliche Schäden. Durch historische Aufnahmen und Gipsabgüsse der Statuette ist bekannt, dass sie in ihrem unbeschädigten Zustand auf der rechten Seite des niedrigen Sockels eine Inschrift trug, die heute verloren ist. Diese Inschrift lautete: „Amun-Re, Leiter des Schiffes, Herr der Kraft“. (Jalina Tschernig)
Sitzfigur eines Mannes (Sobeknihotep), mit vierzeiliger Inschrift
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die grob behauene Sitzstatuette zeigt einen, auf einem Hocker sitzenden Mann, der mit einem dreiteiligen Schurz bekleidet ist und dessen Hände flach ausgestreckt auf den Knien ruhen. Ein Teil der Sockelplatte sowie drei Zehen des linken Fußes der Statuette wurden modern ergänzt. Der rechte Arm des Mannes ist oberhalb des Ellenbogens bis zur Handfläche nicht mehr erhalten. Das Gesicht des Dargestellten dominiert durch große, mandelförmige Augen, die durch ihre schwarze Ausführung hervorstechen und oberhalb von, ebenfalls in schwarzer Farbe ausgeführten Brauenbögen begrenzt werden. Die Nase läuft in breiten Flügeln aus, wohingegen der Mund eher schmal und plastisch nicht sehr stark hervorgehoben ist. Gerahmt wird das Gesicht von einer schulterlangen, glatt belassenen Frisur, die mit blauer Farbe bemalt ist. Davor zeichnen sich die überdimensional großen Ohren, die für die Epoche des Mittleren Reiches so bezeichnend sind, ab. Auf der rechten Seite des Hockers befindet sich eine vier Kolumnen umfassende hieroglyphische Inschrift, die mit blauer Farbe ausgefüllt war und eine Opferformel enthält. Darin erbittet sich der Dargestellte von dem „großen Gott“ ein Opfer aus Brot, Bier, Rindfleisch und Geflügel für sein Fortbestehen im Jenseits. Der Text nennt des Weiteren den Namen des Mannes „Sobeknihotep“. Die Statuette kam durch Schenkung an das Museum. Der genaue Herkunftsort beziehungsweise der Fundzusammenhang sind unbekannt. Jedoch kann aufgrund der Inschrift und anderer Vergleichsbeispiele davon ausgegangen werden, dass die Statuette in einem Privatgrab aufgestellt war. Die noch sehr groß erscheinenden Augen verweisen auf eine Datierung an den Beginn der 12. Dynastie und somit den Anfang des Mittleren Reiches, da diese noch ein Darstellungsmerkmal der 1. Zwischenzeit sind. Handwerklich betrachtet stammt dieses Objekt, aufgrund der gröberen Oberflächenbehandlung sowie simpleren Formgebung, eher aus einer Herstellung in einem provinziellen Hintergrund. (Jessica Jancziak)
Hockfigur des Oberdomänenverwalters Iupa (Ywp૩) mit einem Bildnis des Gottes Osiris im Naos (Naophor)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Wie kreativ und souverän die ägyptische Kunst mit den Regeln Jahrtausende alter Konvention umzugehen versteht, zeigt die Würfelfigur des Jupa…Sie kombiniert die älteste Form dieses Typus, die noch Beine und Arme rundplastisch ausmodelliert, mit dem Naos der naophoren Kniefigur. Der wuchtige Basisblock definiert den Raum, aus dem heraus die Statue zum Kubus geschlossen ihr plastisches Volumen entwickelt und ihre Spannung und ihre Bereitschaft bezieht, sich zu erheben. Fünf Statuentypen sind für drei Jahrtausende ägyptischer Kunst ein Rahmenwerk, in dem sich eine unerschöpfliche stilistische und ikonografische Vielfalt entwickelt. Kontinuität wirkt nicht als Beengung, sondern als Grundlage künstlerischer Freiheit.“ Aus: Wildung, Dietrich - Fabian Reiter - Olivia Zorn, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung im Neuen Museum. 100 Meisterwerke, hrsg. v. Staatliche Museen zu Berlin, S. 78.
Statue einer Löwengottheit
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Figur des Gottes ist unvollendet. Er ist in üblicher Weise dargestellt mit vorgesetztem linken Bein, die rechte Hand hält das Lebenszeichen, die linke Hand sollte ein gesondert aus Metall gearbeitetes Gotteszepter senkrecht vor dem Körper halten. Den Übergang des Tierkopfes zum Körper vermittelt der schwere Haarschopf, dessen beiden vorderen Teile über der Brust noch nicht voneinander getrennt sind. Die Herstellung des altägyptischen Rundbildes ging von einem rechtwinklig zugehauenen Werkblock aus, auf dessen Flächen mit Hilfe eines Quadratnetzes alle einschlägigen Ansichtsseiten in Umriß und Detail aufgezeichnet wurden. Vorlagen waren Musterzeichnungen. Spuren des eingeritzten Quadratnetzes sind am Rückenpfeiler und am Hinterkopf der Figur noch zu sehen. Der bildhauerische Prozeß arbeitete auf allen Flächen gleichzeitig Schicht um Schicht des Steinblockes ab. Zwischenstadien zeigen, dass die Körperformen zunächst als rechteckige ebenflächige Formgebilde geschaffen wurden, aus denen dann in zunehmender Detaillierung die gerundeten Formen herausgearbeitet wurden. An der Löwenfigur st der Bildhauer inmitten dieses Prozesses stehengeblieben. Die Detailausformung ist bereits erreicht, die letzten Grate sind teilwiese schon abgeglättet, an der Außenseite des linken Beines ist eine Korrektur zu sehen: Das Volumen der Wade sollte wohl im Ganzen noch um eine Schicht verringert werden. Es fehlen Details, die mit Graviersticheln zu arbeiten waren, Binnenzeichnungen und Kanten des Schurzes, die Details an Kopf und Haar und anderes mehr. (Karl-Heinz Priese)
Kopf einer Sphinx, vorgeblich der Königin Hatschepsut
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser kleinformatige Königskopf kann aufgrund stilistischer Kriterien und porträthafter Ähnlichkeiten den Bildnissen der Pharaonen Hatschepsut oder Thutmosis III. zugewiesen werden. Anhaltspunkte hierfür bieten u.a. der leicht gebogene Nasenrücken und der Schnitt der Augen mit den verlängerten Lid- bzw. Schminkstrichen. Justiert man das Königsköpfchen entsprechend der vorgegebenen Blickachse und entsprechend der Bruchkanten des erhaltenen linken vorderen Teils des Königskopftuchs, wird deutlich, dass es ursprünglich zu einer kleineren Sphinx gehört haben muss. Trotz dieser recht eindeutigen Anhaltspunkte und einer Untersuchung des Gesteins durch das Rathgen-Forschungslabor wird von einigen Fachleuten die Authentizität des Stückes nach wie vor angezweifelt. Unabhängig von dieser Diskussion illustriert der Kopf anschaulich einige wichtige Details des königlichen Ornats, die sich seit der Zeit des Alten Reiches (seit 2600 v. Chr.) bis in die griechisch-römische Epoche als signifikant erhalten haben. Hierzu gehört das gefältete, quergestreifte Königskopftuch Nemes, das die Ohren frei lässt und in zwei, nach unten spitz auslaufenden Tuchteilen über die Schulter und das Schlüsselbein nach vorne auf dem oberen Brustbereich aufliegt. Am Hinterkopf wird dieses Tuch mittig zusammengebunden und endet meist in einer zopfartigen Rolle, die bis auf die Höhe des unteren Abschlusses der Schulterblätter reichen kann. Ein weiteres, unverzichtbares Detail des Königsornats ist die sich über der Stirn des Königs aufbäumende Kobra, deren Leib sich über den Scheitel des Königskopfes und seiner Kopfbedeckung windet. Die Ausgestaltung des Schlangenleibes und seiner Körperwindungen stellt ebenfalls ein signifikantes Datierungskriterium bei der Einordnung königlicher Plastik dar. Ein weiteres Merkmal der Königstracht ist ein künstlich geflochtener Bart, den der König zu bestimmten Anlässen trug und der mit einem Band unter der Kopfbedeckung oder Krone und am Kinn befestigt worden war. Die Ausformung dieses Zeremonialbartes kann ebenso wie die Kobra variieren und ist im vorliegenden Fall knebelartig und recht schlicht gestaltet. Das Befestigungsband ist bei dem Köpfchen nur zart eingeritzt, was Kritiker an der Echtheit der Skulptur zweifeln lässt. (F. Seyfried)
Standfigur des Königs Amenemhet III.
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Wie im Alten Reich, so ließen sich die Könige des Mittleren Reiches in Pyramiden bestatten. Ihre Kultfiguren wurden nach wie vor in den Pyramidentempeln aufgestellt. Darüber hinaus finden sich nun aber auch zahlreiche Königsbildnisse in Göttertempeln, deren Bau in den Vordergrund getreten ist. Dort wurde der Pharao u.a. in seiner Funktion als Priester dargestellt, wodurch seine Bildnisse eine öffentlich-propagandistische Funktion erhielten und die Rolle des Königs als Vermittler zur Gottheit betonen. In seiner überlebensgroßen Figur ist Amenemhet III. als Betender dargestellt. Die Arme ruhen mit flach ausgestreckten Händen auf dem Königsschurz, der mit Mitte einen mit Uräen geschmückten Behang zeigt. Amenemhet trägt das Königskopftuch. An diesem war über der Stirn in einer Aushöhlung der aus einem anderen Material gefertigte Oberkörper einer Uräusschlange befestigt. Reste des gewundenen Schlangenkörper sind auf dem Kopf zu sehen. Die Figur, im Ptah-Tempel von Memphis aufgefunden, wurde in der 19. Dynastie von König Merenptah wieder verwendet, der den Rückenpfeiler mit seinen Namen beschriften ließ. Der Thronname Amenemhets III., Ni-maat-Re, blieb auf der Schließe des Schurzgürtels erhalten. Auffäligerweise ist auch das Gesicht überarbeitet worden, erkennbar an der rauheren Oberfläche, die mit Stuck geglättet und wohl wie die gesamte Figur bemalt war. (Klaus Finneiser)
Bildhauerstudie eines Frauenkopfes
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahre 1912 stieß Borchardt auf die Mauern eines umfangreichen Komplexes, der als Wohn- und Arbeitsort des Oberbildhauers Thutmosis identifiziert wurde. In den Werkstätten dieser großflächigen Anlage befanden sich, neben der berühmten Büste der Nofretete, zahlreiche Einzelteile für Statuen. Bei diesen Teilen handelte es sich meist um Körperteile, die aus verschiedensten Materialien hergestellt wurden und die miteinander kombiniert werden konnten. Die fertige Statue bestand somit aus einer Komposition einzelner Stücke, was den Fachterminus „Kompositstatue“ prägte. In der Werkstatt befanden sich zudem viele unfertige Reliefs, Büsten und Statuen. Es ist deshalb nicht immer eindeutig zu erkennen, ob es sich um Teile für Kompositstatuen oder um Bildhauermodelle handelt. Als Material für Bildhauermodelle eignete sich vor allem Gips oder Kalkstein, da diese einfach zu bearbeiten waren und in ausreichender Menge zur Verfügung standen. Bei der Bildhauerstudie eines Frauenkopfes im Flachbild (ÄM 28801) ist die Gesichtspartie vollkommen weg gebrochen. Gut erkennbar ist aber die Vorarbeit zur Gestaltung der Haartracht. Nach: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 356 (Kat.-Nr. 133).
Kopf einer kuboiden Statue des Paanmeni
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser Kopf eines Mannes aus Grauwacke war Teil einer sogenannten kuboiden Statue, bei der der Besitzer in Gestalt eines Hockenden, mit auf den Knien liegenden, übergelegten Armen dargestellt ist. Der Terminus „kuboide Statue“ beschreibt die blockhaft wirkende Körperform solcher Statuen. Mithilfe des horizontal verlaufenden Ansatzes am unteren Rand des Kopfes, der einen geringeren Teil des Körperblocks aufweist, ist der ursprüngliche Statuentypus des Berliner Kopfes eindeutig zu identifizieren. Die Statue, zu der der Kopf gehörte, war für einen „Obersten Arzt von Ober- und Unterägypten“ namens Pa-an-meni angefertigt worden. Auf dem Scheitel befindet sich ein halbplastisch geformter Skarabäus, der wahrscheinlich absichtlich abgeschlagen wurde. Zudem sind auf der glatt ausgearbeiteten Perücke des Kopfes der ithyphallische Gott Min von Koptos, der mumienförmige Osiris, der falkenköpfige Horus, Isis sowie die löwenköpfige Göttin Bastet als Herrin von Bubastis aufgereiht und im versenkten Relief abgebildet. Dabei steht Bastet mit dem Rücken zu den anderen Gottheiten. In dieser Darstellungsweise rahmen Min auf der rechten Seite und Bastet auf der linken Seite das Gesicht des Pa-an-meni ein. Die Inschriften nennen zum einen die Amtstitel des Pa-an-meni als der oberste Arzt von Ober- und Unterägypten und zum anderen die Namen seiner Eltern. Da das Vorhandensein eines plastischen Skarabäus auf dem Scheitel von Privatstatuen sich nach momentanem Kenntnisstand auf die Libyerzeit und auf Unterägypten beschränkt, ist der Statuenkopf auch regional und zeitlich in Unterägypten und die Libyerzeit einzuordnen. Des Weiteren kann er mithilfe stilistischer Vergleiche und ikonographischer Analysen in die Regierungszeit des Osorkons II. (22. Dynastie) datiert werden. (I. Liao)
Sitzfigurengruppe des Neb-anen-su und seiner Frau Imen-em-inet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Sitzgruppe eines Ehepaares mit den in Reliefdarstellungen hinzugesellten Kindern ist ein besonders schönes Beispiel einer Grabstatue aus der Mitte der 18. Dynastie. Nase und Kinn des Mannes, Oberkörper und Kopf der Frau, ein Teil ihres Fußes und der Inschrift auf der linken Seite der blockhaft gestalteten Bank mit hoher Rückenplatte sind weggebrochen. Die Bildhauerarbeit zeugt von hervorragender Qualität und auch der Schnitt der in versenktem Relief angelegten Hieroglyphen ist äußerst akkurat ausgeführt und entspricht dem Duktus der Zeit. Für eine Datierung in die Zeit um die Regierungszeit Amenophis’ II. sprechen die klare Linienführung der strengen Körperhaltung, die gestufte Löckchenperücke, das Gesicht mit den typischen, weit geöffneten Augen oder auch die grübchenartig vertieften Mundwinkel, die dem Mund ein lächelndes Aussehen verleihen. Zwischen den Oberkörpern des Ehepaares ist ein nacktes Kind mit typischer jugendlicher Seitenlocke dargestellt, das an einer Lotosblüte schnuppert. Weitere Familienmitglieder, die allerdings als erwachsene Personen dargestellt sind, finden sich auf der Vorderseite des Sitzes zwischen und neben den Beinen des Ehepaares. Die drei Frauen und die männliche Person, wie auch das Kleinkind, sind jedoch nicht namentlich genannt. Der Besitzer der Statuengruppe heißt Neb-an(en)-su, was so viel bedeuten kann wie „(Mein) Herr wendet sich um“. Auf der Statue trägt er den Titel eines „Dieners des Amun“ und in einer schwer deutbaren Zeichengruppe eventuell noch den Titel eines „Matrosen“. Sollte diese Lesung korrekt sein, dann bestünde eine wage Möglichkeit, den Besitzer der Statue mit dem gleichnamigen Besitzer eines Felsgrabes in Theben-West in Beziehung zu setzen, der einen ähnlichen Titel trägt, zumal da die Statue definitiv aus Theben stammt und auch die zeitliche Einordnung passen würde. Die Ehefrau heißt Imenem-inet, ein Name, der mit „Amun ist im Tal“ übersetzt werden kann und somit auf das berühmte Talfest des Gottes Amun anspielt. Die Statuengruppe dürfte ursprünglich im Grab seines Besitzers in der Hauptkultnische aufgestellt gewesen sein und der gesamten Familie als opferempfangendes Repräsentationsbildnis gedient haben. (F. Seyfried)
Unterteil einer kuboiden Statue (Würfelhocker) des Pa-iri-Jah, sekundär zu einem Mörser umgearbeitet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Erhalten ist noch der untere Teil einer kuboiden Statue, die nach massiven Brandeinwirkungen in zahlreiche Teile zerplatzt war und nun wieder zusammengesetzt ist. Der gesamte obere Teil sowie die nach vorne ragenden Füße wurden während eines späteren, unbekannten Zeitpunktes abgearbeitet, als die Statue zu einem Mörser umfunktioniert wurde. Auf der planen, neu geschaffenen Oberseite ist um die Öffnung im Abstand von ca. 1 cm eine Rille gezogen. Am vorderen Teil des Gewandes sind noch fünf Zeilen einer eingravierten, linksläufigen Hieroglyphenschrift mit Zeilentrennern erhalten, die sich wie folgt übersetzen lassen: „[Der König gebe ein Opfer an Osiris], damit jener gebe ein Totenopfer an Rindern, Vögeln und allen vollkommenen und reinen Dingen, von denen der Gott lebt, an allem, was herausgekommen ist auf den Opferaltar für den Herrn der Ewigkeit, für den Ka des Renep-Priesters, Diensthabenden und Gehilfen des Sieglers, Pa-iri-Jah, Sohn des Renep-Priesters Peteese, gerechtfertigt, geboren von der Herrin des Hauses, Sistrumspielerin bei Hathor, der von ihrem Ehemann Versorgten, Schesep-Amun-tai-es-herit, gerechtfertigt.“ Auf dem breiten und flachen Rückenpfeiler finden sich noch die unteren Partien von drei Kolumnen, deren Anfang jeweils verloren gegangen ist. Der nicht klar übersetzbare Titel „Renep“ wird von Priestern im 3. Unterägyptischen Gau mit der Hauptstadt Kom el-Hisn getragen. Dies könnte einen Hinweis auf die ursprüngliche Herkunft der Statue aus Kom el-Hisn bieten, jedoch ist es gut möglich, dass die Statue auch ursprünglich im nicht weit entfernten Saïs gestanden hat, wo sie jedenfalls im 19. Jh. gefunden wurde. Der Gott Osiris als Herr der Ewigkeit ist eine in Saïs verehrte Lokalform, dessen Kapelle sich im Neith-Tempel von Saïs befand und die in der Mitte der 26. Dynastie restauriert wurde. Vielleicht war die Statue des Pa-iri-Jah dort im Tempelkomplex der Neith aufgestellt. Ähnliches ist für den Naophor Berlin ÄM 12421 zu vermuten. Man könnte vermuten, dass der Kuboid zusammen mit dem Naophor vergesellschaftet war. (Jan Moje)
Kopf einer Priesterstatue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Kopf eines kahlköpfigen Priesters aus Granodiorit zeichnet sich durch seine besonders fein polierte Oberfläche und die stark kanonisierten, fast schematisch wirkenden Züge aus. Das länglich ovale Gesicht in Kombination mit der hohen Stirn und der „eierförmigen“ Kopfform ist charakteristisch für die ägyptische Spätzeit. Der Dargestellte, der aufgrund der nach oben gezogenen Mundwinkel zu lächeln scheint, ist mit einem zeitlos wirkenden, jugendlichen Erscheinungsbild abgebildet. Die stilisierten Gesichtszüge geben keine Hinweise auf das individuelle Aussehen des Dargestellten, sondern sie unterliegen dem epochenspezifischen Darstellungskanon, der in Anlehnung an die königlichen Bildwerke die Proportionen, Kompositionen sowie stilistische Kriterien für die Abbildungen menschlicher Figuren regelhaft vorschrieb. Der Ansatz eines Rückenpfeilers lässt sich auf der Rückseite der Statue erkennen. Ab der Spätzeit, vor allem verstärkt ab der Perserherrschaft ab der 27. Dynastie und vor der makedonischen Eroberung, erfreute sich die stark kanonisierte Darstellungsweise bei den Privatbildwerken als bewusster Rückgriff auf die Stile der frühen Epochen – parallel zu der divergenten Entwicklung der realistisch wirkenden Züge von Privatstatuen – erneut großer Beliebtheit. Ob der Berliner Priesterkopf ursprünglich zu einer Stand- oder einer Sitzstatue gehörte, lässt sich aufgrund seines fragmentarischen Zustands leider nicht mehr feststellen. Auch der ursprüngliche Aufstellungsort bleibt ungeklärt. Aber die bewusste Wahl des Stifters, sich in dieser Weise abbilden zu lassen, weist klar auf sein Bestreben hin, sich mithilfe des aus dem Hartgestein herausgearbeiteten „Ersatzkörpers“ mit einem jugendlichen, vollkommenen Erscheinungsbild zu verewigen. (I. Liao)
Statue des Gottes Thot mit menschlichem Körper und Ibiskopf
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Thot war der Gott der Weisheit und Schreibkunst sowie des Mondes und der Kalenderrechnung. Er ist seit dem Alten Reich belegt und konnte vorwiegend als Mantelpavian oder Ibis bzw. als Mensch mit Ibiskopf dargestellt werden. In römischer Zeit verschmolz Thot mit dem griechischen Götterboten zu Hermes-Thot und wurde vorwiegend mit einem anthropomorphen Körper und einem Ibis-Kopf dargestellt. Das Objekt zeigt Thot in Stand-Schreit-Haltung mit eng am Körper anliegenden Armen. Die Unterschenkel und der Schnabel, welcher wohl ursprünglich aus Metall gearbeitet war, fehlen. Der archaisierende Charakter und der Stil der Arbeit lassen das Objekt in die Römische Kaiserzeit datieren. (A. Weber)
Oberteil einer Standfigur der Göttin Sachmet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das Oberteil gehört zu einer großen Standfigur der Göttin Sachmet. Ihr ägyptischer Name bedeutet die „Mächtige“, was durch ihre löwenköpfige Darstellung noch betont wird. Sie verkörpert demnach einen wilden, furchteinflößenden und gefährlichen Aspekt. Auch ist Sachmet die Göttin des Krieges und begleitet den König im Kampf, um ihm zum Sieg über die Feinde zu verhelfen. Auf der anderen Seite ist sie aber auch eine Göttin, die vor Krankheiten schützt, und hat eine heilende Wirkung. Darüber hinaus kann Sachmet Katastrophen, wie Kriege, Stürme und Plagen, vorhersagen und abwenden. Sie bildet mit den Göttern Ptah und Nefertem eine Triade und hatte ihren Hauptkultort in Memphis. Als Tochter des Re und an der Seite ihres Göttergemahls Ptah, ist sie eine der wichtigsten Göttinnen des altägyptischen Pantheon. Im Neuen Reich wird sie mit der Göttin Mut gleichgesetzt, der König Amenophis III. wohl mehr als 600 solcher Statuen in ihren Tempel in Karnak und in seinen Totentempel in Theben-West stiftete, von denen die vorderen saßen und die hinteren standen. Heute sind sie über die ganze Welt verteilt. In der Forschung wird vermutet, dass man jeden Tag einer anderen Statue Opfer darbrachte und vor ihr betete. Vielleicht sollten sie aber auch nur großes Unheil abwehren, wie z. B. die Pest, die wahrscheinlich zu dieser Zeit wütete und etliche Opfer forderte. Sachmet wird immer als Frau mit Löwenkopf dargestellt. Letzterer ist bei dieser Statue detailliert wiedergegeben und wird von einer Löwenmähne umrahmt, die in eine dreiteilige Perücke übergeht und somit geschickt den Übergang von Löwe zu Mensch verdeckt. Die Göttin trägt einen breiten Halskragen. Ursprünglich umfasste sie mit ihrer linken Hand ein langes, knapp bis unter die Brüste reichendes Papyruszepter, von dem noch der obere Abschluss zu sehen ist. Ab dem Neuen Reich wird sie häufig mit den ihr typischen Attributen Sonnenscheibe, Uräusschlange, Anch-Zeichen und Papyruszepter dargestellt. (J. Jancziak)
Kniefigur eines Mannes, eine Osirisfigur haltend (Theophor); auf seinen Schultern hockt ein Mantelpavian
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die unfertige Statue zeigt einen knienden Mann, der vor sich eine Figur des sitzenden Gottes Osiris hält, dessen Kopf nicht mehr erhalten ist. Auf seinen Schultern hockt ein Pavian, das heilige Tier des Schreibergottes Thot von Hermupolis. Er hat seine Hände schützend auf die Stirn des Mannes gelegt. Diese Darstellung und der Gestus zeigen, dass es sich bei dem Mann wahrscheinlich um einen Schreiber handelt. Auffällig ist die unterschiedliche Bearbeitung der Statue. Während der obere Teil, vor allem der Pavian, sehr detailliert ausgearbeitet ist, wurden das Gesicht und der Rest der Skulptur nur oberflächlich bearbeitet und nicht vollständig fertiggestellt. Man erkennt eindeutig die Werkzeugspuren. Zahlreiche halbfertige Objekte, vor allem Skulpturen und Reliefs, haben sich bis heute erhalten. Sie dienten zum einen als Lehrmaterial für die Ausbildung von Bildhauern und geben dadurch Einblick in den Werkprozess der Künstlerwerkstätten des Alten Ägypten. Zum anderen wurden einige Statuen auf Vorrat produziert und erst nach Bestellung endgültig bearbeitet. Wenn der Käufer den Auftrag gab, die Statue fertigzustellen, wurden das Gesicht, die Kleidung und die Inschriften ausgeführt. Das Wichtigste war die Anbringung des Namens, da dieser die Skulptur zu einem Individualbild werden ließ und damit die Persönlichkeit des Dargestellten bewahrte. Eine weitere Besonderheit des Objekts ist der Pavian auf dem Kopf des Mannes. Dieser Statuentypus ist nicht häufig belegt und drückt eine der engsten Verbindungen und Nähe des Gottes Thot mit dem Menschen aus. Thot war der Schreiber der Götter und der Herr über die Jahreszeiten, Mondphasen sowie den Kalender. Jeder Schreiber hatte den Wunsch Thot’s Fähigkeiten wie Genauigkeit, Wissen, Bildung und vieles mehr zu erlernen. Die Anwesenheit des Thot stärkte den Besitzer der Figur in seinem Bemühen, ein vorbildlicher Beamter zu sein. Die Figur gehört zudem zu den theophoren Statuen. In demütiger Haltung stiftet der Besitzer die Statue des Totengottes Osiris und bringt so seine Verehrung zum Ausdruck. Die Statue hätte vermutlich nach ihrer Fertigstellung im Tempelbezirk gestanden, entweder im Hofbereich oder vor den Pylonen. Hier nahm sie am täglichen Opferritual teil, d. h., sie war Bestandteil des altägyptischen Kultes und erhielt Speis und Trank. M. Jung
Doppelstatue des Neferhor mit seiner Ehefrau Wiaj
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Doppelstatue präsentiert ihren Besitzer Nefer-Hor mit seiner Frau Wiaj. Der Mann trägt ein hemdartiges Oberteil und einen Plisseeschurz sowie eine zweiteilige, schulterlange Perücke, deren unterer Bereich eine feine Löckchenstruktur aufweist. Seine Frau ist mit einem feinen, faltenreichen Gewand bekleidet. Ihr Gesicht wird von einer dreiteiligen Löckchenperücke gerahmt, und die Brustlappen sind mit jeweils einem geflochtenen Zopf verziert. Im Alten Ägypten waren Perücken ein wichtiger Bestandteil der Kleidung, vor allem wenn man im Königshaus oder als Beamter arbeitete. Die reich plissierte Kleidung der beiden Dargestellten sowie die aufwendig verzierten Haartrachten heben sich von den einfacheren Gewändern und Formen der 18. Dynastie ab und gelten als Datierungskriterium für die Ramessidenzeit (1292 – 1070 v. Chr.). Ebenfalls von Bedeutung ist der Schmuck des Ehepaares: Die detailliert gestalteten Armreife weisen auf einen gehobenen sozialen Status des Ehepaares hin. Die Inschrift auf der Rückenlehne nennt die Titel und Aufgaben der beiden. Nefer-Hor war der „Schreiber des Gottesopfers von allen Göttern in Ober- und Unterägypten“ und zusätzlich der „Oberarchivar der Scheune des Pharao“. Damit hatte Nefer-Hor sowohl in der Tempelversorgung als auch in der staatlichen Getreideverwaltung ein Amt inne. In der Zeit des Neuen Reiches waren die Gesamtverwaltungen der Tempel und des Staates eng miteinander verknüpft. Seine Frau, die im Text auch liebevoll als Nefer-Hors Schwester bezeichnet wird, war eine „Sängerin der Göttin Mut“. Aufgrund der Darstellungsweise und des Textinhaltes liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem Objekt um eine Grabstatue handelt. In den ramessidischen Gräbern wurden sie in der zentralen Kultkapelle oder in den Nebenkultstellen des Grabes platziert, um dort Opfergaben zu empfangen. Die Darstellungsweise von Nefer-Hor und Wiaj zeigt die beiden in der Blüte ihres Lebens, kanonisiert und idealisiert – ein typisches Merkmal altägyptischer Kunst. Allerdings hat sich der Künstler dieser Statuengruppe mit den Proportionen verschätzt: Der rechte Arm von Wiaj ist zu lang gearbeitet und scheint somit nicht recht zum Rest ihres Körpers zu passen. (M. Jung)
Unvollendete Standfigur einer Königin oder Prinzessin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die aus rotem Quarzit bestehende unvollendete Statuette einer weiblichen Person fand sich in vier Fragmente zerschlagen sowohl in Raum 18 als auch in Raum 19 des Wohnhauses von P 47.2. Aus der Fundskizzen und ihrer Beschreibung im Grabungstagebuch lässt sich rekonstruieren, dass „das unfertige Mittelstück einer Statuette einer stehenden Frau“ unmittelbar hinter der niedrigen Trennwand in Raum 18 gefunden wurde. In etwa einem Meter Abstand nach Südwesten – fast in der Raummitte – wurden die Brustpartie und ein Stück des Rückenpfeilers geborgen. Das linke Beinfragment wurde hingegen in der Mitte des Raumes 19 gefunden. Leider wurde weder das Höhenniveau noch eine exakte Fundlage der Stücke dokumentiert, und fotografische Aufnahmen der in-situ-Befunde sind bedauerlicherweise in diesen beiden Räumen nie gemacht worden. Leider fehlen auch die Füße und insbesondere der Kopf der Figur, da Letzterer über den Status der weiblichen Person näheren Aufschluss hätte geben können. Ob eine Prinzessin oder gar eine Königin hier in der Haltung einer Standfigur wiedergegeben wurde, lässt sich nicht mehr entscheiden. Alle Körperkonturen, die bereits deutlich akzentuiert sichtbar sind, entsprechen dem Stil der späteren Jahre und zeigen eine zarte weibliche Brustpartie, einen leicht vorgewölbten Leib mit deutlicher Bauchfalte über der Scham, breit ausladende Hüften, ein rundes Gesäß, stämmige Oberschenkel und die charakteristischen durchgedrückten Knie. Die schwarzen Vorzeichnungslinien markieren die weiteren Arbeitsschritte. Aufgrund des Materials dürfte die Statuette ursprünglich in einem der südlich des großen Hofes gelegenen Werkstätten (in Richtung der Häuser von P 47.1) bearbeitet worden sein, da dort offensichtlich vermehrt Quarzit gefunden wurde, was wiederum für die hochspezialisierte Aufteilung der Arbeitsbereiche innerhalb der Werkstätten spricht. Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 342 (Kat.-Nr. 125).
Statue des Gottes Thot als Pavian mit dem König Amenophis III. in Beterhaltung
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Pavian ist eine Darstellungsform des Gottes Thot. Wenn die Tiere schrien, glaubten die Ägypter, sie kommunizierten mit den Göttern. So konnte beobachtet werden, dass sich Paviane nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen versammeln und dabei laute Geräusche von sich geben. Dies wurde als Gestus der Begrüßung bzw. Verabschiedung der auf- oder untergehenden Sonne interpretiert. Daher kann die Darstellung des Pavians mit erhobenen Händen als Begrüßung der aufgehenden Morgensonne verstanden werden. Aufgrund dieses mutmaßlichen Sonnenbezugs finden sich Darstellungen von Pavianen wohl auch häufig in solaren Kontexten, wie z. B. im Unterweltsbuch Amduat, in welchem der Pavian den Sonnengott auf dessen nächtlicher Fahrt durch die Unterwelt in der Barke begleitet. Die Verbindung des Gottes Thot mit dem Pavian ist in der religiösen Vorstellung der Ägypter schon früh verbreitet gewesen. Allerdings scheint es, dass die Darstellungen des Thot als Pavian erst in der Mitte der 18. Dynastie auftreten und in der Regierungszeit Amenophis’ III. ihren Höhepunkt erreichen. Sowohl wegen seines menschenähnlichen Aussehens als auch seines Verhaltens wurde der Pavian neben dem Ibis zu einer der Erscheinungsformen des Gottes Thot, vor allem in dessen Eigenschaft als Schreibergott. Zudem wird der Gott als Herr des Mondes und der Zeitrechnung ebenfalls als Pavian dargestellt. Vor dem Gott steht Amenophis III. in verkleinertem Maßstab, in einem betenden Gestus mit flach auf dem Schurz liegenden Händen. Die Statuengruppe stammt vermutlich aus einem Tempel in Hermupolis Magna, dem heutigen el-Ashmunein, und bringt den gesteigerten Sonnenbezug, der in der Regierungszeit Amenophis’ III. auftrat, zum Ausdruck. So stiftete der König vier monumentale Granitstatuen des Thot in dessen Tempel in Hermupolis Magna. Der König richtete seine Ideologie zunehmend auf den Sonnenkult aus und verkündete, dass er vom Sonnengott erwählt worden und als dessen Ebenbild erschienen sei. Auch die Bedeutung des Gottes Aton nahm stetig zu, und in den letzten Jahren seiner Regierungszeit bezeichnete Amenophis III. sich selbst als „Inkarnaton des Gottes Atum“. Diese gesteigerte Verehrung sollte unter seinem Nachfolger Echnaton ihren Zenit erreichen. (J. Jancziak)
Oberteil einer Statue des Königs Ramses II. als Stabträger
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Pharao Ramses II., auch bekannt als Ramses der Große, ist hier in einer Standfigur als Stabträger dargestellt. Zusammen mit drei weiteren, identischen Statuen wurde diese Skulptur im Tempel der Göttin Bastet in Bubastis gefunden. An der linken Schulter befinden sich die Überreste der Götterstandarte, die in der Regel aus einem Stab und einem Götterbild am oberen Ende des Stabes bestand. Das erhaltene Oberteil der Statue zeigt den König mit einer kugelförmigen Löckchenperücke, die bei diesem Statuentyp sehr häufig belegt ist. Die Perücke wird von einem Diadem umfasst, an dessen Vorderseite sich eine Uräusschlange befunden hat. Außerdem trägt der Herrscher den Königsbart, der wie die Nase und der Mund beschädigt ist. Auf der Brust des Königs liegt ein breiter Halskragen. Die Inschrift auf dem Rückenpfeiler beinhaltet den Anfang der Titulatur Ramses’ II. Die vollständige Königstitulatur besteht aus fünf Namen, hier sind nur der Thron- und Horusname erhalten, in denen er als „Geliebter des Sonnengottes Re und der Maat“ bezeichnet wird. Das Unterteil der Statue wurde an seinem Fundort, im Tempel in Bubastis, zurückgelassen. Ramses der Große ist vor allem für seine lange Regierungszeit (über 65 Jahre) und für seine enorme Bautätigkeit bekannt. Er errichtete unter anderem die Felsentempelanlage von Abu Simbel, das Ramesseum in Theben-West, erweiterte die Bauten in Karnak und Luxor und erbaute eine Residenz, Pi-Ramesse, im östlichen Nildelta. Außerdem ließ er zahlreiche Königsstatuen anfertigen, darunter haben sich rund 30 Stabträgerstatuen erhalten. Dieser Typus stellt eine besondere Form der Königsplastik dar, tritt aber auch bei Privatpersonen auf, und ist fast ausschließlich im Neuen Reich (1550–1070 v. Chr.) belegt. Zahlreiche Beispiele sind aus der Ramessidenzeit bekannt. Die Stabträgerstatuen waren meist vor den Pylonen und in den Tempelhöfen aufgestellt. Dort vertraten sie den König bei Götterprozessionen und Götterfesten und bestätigten seine Teilnahme an den Zeremonien, wenn er sie nicht selbst leiten konnte. Die Götterstäbe selbst waren Kultobjekte. Sie verkörperten die Gottheit und gehörten zu den Machtsymbolen der altägyptischen Götterwelt. Als wichtiger Bestandteil des Tempelinventars wurden diese Insignien in Heiligtümern aufgestellt, in denen sich die Gottesbarken befanden, und bei Festen und Prozessionen mitgeführt. (M. Jung)
Kopf einer Königin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Statuenkopf aus rotem Sandstein wurde in demselben Raum gefunden, aus dem das Statuenfragment ÄM 21223, der Kopf einer Prinzessin, stammt. Im Grabungstagebuch ist Folgendes festgehalten: „Teile einer lebensgroßen Statue des Königs aus rötlichem Sandstein; erhalten ist die obere Gesichtspartie, halbe Nase, Augen und Stirn in 3 Teilen, Nacken und Teil des Halses in / Teil, Lippe und Kinn fehlen leider; auch diese Arbeit ist nicht vollendet und weist Vorzeichnungen auf. Bruchstücke eines Beines.“ Als die hier angesprochenen „Beinstücke“ konnten die Fragmente ÄM 21312 identifiziert werden. Es ist jedoch nicht eindeutig feststellbar, ob es sich nicht doch um Armbruchstücke handelt. Von den ehemaligen Vorzeichnungen ist heute nur noch sehr wenig erkennbar, lediglich rote Spuren an den Augen weisen darauf hin. Die groben, ohne Binnendetails gestalteten Ohren und die Augen ohne ausgearbeitete Lider bezeugen, dass die Figur nicht zu Ende gearbeitet wurde. Trotz der fragmentarischen und unvollendeten Erscheinung des Kopfes vermittelt er dem Betrachter den Eindruck von Unnahbarkeit und Erhabenheit. Umstritten ist das Geschlecht der dargestellten Person. Die Reste eines Zapfens auf dem Kopf deuten auf eine Kompositfigur mit einer separat angefertigten Krone hin, so dass sich der Personenkreis auf das Königspaar eingrenzen lässt. Ein Vergleich mit den Köpfen ÄM 21220 und 21358 spricht dafür, dass es sich wahrscheinlich um die Darstellung einer Königin, wohl Nofretete, handelt – vermutlich aus der Endphase der Amarnazeit, da der Kopf große Ähnlichkeiten mit ÄM 21358 aufweist, der als „ältere Nofretete“ bezeichnet wird. Dorothea Arnold vermutet bei diesem zuletzt genannten Stück, dass es vom jüngsten Bildhauer der Werkstatt des Thutmosis geschaffen wurde, der in der Nach-Amarnazeit an den Tempeln in Theben tätig war. Trotz dieser Vergleichstücke fallen aber auch die Unterschiede auf, die sich in der relativ breiten Nase, dem gedrungenen Kopf und der dadurch etwas zu breiten Wangenpartie bemerkbar machen. Das Fehlen des Mundes und von einem Teil der Nase ist auffällig. Es ist möglich, dass bei der Grabung nicht alle Fragmente entdeckt wurden; denkbar ist aber auch, dass der Figur absichtlich der Mund ausgeschlagen wurde, was einer „damnatio memoriae“, dem Auslöschen des Andenkens einer Person, gleichkäme. An den Bruchkanten der Fragmente ist nicht erkennbar, ob hier ein Meißel angesetzt wurde. Wenn hier eine beabsichtigte Ausschlagung erfolgt sein sollte, dann wäre die Annahme eines Abbildes des Echnaton ÄM 21222 am sichersten, was der Vermutung der Ausgräber von 1912 entspräche. Aus: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 346 (Kat.-Nr. 128).
Fragmente einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die drei Fragmente mit der Inventarnummer ÄM 21312 sind aus Sandstein gefertigt. Sie bildeten die Extremitäten – vielleicht Teile der Arme – einer Figur, die unvollendet blieb. Sie gehören zum Statuenkopf ÄM 21222. Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 278 (Kat.-Nr. 55).
Kuboide Statue ("Würfelhocker") des Senenmut mit der Tochter der Königin Hatschepsut Nefrura
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Senenmut, als Vertrauter und Erzieher der Tochter von Hatschepsut, durfte als Zeichen seiner hohen Stellung und königliches Privileg eigene Statuen im Hof der Tempel von Theben aufstellen. Eine große Zahl dieser Statuen stellt ihn mit der Prinzessin Nefrure dar. Das Mädchen ist voll in den alles einhüllenden Mantel integriert, so dass nur noch ihr Gesicht mit der charakteristischen Seitenlocke des Kindes sie identifiziert.
Kopf einer Königin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der unterlebensgroße Kopf zeigt eine königliche Frau, deren Identität unbekannt ist. Das Gesicht hat eine ovale Form, eine kräftige Nase und volle Lippen. Reste von schwarzer Bemalung finden sich an den unfertigen Augen und den Augenbrauen. Spuren von roter Farbe haben sich auch auf den Lippen erhalten. Das jugendlich wirkende Gesicht ist gekennzeichnet durch leicht gesenkte Oberlider, die zusammen mit dem flachen Übergang der noch nicht ausgeprägten Tränensäckchen zu den Wangen den vielfach erwähnten „verschleierten Blick“ hervorrufen. Die Vertiefungen an der Stirn und den Schläfen waren vermutlich für eine Perücke oder Krone gedacht, was auch die fehlenden Ohren am Kopf erklären würde und darauf hindeutet, dass dieser Kopf Teil einer Kompositstatue war. Die in der Literatur aufgestellte These, dass es sich hier um Kija, die bekannte Nebenfrau Echnatons, oder auch um Merit-Aton, eine Tochter Echnatons und Nofretetes, handelt, kann nicht eindeutig entschieden werden. Die Gesichtszüge schließen allerdings eine Zuweisung an Nofretete aus. Aus: Jung, M., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 346 (Kat.-Nr. 127).
Kniefigur des Amenemhet mit Stele (Stelophor)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
A special type of statue is the Stelophorus statue. The kneeling figure holds a small stele on his knees and the text contains a prayer to the sun-god, written in hieroglyphics. This statue was located in a niche in the facade above the entrance of a private tomb. The stelophorus statues are known from the 18th Dynasty to the Ptolemaic dynasty.