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Objekttyp: Statue (Rundbild)
Unfertige Standfigur des Echnaton, eine Opferplatte darbietend
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die unfertige Standstatue des Echnaton mit Blauer Krone ist ein Ankauf von 1992. Die Statue befindet sich noch im Zustand grober Bearbeitung und weist Reste von roter und schwarzer Vorzeichnung auf. Ursprünglich hielt der König eine Opferplatte in den Händen, deren Bruchfläche deutlich zu erkennen ist. In Achet-Aton wurden während der Grabung Ludwig Borchardts zwei Bruchstücke von Händen gefunden, welche eine Opferplatte halten. Diese Fragmente passen in Größe und Material exakt zu der Standstatue, weshalb sie als zugehörig betrachtet werden können und in die Rekonstruktion einbezogen wurden. Allerdings stammen die zwei Bruchstücke aus unterschiedlichen Häusern in Achet-Aton. Die Gebäude gehören zwar demselben „Baublock“ an, sind aber nicht direkt benachbart. Unklar ist, wie die beiden Fragmente der Opferplatte in verschiedene Häuser gelangten. Ebenso ungeklärt bleiben die Umstände, unter welchen die Standstatue den Weg in den Kunsthandel fand. Der Statuentypus des Opferplattenträgers war eine Innovation der frühen 18. Dynastie und fand sowohl in der privaten als auch in der königlichen Plastik Verwendung. Aton konnte in seiner Manifestation als das sichtbare Licht die Opfergaben direkt empfangen. Das Darbringen von Opfern unter freiem Himmel hatte deshalb einen besonders hohen Stellenwert in der Amarnazeit. Dies bezeugen zahlreiche Darstellungen in Relief und Statuen des opfernden Echnaton und seiner gesamten Familie. Aus: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 232 (Kat.-Nr. 21).
Figur eines weiblichen Mischwesens (sog. Schweinegottheit)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
"Nahezu vollständig erhaltene Standfigur eines weiblichen Mischwesens: Der Kopf, der unterhalb des dicken und recht langen Halses abgebrochen und modern geklebt ist, verweist auf einen zoomorphen Charakter. Die langgezogene, rüsselartige Schnauze, der breite Unterkiefer und das noch in Ansätzen erhaltene linke Ohr (?) verweisen recht deutlich auf die Darstellung eines Schweines. Das sehr detailreich herausgearbeitete Gesicht des Tieres wird durch leicht nach unten schräg stehende, mandelförmige Augen, die aber keine weitere Ausarbeitung der Pupillen aufweisen, geziert. Der Hinterkopf ist von einer Haar-/Perückentracht bedeckt, die in langen senkrecht verlaufenden Strähnen bis auf die Höhe der Schultern verläuft. Die beiden Arme sind plastisch ausgeformt und angewinkelt, wobei die rechte Hand zur Faust geballt scheint, während die linke flach auf dem Bauch aufliegt. Zwei spitze, leicht hängende Brüste befinden sich extra appliziert. Kleidartig verläuft der untere Bereich der Statuette trichterförmig. Im unteren Drittel befinden sich auch zwei antithethisch angeordnete, trianguläre Durchbrüche, die an die Dekoration der frühdynastischen "incence-burner" erinnern. Aufgrund der singulären Darstellung ist eine Datierung des Objektes äußerst schwierig. Zudem wurde es im Kunsthandel erworben und besitzt keinerlei Hinweise auf den ursprünglichen Fundkontext, über den weitere Informationen zur Kontextualisierung und Einordnung möglich wären. Aufgrund des Dekors wird allerdings zumeist eine Datierung in die ägyptische Frühgeschichte vorgeschlagen." (Robert Kuhn)
Kopf einer Königin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Statuenkopf aus rotem Sandstein wurde in demselben Raum gefunden, aus dem das Statuenfragment ÄM 21223, der Kopf einer Prinzessin, stammt. Im Grabungstagebuch ist Folgendes festgehalten: „Teile einer lebensgroßen Statue des Königs aus rötlichem Sandstein; erhalten ist die obere Gesichtspartie, halbe Nase, Augen und Stirn in 3 Teilen, Nacken und Teil des Halses in / Teil, Lippe und Kinn fehlen leider; auch diese Arbeit ist nicht vollendet und weist Vorzeichnungen auf. Bruchstücke eines Beines.“ Als die hier angesprochenen „Beinstücke“ konnten die Fragmente ÄM 21312 identifiziert werden. Es ist jedoch nicht eindeutig feststellbar, ob es sich nicht doch um Armbruchstücke handelt. Von den ehemaligen Vorzeichnungen ist heute nur noch sehr wenig erkennbar, lediglich rote Spuren an den Augen weisen darauf hin. Die groben, ohne Binnendetails gestalteten Ohren und die Augen ohne ausgearbeitete Lider bezeugen, dass die Figur nicht zu Ende gearbeitet wurde. Trotz der fragmentarischen und unvollendeten Erscheinung des Kopfes vermittelt er dem Betrachter den Eindruck von Unnahbarkeit und Erhabenheit. Umstritten ist das Geschlecht der dargestellten Person. Die Reste eines Zapfens auf dem Kopf deuten auf eine Kompositfigur mit einer separat angefertigten Krone hin, so dass sich der Personenkreis auf das Königspaar eingrenzen lässt. Ein Vergleich mit den Köpfen ÄM 21220 und 21358 spricht dafür, dass es sich wahrscheinlich um die Darstellung einer Königin, wohl Nofretete, handelt – vermutlich aus der Endphase der Amarnazeit, da der Kopf große Ähnlichkeiten mit ÄM 21358 aufweist, der als „ältere Nofretete“ bezeichnet wird. Dorothea Arnold vermutet bei diesem zuletzt genannten Stück, dass es vom jüngsten Bildhauer der Werkstatt des Thutmosis geschaffen wurde, der in der Nach-Amarnazeit an den Tempeln in Theben tätig war. Trotz dieser Vergleichstücke fallen aber auch die Unterschiede auf, die sich in der relativ breiten Nase, dem gedrungenen Kopf und der dadurch etwas zu breiten Wangenpartie bemerkbar machen. Das Fehlen des Mundes und von einem Teil der Nase ist auffällig. Es ist möglich, dass bei der Grabung nicht alle Fragmente entdeckt wurden; denkbar ist aber auch, dass der Figur absichtlich der Mund ausgeschlagen wurde, was einer „damnatio memoriae“, dem Auslöschen des Andenkens einer Person, gleichkäme. An den Bruchkanten der Fragmente ist nicht erkennbar, ob hier ein Meißel angesetzt wurde. Wenn hier eine beabsichtigte Ausschlagung erfolgt sein sollte, dann wäre die Annahme eines Abbildes des Echnaton ÄM 21222 am sichersten, was der Vermutung der Ausgräber von 1912 entspräche. Aus: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 346 (Kat.-Nr. 128).
Fragmente einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die drei Fragmente mit der Inventarnummer ÄM 21312 sind aus Sandstein gefertigt. Sie bildeten die Extremitäten – vielleicht Teile der Arme – einer Figur, die unvollendet blieb. Sie gehören zum Statuenkopf ÄM 21222. Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 278 (Kat.-Nr. 55).
Unterteil einer Büste
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahre 1912 stieß Borchardt auf die Mauern eines umfangreichen Komplexes, der als Wohn- und Arbeitsort des Oberbildhauers Thutmosis identifiziert wurde. In den Werkstätten dieser großflächigen Anlage befanden sich, neben der berühmten Büste der Nofretete, zahlreiche Einzelteile für Statuen. Bei diesen Teilen handelte es sich meist um Körperteile, die aus verschiedensten Materialien hergestellt wurden und die miteinander kombiniert werden konnten. Die fertige Statue bestand somit aus einer Komposition einzelner Stücke, was den Fachterminus „Kompositstatue“ prägte. In der Werkstatt befanden sich zudem viele unfertige Reliefs, Büsten und Statuen. Es ist deshalb nicht immer eindeutig zu erkennen, ob es sich um Teile für Kompositstatuen oder um Bildhauermodelle handelt. Als Material für Bildhauermodelle eignete sich vor allem Gips oder Kalkstein, da diese einfach zu bearbeiten waren und in ausreichender Menge zur Verfügung standen. Von dem Stück (ÄM 21217) ist der gesamte Kopf weg gebrochen. Diese Büste aus porösem Kalkstein darf wohl als Bildhauermodell angesprochen werden, da fertige Körperteile von Kompositstatuen in der Regel aus Hartgestein bestanden. Deutlich sichtbar ist auch die vertikale Mittellinie, an der sich der Bildhauer orientieren konnte. Die Oberflächenstruktur der Büste ist im Halsbereich bereits deutlich herausgearbeitet worden. Rundplastische Büsten sind im Alten Ägypten eher selten belegt und treten vermehrt erst mit der Amarna-Zeit auf, wohingegen der Typus im Flachbild häufiger dargestellt wurde. Nach: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 356 (Kat.-Nr. 133).
Fragment einer Prinzessinnenlocke einer Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahre 1912 stieß Borchardt auf die Mauern eines umfangreichen Komplexes, der als Wohn- und Arbeitsort des Oberbildhauers Thutmosis identifiziert wurde. In den Werkstätten dieser großflächigen Anlage befanden sich, neben der berühmten Büste der Nofretete, zahlreiche Einzelteile für Statuen. Bei diesen Teilen handelte es sich meist um Körperteile, die aus verschiedensten Materialien hergestellt wurden und die miteinander kombiniert werden konnten. Die fertige Statue bestand somit aus einer Komposition einzelner Stücke, was den Fachterminus „Kompositstatue“ prägte. Besonders beeindruckend ist die einsetzbare Locke einer Prinzessin (ÄM 21272). Sie besteht aus Granit und kann durch einen Zapfen in den Kopf einer Kompositstatue eingesetzt werden. Nach: Rattmann, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 356 (Kat.-Nr. 133).
Statuette des mumienförmigen Gottes Osiris mit der Atef-Krone
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Osiris ist ein Beleg für die Mehrschichtigkeit von Funktionen in der altägyptischen Götterwelt. Neben seiner Funktion als Jenseitsherrscher, vor dem sich jeder Verstorbene zu rechtfertigen hatte bevor er seine Wiederauferstehung in der jenseitigen Welt feiern konnte, war Osiris auch Fruchtbarkeits- und Vegetationsgott. Dies spiegelt sich in seiner Farbgestaltung wieder. Während grüne Farbe für Wachstum und Gedeihen steht, wird mit schwarz die Fruchtbarkeit des Ackerbodens assoziiert.
Fragment von der Mundpartie einer Königsstatue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Bei der Versuchsgrabung zwischen der Anlage des Sahura und der des Niuserra in Abu Ghurab, stieß L. Borchardt auf den Sonnentempel des Userkaf. Im Inneren der Anlage entdeckte die Grabungsmanschaft das untere Kopffragment einer Statue aus Kalzit-Alabaster. Erhalten ist die Mund- und Kinnpartie, die in ihrer qualitätvollen Ausführung besticht. Der gerade Mund ist gleichmäßig proportioniert und das nahezu perfekt modellierte Lippenpaar wird durch einen feinen Grat akzentuiert. Die dezente Angabe des Philtrums fügt sich in den Aufbau der Mundpartie nahtlos ein. Die oberhalb des Philtrums befindlichen Reste deuten auf eine breite Nase hin. Das Kinn ist kurz und rund. Die rechte Seite lässt die weichen, vollen Wangen des Gesichtes erahnen. Der Gesamteindruck wird durch die perfekte Politur der Oberfläche abgerundet. Die Proportionen des Mundes deuten darauf hin, dass es sich dereinst um eine fast lebensgroße Statue gehandelt haben dürfte. Eine genaue Zuweisung des Stückes ist allerdings schwierig. Zwar deutet das Material Kalzit-Alabaster auf eine königliche Figur hin, doch lässt sich dies aufgrund des hohen Fragmentierungsgrades kaum absichern. Stilistische Ähnlichkeiten zum Berliner Kopffragment finden sich allerdings bei einem weiteren Statuenkopf, der König Userkaf zugeschrieben werden kann und gleichsam aus dem Sonnenheiligtum stammt. Der Fundkontext sowie die Ähnlichkeit mit letzterem, lassen es daher sehr wahrscheinlich erscheinen, auch im Berliner Fragment ein Bruchstück einer Userkaf-Statue zu vermuten. K. Finneiser / R. Kuhn
Schreiberstatue des Domänenverwalters Der-senedj
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Schreiberstatuen sind seit der 4. Dynastie belegt. In ihnen wird der Dargestellte als dienstbereiter Beamter und zugleich als Lese- und Schreibkundiger abgebildet. Dersenedj sitzt mit untergeschlagenen Beinen und hält mit der linken Hand das auf dem Schurz ausgebreitete Papyrusblatt, auf das er die rechte Hand gesetzt hat mit der Fingerhaltung, die die (nicht dargestellte) Schreibbinse über das Blatt führt. Der Oberkörper ist muskulös, der Kopf sitzt direkt auf den breiten Schultern und wird von einer schulterlangen Perücke eingefasst. Das ovale, großflächige Gesicht wirkt gelassen, ohne jeden Versuch einer Charakterisierung oder Individualisierung. Titel und Namen des "Scheunenschreibers und Domänenverwalters" sind in der Art auf das Papyrusblatt gesetzt worden, dass der vor der Figur Stehende sie lesen kann.
Standfigur einer Königin oder Göttin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Statue zeigt eine stehende Frau mit vorgestelltem linken Bein. Auf der Rückseite befindet sich ein sehr flacher, rechteckig abschließender und unbeschrifteter Rückenpfeiler. Die Arme hängen vertikal eng am Körper herab und in der rechten Hand hält die Figur einen Schattenstab. Sie ist mit einem glatten Gewand bekleidet, das bis auf die Unterarme den gesamten Körper bedeckt. Unter dem Gewand, vor allem im Bereich der Brüste und des Bauches, tritt der schlanke Körper deutlich hervor. Den Kopf bedeckt eine dreiteilige Perücke, deren seitliche Teile bis auf die Brust reichen. Oberhalb der Ohren umgibt diese ein bereits horizontales Band mit einem Uräus über der Stirn; plastisch kaum abgesetzt läuft es am Hinterkopf in den Rückenpfeiler hinein. Auf der Kalotte befinden sich ein quadratisches Zapfenloch und eine sorgfältig aufgeraute Fläche für den Kronenaufsatz. Das Gesicht ist oval, das Karnat voll und faltenlos. Infolge der Uräusschlange wurde die Statue stets unter die Königinnenbildnisse eingereiht, obgleich diese auch bei Göttinnen gut bezeugt ist. Ohne weitere Epitheta oder eine Inschrift ist diese Statue daher nicht eindeutig als Königin oder Göttin zu identifizieren. Auch stilistisch ist ihre Einordnung umstritten. Einerseits werden die konventionellen Elemente als Hinweis für eine Datierung in die ausgehende Spätzeit gewertet, andererseits wird die Statue ohne nähere Erläuterungen in die ptolemäische Zeit datiert. Kaum zu beantworten ist die Frage, welcher der frühen Ptolemäerinnen dieser Statue darstellen könnte. (J. Helmbold-Doyé)
Standfigur des Meh-Chonsu (Mx-Cnzw), eine Osirisfigur haltend (Theophor)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die qualitativ sehr gut bearbeitete Bronzestatuette eines Gottesvaters des Chons namens Meh-Chonsu stellt den kahlköpfigen Priester in schreitender Haltung dar, der in einem langen, plissierten Schurz mit Vorbau, glattem Ärmelhemd und Sandalen gekleidet ist. Um seinen Hals hängt ein Amulett in Form des falkenköpfigen Mondgottes Chons. Seine Hände liegen auf dem Vorderteil des Schurzes und berühren fast die Schultern einer Osirisstatuette, die sich vorne halbrundplastisch auf dem Schurz befindet. Auf der rechten Seite des Schurzes ist außerdem im erhabenen Relief ein Priester mit einem Räucherarm in seiner rechten Hand dargestellt; auf der anderen Seite sieht man noch einmal denselben Priester im erhabenen Relief, der zwei kugelartige Objekte in den Händen hält. Die Beischriften nennen ihn als Pa-scheri-(en)-Iset. Auf dem Oberkörper des Meh-Chonsu sind weitere, feine Dekorationen in Gravuren vorhanden. Auf dem Rücken ist in einem rechteckigen Bildfeld die Götterfamilie Osiris, Horus und Isis unter einer Himmelshieroglyphe dargestellt. Auf den Ärmeln des Hemdes sieht man rechts den menschengestaltigen Amun-Re mit Doppelfederkrone und links den ithyphallischen Amun von Luxor. Die theophore Statuette des Meh-Chonsu zeigt eine Darstellung des Darbringens einer Götterfigur bzw. des Beschütztseins durch den Gott Osiris, wobei er auch von anderen dargestellten Gottheiten, wie Chons und Amun, beschützt ist. Der an den Körperseiten dargestellte Priester Pa-scheri-(en)-Iset, höchstwahrscheinlich ein Familienangehöriger des Meh-Chonsu, opfert gleichzeitig dem Gott Osiris sowie dem Besitzer der Statuette Meh-Chonsu. ÄM 23732 gehört zu einer relativ kleinen Gruppe von besonders qualitätsvoll tauschierten Metallstatuen der Dritten Zwischenzeit. Die separat angefertigten Arme sind ebenfalls typisch für ihre Entstehungszeit. (I. Liao)
Zwei einander umarmende Skarabäen mit Menschenkopf
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Zwei Skarabäen stehen Bauch an Bauch zueinander. Ihre Kopfsegmente fehlen, stattdessen gehen die Nackenschilde ohne klare Grenze in einen menschlichen Brust-Hals-Bereich und Kopf über. Das Gesicht blickt über einen Käferleib hinweg, so dass die Rückenschilde der Tiere gewissermaßen Bauch und Rücken der Figur als Ganzes bilden. Die Beine der Käfer enden in Händen, die Proportionen der Gliedmaßen sind jedoch die des Insekts. Die ‚Arme‘ des vorderen Käfers sind über die des hinteren gelegt, so dass der Eindruck einer Umarmung entsteht. Am hinteren bzw. unteren Körperende halten die vier dort zusammentreffenden Gliedmaßen ein relativ kleines, rundliches, aber nicht genau kugelförmiges Objekt. Der haarlose Kopf gibt am ehesten einen Hinweis auf die vermutliche Datierung des Stücks. Das Gesicht ist das eines männlichen Erwachsenen mit kleinem Mund, vollen Wangen und leichtem Doppelkinn. Diese Formgebung ist charakteristisch für die sog. „Egg-heads“, die bevorzugt der 30. Dynastie oder der beginnenden Ptolemäerzeit zugerechnet werden. Hervorzuheben ist der nicht restlos vollendete Zustand: Am gesamten Objekt sind trotz des hellen Materials keinerlei Farbreste zu erkennen. Überdies ist der Stein an den Hinterhänden und am linken ‚Arm‘ des hinteren Käfers nicht vollständig abgearbeitet. Umgekehrt wurden die Ohren nachträglich entfernt, ohne Glättung der verbleibenden Oberfläche. Ob die auffällige Scharte am Hinterkopf im selben Zuge zugefügt wurde oder eine spätere Beschädigung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Stärkerer Abrieb an Hinterkopf und hinterem Rückenschild weist darauf hin, dass das Stück über längere Zeit in entsprechender Position lag. Stand jetzt ist der Doppelskarabäus mit Menschenkopf ohne genaue Parallele. Das geläufige Bildmotiv des Skarabäus mit Sonnenscheibe vor bzw. über dem Kopfsegment als Erscheinungsform des morgendlichen Sonnengottes legte eine vergleichbare Deutung nahe, die in der älteren Literatur auch so und ähnlich zu finden ist. Andererseits fehlt die Sonnenscheibe, und es bleiben das rundliche Objekt im Fußbereich und der menschliche Kopf zu erklären. Aufschluss geben mehrere Darstellungen in Reliefs meist ähnlicher Datierung, die einen Skarabäus mit Menschenkopf darüber zeigen. Dieser ist zusätzlich mit einem erigierten Phallus versehen, an dessen Spitze ein Ei steht, mit dem das hier gehaltene rundliche Objekt identisch sein dürfte. Damit kann die Skulptur als komplexe Figur des geschlechtlich handelnden Schöpfergottes angesprochen werden. Seine namentliche Identität geht aus den Beischriften zu einigen der Reliefs eindeutig hervor, nämlich „Ptah, der Selbstentstandene“ (Ptḥ ḫpr ḏs⸗f). Die Unterschiede zwischen zwei- und dreidimensionaler Darstellung – namentlich das Fehlen des Phallus und die zwangsläufig andere Position des Eis, dafür aber die Ausführung mit zwei Skarabäen – könnten auf die Grenzen des technisch Machbaren zurückgeführt werden. Weitere denkbare Ausdeutungen der Darstellung als Ganzes oder einzelner Bildmotive sind nicht auszuschließen und möglicherweise auch intendiert. Zu der/den anzunehmenden Funktion(en) des Stücks – rituell und/oder funerär – zumal unter Einbeziehung seines offenbar beabsichtig unfertigen und beschädigten Zustands sind keine gesicherten Aussagen möglich. Immerhin sprechen Material und Gewicht (ca. 7,5 kg) trotz der handhabbaren Größe gegen eine regelmäßige Verwendung als mobiles Kultobjekt. (Burkhard Backes / gekürzt aus: B. Backes, Summe seiner Teile? Überlegungen zum doppelten Skarabäus mit Menschenkopf Berlin ÄM 11405, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache (ZÄS) 146.2, 2019, S. 129–137 (mit älterer Literatur).)
Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Dieser unvollendete Statuenkopf wird aufgrund zahlreicher Gestaltungskriterien, insbesondere aber wegen des typischen Kronenansatzes als Bildnis der Nofretete bezeichnet. Seit Borchardts Interpretation der farbigen Büste als Bildhauermodell wurden beide Köpfe miteinander in Beziehung gesetzt und das vollendete Werk als das Vorbild für dieses angesehen. Auch wenn der erste Anblick der unvollendeten Königin bei vielen Betrachtern zunächst Verwunderung auslöst und auf manch einen Besucher geradezu abstoßend und verwirrend wirkt, so entfaltet sich dafür auf den zweiten Blick die Vorgehens- und Arbeitsweise der altägyptischen Handwerker in beispielhafter Weise. Der schon sehr weit gediehene Rohling hatte im Gesicht und am Hals bereits eine sehr gute Glättung der Oberfläche erfahren, während die gröberen Meißelspuren an den Ohren und am Kronenansatz noch roh belassen wurden. Die Augen und der Augenbrauenwulst waren bereits so exakt gesetzt, dass sie als sicherer Anhaltspunkt für die weiteren Arbeiten mit akkuraten Linien eingefasst und bemalt wurden. Auch Nase und Mund sowie die Sehnen am Hals scheinen dem Ziel schon recht nahe zu sein, doch mussten neben der Ausarbeitung einiger Details offensichtlich noch Korrekturen vorgenommen werden. Um die zu bearbeitenden Stellen zu markieren, zeichnete der Bildhauer mit gekonnt gesetzten, schwungvollen Pinselstrichen die fraglichen Partien im Gesicht an. Hierzu gehörten die fehlende, leichte Furche in der Mitte der Stirn; die Lidfalten am inneren Augenwinkel; die Ausarbeitung des linken Tränensäckchens, eine Begradigung des Nasenrückens, die fehlenden Nasolabialfalten, eine Korrektur der zu voll geratenen Lippen sowie eine zartere Modellierung der leicht eingefallenen Wangen – insbesondere auf der linken Gesichtshälfte – und die fehlenden Halsfalten. Am Kinn und um den Mund sowie an der Oberlippe kann man bereits den nächsten Abarbeitungsschritt mittels feiner, kleiner Meißelspuren erkennen. Wie viele solcher Korrekturvorgänge dieser Statuenkopf noch hätte durchlaufen sollen, kann nicht abgeschätzt werden, aber der unvollendete Kopf zeigt im Vergleich zur vollendeten Büste und zum Gipsmodellkopf der Königin (ÄM 21349), dass verlässliche Modellvorlagen in der Werkstatt unabdingbar waren, um das gesetzte Ziel eines perfekten, porträthaften, wenngleich idealisierten Abbildes der Königin zu erhalten. Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 338 (Kat.-Nr. 123).
Standfigur des Horos, Sohn des Thotoes (Xr zA Twtw/Horsatutu)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Statue des Horsatutu gehört zweifellos zu den anspruchsvollsten Werken der späten Ptolemäerzeit, die von Privatpersonen in Auftrag gegeben wurden. Horsatutu trägt ein Unter- sowie ein Oberhemd, die vor allem anhand der runden und spitzen Ausschnitte zu erkennen sind. Darüber liegt auf der linken Schulter ein Mantel, der zudem einen Großteil des Oberkörpers umhüllt. Unterhalb des Brustkorbs diente eine vertikale längliche Einlassung zur Befestigung eines Amuletts - womöglich eine Figur der Göttin Neith. Die rechteckige Form des Kopfes wird durch scharf modellierte Falten dominiert. Das Haar umschließt den Kopf wie eine Kappe und ist in kurze Sichellocken unterteilt. Der Inschrift auf dem Rückenpfeiler nach handelt es sich um das Standbild des Horos, der Befehlshaber der Truppen im Delta der zugleich Priester der Göttin Neith in Sais war. Ursprünglich war die Statue in dem dortigen Tempel der Göttin aufgestellt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Frisur überarbeitet und das Haarband sowie die Halskette entfernt. Diese Veränderungen gehen wohl mit einer sekundären Aufstellung im augustäischen Alexandria, dem späteren Fundort, einher. (J. Helmbold-Doyé)
Kuboide Statue ("Würfelhocker") des Amenemopet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„So relativ zahlreich Bildnisse von Echnaton, Nofretete und der weiteren königlichen Familie erhalten sind, in so geringerem Umfang existieren Zeugnisse dafür, wie sich der Umbruch von Amarna auf die übrige Plastik dieser Epoche ausgewirkt hat. Zu den drei oder vier eindeutigen Beispielen sind erst in jüngster Zeit zwei weitere gekommen, die beide für die Berliner Sammlung erworben werden konnten. Eines dieser beiden Werke ist das Bildnis des Amenemopet, eines Vorstehers der Nekropolenhandwerker in Memphis. Die Plastik zeigt Amenemopet in der Gestalt des sogenannten Würfelhockers, einer Form der ägyptischen Rundbildkunst, in der ihre Neigung zu höchster Konzentration den intensivsten Ausdruck findet. Der Dargestellte sitzt dabei auf dem Boden, die aufgestellten Beine eng an den Körper herangezogen und mit diesem so sehr zu einer Form verschmolzen, daß selbst Füße und Hände vielfach nur noch angedeutet daraus hervortreten. Das Gesicht des Amenemopet erinnert in der Überbetonung von Augen und Mund stark an die Echnaton-Bildnisse der frühen Amarnazeit, so daß seine Entstehung in eben dieser Periode wahrscheinlich ist. In dieselbe Richtung weist auch die Inschrift, die zwar einleitend Aton nennt, dann aber u. a. Osiris und Hathor und in der weiteren Formulierung ganz im Rahmen der üblichen Totengebete der 18. Dyn. bleibt.“ Aus: Kaiser, Werner (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg, Berlin 1967, S. 70.
Kultstatue der Isis-Demeter mit Schlange und Cista
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Kultstatue ist in der (griechischen) Körperhaltung des Kontrapost gearbeitet. Bekleidet ist sie mit Chiton und Himation sowie Sandalen. In der Linken hält sie ein Henkelgefäß, in der Rechten eine sich windende Schlange. Das Gefäß ist zwar nicht als geflochtenes Körbchen erkennbar, greift aber wohl auf die alte Cista mystica der Demeter zurück. Die Haare sind in Korkenzieherlocken gelegt, auf dem Scheitel sitzt eine Krone aus Ähren, Sonnenscheibe und Schlange. Alle diese Attribute können mit Demeter und Isis verbunden werden, den Garantinnen für die Fruchtbarkeit der Erde und für eine reiche Ernte sowie allgemein für Regeneration und Schutz. (J. Helmbold-Doyé)
Fragment einer Statue: Opferplatte mit einer Hand
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
In Achet-Aton wurden während der Grabung Ludwig Borchardts zwei Bruchstücke von Händen gefunden, welche eine Opferplatte halten (ÄM 30756, ÄM 24613). Diese Fragmente passen in Größe und Material exakt zu der unfertigen Standstatue des Echnaton mit Blauer Krone (ÄM 34437), weshalb sie als zugehörig betrachtet werden können und in die Rekonstruktion einbezogen wurden. Allerdings stammen die zwei Bruchstücke aus unterschiedlichen Häusern in Achet-Aton. Die Gebäude gehören zwar demselben „Baublock“ an, sind aber nicht direkt benachbart. Unklar ist, wie die beiden Fragmente der Opferplatte in verschiedene Häuser gelangten. Nach: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 232 (Kat.-Nr. 21).
Fragment einer Statue: Opferplatte mit einer Hand
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
In Achet-Aton wurden während der Grabung Ludwig Borchardts zwei Bruchstücke von Händen gefunden, welche eine Opferplatte halten (ÄM 30756, ÄM 24613). Diese Fragmente passen in Größe und Material exakt zu der unfertigen Standstatue des Echnaton mit Blauer Krone (ÄM 34437), weshalb sie als zugehörig betrachtet werden können und in die Rekonstruktion einbezogen wurden. Allerdings stammen die zwei Bruchstücke aus unterschiedlichen Häusern in Achet-Aton. Die Gebäude gehören zwar demselben „Baublock“ an, sind aber nicht direkt benachbart. Unklar ist, wie die beiden Fragmente der Opferplatte in verschiedene Häuser gelangten. Nach: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 232 (Kat.-Nr. 21).
Kopf einer Statue der Königin Nofretete
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Auch dieser Kopf wird aufgrund der leicht akzentuierten Stirnbinde und dem als Kronenaufsatz dienenden Zapfen mit einer königlichen Dame identifiziert. Doch fungierte dieser Kopf nicht als Teil einer Kompositstatue, sondern vielmehr lassen die abgebrochene Unterseite des Halses sowie der Rest eines Rückenpfeilers erkennen, dass dieses Stück ursprünglich zu einer unterlebensgroßen Statue gehörte, die aus einem Block gehauen war. In den langen Zapfen auf dem Haupt war vermutlich eine weit nach hinten ausladende Kopfbedeckung eingelassen, und auch die Aussparungen auf Höhe der Schläfen sprechen für eine – für Nofretete typische – Blaue Haube, die dem Kopf aufgesetzt wurde. Dorothea Arnold definiert daher diesen Typus als „Teil-Kompositstatue“. Lippen, Zapfen sowie die Partie oberhalb des Kopfes sind rot bemalt, leichte Spuren schwarzer Vorzeichnungen sind noch an Augen und Brauen erhalten, die als Vorbereitung für eine weitere Ausarbeitung dienten. Die Nasenspitze ist abgebrochen, und auch die Ohren scheinen nicht vollendet. Im Vergleich zu Nofretetes anderen Bildnissen sind die Augen schmaler und der Mund breiter ausgearbeitet, die Wangenmuskeln setzen bereits unterhalb der Schläfen an. Diese weniger individuellen Züge ihres Erscheinungsbildes ordnen sie als ein spätes Werk der Amarna-Zeit ein. Der Kopf zählt zu der geringen Anzahl granitbeschaffener Objekte, die nach der Fundteilung nach Berlin gelangten. Im Jahre 1992 entdeckte Kristin Thompson im Restschutt der Grabungen der DOG von 1911 bis 1914 jedoch weitere 188 Granit-Fragmente, wobei sie herausfand, dass die gesamten Stücke aus Haus P 47.3 stammten. Der Tagebucheintrag vom 13. Dezember 1912 enthält eine kurze Notiz zu diesen „schwarzen Granitstücken“ und beschreibt, dass diese in Raum 6, 10 und 12 freigelegt wurden. Trotzdem ließ das Grabungsteam diese Fragmente vor Ort zurück. Unter den Bruchstücken befand sich u. a. der Teil eines unbeschrifteten Rückenpfeilers. Thompson zog konsequenterweise eine Verbindung zu dem in Nebenraum 11 von Haus P 47.3 ausgegrabenen Berliner Granitkopf. Infolgedessen wurde für weitere Untersuchungen ein Gipsabguss angefertigt, wobei sich herausstellte, dass Rückenpfeiler und Kopf haargenau aneinanderpassen. Thompson und ihr Kollege Dimitri Laboury konnten aus den vielen restlichen Teilen eine sitzende Doppelstatue Echnatons und Nofretetes rekonstruieren (s. Rekonstruktion), vergleichbar mit einer Statuengruppe des Königspaares aus dem Louvre (AE 004253), auf die auch schon der Tagebucheintrag verwies („Wie die Stücke desselben Materials zeigen, rührt der Kopf einer Gruppe her, die den König neben der Königin sitzend darstellen sollte, vgl. die halbe Gruppe im Louvre“, Tagebuch 1912/1913, S. 83). Arme, Füße sowie der Kopf des Königs wurden bisher nicht aufgefunden. Erstaunlich ist, dass es sich hierbei um das einzige monolithisch gearbeitete Objekt aus Achet-Aton handelt. Aus welchem Grund auf diese Technik und dieses Material zurückgegriffen wurde, kann nur vermutet werden. Es bleibt die Hoffnung, dass weitere Funde und genaue Beobachtungen mehr Aufschluss zum Statuenprogramm der Amarna-Zeit bringen werden. Für das Haus P 47.3 kann anhand des Fundkontextes angenommen werden, dass in dieser Werkstatt wahrscheinlich vor allem Granit bearbeitet wurde. Aus: Mettlen, J., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 386 (Kat.-Nr. 174).
Statuenfragmente: zwei Ohren
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Sowohl die Größe als auch der Farbton der Ohren zeigen deutlich, dass diese von zwei verschiedenen etwa lebensgroßen Statuen stammen.