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Objekttyp: Stopfmustertuch
Museum Europäischer Kulturen
Auf dem rechteckigen groben Kanevas befinden sich ein roter, ein rot-weißer und ein weißer Stopfen. Laut den Angaben des Sammlers wurde das Tuch von Helene Schmidt um 1900 in einer Volksschule in Breslau (Wroclaw) angefertigt. Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch ist ein Beispiel für die Vereinfachung und Standardisierung von Mustertüchern im Rahmen des Handarbeitsunterrichts, der 1872 als Klassenunterricht für Mädchen an allen öffentlichen preußischen Volksschulen verpflichtend eingeführt wurde. Das Tuch gehört zum sogenannten Altbestand und wurde 1934 als Teil einer großen Mustertuchsammlung von Friedrich Großmann angekauft. Großmann, Direktor des Oberversicherungsamtes in Potsdam (gest. 12.3.1939), hatte sich umfangreich mit der historischen Entwicklung von Mustertüchern in Deutschland und Europa beschäftigt. Er war eine Zeit lang als Referent für das Volksschulwesen der Großstädte um Berlin tätig und hatte hier auch Einblick in die Formen des Handarbeitsunterrichts. In dieser Funktion begann er vermutlich, Tücher zu sammeln. Nach eigenen Aussagen interessierten ihn dabei nicht nur die schönen, kunstvoll gefertigten Stücke, sondern auch jene einfachen Übungstücher, die in Volksschulen zwischen 1870 und 1920 entstanden. Seine Erkenntnisse zur Entwicklung von Mustertüchern im Handarbeitsunterricht wurden 1942 posthum in den Zeitschriften „Volkswerk“ und „Die Neue Deutsche Schule“ veröffentlicht. Seine über 2850 Objekte fassende Mustersammlung ging im II. Weltkrieg größtenteils verloren. Heute sind noch rund 730 Objekte dieser Sammlung im MEK vorhanden, darunter 27 Stopfmustertücher.
ADER 1802
Museum Europäischer Kulturen
Das heute etwas braunfleckige, ursprünglich weiße Leinentuch ist mit einem, jetzt zerschlissenem, rosafarbenem Band gesäumt. Es hat 9 große rechteckige Stopfen in bunter Seide, 2 kleine Quadrate in weißer Nadelspitze, 3 Reihen mit Weißstickerei, in rotem Kreuzstich: "ADER 1802“ Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch erwarb das Westberliner Museum für Deutsche Volkskunde 1962. Es war 1964 in der Ausstellung „Volkskunst und Volkshandwerk“ in der Berliner Urania, zusammen mit 2 weiteren Stopf- und 7 Stickmustertüchern zu sehen. Das Tuch weist laut der Forscherin und Stopfexpertin Anja Leshoff eine außergewöhnliche Randgestaltung der Stopfen auf: Es sind Sterne statt der üblichen Stopfkreuze. Das Tuch wurde deshalb 2023 in einer Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt.
Museum Europäischer Kulturen
Das Leinentuch ist mit grünem Band eingefasst, an zwei Ecken rote und grüne Rosetten, im rot gerandtem Mittelfeld 7 Durchbruchmuster, ringsum 18 Stopfmuster, unter je einer Krone 12 Monogramme und "ANNO 1776" in Kästchenstich. Angabe der 86-jährigen Vorbesitzerin (1956): Gestickt in Berlin von Dorothea Elisabeth Fischer, verehelichte Heise, geb. 15.2.1762, gest. 28.07.1834, begraben Kirchhof Alte Jakobstr.
Museum Europäischer Kulturen
Der dünne Kanevas ist durch rote Fäden in neun Quadrate unterteilt, in acht befindet sich ein blau-rotes Stopfmuster. Eines davon ist noch nicht beendet: Nadel und Faden stecken noch im Stopfen, die Rückseite ist mit einer Stopfpappe in blauer Farbe unterlegt. Laut den Angaben des Sammlers bestopfte das Tuch: "Hedwig Schlieper (?) etwa 1888 bei einer Erzieherin in Westpreußen, Josephinenhof bei Deutsch-Eylau." Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Solche unfertigen Tücher mit einer Pappe als Stopfunterlage sind laut Anja Leshoff, Forscherin und Stopfexpertin, selten überliefert. Gesammelt wurde hier nicht nur das Tuch als Endergebnis, sondern auch der Prozess des Stopfens. Die Verwendung von rotem und blauem Stopfgarn erleichterte im Unterricht außerdem die Kontrolle, ob Bindungen korrekt ausgeführt wurden. Das Tuch gehört zum sogenannten Altbestand und wurde 1934 als Teil einer großen Mustertuchsammlung von Friedrich Großmann angekauft. Großmann, Direktor des Oberversicherungsamtes in Potsdam (gest. 12.3.1939), hatte sich umfangreich mit der historischen Entwicklung von Mustertüchern in Deutschland und Europa beschäftigt. Er war eine Zeit lang als Referent für das Volksschulwesen der Großstädte um Berlin tätig und hatte hier auch Einblick in die Formen des Handarbeitsunterrichts. In dieser Funktion begann er vermutlich, Tücher zu sammeln; nach eigenen Aussagen interessierten ihn dabei nicht nur die schönen, kunstvoll gefertigten Stücke, sondern auch jene einfachen Übungstücher, die in Volksschulen zwischen 1870 und 1920 entstanden. Seine Erkenntnisse zur Rolle von Mustertüchern im Handarbeitsunterricht wurden 1942 posthum in den Zeitschriften „Volkswerk“ und „Die Neue Deutsche Schule“ veröffentlicht. Seine über 2850 Objekte fassende Mustersammlung ging im II. Weltkrieg größtenteils verloren. Heute sind noch rund 730 Objekte dieser Sammlung im MEK vorhanden, darunter 27 Stopfmustertücher.
SE 1833
Museum Europäischer Kulturen
Fast quadratisches Leinentuch, 5 gestopfte Risse, 3 Strickstopfen, 3 Gazestopfen, 9 farbige und 1 weißer Webstopfen, am Unterrand "SE 1833". Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch kaufte das Westberliner Museum für Deutsche Volkskunde 1967 an. Es stammt laut Angaben der Vorbesitzerin aus einer bürgerlichen Frankfurter Familie, von der sich zwei weitere Stickmustertücher und ein Stopfmustertuch in der Sammlung befinden. Das Tuch ist für die Forscherin und Stopfexpertin Anja Leshoff besonders variantenreich: mit diversen Gewebebindungen und Maschenvarianten, mit gestopften und eingestopften Stücken. Es hat zudem das Leinentuch perfekt imitierende, nahezu unsichtbare Riss- und Webstopfen. Deshalb wurde es ausgewählt für eine Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK, die 2023 anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stattfand.
Museum Europäischer Kulturen
Dünnes Leinentuch mit eingewebtem, schmalem, rotem Randstreifen und 6 weißen, 4 mehrfarbigen Stopfen. Ein rot-weißer Stopfen ist nur zur Hälfte fertig. Eine Hälfte des Tuches ist leer. Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Bei diesem sind alle Stopfen sehr sorgfältig und aufwändig gearbeitet, wie sich am rot-weißen unvollendeten Stopfen besonders gut erkennen lässt. Außerdem sind die sechs weißen Stopfen fast unsichtbar und nur durch die unterschiedliche Alterung von Stopfgarn und Leinen zu sehen. Das Westberliner Museum für Deutsche Volkskunde kaufte das Tuch 1959 als Teil der über 400 Objekte umfassenden „Sammlung Roth“ an. Das Tuch wurde seit seinem Ankauf nie ausgestellt. Erst 2023 präsentierte es das MEK zum ersten Mal in einer zweiwöchigen Pop-Up-Ausstellung anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin.
MZ ANNO 1728
Museum Europäischer Kulturen
Feines gelbliches Kanevas, geringfügig braunfleckig, ringsum 13 verschiedene, farbige Stopfmuster: 10 Webstopfen schließen in den Stoff eingeschnittene Löcher, 3 kleinere sind eingestickt. Im gerahmten Mittelfeld ein farbiger Kreuzstich, zwischen Vögeln und Vasen: "MZ ANNO 1728". Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch erwarb das Westberliner Museum für Deutsche Volkskunde 1962. Es wurde danach mehrmals ausgestellt. Es ist laut der Forscherin und Stopfexpertin Anja Leshoff auch sehr dekorativ: Es verfügt über eine besondere Farbgestaltung der Bindungen und eine sehr schöne Stickerei im Zentrum. Das Tuch wurde deshalb 2023 in einer Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK gezeigt, die anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stattfand.
ANNO 1807 IF MD
Museum Europäischer Kulturen
Fast quadratisches, gazeartiges feines Leinengewebe (gebleicht), schmal gesäumt mit einfachem Hohlsaum, 6 weiße Stopfen in Köper- und Leinwandbindung, 8 farbige mit teils komplizierten Köperbindungen (u.a. Gänseauge), Im umstopften, quadratischen Mittelfeld gestickt: "ANNO 1807 IF MD". Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch kaufte das Westberliner Museum für deutsche Volkskunde 1976 an. Es sind keine Angaben zur Hersteller:in bekannt. Das Tuch ist laut der Forscherin und Stopfexpertin Anja Leshoff außergewöhnlich, da die zum Teil sehr komplizierten, mehrfarbigen Muster mit einem glänzenden Stopfgarn in Pastelltönen ausgeführt sind. Es wurde deshalb ausgewählt für eine Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK, die 2023 anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stattfand.
Marie Wilde. 1859
Museum Europäischer Kulturen
Das quadratische Tuch hat einen Hohlsaumrand, am Rand entlanglaufend sind 16 Webmuster in Rot-Weiß mit verschiedenen Bindungen eingearbeitet, in der Mitte des Tuches in rotem Kreuzstich "Marie Wilde. 1859". Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch wurde dem Westberliner Museum für deutsche Volkskunde 1987 geschenkt. Es sind keine Angaben zur Hersteller:in bekannt. Das Tuch weist für die Forscherin und Stopfexpertin Anja Leshoff eine ungewöhnliche Anordnung der Stopffelder auf, zeigt aber auch einen Fehler bei einigen Ausführungen, der schnell passieren kann: Die Kettfäden wurden zu fest gezogen, weswegen der Stopfen eine „Sanduhr-Form“ bekam. Aus beiden Gründen wurde das Tuch ausgewählt für eine Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK, die 2023 anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stattfand.
Else Aurich
Museum Europäischer Kulturen
Leinen, weiß, ringsum Hohlsaum, in 12 Felder eingeteilt, darin 9 verschieden farbige Webstopfen, 1 Rissstopfe, 1 Tüllausbesserung und 1 Strickstopfe. Auf der Rückseite angenähter Zettel, darauf handgeschrieben mit Tinte: "Else Aurich" und Inventarnummer. Das Museum Europäischer Kulturen besitzt rund 125 Stopfmustertücher. Dieses Tuch wurde 1979 vom Ostberliner Museum für Volkskunde zusammen mit zwei weiteren, von Else Aurich gefertigten Stopfmustertüchern erworben, vgl. I (18 C) 15/1979 und I (18 C) 17/1979. Zusammengenommen beweisen sie die große Bandbreite an Stopftechniken, die die Herstellerin einübte: Sie zeigen Gardinen-, Gewebe-, Riss-, Tüll- und Strickstopfen. Zusammen mit I (18 C) 18/1979 wurde das Tuch in einer Pop-Up-Ausstellung mit Stopfmustertüchern des MEK gezeigt, die 2023 anlässlich des Workshops „Darning – The Art of Plugging Holes“ in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stattfand.