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Objekttyp: Taufstein
Taufstein mit vier Tiergestalten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um eine runde, relativ flache und auffallend breite Kuppa eines Taufsteins mit figürlicher Darstellung. Der stark beschädigte und weitgehend erneuerte obere Rand der Kuppa ist grob durch eine Hohlkehle profiliert, die in regelmäßigem Abstand von vier Männerköpfen (einer fehlt) unterbrochen wird. Unter diesen ragt jeweils – als Verlängerung der ursprünglich dort ansetzenden vier kleineren Säulen – eine Blattzunge vom leicht eingezogenen unteren Rand nach oben. Die Fläche zwischen den Köpfen wird von je einem Drachen eingenommen, der seine Vorderkrallen auf einem die gesamte Kuppa umziehenden Grat legt. Die vier Köpfe in Verlängerung der Säulen sind sicher als Symbol der vier Paradiesflüsse zu verstehen, die zum festen Darstellungskanon an Taufbecken gehören. Drachen sind als Symbol des Bösen gleichfalls ein geläufiges Motiv an Fünten und verweisen vor allem auf dessen Überwindung durch die Taufe bzw. den Kampf zwischen Himmel und Hölle um die Seelen der noch nicht Getauften und somit auf ein zentrales Thema der Taufliturgie. Taufbecken als Schauplatz des Sakraments der Taufe gehörten notwendigerweise zur primären Ausstattung einer mittelalterlichen Kirche mit Pfarrechten. Sie standen in der Regel in der Nähe des Eingangs, manchmal in eigenen Räumen, etwa im Untergeschoss des Westturms. In bestimmten Regionen, wie Gotland, wo zunächst Westtürme nicht üblich waren, standen Taufen im Zentrum der Landkirchen, auf Höhe des Eingangs an der Langhaussüdwand, und konnten auch in andere Liturgien einbezogen werden. Die sehr hohe Zahl erhaltener Objekte und ihre häufig ins 12. und 13. Jahrhundert datierbare Entstehungszeit zeigen, dass man die schwer bewegbaren Objekte – anders als etwa Altäre und Retabel – oft auch dann beibehielt, wenn die Kirche umfassend erneuert wurde. Wie der markante bläulich-schwarze Stein, aber auch die Gestalt des Taufsteins zeigen, entstand der Taufstein im mittleren Maastal, wo vor allem in Namur eine große Zahl solcher Objekte besonders im 12. Jahrhundert auch für den Export geschaffen wurde. Die Berliner Variante mit vier Drachen und vor allem vier Köpfen am oberen Rand findet sich allerdings recht häufig. Stilistisch mit dem Berliner Stück vergleichbar ist ein Taufstein im Kölner Museum Schnütgen (Inv. K 112), der möglicherweise aus St. Kolumba stammt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die runde, kelchförmige Kuppa eines Taufsteins besitzt einen wulstigem unterem Abschluss und einem geraden, stark abgenutzten oberen Rand; Unterbau oder Sockel fehlen. Einziges Ornament ist ein von der Oberkante ausgehender Fries aus zweigartigen Gebilden oder Stegen mit zwischengeschalteten Kreissegmenten, die sich bei näherer Betrachtung als stilisierte Variante bzw. stark verfremdende Reduktion eines Hufeisens erweisen. Ein solcher, ganz ähnlich stilisierender Fries hat sich etwa an der Taufe im sächsischen Schköna erhalten. Die Grundform des Hufeisens ist derart vereinfacht und die hinsichtlich des unteren Wulstes an ein Säulenkapitell erinnernde Grundgestalt so lange üblich gewesen, dass eine zeitliche Einordnung schwer fällt. Aufgrund der Stilisierung des Ornaments und der ansonsten klaren Grundgestalt würde man das Stück vielleicht nicht für frühromanisch halten wollen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Achteckige Taufsteine kommen seit dem späteren 12., vor allem im 13. Jahrhundert und später vor. Das Fehlen von Ornamentik und Angaben zum Herkunftsort verhindern eine genauere Einordnung. Zudem sind völlig ungestaltete Taufen im sächsischen Raum weit und lange verbreitet. Die geringe Qualität des Stücks zeigt sich in dem verschobenen Grundriss, der auf eine simple, bei mitteldeutschen Taufsteinen nicht seltene Fehlberechnung zurückgeht. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf den Schrägseiten des quadratischen Sockels dieses ornamental verzierte Taufsteins sitzen an den Ecken vier Löwen, die Hinterteile nach außen gewandt und die Köpfe eigenartig nach hinten umgeschlagen. Ihre erhobenen Vorderpranken liegen am Schaft der runden Mittelstütze, der zwischen den Löwen – über den Längsseiten des Sockels – kleine Halbsäulen vorgestellt sind. Die obere Zone des Beckens wird durch einen umlaufenden Rundbogenfries mit eingewobenem Blattwerk ornamentiert; die mittlere zeigt eine in Wellen fortlaufende Ranke mit eingerollten Blättern; den unteren Abschluss bildet ein Saum aufrecht stehender, leicht geneigter Palmetten mit variierenden Längen. Die Löwen sind ikonografisch nicht präzise zu deuten. Sie sind an Taufbecken relativ häufig zu finden und können hier negativ verstanden werden als überwundene Kräfte des Bösen, aber auch als Wächter (nach mittelalterlicher Vorstellung schläft der Löwe mit offenen Augen) oder im christologischen Sinne als Teile des Throns der Weisheit und Auferstehungssymbol. Der Taufstein gehört zu einer großen Gruppe von etwa 130 Werken, für die sich in der Forschung seit langem die Bezeichnung „Bentheimer Typ“ eingebürgert hat. Anlass dazu gaben die Steinbrüche in der Nähe von Bentheim, aus denen das Material gewonnen wurde, sowie die große Dichte an Exemplaren in der Umgebung. Die Taufsteine kennzeichnet ein hoher Grad an Ähnlichkeit, bis hin zu einer weitgehend identischen Gestalt und Ornamentik. Dies spricht für ein groß angelegtes Exportunternehmen, zumal Exemplare bis weit in die nördlichen Niederlande und vor allem nach Norden (Friesland) und Osten (Münsterland, Osnabrücker Land und bis nach Soest) geliefert wurden. Formal übereinstimmend sind der quadratische Sockel mit schräger Platte und vier Eckfiguren (meist stilisierte Löwen), eine zylinderförmige Kuppa mit mehreren horizontalen Ornamentbändern sowie die geringe Tiefe des wie ausgeschnitten wirkenden Reliefs. Die aber wohl in der Nähe der Steinbrüche zu lokalisierenden Werkstätten gehörten neben Namur und Gotland zu den drei größten Exportzentren romanischer Taufsteine nördlich der Alpen. Ihr Erfolg ist eng mit der kirchlichen Erschließung des Nord- und Ostseeraums im 12. und 13. Jahrhundert verknüpft, durch die in einer relativ kurzen Zeit eine große Zahl neu errichteter Dorf- und Landkirchen auszustatten war. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein aus Benndorf bei Merseburg
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Taufstein stammt aus dem heute nicht mehr existierenden Ort Benndorf (ehem. Kreis Merseburg, 9 km südwestlich der Kreisstadt) und wurde in unbekannter Zeit aus der einst stattlichen, in Teilen noch romanischen Kirche entfernt. Es handelt sich um einen kelchförmigen Taufstein mit Fuß und Kuppa auf oktogonalem Grundriss. Einziger Schmuck sind jeweils zwei quadratische Ornamentfelder an den acht Seiten der Kuppa. Grundgerüst der hier variierenden geometrischen Motive ist ein diagonal in das Quadrat eingeschriebenes Kreuz, auf dem horizontale Kreuze, Rauten, Kreise oder Sterne ausgebildet werden. Der schlicht ornamentierte Taufstein gehört zu einer Gruppe mitteldeutscher Werke, die im Harzvorland entstanden sind. Die oktogonale Gestalt spricht für eine Datierung ins 13. Jahrhundert oder später. Generell treten an Taufsteinen seit dieser Zeit bildliche Darstellungen zugunsten architektonischer Elemente oder Blendmaßwerk zurück; in Sachsen bestand allerdings schon früher die Tendenz zur starken Reduktion. Auf eine spätere Entstehung verweist aber auch die exakte geometrische Ornamentik, die bei hochromanischen Taufsteinen zwar ähnlich, aber viel einfacher oder unorganischer vorkommt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein aus Schönstedt bei Langensalza
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Dieses Taufbecken gelangte im späten 19. Jahrhundert aus der Oberkirche Beata Maria Virginis in Schönstedt bei Langensalza (Thüringen) ins Museum. Die zwölfeckige, annähernd halbkugelige Kuppa, deren Fuß nicht mehr vorhanden ist, erhält durch den kräftig profilierten oberen Rand einen architektonischen Charakter. Unter einem Wulst befindet sich eine abgesetzte, hohe Kehle und darunter ein Rundbogenfries, dessen Arkadenprofil gekehlt ist und leicht hufeisenförmig verläuft. Getragen wurde die Kuppa ursprünglich von einer breiteren Mittelstütze und vier kleineren Säulen, für die die Unterseite der Kugel jeweils etwa in der Breite einer Zwölfeckseite abgearbeitet wurde. Der Taufstein wurde beim Ankauf als „rheinisch“ bezeichnet. Anlass zu dieser Vermutung dürften die Qualität und die in Sachsen ungewöhnliche ursprüngliche Abstützung der Kuppa durch vier Säulen gegeben haben. Die ausgereifte romanische Form und die leicht hufeisenförmigen Bögen sprechen hingegen für eine Entstehung im südlichen Harzvorland. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Taufstein aus Naundorf bei Merseburg
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Taufstein besitzt eine schalenförmige Gestalt, deren Umfang sich nach oben hin nur leicht erweitert. Der Stein besitzt ein umlaufendes Ornament, das aus aufrecht stehenden Pflanzen mit nach oben gerichteten Blättern besteht. Jede Pflanze wird von zwei Ranken in Form eines auf dem Kopf stehenden Herzens gerahmt. Die Zwischenräume sind von aus einem Stamm herauswachsenden Fächern mit fünf oder sieben Blätter gefüllt. Einzelne Motive der schlichten Ornamentik gehören zum Kanon der sächsischen Bauskulptur der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Herzförmige Ranken zeigen Kapitelle von der Huysburg in der Berliner Skulpturensammlung. Das Stück fügt sich somit gut in das Bild sächsischer Taufsteine des 12. und 13. Jahrhunderts. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)