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Objekttyp: Terrakotte (Rundbild / Statuette)
Terrakotte des Gottes Harpokrates auf einem Widder
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Terrakotte zeigt den korpulenten Harpokrates auf dem heiligen Widder reitend. Das nackte Kind trägt einen Mantel. Sein Kopf ist bis auf die seitliche Haarsträhne kahl. Der rechte Zeigefinger ist zum Mund geführt, mit der linken Hand halt sich der Knabe am Fell des Widders fest. Um den Hals des Tieres hängt an einer langen Kette eine Bulla. Die kleine Figur kann in eine umfassende Terrakottenproduktion eingeordnet werden, auch wenn kein identisches Vergleichsstück vorliegt. Obwohl Harpokrates selber ein kindlicher Gott war, galt er als Beschützer und Förderer der Kinder. Wegen der Darstellung mit Widder kann hier jedoch noch der Aspekt der Fruchtbarkeit angeführt werden, der ebenfalls eng mit ihm verbunden ist. (J. Helmbold-Doyé)
Statuette einer Frau mit Kind
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Modellierung der flachen Terrakotte wird vor allem durch die kräftige Bemalung umgesetzt. Erkennbar ist eine Frau mit einem Kind in ihrem linken Arm, das sich an ihr festhält. Die Art der aufgemalten Bekleidung wird unterschiedlich gedeutet: Entweder konnten ein kurzärmliges Untergewand und ein weißer Überhang oder eine langärmelige Tunika, die am unteren Saum die schrag schraffierten Gewandpartien des Untergewandes freigibt, gemeint sein. Diese Schraffur soll eine Sitzposition mit auseinandergestellten Beinen andeuten. Das eckige Gesicht der Frau wird von den überproportional großen Augen dominiert. Die kurzen diagonalen Striche am Kopfende konnten einen Kranz oder auch zusammengebundenes Haar imitieren. J. Helmbold-Doyé
Terrakotte in Gestalt eines stehenden Hundes (Spitz) mit Halsband
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Terrakotten für den häuslich-religiösen Gebrauch bilden aufgrund ihrer fast industriellen Massenproduktion aus Modeln eine der umfangreichsten Objektgattungen des griechisch-römischen Ägypten und waren in allen Bevölkerungsschichten verbreitet. Sie geben Gottheiten, Menschen und Tiere wieder. Hunde wurden im alten Ägypten hauptsächlich für die Jagd verwendet, galten aber, wie auch heute, als das beliebteste Haustier. (J. Jancziak)
Terrakotte in Gestalt eines geflügelten, tanzenden Bes
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Terrakotte aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert zeigt den tanzenden Zwerggott Bes. Der en face darstellte Gott in schwunghafter Tanzbewegung ist durch seine bärtigen, etwas grotesk wirkenden Gesichtszüge mit heraushängender Zunge gekennzeichnet. Er ist in einem ärmelfreien, unter dem Bauch gegürtelten Gewand gekleidet und trägt einen Kopfschmuck aus langen Straußenfedern. Als Zusatzattribut bekommt er hier noch ein Paar Flügel. In seiner rechten Hand hält er am Körper ein längliches Objekt mit Verzierungen, wahrscheinlich einen Weinkrug. Er steht auf einem mit Akanthusblättern verzierten Kapitell. Typisch für eine ägyptische Terrakotte wurden nur die Details der Vorderseite ausmodelliert. Die Rückseite besteht lediglich aus einer gewölbten, glatten Schale, zu der noch eine Öse hinzugefügt ist. Solche Tonfiguren wurden in der Regel in Privathäusern in Wandnischen, die als eine Art Hausaltar fungierten, aufbewahrt. In ebensolchen Wandnischen wurden sie auch in ägyptischen Siedlungen der griechisch-römischen Zeit aufgestellt. Mit der Öse konnten sie in der Nische aufgehängt werden. Der Gott Bes, der ursprünglich aus dem Sudan stammte und ab spätestens der 12. Dynastie in Ägypten belegt ist, wurde vom ägyptischen Volk als eine Art Schutzgottheit im häuslichen Bereich verehrt. Durch sein wildes, schreckhaftes Aussehen wurde Bes die Funktion zugewiesen, die Menschen vor bösen Kräften zu bewahren. Außerdem wurde er häufig im Umfeld der Göttin Hathor mit Musik, Tanz und Trunkenheit in Verbindung gebracht. Tanz und Musik wurden bei Bes nicht nur als Mittel der Abwehr verstanden, sondern spielten zugleich auch Freude, Heiterkeit sowie die dadurch hervorgebrachte Sexualität an. Auch der Weinkrug des Bes lässt sich in diesem freudestiftenden Zusammenhang verstehen. In der Ikonographie des musizierenden, tanzenden und trinkenden Bes ist er zum einen ein apotropäischer Gott für das ägyptische Volk. Zum anderen steht er in enger Beziehung mit Fruchtbarkeit und Zeugung. In dieser Gestalt spielt er insbesondere in den Bereichen Fruchtbarkeit, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und Kindbett eine besonders wichtige Rolle für die Frauen. (I. Liao)
Terrakotte in Gestalt der Göttin Isis mit dem Gott Harpokrates
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
In ihrem linken Arm hält die stehende Göttin Harpokrates, der seine Arme nach ihrer Brust ausstreckt. Sie trägt ein enges, bis auf den Boden herabfallendes Gewand und einen mit Fransen besetzten, vor der Brust verknoteten Mantel. Auf dem Kopf sitzen zwei Lotosknospen und die für sie typische Krone. In Kultzeremonien zu ihrer Verehrung kam dem Sistrum, einer Art Rassel, eine bedeutende Rolle zu. Hier hält Isis selbst dieses Musikinstrument in ihrer Rechten. Die Rahmung erinnert an ein mit Sternen besetztes Tuch. Die verschiedenen Attribute verweisen vermutlich auf unterschiedliche Wirkungsbereiche der Göttin: Himmelsgöttin und göttliche Mutter. (J. Helmbold-Doyé)
Terrakotte in Gestalt einer sitzenden Leierspielerin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Terrakotte zeigt eine auf einem runden Hocker sitzende Frau, die eine große, in ihre Hüfte gestützte Kastenleier in ihrem linken Arm hält. Unter ihren Füßen befindet sich eine runde Basis. In der Praxis müsste die Musikantin die Leier vor sich und nicht neben sich gehalten haben. Aber vermutlich um die Figur nicht zu verdecken, wurde die anatomisch nicht ganz „korrekte“ Darstellungsweise ausgewählt. Die Leierspielerin ist in einen langen, hellenistischen Peplos mit weiten Ärmeln gekleidet. Ein drapiertes Stoffstück hängt an ihrer rechten Körperseite bis zur unteren Basiskante herab. Die gescheitelten Haare sind aus der Stirn nach hinten gekämmt und im Nacken zu einem Knoten zusammengebunden. Über dieser sogenannten Helmfrisur trägt sie noch eine Art Haube. Aus der Römischen Kaiserzeit ist eine große Anzahl an Terrakotten belegt, die die Menschen bei unterschiedlichen Aktivitäten abbilden. Musikantendarstellungen gehörten auch zu diesem Themenkreis. Wahrscheinlich stellen sie Musikanten dar, welche die Götterfeste und Prozessionen begleiteten. Bereits seit pharaonischer Zeit traten Leierspieler häufig als Bestandteil eines Musikensembles in den Darstellungen jener Feierlichkeiten auf. Terrakotten in Gestalt von Musikanten wurden vermutlich als Votive im Rahmen der religiösen Festivitäten an den Kultplätzen oder in Heiligtümern abgelegt. (I. Liao)
Terrakotte einer Musikantengruppe mit Becken, Flöten und Klappern
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Hauptakteur dieser Musikantengruppe ist ein grotesk wirkender Mann mit Kappe und schlecht sitzendem Gewand. Sein separat gearbeiteter übergroßer Phallus fehlt heute. Ungewöhnlich ist das Instrument, eine Kombination aus Sackpfeife und Panflöte. Eine kleine Person schlägt zwei Becken und bläst gleichzeitig durch ein Rohr die Luft in den Sack, der vermutlich mit der Panflöte verbunden ist. Es sind zwar weitere Beispiele dieser Art bekannt, die exakte Spielweise bleibt aber unklar. (O. Zorn)
Terrakotte in Gestalt des Gottes Horus als Reiter mit Lanze
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die einzigartige Terrakotte zeigt den falkenköpfigen Gott, auf einem aufgezäumten Pferd reitend. Horus, fast frontal zum Betrachter gedreht, ist mit dem ägyptischen Königsschurz, darüber einer Tunika und einem Mantel bekleidet. Auf dem Scheitel trägt er die Doppelkrone, sein Haar umrahmt in dicken Strähnen das Gesicht. Er sticht mit weitausholender Geste auf einen hier nicht dargestellten Feind ein. Der Feind des Horus war der Gott Seth, der womöglich in einer seiner Gestalten als Tier oder Mensch zu ergänzen ist. Bekannt sind vergleichbare Horus-Darstellungen vor allem aus dem Tempel des Gottes in Edfu, aber auch aus anderen Regionen Ägyptens. Die Krone weist ihn als Herrscher der beiden Landesteile aus – wie jeden amtierenden Pharao. Daher sind Bilder dieser Art auch Teil der königlichen Thronfolge. (J. Helmbold-Doyé)