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Objekttyp: Terrine
Terrine in Form eines Kohlkopfs
Kunstgewerbemuseum
"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar. In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider. Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139) Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt) ClKa
Terrine in Form eines Blumenkohls mit Unterplatte
Kunstgewerbemuseum
Schaugericht, eineTerrine mit Unterplatte in Gestalt eines Blumenkohlkopfes auf Kohlblättern. Schon zur Zeit der Renaissance wurden an den Höfen von Königen und Fürsten aufwändige Feste gefeiert, bei denen reich gedeckte Tafeln im Mittelpunkt standen. Diese waren gedeckt mit kostbarem Geschirr, Tafelleuchtern, Aufsätzen,Tischbrunnen und Figurenschmuck. Ebenfalls schmückten auch echte Tiere, z. B. Schwäne, Pfauen, Tauben, oder Eberköpfe auch Früchte, z. B. Salat- und Kohlköpfe, Melonen und Trauben die Tafeln. Im Barock und Rokoko wurden die realen Schmuckstücke durch sehr naturalistisch gestaltete Fayence- und Porzellangefäße und Nachbildungen von Speisen, durch Schaugerichte, ersetzt. Die Gefäße dienten zusätzlich zur Aufnahme von Speisen, wie die hier gezeigte Terrine. MAKR
Bowlengefäß in Form einer Bischofsmütze
Kunstgewerbemuseum
Runde Bowle mit Deckel in Form einer Bischofsmitra mit plastischem Kreuz als Deckelknauf. Reliefbordüre an den Rändern des Deckels in Nachahmung von farbigen Edelsteinen. Auf der Wandung polychrome Blumensträuße (sog. "teutsche Blumen"), auf dem Deckel Streublumendekor. Farbklang in Blau, Gelb, Manganviolett und Grün. Die Marke "2" ist eine Größenangabe. Eine Stralsunder Manufakturmarke fehlt, jedoch gilt die Zuschreibung aufgrund der Blumenmalerei als gesichert. Bowlengefäße in Form von Bischofsmützen sind eine Besonderheit der Fayencemanufakturen der Ostseeregion. Die frühesten derartigen Bowlengefäße sind aus der 1722 gegründeten Kopenhagener Manufaktur Store Kongensgade bekannt und entstanden vermutlich im Zusammenhang mit der Kopenhagener "Papstgesellschaft". Dies war wiederum ein privater Verein, dessen Mitglieder bei Trinkrunden u.a. die Riten und Hierarchien der katholischen Kirche persiflierten. Im Ostseeraum existierte auch ein "Bischof" genannter Würzwein aus Rotwein, Zucker, Zitronen- und Pomeranzensaft. // Lit.: Kat. "Fayencen aus dem Ostseeraum", bearb. Claudia Kanowski, Schleswig 2003, S. 200, Kat. Nr. 75; Kat. "Stralsunder Fayencen. 1755-1792", bearb. von Gesine Schulz-Berlekamp, Berlin 1991, S. 89, Kat. Nr. 71 // ClKa