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Objekttyp: Tierfigurengruppe (2-figurig)
Kampfschnepfen
Alte Nationalgalerie
„Wenn man das Atelier Essers betritt, […] glaubt man eher in einer Schmiede als bei einem Bildhauer zu sein. Ein seltsamer Geruch von Metalldämpfen erfüllt den Raum. Und dann ist gewöhnlich ein großer Drahtkäfig da, in dem irgendein seltsames Paar mit großen Augen nach der Tür schaut. Perlhühner, Pfaufasanen, Stachelschweine und Füchse lösen sich hier ab, und an den Wänden hängen andere Käfige mit Staren, Kampfschnepfen, Tanzmäusen“ (H. v. Sp., Neue Tierplastiken von Max Esser – Berlin, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 28. Jg. [1913/1914], H. 3, S. 636 f.). Der Atelierbericht lässt die Grundlagen von Essers Schaffen anklingen: intensive Naturbeobachtung einerseits und vertiefte handwerkliche Materialkenntnisse andererseits. Um 1911 hatte der Künstler begonnen, mit dem Tauschieren von Bronzen zu experimentieren. Es entstanden zunächst kunsthandwerkliche Produkte wie seine Käferdose (Standort unbekannt), 1912 schuf er bereits das von der Nationalgalerie angekaufte Perlhuhn (B I 315), für seinen zwei Jahre später entstandenen Pfaufasan (B I 331) verlieh ihm der Kaiser die Goldene Medaille für Kunst. Mit seinen Kampfschnepfen widmete sich Esser erstmals der Herausforderung einer tauschierten Tiergruppe in Bronze. Die beiden in Imponiergebaren aufeinander bezogenen Schnepfenvögel kontrastieren nicht nur in ihrer Körperhaltung, der Künstler gestaltete auch die hellen Reflexpunkte des Gefieders und der auffälligen Kragen im kontrastiven Wechselspiel. | Yvette Deseyve
Eselgruppe
Alte Nationalgalerie
Als zu den „Abseitigen und Stillen im Lande“ gehörend charakterisierte 1918 ein Rezensent den Bildhauer Kratz, der „[n]eben seiner Leidenschaft als Künstler […] noch eine andere [hat], die des Tierliebhabers“ (Wilhelm Schäfer, Paul Kratz, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 5/6, S. 98). Daher sind es neben dem Märchenbrunnen in Frankfurt am Main (1901–1910) und dem Modell für das Frankfurter Ratssilber (Historisches Museum Frankfurt), an denen Kratz mitarbeitete, vor allem Tierplastiken, die einen Einblick in das Schaffen des heute kaum bekannten Bildhauers ermöglichen. Die „Eselgruppe“ folgt einem mehrfach von dem Künstler eingesetzten Kompositionsschema (vgl. die „Panthergruppe“, B II 104, oder die „Ebergruppe“ [um 1900] am Untermain-Kai in Frankfurt), in dem zwei Tiere in gegenläufiger Bewegung frontal aufeinandertreffen und zu einer geschlossenen Gesamtform zusammengefasst werden. Die dem Bewegungsmotiv geschuldete Stütze unter dem rechten Vorderhuf des Esels bleibt jedoch künstlerisch wenig überzeugend gelöst. Bereits 1918 hatte sich Kratz mit einem „Wildesel“ (um 1918; vgl. Lisbeth Schäfer, Die „Jugend“ aus den Ländern am Rhein, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 1/2, Abb. S. 1) auf der Ausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein in Wiesbaden präsentiert, 1922 folgte dort die Ausstellung der Gruppe „Spielende Esel“ (Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Hg.], Maler und Bildhauer in den Ländern am Rhein, Ausst. Kat. Neues Museum Wiesbaden, 1922, S. 75, Nr. 365), bei der es sich um die Komposition der vorliegenden „Eselgruppe“ gehandelt haben könnte. | Yvette Deseyve
Panthergruppe
Alte Nationalgalerie
Für eine Kleinplastikgruppe ungewöhnlich verband Kratz die beiden Panther nicht über eine gegossene Terrainplinthe miteinander, sondern setzte die Tiere auf einer Marmorplatte zu einer Gruppe zusammen. Die dadurch erzeugte Unmittelbarkeit und Vereinzelung der Raubkatzen wird durch ihr gegenläufiges Haltungsmotiv aufgefangen. Reckt sich der eine Panther mit weit aufgerissenem Maul in einer konkaven Aufwärtsbewegung nach oben, so neigt sich sein Gegenpart in einer konvexen Haltung nach unten. Kratz hatte bei Friedrich Hausmann am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main Bildhauerei studiert und war anschließend in der Klasse Peter Christian Breuers an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste eingeschrieben. Für seinen Lebensunterhalt verdingte er sich jedoch überwiegend als Bauplastiker, woraus auch seine ungewöhnlich monumentale Komposition der kleinformatigen „Panthergruppe“ resultieren mag. Bei einigen Projekten wie der baukünstlerischen Ausgestaltung von Gotenhafen (heute Gdynia) arbeitete er zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin und Malerin Gretl Kratz-Hanow. | Yvette Deseyve