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Objekttyp: Torso einer Tonfigur
Ethnologisches Museum
Torso einer großen, anthropomorphen Figur. Die weibliche Skulptur besitzt einen übergroßen Kopf und legt wahrscheinlich beide Hände auf ihre fragmentierten Oberschenkel. Am Hinterkopf befindet sich eine schmale, vertikale Öffnung. Das Objekt wurde geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind stark erodiert. Die Keramik besitzt eine weiß-gelbliche Grundfarbe, die schwarz-braun und rot-orange bemalt ist. Das Gesicht der weiblichen Figur wurde mit vertikalen, schwarzen Streifen verziert. Auf Brust und Rücken befindet sich ein großes Andreaskreuz. Die Skulptur trägt ein gepunktetes Stirnband, Ohrringe und einen Zopf. Körperhaltung und Gestik sowie die Gestaltung der Augen und Augenbrauen verweisen auf die Gruppe Papagayo Policromo, variedad Mandador (1350-800d.C.). Ferrero (1975) und Healy (1980) weisen auf sitzende und stehende anthropomorphe Figuren hin, die einen offenen oder geschlossenen Kopfschmuck tragen können. Symbolische Bedeutung: Stevenson-Day (1997) interpretiert die weiblichen Skulpturen der Gruppe Papagayo Policromo als Schamanen. Die oköm der historischen bribri bemalten anläßlich der von ihnen geleiteten Bestattungszeremonien Brust und Arme mit Kreuzen, die zur Abwehr transzendenter Wesen dienen sollten (Bozzoli de Wille 1979, 1982). Kulturelle Bedeutung: der Typ Papagayo Policromo steht in der Region Gran-Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß. Die Variante ist sowohl aus Bestattungen als auch aus Siedlungskontexten bekannt. Sie tritt in der Region Rivas bereits in der ersten Hälfte des Policromo Medio (1000-800d.C.) auf. In Guanacaste zeigt die Gruppe dagegen die zweite Hälfte des Policromo Medio (1350-1000d.C.) an. Ihre Keramiken dienten als überregionale Handelsware, die bis ins zentrale Mesoamerika gelangte. Die anthropomorphen Skulpturen der Papagayo-Gruppe besitzen einen größeren darstellerischen Realismus als die zeitgleichen Figuren der Mora-Gruppe. Obwohl nach Navarro (1996: 95) vom Fundort Punta de las Figuras (Guabillo) nur Keramik aus dem Policromo Tardío (1520-1350d.C.) bekannt ist, verweist die realistische Gestaltung der Skulptur auf das Policromo Medio (1350-800d.C.). Längsgestreifte Gesichtsdarstellungen sind sowohl aus der Codex Borgia-Gruppe als auch von der Keramik des Typs Pataky Policromo, variedad leyenda (1350-800d.C.) bekannt. Anthropomorphe Figuren, die auf der Brust ein Andreaskreuz besitzen, tauchen bereits in der Gruppe Galo Policromo, variedad figura (800-500d.C.) auf. Das Objekt stammt aus einem Gräberfeld, das aus etwa 30 Tumuli bestand. (Künne 2004)
Ethnologisches Museum
Hohler Tontorso einer platt aufsitzenden nackten Figur. Beide Oberschenkel halb amputiert, auf dem linken der linke Arm handlos aufruhend. Bauch nur links soviel um der Brust erhalten, daß der Arm gerade noch ansitzt. Geschlechtsmerkmale fehlen.
Ethnologisches Museum
Hohle, anthropo-zoomorphe Figur mit einem übergroßen, abgeflachten Kopf. Die kleine, sitzende Skulptur besitzt einen planen Boden und hat am Hinterkopf eine runde Öffnung. Am Kopfansatz befindet sich eine bandförmige Öse, die zur Aufhängung diente. Das Objekt wurde geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind sehr stark erodiert. Die Arme und Beine der Figur sind vollständig fragmentiert. Das Objekt hat eine weiß-bräunliche Grundfarbe, die schwarz und rot bemalt ist. Es besitzt einen abgeflachten, zoomorphen Kopf, der mit schwarzen Punkten und Ovalen verziert wurde. Sie scheinen die Fellzeichnung eines Feliden zu imitieren. Die stark akzentuierten Nasenlöcher und eine rote Mundmaske verstärken den raubkatzenähnlichen Charakter des dargestellten Wesens. Die aufrechte Körperhaltung der sitzenden Gestalt legt dagegen eine anthropomorphe Natur der Skulptur nahe. Symbolische Bedeutung: Stevenson-Day (1997) interpretiert die weiblichen Skulpturen der Mora-Gruppe als Schamanen. Nach Lothrop 1926: highland polychrome ware. Kulturelle Bedeutung: die Keramik der Mora-Gruppe wurde im Nordwesten von Costa Rica hergestellt und nach dem Zentralen Hochland und der Atlantikregion des Landes gehandelt. Sie verwendet gestalterische Elemente (sitzende anthropomorphe Figuren mit Kopfschmuck, Matten-Motiv, Kan-Kreuz), die auch aus der Maya-Keramik (Copador-Gruppe) des Clásico Tardío (900-600d.C.) bekannt sind. Die anthropomorphen Figuren der Mora Gruppe zeigen im Vergleich zu den anthropomorphen Skulpturen der zoniert zweifarbigen Keramik (Rosales Esgrafiado) und des Policromo Antiguo (Gruppe Galo Policromo) einen größeren darstellerischen Schematismus. Von der Isla Chira stammten ursprünglich 168 Objekte, die zur archäologischen Sammlung W.Lehmann zählten. (Künne 2004)
Ethnologisches Museum
Torso einer hohlen, anthropomorphen Skulptur. Die weibliche (?) Gestalt besitzt am Hals zwei gegenständige Öffnungen, die zur Aufhängung dienten. Die Figur scheint einen Kopfschmuck zu tragen, der aus einem Noppenband besteht. Ihre Mundpartie wird durch Stichpunkte markiert, die eine horizontale Reihe bilden. Die Außenseite des fragmentierten Objekts ist geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind partiell erodiert. Die Keramik besitzt eine weiß-gelblicher Grundfarbe, die rot und schwarz bemalt wurde. Gesicht, Schulter und Brust zeigen eine aufwendige Körperbemalung an. Die Skulptur besitzt swastikaähnliche Augenringe und große, runde Scheiben, die den ganzen Torso verzieren. Am Haaransatz verläuft ein Noppenband, das im Nacken zwei vertikale Strähnen bildet. Ferrero (1975) und Healy (1980) weisen auf sitzende und stehende anthropomorphe Figuren hin, die einen offenen oder geschlossenen Kopfschmuck tragen können. Symbolische Bedeutung: Stevenson-Day (1997) versteht ähnliche Skulpturen der Variante Mandador als weibliche Schamanen. Der noppenförmige Kopfschmuck der inventarisierten Figur scheint auf echsenähnliche Attribute hinzuweisen. Nach Bransford 1881: Sta. Helena ware. Nach Lothrop 1926: Nicoya polychrome ware. Kulturelle Bedeutung: die Objekte der Gruppe Papagayo Policromo stehen in der Region Gran-Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß. Die anthropomorphen Skulpturen der Papagayo-Gruppe besitzen einen größeren darstellerischen Realismus als die zeitgleichen Figuren der Mora-Gruppe. Die Variante Culebra gilt als diagnostischer Anzeiger für die erste Hälfte des Policromo Medio (1350-800d.C.). Ihre Keramiken dienten als überregionale Handelsware. (Künne 2004)