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Objekttyp: Tragaltar
Tragaltar mit Engeln und Cherubim
Kunstgewerbemuseum
Der Altarstein aus grünem Porphyr ist außergewöhnlich klein geschnitten und bietet kaum Platz für einen kleinen Kelch und eine kleine Patene. Zwei ganzfigurige Darstellungen von Cherubim mit jeweils vier Flügeln stehen zu Seiten des Altarsteins. Eine Reihe von sechzehn Engeln als Halbfiguren rahmen das Ganze ein. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Gestik. Die Engelschar ist auf vier Kupferplatten verteilt, die in den Gravuren deutliche Unterschiede aufweisen. An den Wandungen sind Christus, die zwölf Apostel sowie die Propheten Elias, Elisäus und Henoch, alle auf blockförmigen Thronen sitzend, dargestellt. Christus erscheint in der Mitte der rechten Schmalseite, woraus sich eine unterschiedliche Orientierung von Deckplatte und Wandung des Tragaltars ergibt. Der Tragaltar steht auf vier Drachenfüßen. Eine Besonderheit ist die Anbringung von vier Ringen an der Unterseite der Bodenplatte. Ob sie je eine praktische Funktion hatten, bleibt unbekannt. Ihre ideelle Bedeutung liegt in der Bildung einer Parallele zur Bundeslade des Alten Testamentes, für die Gott selbst solcherart Ringe zum Tragen der Lade bestimmt hatte (Ex 25,12). Die beiden Inschriften des Berliner Tragaltares erklären das Bildprogramm und geben Auskunft über seine theologische Bedeutung. Die erste umrahmt, beginnend in der Mitte der linken Seite, die gesamte Deckplatte mit den Worten: + CHERVBIN QVOQ[V]E ET SERAPHIM SANCT[V]S PROCLAMANT ET OMNIS CELICVS ORDO DICENS TE DECET LAVS ET HONOR DOMINE (Cherubim auch und Seraphim verkündigen laut das Heilig und jede himmlische Ordo, indem er sagt: Dir gebührt Lob und Ehre, o Herr). Das Thema wird fortgesetzt in der zweiten Inschrift in Grubenschmelz, die an den Stirnseiten der Deckplatte umläuft: IN OMNEM TERRAM EXIVIT SONVS EORVM ET INFINES ORBIS TERRE VERBA EORVAA MM (Auf die gesamte Erde hinaus ging ihr Klang und bis an die Grenzen des Erdkreises [reichten] ihre Worte). Die biblischen Quellen für die Inschriften finden sich in der Vision des Jesaja (Jes 6,3) und in der Apokalypse des Johannes (Offb 5,11-13). HM/LL
Tafelförmiger Tragaltar aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Der Altarstein aus weißem Marmor ist in eine schlichte Tafel aus Eichenholz eingelegt. Ein Metallbeschlag war niemals vorhanden. Vielmehr ist das Holz an der Oberseite und an den Kanten rot gefasst. Die Farbe ist über einem nur teilweise erhaltenen Kreidegrund in mindestens zwei Schichten aufgetragen, wobei ein dunkleres Rot über einer beschädigten ersten (?) hellroten Fassung liegt. Es existiert bislang noch keine Pigment- und Bindemittelanalyse. Die Altarplatte wurde durch vier offenbar nachträglich über Eck angebrachte schmale Messingbleche fixiert, von denen nur zwei erhalten sind. Das Reliquiensepulchrum des Portatile ist von der Unterseite aus zugänglich und durch eine aufgenagelte geschmiedete Eisenplatte verschlossen. Wie bei dem tafelförmigen Tragaltar Inv. Nr. W 27 gibt es keinerlei stilistische Hinweise auf die Entstehungszeit des Werkes. Eine dendrochronologische Altersbestimmung des Holzes ist wegen der fast vollflächige erhaltenen Farbfassung an den seitlichen Schnittflächen problematisch. Das queroblonge Format des Altarsteins sowie die Proportionen der an den Lang- und Schmalseiten unterschiedlich breiten Ränder der Holztafel verweisen unter morphologischem Aspekt auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe weitgehend schmuckloser tafelförmiger Tragaltäre im Kopenhagener Nationalmuseum, im Damenstift Isenhagen, in der Benediktinerabtei Michaelbeuern und im Diözesanmuseum Brixen, die in das 11. bis 13. Jahrhundert datiert wird. LL
Tafelförmiger Tragaltar aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Der an seiner Oberfläche nur wenig geglättete Altarstein ist in eine schlichte Tafel aus Zedernholz eingelegt. Ein Metallbeschlag war niemals vorhanden. Sowohl die exotische Holzart als auch die Aufschrift „De petra super qua(m) natus est xpx“ (Vom Fels, über dem Christus geboren ist) an einer der langen Kanten lassen vermuten, dass der Tragaltar in Palästina (Bethlehem) entstanden sein könnte. Der mit Tinte aufgebrachte Text hat unterschiedliche paläographische Bewertungen erfahren, zuletzt ist er als „frühgotische Buchschrift“ angesprochen worden. Das vollkommen schmucklose Portatile zeigt keine mit stilkritischen Mitteln datierbaren Formen. Da die Holztafel nachträglich an beiden Schmalseiten beschnitten worden ist, ergeben sich aus den jetzigen Proportionen auch keine morphologischen Hinweise die Entstehungszeit des Werkes. Eine – wohl Erfolg versprechende – dendrochronologische Untersuchung ist bislang noch nicht erfolgt. Die traditionelle Datierung des Tragaltars in das 12. Jahrhundert beruht vor allem auf der hypothetischen Annahme, Heinrich der Löwe habe dieses vielleicht aus dem Braunschweiger St. Cyriakusstift in den Welfenschatz gelangte Werk 1172/73 von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land mitgebracht. Der nachträglich an beiden Schmalseiten beschnittene Altar scheint in seinem Inneren kein gesondertes Sepulchrum für Reliquien zu besitzen. Es war in diesem Fall wohl entbehrlich, weil der angeblich vom Geburtsort Christi stammende Altarstein selbst als Herrenreliquie die Funktion einer Altarreliquie erfüllt. LL
Tragaltar des Adelvoldus aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Auf der silbernen Einfassung des Altarsteins befindet sich folgende umlaufende niellierte Inschrift: + HVNC LAPIDEM / CONSECRATVM DE/DIT ADELVOLDVS PR/EPOSITVS S(AN)C(T)O BLASIO (Diesen geweihten Stein gab Propst Adelvoldus dem hl. Blasius). Vom Todesjahr des Stifters Adelvoldus († 1100), des ersten namentlich bekannten Propstes des Braunschweiger Burgstiftes, kann eine gesicherte Datierung des Tragaltars in das ausgehende 11. Jahrhundert abgeleitet werden. Die Formulierung der Inschrift verdeutlicht die für Stiftungen dieser Art im Mittelalter charakteristische Praxis, die Gabe im Grunde nicht einer bestimmten Kirche als Institution, sondern ihrem Patronatsheiligem persönlich zu widmen. Von Adelvoldus, der auch Atheloldus oder Adeloldus genannt wird, erfahren wir, dass er mehr als 50 Bücher für das Stift beschafft und für das Kapitel umfangreichen Grundbesitz erworben hat. Der annähernd quadratische Tragaltar des Adelvoldus ist das einzige erhaltene Exemplar eines Portatile, dessen Seitenwände mit Steinplatten, mit gebräuntem Alabaster, besetzt sind. Gemeinsam mit den acht in Silber getriebenen Darstellungen von übergiebelten oder überkuppelten Torgebäuden an den Ecken kommt den steinernen Seitenwänden vermutlich auch eine bildhafte Bedeutung zu. Sie wurden als symbolisches Abbild des Himmlischen Jerusalem angesehen, wie es im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, auch wenn die Zahl der Tore nicht übereinstimmt: „Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren […, sie] war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit [… und] ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut“ (Apk 21, 12–18). LL
Tragaltar mit Bergkristallsäulen aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Die Einfassung des Altarsteins zeigt an den Ecken der Mensaplatte in Doppelkreismedaillons die niellierten Figuren der Evangelisten als Schreiber. Sie halten Rohrfeder und Spitzmesser in Händen und sitzen hinter einer Schreibplatte, auf der ein Tintenfass steht. Seitlich zu ihrer Linken erscheint jeweils ein Buchpult. Die Darstellungen sind allein in Folge der Kopfwendungen der Figuren zum Altarstein hin sowie durch die am oberen Bildrand erscheinenden Köpfe der geflügelten Evangelistensymbole differenziert. Bemerkenswert ist das Vorkommen von flächigem Niello an dem die Mensaplatte umlaufenden Rankenstreifen. Es handelt sich um eines der ältesten erhaltenen Beispiele dieser Technik, bei der nicht wie üblich die gravierte grafische Darstellung oder die Buchstaben eines Textes nielliert wurden, sondern deren Hintergrund. Ohne Beispiel unter den erhaltenen Tragaltären des Mittelalters ist die Gliederung der Seiten durch geschliffene und mit blauen Folien hinterlegte Säulen aus Bergkristall, die durch kapselartige Basen und Kapitelle befestigt sind. Dazwischen befinden sich 16 in Silberblech getriebene Darstellungen von thronenden männlichen Figuren. In der Mitte der Vorderseite erscheint Christus, er überreicht Petrus zu seiner Rechten die mit dem Monogramm PE(T)R(VS) bezeichneten Schlüssel und Paulus zu seiner Linken ein geöffnetes Buch. Auf diese Szene der Traditio legis, der Gesetzesübergabe an die Apostelfürsten, folgen zu beiden Seiten die Figuren der übrigen zehn Apostel. Unklar blieb bislang die Bedeutung der zentralen Figurengruppe an der Rückseite. LL
Tragaltar mit getriebenen Silberfiguren aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Der durch Deformierungen, Fehlstellen und grobe Reparaturen stark beeinträchtigte Tragaltar zählt zum Typus der kastenförmigen Portatile, von dem 22 überkommene Exemplare bekannt sind. Seine Langseiten zeigen in Silberblech getriebene Reliefdarstellungen stehender Apostel. An einer Seite sind nur zwei der ursprünglich jeweils fünf Figuren erhalten. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus erscheinen an einer der Schmalwände zu Seiten Christi, der als Weltenrichter auf dem Erdkreis thront. Damit ist die längs gerichtete Orientierung des Tragaltars bestimmt. An der gegenüberliegenden Seite ist allein eine weiblichen Figur mit einem Deckelgefäß in der Linken erhalten, sie war Teil einer Darstellung der Frauen am Grabe. Die ebenfalls fragmentarische niellierte Inschrift auf der silbernen Einfassung des Altarsteins beginnt, der ikonographisch vorgegebenen Orientierung des Tragaltars entsprechend, in der Mitte über der Schmalseite mit den Frauen am Grabe: + DEXTRA / [SACERDO]TIS COMM[ENDAT] [MV]/NERA VOTIS + Q(VO)D DA[TVR / H]OC LAPIDE DE PANE FI[T HOSTIA] / VITAE (Die Rechte des Priesters übergibt die Gaben durch Gebete. Was auf diesem Stein dargebracht wird, wird aus Brot zur Hostie des Lebens). Die Bodenplatte zeigt das Lamm Gottes, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Die ursprünglichen bronzenen Füße des Tragaltars sind im Zuge eines nachweisbaren Umbaus seines Öffnungsmechanismus offenbar bereits im Mittelalter demontiert worden. LL
Tragaltar mit den Kardinaltugenden aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
Zu Seiten des runden Altarsteins, der von einem vergoldeten Kupferrahmen mit einer Palmettenbordüre und den gravierten Symbolen der Evangelisten eingefasst wird, befinden sich an den Schmalseiten der Mensaplatte die namentlich bezeichneten Personifikationen der vier Kardinaltugenden: PRVDENCIA, die Klugheit, mit einer Taube vor einer Scheibe, TEMPERANCIA, die Mäßigkeit, mischt Wasser mit Wein, FORTITVDO, die Tapferkeit, ist mit Schild und Lanze gerüstet, und IVSTICIA, die Gerechtigkeit, eine Waage haltend. Die Darstellungen sind in Vollschmelz, einem sowohl die Figur wie den Hintergrund flächig ausfüllenden Grubenschmelz, ausgeführt. Bei den Beschlägen an den Wandungen sind die Hintergründe dagegen nach Kölner Tradition alternierend mit blauen und grünen Rahmen und Füllungen ausgeschmolzen, während bei den Figuren nur die gravierte Binnenzeichnung emailliert wurde und dazwischen das vergoldete Kupfer erscheint. Die Vorderseite zeigt eine Darstellung der Deësis, des am jüngsten Tag zu Gericht sitzenden Christus, der von Maria und Johannes dem Täufer flankiert wird. Es folgen die Apostelfürsten Petrus links und Paulus rechts, denen sich das weitere Apostelkollegium anschließt. An der Rückseite des Tragaltars erscheint die thronende Muttergottes in der byzantinischen Bildform der Glykophilusa; Maria und Jesus schmiegen die Köpfe aneinander und der Christusknabe umfasst die Schulter der Mutter. Links und rechts folgen Darstellungen der durch Namensbeischriften bezeichneten Evangelisten LVCAS, MATEVS, IOHANES und MARCVS. LL
Tragaltar des Eilbertus aus dem Welfenschatz
Kunstgewerbemuseum
+ EILBERTVS COLONIENSIS ME FECIT (der Kölner Eilbertus hat mich geschaffen), verkündet stolz eine Inschrift an der Bodenplatte dieses Hauptwerks romanischer Schatzkunst. In höchster technischer Virtuosität und künstlerischer Reife wurden am Tragaltar des Eilbertus die verschiedenen Möglichkeiten des Kupferschmelzes zur Umsetzung eines umfassenden theologischen Bildprogramms genutzt. An den Wandungen erscheinen zwischen Pilastern Darstellungen von Propheten mit ihren Weissagungen. Sie dienen gleichsam als alttestamentliche Stützen des Altars. Diesen typologischen Sinn erläutern die Verse an den Kanten der Mensa + DOCTRINA PLENI FIDEI PATRES / DVODENI + TESTANTV/R FICTA NON ESSE PROPHETICA DI/CTA + (Die zwölf Väter [Apostel], voll der Lehre des Glaubens, bezeugen, dass die prophetischen Reden nicht erfunden sind) und an der Bodenplatte + CELITVS AFFLATI DE CRISTO VA/TICINATI + HI PRE/DIXERVNT QVE POST VENTVRA FVE/RVNT + (Die vom Himmel her Inspirierten [Propheten] sagten das über Christus voraus, was danach noch bevorstand). Auf der Mensaplatte befinden sich seitlich je vier Szenen aus dem Heilsgeschehen: links Verkündigung an Maria, Heimsuchung, Geburt Christi und Darbringung im Tempel, rechts Kreuzigung, Frauen am Grabe, Christus in der Vorhölle und Himmelfahrt. Die zwölf Apostel, deren Schriftbänder jeweils einen Artikel des Credo – des Glaubensbekenntnisses – enthalten, umgeben den Altarstein aus Bergkristall, unter dem eine Miniaturmalerei sichtbar ist, die Christus als Weltenrichter mit den Symbolen der vier Evangelisten zeigt. LL