3 Ergebnisse
Objekttyp: Walmdachkasten
Elfenbeinkästchen mit Innenauskleidung
Kunstgewerbemuseum
Das Kästchen zählt zu einer größere Gruppe von Behältnissen aus Elfenbein, deren Oberflächen nicht beschnitzt sind und die durch vergoldete Kupferbeschläge mit lanzettförmigen Enden zusammengehalten werden. Vermutlich entstanden diese Kästchen und Pyxiden im ausgehenden 12. und frühen 13. Jahrhundert in arabischen Werkstätten auf Sizilien. Viele von ihnen, ehemals vermutlich auch das hier vorgestllte Kästchen,besitzen vegetabile und figürliche Bemalungen, die in Schwarz und Gold ausgeführt sind und offenkundig in islamischen Traditionen stehen. Derartige Elfenbeinkästchen wurden ursprünglich als edle Behältnisse für profane Verwendungszwecke gefertigt. Sie fanden seit dem 12. Jahrhundert vermutlich vor allem wegen ihres raren Materials und ihrer exotischen Herkunft vielfach Eingang in west- und mitteleuropäische Kirchenschätze, wo sie dann häufig als Reliquienbehälter dienten.
Minnekästchen
Kunstgewerbemuseum
Auf Vorder- und Rückseite des Deckels in Form eines Walmdaches erscheinen einander zugewandte Paare in der modischen Kleidung des ausgehenden 14. Jahrhunderts mit Spruchbändern, deren Texte auf die Liebe bezogen sind: "hilf mir / Lieb hilf Lieb" und "ich har / ich boch" ("ich harre, ich trotze"). Neben ihnen Hunde (als Treuesymbol) und Fabeltiere, umrahmt von stilisierten Pflanzen und Blüten. An den Stirnseiten in Rundbildern eine Frauenfigur mit gleichlautender Devise, auf der Gegenseite ein Pelikan mit seinen Jungen (Sinnbild für opferbereite Liebe). Unter dem Griff steht das Wort "Liebe". Als Rahmungen sind Schachbrett-Zinnenfriese und Blüten verwendet. Auf der Vorderseite des Kastens befindet sich eine symbolisch zu deutende Jagdszene: Wild und Einhorn werden gejagt von einem Hund und einem vogelartigen Fabelwesen. In der höfischen Minnesymbolik des späten Mittelalters war die Einhornjagd ein beliebtes Thema. Die farblich besonders gut erhaltene Rückseite trägt wieder die Aufschrift "Lieb hilf Lieb", ihre Flächen sind gefüllt mit Blattwerk und Blüten, umrandet von Tremolierstichen. An den Schmalseiten finden sich Medaillons mit einer weiblichen Halbfigur und Spruchband sowie die Darstellung eines Fuchses in Mönchskleidung, der Gänsen predigt. Diese, der Fabel entlehnte Gruppe, ist in moralisierender Absicht, als Warnung vor dem Verführer zu verstehen. EM
Minnekästchen
Kunstgewerbemuseum
Der Kasten ist ein besonders reizvolles Exemplar der persönlichen Präsentkästchen im höfisch-eleganten Stil des ausgehenden 14. Jahrhunderts. In der Reihe einiger verwandter Kästchen, die der gleichen französischen Werkstatt entstammen, steht eines im Victoria & Albert Museum London als Vergleichsstück am nächsten (Gall 1965, Abb. 53). Das Leder wurde einem Holzkasten mit Walmdach-Deckel aufgezogen. Die gravierten Messingbeschläge tragen auf der Vorderseite des Deckels die Inschrift "bien-me-va". Der Verlauf ihrer Bänder bildet die Einteilung für einzelne Felder mit miniaturhaften Bildern. Ihre figürlichen und floralen Motive sind nach lockerer Vorzeichnung getrieben, geschnitten und punziert. Auf der Fläche des Firstes stehen sich zwei vornehme Paare gegenüber, in Nischen und unter Spitzbogenbaldachinen sind sie durch Haltung und Gestik einander verbunden. Sie heben sich in flachem Relief und mit deutlichem Umriß und Binnenzeichnungen von einem fein punzierten Hintergrund ab. Auf den abgeschrägten Deckelseiten bilden Büsten eines jungen und älteren Paares jeweils die Mitte. Den Kasten schmücken Paare, umrahmt von zarten Pflanzen. Sie stehen oder sitzen in gezierter Haltung mit Herzen und Spiegeln in den Händen als Attribute der Liebe und Eitelkeit. Mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen "P" und "M" wurden auf der Rückseite des Kästchens Auftraggeber und Beschenkte verewigt. EM