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Objekttyp: Wappen
Schnitzwerk des Totenschilds für Wilhelm II. von Wolfstein zu Niedersulzbürg (1453-1518) aus Seligenporten (?)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um das ursprünglich wohl auf einer runden Scheibe mit umlaufender Inschrift applizierte und heute auf einer vermutlich im 19. Jahrhundert erneuerten Rückwand aufgebrachte Schnitzwerk. Auf einem leicht gewölbten und unten gerundeten Wappenschild schreiten auf vergoldetem Grund zwei reliefierte rote Löwen (nun eindeutig keine Leoparden mehr) nach rechts, entgegen der eigentlichen Schreitrichtung der Wolfstein-Löwen. Auf dem Wappenschild stehen zwei frontal ausgerichtete – und nicht einander zugeneigte, wie bei den späteren Wolfstein-Wappen in Pyrbaum – vergoldete heraldische Bügelhelme, wie sie im ausgehenden Mittelalter beim Adel üblich waren. Über dem linken Helm erhebt sich frontal ein schwarzer Wolf, in seinem Maul ein dunkles Schaf. Die rechte, aufwendigere Helmzier zeigt einen über goldener Krone und zwischen schwarzen Geierflügeln mit goldenen Lindenblättern emporwachsenden Löwen (vergoldet), der selbst gekrönt ist. Seitlich erstreckt sich die Helmdecke in Gestalt von stark verschlungenen Ranken (außen vergoldet, innen schwarz), die aus den Helmen bzw. der Zier herauszuwachsen scheinen. Mehrere Gründe sprechen für eine Identifizierung des Schilds als das für Wilhelm II., des Initiators des Schlossbaus in Pyrbaum, der 1476 gemeinsam mit Herzog Albrecht von Sachsen und dem Grafen Wilhelm von Henneberg eine Pilgerreise nach Jerusalem unternahm und mit Margarete von Stein zu Jettingen verheiratet war. Eine Beschreibung aus dem Jahr 1728 zitiert die Umschrift auf dem damals noch erhaltenen Schildgrund: „Ao. MDXVIII. Am Palmabend / do starb der edel und gestreng Ritter Herr Wilhelm von Wolfstein“. Da der Schild gemeinsam mit dem sicher aus Seligenporten stammenden für Hans I. (siehe AE 260) angekauft wurde, liegt es nahe, dieselbe Herkunft anzunehmen. Von den 1728 in der Kirche erwähnten Schilden kommt aus stilistischen Gründen einzig der Wilhelms II. infrage. Der noch in Seligenporten vorhandene für Hans II. († 1495) besitzt lediglich ein aufgelegtes, gemaltes Wappen, was auch für den verschwundenen für Christoph von Wolfstein zu Niedersulzbürg († 1494) vermutet werden kann. Ähnlich aufwendige Schnitzereien mit zu Ranken stilisierten Helmdecken zeigen erst die Totenschilde in der seit 1519 errichteten Pfarrkirche von Pyrbaum, deren ältester das des Hans von Wolfstein, Freiherr zu Obersulzbürg († 1558), ist. Zudem tauchen die doppelten Wappenhelme mit Wolf und gekröntem Löwen zwischen schwarzen Geierflügeln, die mit goldenen Lindenblättern übersät sind, auch in Siegeln erst Anfang des 16. Jahrhunderts auf. Dass unser Schnitzwerk aber nicht aus der zweiten Familiengrablege in Pyrbaum stammt, sondern vor 1522 für Seligenporten entstanden sein muss, macht ein historischer Umstand wahrscheinlich: In diesem Jahr war das Geschlecht von Kaiser Karl V. in den Reichsfreiherrenstand erhoben worden und hatte den Wappenschild erneut und nun geringfügig verändert. Der Wolf wird nun mit Halsband und das Gefieder mit Kleeblättern bestreut dargestellt. Beides ist bei unserem Schild noch nicht zu finden. Eine Entstehung direkt nach dem Tod Wilhelms II. 1518 ist daher am wahrscheinlichsten. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)
Totenschild für Walter Haug d. J. (+1380) aus der Nürnberger Sebalduskirche
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der runde Schild zeigt in der Mitte einen einfarbigen Grund (ursprünglich blau) und am Rand einen relativ schmalen, durch plastische Bänder jeweils außen und innen abgesetzten Streifen mit Umschrift. Appliziert wurde das weit in den unteren Randstreifen hineinragende, unten spitz zulaufende, schräg gestellte Wappen der Haug, eine – hier plastisch ausgebildete – liegende Mondsichel auf nachträglich ornamental gestaltetem Hintergrund. Auf der hochstehenden Wappenecke sitzen ein Topfhelm und als Helmzier bzw. Helmkleinod die plastische Büste eines jungen bärtigen Mannes mit langem gelockten Haar und mützenartiger Kopfbedeckung – beide nach halb links gewandt. Der Hals des Mannes geht in die weit ausgespannte lederne Helmdecke mit gezaddeltem Rand über. Die Umschrift in gotischen Minuskeln lautet: „von crist gepurt • m • ccc • lxxx • jar an sant petrus tag ketenveir [Petri Kettenfeier, 1. August] do starb walter hug der ivnger“. Walter Haug d. J. war eines der frühen in den Quellen greifbaren Mitglieder der Nürnberger Familie, die im 15. Jahrhundert größere Bedeutung erlangte; danach hatte Jobst Haug 1422 das einzige in Nürnberg erhaltene Turmhaus, das sogenannte Nassauerhaus gegenüber der Lorenzkirchenfassade, besessen. Walter Haug d. J. wurde 1360 und 1369–80 im „Genanntenbuch des Größeren Rats“ der Stadt gelistet. Die Familie gehörte damals also zwar nicht zum ratsfähigen Patriziat, aber immerhin zu der wichtigen Schicht der ebenfalls ehrbaren gerichtsfähigen Familien, aus denen sich seit dem frühen 14. Jahrhundert die Mitglieder des sogenannten Rats der Genannten (oder Großen Rats) rekrutierten. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)
Totenschild für Wilhelm I. von Wolfstein zu Obersulzbürg (+1448)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der runde, ungewölbte Schild zeigt in der Mitte keinen eingeschriebenen Wappenschild, sondern das Wolfsteiner Wappenmotiv – zwei nach links schreitende rote, hier schwarz geränderte Löwen bzw. Leoparden – frei auf blauem Grund. Das Umschriftband wird außen von einem starken und gedrehten, innen von einem schwächeren aufgelegten Seil gerahmt, beide in der heutigen Fassung Gold auf rotem Poliment. Auf blauem Grund erscheinen gleichwohl polimentvergoldete und schwarz geränderte Minuskeln: „anno • domini • ccccxliiii • jare • an • dem • heiligen • paulstage • starb • der • edel • gestrenge Ritter • Wilhelm • von • Wolfstein • dem • got • gnad“. Das Todesdatum (29. Juni 1444) stimmt nicht überein mit den im Totenbuch des Klosters Seligenporten und in der Inschrift auf dem in Nürnberg befindlichen Schild für Wilhelm genannten Angaben (15. Juni 1448). Da aber – infolge der guten Überlieferung lässt sich dies einigermaßen sicher sagen – kein weiterer Wilhelm der Sulzbürger oder Allersberger Linie der Wolfsteiner in diesem Zeitraum infrage kommt, müssen wir vorläufig davon ausgehen, dass es sich um einen zweiten Schild für denselben Wilhelm handelt. Die irrtümliche Angabe des Todesdatums könnte auf eine spätere Entstehungszeit des Schilds oder einen Schreibfehler zurückgehen, wenn sie nicht erst durch einen Irrtum des Erneuerers der Fassung in vermutlich nachmittelalterlicher Zeit zustande gekommen ist. Wilhelm I. von Wolfstein zu Obersulzbürg, jüngerer Bruder des Hans I. und vermutlich in den späten 1380er-Jahren als dritter Sohn des Stephan und der Margarete Geyling geboren, zählte zu den politisch interessanten Männern seiner Familie. Er tauchte eine Zeit lang am Hof Herzog Ludwigs des Bärtigen von Bayern-Ingolstadt auf und begleitete diesen nach Frankreich und auf das Konstanzer Konzil. Er ist als Vorsitzender der Landgerichte Sulzbach (1417) und Hirschberg (1430–33) sowie als Bürgermeister von Regensburg (1425) bezeugt und zählte zu den Räten des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg sowie Christophs von Pfalz-Neumarkt, ab 1440 König von Dänemark, 1441 von Schweden und 1442 von Norwegen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)
Totenschild für Hans I. von Wolfstein zu Obersulzbürg (+ 1420) aus der Zisterzienserinnen-Klosterkirche Seligenporten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Es handelt sich um einen runden, mit der Zeit konvex verformten Totenschild ohne Applikationen. Die übermalte, farblich gegenüber der Originalfassung zum Teil stark veränderte Bildseite zeigt in der Mitte auf blauem Grund das ganz leicht schräg gestellte Wappen der Sulzbürg-Wolfsteiner: zwei nach links gerichtete rote Löwen oder Leoparden auf goldenem Grund. Rätselhaft bleibt, weshalb die Tiere abweichend von dieser auch sonst für das Wolfsteiner Wappen überlieferten Farbe hier ursprünglich nur durch Konturen von dem ehemals goldfarben erscheinenden (gelber Überzug auf Blattsilber) Grund abgesetzt waren. Das Wappen hatte sich aus dem Emblem der Herrschaft Sulzbürg (zwei schreitende rote Leoparden), seit dem frühen 13. Jahrhundert Stammsitz der Wolfsteiner, entwickelt und etwa in dieser Zeit das alte Familienwappen des Wolfs verdrängt. Aufgrund der unten gespitzten Form des Wappens ist auf diesem Schild nur der obere Löwe oder Leopard schreitend, der untere hingegen steigend dargestellt. Die geränderte Umschrift in goldenen Minuskeln auf schwarzem Grund lautet: „anno • domini • m • cccc • vnd • im • xx • iar • am • oberstentag [6. Januar] • zu • nacht • do • starb • herr • hans • von • wolfstain“. Ursprünglich befand sich der Schild in der 1242 gegründeten Zisterzienserinnen-Klosterkirche Seligenporten westlich von Neumarkt in der Oberpfalz, Hauskloster und Grablege des Ministerialen- und späteren Reichsfreiherrn-Geschlechts von Sulzbürg-Wolfstein. Hans I. von Wolfstein war der älteste Sohn des ebenfalls in Seligenporten bestatteten Stephan († 1402), dessen Totenschild noch in der ehemaligen Klosterkirche hängt, und der Margarete Geyling. Er dürfte kurz nach deren Heirat 1381 geboren sein und ist anlässlich eines Rechtsstreits 1403 urkundlich bezeugt. Er wurde auch im Totenbuch des Klosters unter dem 7. Januar, einen Tag nach seinem Tod, aufgeführt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)