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Objekttyp: Zeichnung / Studie
Studienblatt mit Arm, Bein, Hand und Fuß
Kupferstichkabinett
Im wesentlichen versammelt das Blatt Detailstudien zum Arm und zur Hand des Jesus sowie Bein- und Fußstudien zum vorderen Träger auf einem der bedeutendsten Gemälde Baroccis, der »Grablegung Christi« in Senigallia. Es wurde von der dortigen Bruderschaft Sante Croce e Sagramento 1579 in Auftrag gegeben und 1582 fertiggestellt [...]. Wie auf vielen Studienzeichnungen von Barocci sind die Einzelelemente so angeordnet, daß sie eine eigene, selbständige Komposition zu ergeben scheinen. Dies mag einerseits dem auf Sparsamkeit bedachten Umgang mit Papier angerechnet werden, andererseits jedoch auch dem feinen Gespür für die effektvolle, bildmäßige Gliederung der jeweiligen Fläche. So zeigen die durchscheinenden Konturlinien des Beines, daß die diagonale Verschränkung der zuvor verstreuten Komponenten durch den Arm gesucht wurde. Die Funktion der Zeichnung läßt sich an den koloristischen Akzenten absehen. Sie bereiten sorgfältig und definitiv die Verteilung von Licht und Schatten sowie die jeweilige Intensität des Inkarnats der betreffenden Partien auf dem Gemälde vor, wobei der Zeichner den Unterschenkel zur Rechten mit farbigen Kreiden nur soweit ausarbeitete, wie er später auch zu sehen war. Ein solches, sehr ökonomisches Verfahren setzte die genaue Vorstellung der Komposition voraus. Mehr als zu jedem anderen Gemälde Baroccis haben sich Gesamtentwürfe zur »Grablegung« erhalten, etwa eine Zeichnung in Amsterdam, ein weiter fortgeschrittenes Blatt ehemals in Chatsworth, heute Getty-Museum, und ein Bozzetto in Urbino [...]. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 271-272, Kat. V.33 (mit weiterer Literatur)
Studie zweier Männer mit klassisch drapierten Gewändern
Kupferstichkabinett
In ihrer Kombination gehören der Metallstift, der eines grundierten Papiers bedarf, um Farbe abzugeben, und die mit dem Pinsel aufgetragenen Weißhöhungen zu den gebräuchlichsten Mitteln der florentinischen Zeichenpraxis des 15. Jahrhunderts. Filippino Lippi war über seine Ausbildung in der Werkstatt Sandro Botticellis, in die er 1472 eintrat, eng mit dieser Tradition verbunden. Aber durch ständige Beobachtung und Übung angetrieben, sprengte er den Rahmen, den seine Zeitgenossen mit jener fein zeichnenden Technik vorgaben, indem er dem Metallstift eine Wirkung abgewann, die ansonsten der Federskizze und der breit zeichnenden Kreide vorbehalten blieb. Das vorliegende Blatt diente dem speziellen Studium der Faltenbildung schwerer, klassisch drapierter Gewänder bei kontrapostischer Bewegung ihrer Träger. Es zeigt in hervorragender Qualität die Variationsbreite der Hand Lippis, von frei verteilten, winkelförmigen Haken über verschieden ausgerichtete Verbände von Zickzack-, Parallel- und Kreuzschraffen bis hin zu mehrfach überstrichenen, dunklen Flecken in den Faltenbrüchen. Die Weißhöhungen erfassen ebenso schnell wie präzise die Reflexlichter auf den dicken Stoffen. Giorgio Vasari, der eine Gruppe ähnlicher Studien in seinem »Libro de' Disegni« montiert hatte (Oxford, Christ Church; lnv.1339), schrieb 1568 zu Recht, daß Filippino der erste Künstler war, »der den modernen Malern den neuen Weg wies, die Bekleidung abwechslungsreicher zu gestalten und die Figuren durch antik geschürzte Gewänder auf dekorative Weise zu verschönern« (Vasari [Ed. Schorn/Förster, neu hg. v. J. Kliemann 1988] Bd. 3, S.303f.). Obwohl die Gesten und Haltungen der beiden Männer eine Begrüßungsszene andeuten, wie sie - jeweils einzeln - beispielsweise bei der »Verkündigung an Maria« oder der »Anbetung des Kindes« auftaucht, ist die Zeichnung als eine sich selbst genügende Studie anzusprechen, die sich keinem bekannten Gemälde Filippino Lippis zuordnen läßt. Das Blatt wird einhellig in die Zeit seiner ersten großen Aufträge in Florenz datiert, zu denen die Vollendung der Fresken Masaccios in der Brancacci-Kapelle (1485) und das Bild mit dem »Hl. Bernhard vor der Madonna« (1486) zählen. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 249-250, Kat. V.7 (mit weiterer Literatur)
Studienblatt mit spanischem Windspiel
Kupferstichkabinett
Dieses elegante Tier ist einem Hund im Bild „Aufbruch zur Jagd“ im Breviarium (Stundenbuch) des Kardinals Grimani (Venedig, Biblioteca Marciana) eng verwandt, für den Zuccari 1563–1564 in Venedig arbeitete. Die flämische Buchmalerei scheint den Künstler beeindruckt zu haben. So verwendete er zahlreiche Figuren daraus für die Gestaltung eines monumentalen Theatervorhangs. Dieser ist zwar nicht erhalten, aber ein modello in den Uffizien gibt uns einen Eindruck von der Darstellung: eine Jagdszene mit Reitern und Hunden. Der Vorhang wurde im Rahmen der Festlichkeiten zur Hochzeit von Francesco de’ Medici und Johanna von Österreich geschaffen für die Aufführung einer Komödie im Dezember 1565 im Salone dei Cinquecento im Palazzo Vecchio in Florenz. Unsere Zeichnung zeigt, dass Zuccari die Tiergestalt aus dem Breviarium mit zusätzlichen Studien weiterentwickelte und ergänzte. Der als Variationsstudie skizzierte Kopf des Tiers von verschiedenen Ansichten rechts unten, die in abweichenden Stellungen angedeuteten Beine und das lebhaft gefleckte Fell lassen vermuten, dass der Künstler hier ein echtes Tier studierte, um dem Vorbild aus der Buchmalerei noch größere Lebensnähe zu entlocken. Text: Dagmar Korbacher in: Wir kommen auf den Hund. Werke aus fünf Jahrhunderten von Dürer bis Dieter Roth. Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Lydia Rosía Dorn, Berlin/Petersberg 2015, S. 20.