Kopf eines Geistlichen (Fragment)
Objektbeschreibung
Dargestellt ist das Antlitz eines hohen Geistlichen, vermutlich eines Bischofs, wie man aus der kostbaren, mit Perlen bestickten goldenen Borte seiner Kasel oder seines Pluviales schließen möchte. In den zügig und routiniert angelegten Binnenformen des Gesichts sind schattige Partien, Lichter und Höhen weich aus dem rötlichen Halbton modelliert und nur gelegentlich durch einzelne Parallelschraffen oder Radierstriche stärker betont. Bezeichnend ist die ausdrucksvolle Miene mit großen eindringlich blickenden Augen, kräftiger Nase und vollen Lippen. Mit der auf Ausdrucksstärke zielenden und Portraitähnlichkeit suggerierenden Charakterisierung entspricht der Kopf einem „Trend“ der Zeit um 1500, wie ihn exemplarisch etwa die Bischöfe der Friedberger Liebfrauenkirche verkörpern.
Dem Fragment stilistisch nahe stehende Beispiele finden sich eher am Mittelrhein, vor allem in der kölnischen Tafel- und Glasmalerei. Zu nennen wären insbesondere zwei Kopffragmente im Kölner Museum Schnütgen mit ähnlichen physiognomischen Merkmalen, ebenso großen Augen und ausgeprägten Falten an Stirn, Nasenwurzel und Wangen. Ausgeführt sind sie allerdings in einer überwiegend graphische Mittel einsetzenden Technik, die sich mit ihren starken Hell-Dunkel-Kontrasten deutlich von der malerischen Wirkung des Berliner Kopfes unterscheidet.
CVMA 98743