Heiliger Eustachius
Objektbeschreibung
Dürers größter Kupferstich überhaupt ist dem Heiligen Eustachius gewidmet. Auf der Jagd begegnet der Protagonist – noch unter seinem früheren Namen Placidius – einem Hirsch mit einem hell umstrahlten Kruzifix im Geweih. Placidius vernimmt die Stimme Christi, der sagt, er sei der Herr des Lichtes und der Finsternis. Vor Schreck stürzt Placidius vom Pferd, konvertiert zum Christentum und führt fortan den Namen Eustachius. Spätere dramatische Begebenheiten von Flucht und Feindseligkeiten, denen er und seine Familie unumstößlich widerstehen, lassen ihn zum Sinnbild der Standhaftigkeit werden. Und so gehört Eustachius auch zum Kreis der vierzehn heiligen Nothelfer, die in besonderen Notlagen angerufen werden. Dürer verzichtet ganz auf dramatische Elemente. Mensch und Tier – und hier vor allem die Hunde – sind in äußerst ruhigen und geradezu idealen Posen gegeben. Dies scheint einer der Gründe für den besonderen Erfolg dieses Werkes zu sein. Die einzelnen Elemente der Szene, vor allem die Jagdhunde des adeligen Jägers, die in vielfältigen Stand- und Sitzhaltungen dargestellt sind, wurden mehrfach von anderen Künstlern kopiert und in andere kompositionelle Zusammenhänge übertragen.
Text: Michael Roth in: Wir kommen auf den Hund. Werke aus fünf Jahrhunderten von Dürer bis Dieter Roth. Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Lydia Rosía Dorn, Berlin/Petersberg 2015, S. 76.