Baumwollherstellung in der Provinz Kawauchi
Objektbeschreibung
Die Provinz Kawauchi bei Osaka gehört seit dem Mittelalter zu den wichtigen Produktionsstätten für Baumwolle in Japan. Die detaillierte Darstellung aller Stadien des Herstellungsprozesses – Pflücken der Baumwolle, Verarbeitung, Verschnüren der Pakete für den Schiffstransport, Garngewinnung, Weben – ist jedoch selten. Bekannt sind bisher vornehmlich Holzschnittbücher, in denen bestimmte Vorgänge abgebildet werden. Umso wertvoller ist dieses Werk, das offensichtlich aus der Hand eines vorzüglichen Malers des einheimischen Malstils (j. Yamato-e) stammt.
Charakteristisch für diesen Malstil sind die weichen gerundeten Konturlinien, der extensive Gebrauch von kostbaren Farbpigmenten wie Azurit-Blau und Malachit-Grün in opakem Auftrag sowie die Anwendung von Wolkenbändern als räumlichem Gliederungselement.
Zwar weist diese Querrolle auf ihrem ersten Blatt ein rundes Siegel und eine Signatur auf, die Tosa Mitsuoki als Maler benennen, aber da deren Platzierung am Anfang der Rolle überaus ungewöhnlich ist und das Siegel sonst nicht nachgewiesen werden kann, gilt die Signatur nicht als authentisch. Mitsuoki leitete von 1654 bis 1681 das Malereiamt, edokoro, am Kaiserhof in Kyoto und gilt als bedeutendster Vertreter der im vierzehnten Jahrhundert begründeten Tosa-Maltradition im 17. Jahrhundert. Tosa-Maler fertigten durchaus häufig Darstellungen von Herstellungsprozessen oder unterschiedlichen Berufsgruppen für ihre Auftraggeber aus der gesellschaftlichen Elite an. Zu dieser sozialen Verortung passt auch die Ausblendung der Härten und Mühen der Arbeit, die hier farbenfroh und mit Leichtigkeit von der Hand zu gehen scheint. Insofern ist eine Zuordnung an einen Maler im einheimischen Stil aus der Schaffenszeit Mitsuokis in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts trotz der zweifelhaften Signatur vorstellbar.